Test - Yoshi's Crafted World : Ein Traum aus Klorollen

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Nintendo hat die Häkelnadeln beiseitegelegt und für Yoshi's Crafted World eine Welt aus allem Erdenklichen geschaffen, mit dem sich basteln lässt. Der neue Plattformer ist stilsicher wie Vogue-Chefredakteurin Anna Wintour. Doch spielt er sich auch gut, oder verschwindet das Gameplay hinter einer dicken Schicht aus Pappmaché?

Fast vier Jahre hat es gedauert, bis ein Nachfolger zu Yoshi's Woolly World erscheinen sollte. Nach zahlreichen Spielstunden können wir sagen: Was für ein Müll – die Wolle ist passé, in Yoshi's Crafted World hat Nintendo alles verbastelt, was man sonst brav getrennt unterschiedlichen Tonnen zuführen würde. Und siehe da, in den richtigen Händen wird das, was des einen Müll ist, zum Schatz. Mit Joghurtbechern, Strohhalmen, zerknüllten Zeitungen, Tannenzapfen und allem, was sich irgendwie verkleben lässt, wurde eine Welt geschaffen, so kreativ, dass man seinen Hausmüll von nun an mit anderen Augen betrachten wird.

Yoshis Sammelsurium

Woraus auch immer Yoshis Welt besteht, im Kern ändert sich nichts. In den meisten Leveln hüpft ihr von A nach B und sammelt alles ein, was euch vor die Füße kommt. Yoshi ist ein Erkundungs-Jump-'n'-Run, das davon lebt, dass man jeden Winkel unter die Lupe nimmt. Natürlich könnt ihr schlicht geradewegs zum Ziel laufen, vollständig abgeschlossen ist jeder Parcours aber nur, wenn ihr mit allen Grinseblumen, roten Münzen und voller Lebensleiste auf die Zielgerade rennt.

Einiges davon ist enorm gut versteckt, manchmal direkt in den Bastelbauten, mitunter in unsichtbaren Wolken, die sich erst offenbaren, wenn ihr durch sie hindurch lauft. Auch kurze Zeitherausforderungen halten immer wieder Sammelkram bereit. Der Wiederspielwert ist auch in Crafted World nicht ohne, diesmal ist Nintendo aber noch ein Stück weiter gegangen – um nicht zu sagen: zu weit.

Yoshi's Crafted World - Story Trailer
Das Video bringt euch die Story des neuen Switch-Ablegers Yoshi's Crafted World etwas näher.

Jeder einzelne Level, Bosskämpfe ausgenommen, kann noch einmal rückwärts und von der Rückseite aus gespielt werden, um ihn nach Schnuffelwelpen abzusuchen. Zusätzlich erhaltet ihr nach Abschluss aller Level einer Welt den Auftrag, spezielle Souvenirs aufzustöbern. Hier offenbart sich eine Schattenseite des Sammelwahns, denn in jedem Level sind mehrere unterschiedliche Souvenirs versteckt. Die entsprechenden Aufträge erhaltet ihr aber erst nacheinander.

Das heißt, ihr könnt nicht mehrere Aufträge in einem Durchlauf abschließen. Auf diese Weise wird der Wiederspielwert unangenehm künstlich aufgebläht. Unverständlich, da Yoshi's Crafted World so etwas gar nicht nötig hat. Wollt ihr ein Level zu 100 Prozent abschließen, müsst ihr es, davon ausgehend, dass ihr sämtliche Blumen, Münzen und Co. im ersten Durchlauf beisammen habt, mindestens drei bis vier Mal spielen. Glücklicherweise ist es nicht erforderlich, das Ziel zu erreichen, wenn ihr auf Souvenirsuche seid. Nichtsdestotrotz weiß Crafted World Komplettisten stundenlang zu beschäftigen – und es lohnt sich, restlos alles einzusammeln.

Ist es fordernd?

Yoshi's Crafted World ist kein sadistischer Plattformer, der jeden Fehltritt bestraft – das waren die Hüpfspiele mit dem kleinen Dino noch nie. Die Herausforderung besteht im Wesentlichen darin, alles zu finden, was sich irgendwo versteckt hat – ab der Hälfte des Spiels gar nicht mal so leicht. Der Schwierigkeitsgrad zieht später zwar an, es bleibt aber stets fair.

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