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Test - Bus Bound : Test: Das GTA für Busfahrer

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Kostenloser ÖPNV, das wäre doch was Feines. Es würde mehr Menschen dazu bewegen, das Auto stehenzulassen. Es gäbe weniger Lärm in Innenstädten und - noch viel wichtiger - weniger Emissionen. Aber ach, wer soll das denn bezahlen? Das würden zumindest unsere Politiker sagen. Und so bleibt ein kostenloser öffentlicher Nahverkehr ein Traum, den uns Bus Bound vorlebt. Die Bussimulation entführt euch ins fiktive US-Städtchen Emberville, in dem Busse einen hohen Stellenwert haben - der im Spielverlauf durch euer Handeln nur noch höher wird. Und das motiviert trotz Grind-Faktor ungemein.

Ich falle aber gleich mal mit dem Bus ins Depot: Bus Bound ist kein anspruchsvoller Simulator, in dem ihr erst eine Busfahrerausbildung machen und den Sinn und Zweck jedes Knopfes im Cockpit auswendig lernen müsst. Zwar bieten die 17 unterschiedlichen amerikanischen Busmodelle der Standardversion (die Deluxe Edition bietet noch zwei Extra-Fahrzeuge) detailliert gestaltete Innenansichten, in denen ihr tatsächlich jeden Schalter händisch betätigen könnt, das Spiel verlangt das aber an keiner Stelle von euch.

Busfahren in Bus Bound ist fast so einfach und simpel wie in einem GTA 5 beziehungsweise vergleichbar mit dem Fahrerlebnis, das euch die Trucks im Euro Truck Simulator 2 oder American Truck Simulator bieten. Klar, ihr könnt mit manueller Schaltung fahren, wenn ihr das möchtet. Genauso gut könnt ihr aber auch das Schalten der Automatik überlassen und sogar den intelligenten Tempobegrenzer aktivieren, sodass euer Bus das Tempolimit nie überschreiten wird - außer es geht bergab. Bus Bound ist eher als Arcade-Spiel denn eine richtige Simulation zu verstehen. Und das macht sich auch abseits des reinen Fahrens bemerkbar.

Geld spielt keine Rolle, die Stadt aber schon

Da Busfahren für die Bürger Embervilles gratis ist, entfällt der Ticketverkauf im Bus, wie ihr das vielleicht aus anderen Bussimulatoren kennt. Ihr braucht hier also nicht regelmäßig Wechselgeld auszahlen oder kopfrechnen. Überhaupt hat Bus Bound keinen Wirtschaftsaspekt wie etwa The Bus oder die vorherigen Spiele von Entwickler stillalive studios. Ihr verdient kein Geld und gebt auch nichts aus.

Euer Fortschritt basiert darauf, dass die Passagiere zufrieden mit euren Leistungen sind. Wenn ihr sie fehlerfrei und pünktlich von A nach B bringt, kassiert ihr Likes für die entsprechenden Haltestellen. Dadurch leveln diese auf, was wiederum neue Haltestellen, aber auch Buslackierungen und Perks freischaltet. Letztere sorgen etwa dafür, dass in bestimmten Stadtteilen mehr Passagiere einsteigen, was wiederum potenziell mehr Likes bedeutet.

Das Besondere an Bus Bound: Seine Welt verändert sich im Spielverlauf. Habt ihr die Haltestellen innerhalb eines Viertels auf ein bestimmtes Level gebracht, wandelt sich die dortige Umgebung, indem zum Beispiel ein Busbahnhof entsteht. Oder es verschwindet ein großer Parkplatz, weil die Menschen eben vom eigenen Auto auf den ÖPNV umsteigen, und wird durch eine schöne Parkanlage ersetzt. Visuelle Progression ist immer eine tolle Sache und Bus Bound meistert diese Disziplin mit Bravour.

Nach und nach sorgt ihr dafür, dass die einzelnen Stadtteile von Emberville aufgewertet und Bus-freundlicher werden. Eigene Busspuren, die außer euch keine Verkehrsteilnehmer nutzen dürfen, sind äußerst praktisch, weil sie euch die Navigation durch den Stadtverkehr erleichtern. Außerdem schaltet ihr durch das Verbessern der Bezirke neue Viertel und Busse frei. Es gibt immer ein Ziel in Bus Bound, auf das ihr hinarbeiten könnt, wodurch das Spiel eine tolle Motivationsspirale erzeugt.

Fahrspaß der simplen Sorte

Die Grundidee von Bus Bound wird aber nicht jedem zusagen. Tiefgang hält sich aufgrund des fehlenden Wirtschaftsaspekts in Grenzen. Baut ihr Unfälle, wird das zwar damit bestraft, indem euer Like-Multiplikator sinkt und ihr somit langsamer Fortschritt macht. Es gibt aber kein Schadensmodell und somit auch kein Reparatur-Feature. Ihr könnt auch keine KI-Busfahrer anheuern und ihnen Linien zuweisen (aber immerhin im Online-Multiplayer andere Spieler den Job machen lassen, um schneller voranzukommen, sofern ihr der Host seid).

Zudem kann Bus Bound zuweilen etwas grindlastig werden. Gerade am Anfang, wenn ihr noch nicht viele Haltestellen freigeschaltet und euch die ganze Zeit nur in einem kleinen Teil der Stadt bewegt, werdet ihr mehrfach hintereinander dieselben Linien fahren, um auch die letzten noch fehlenden Likes für Level-ups zu erhalten. Ihr könnt aber immerhin jederzeit neue Linien mit wenigen Klicks erstellen und so zumindest ein bisschen Streckenvariation dazugewinnen.

Ein allzu großer Störfaktor ist der Grind aber nicht, denn das Fahren durch die wunderschön gestaltete Spielwelt macht einfach Spaß. Emberville ist sehr detailliert und vielfältig. Die Entwickler haben nicht einfach die immer gleichen Gebäude nebeneinander platziert. Jeder Straßenzug, jedes Eckchen wirkt so, als habe ein Designer hier mit viel Liebe alles händisch gestaltet. Öffentliche Einrichtungen wie ein Stadion, eine Kirche oder eine Oper dienen nicht nur als passende Orte für Bushaltestellen, sondern tragen auch schlicht zur Glaubwürdigkeit von Emberville bei.

Diese Stadt hat wirklich Charakter und mir wurde es nie langweilig, durch sie zu fahren, obwohl ich aufgrund der überschaubaren Map-Größe irgendwann jedes Viertel wie meine Westentasche kannte.

Zum Fahrspaß tragen auch die Herausforderungen bei, die das Gameplay bietet. Wenn ich meine Passagiere glücklich stimmen möchte, muss ich lernen, an Haltestellen mit dem perfekten Abstand sowohl zum Bürgersteig als auch der Haltemarkierung stehen zu bleiben. Ich muss Stoppschilder beachten, darf keine Unfälle bauen und nicht zu schnell über Bremsschwellen fahren.

Wer es sich anspruchsvoller machen möchte, aktiviert Modifikatoren, die ihr jedoch auch erst mal freischalten müsst. Da fahrt ihr dann zum Beispiel ohne Navigationspfeile oder seid auf die Cockpit-Kamera festgelegt und müsst auf Armaturenbrett-Infos im HUD verzichten. Das macht Bus Bound spürbar herausfordernder und wird mit Bonus-Likes belohnt.

Ein Lenkrad ist sinnvoll, aber keine Pflicht

Apropos HUD: Ein Feature von Bus Bound wünsche ich mir nun auch für den Euro Truck Simulator 2 und American Truck Simulator: Wenn ihr einen Blinker benutzt, wird der passende Rückspiegel als HUD-Element angezeigt. Sobald ihr den Blinker wieder abstellt, verschwindet auch die Spiegelanzeige - enorm praktisch bei Spurwechseln!

Auch die Steuerung ist großartig. Mit dem Gamepad spielt sich Bus Bound wunderbar. Dank der simplen Spielmechanik reichen alle Tasten des Controllers aus, um das Spiel in vollen Zügen zu genießen. Noch mehr Fahrspaß kommt aber mit einem Lenkrad auf. Zumindest mein Logitech G29 wird von Haus aus unterstützt und bedarf kaum an Eigenkonfiguration, um loslegen zu können. Lediglich die Force-Feedback-Einstellungen musste ich anpassen, weil das Lenkrad viel zu stark herum zuckte, wenn ich mal nicht auf glattem Asphalt fuhr.

Technisch gut … mit Abzügen in der B-Note

Grafisch macht Bus Bound im Genrevergleich eine sehr gute Figur. Die detaillierte Spielwelt habe ich ja bereits erwähnt, die schöne Beleuchtung zu allen Tageszeiten (ihr fahrt stets morgens, nachmittags und nachts und dann wiederholt sich dieser Ablauf) tut ihr Übriges. Für noch mehr optische Vielfalt sorgen Fahrten bei Regen und Nebel.

Jeder Bus fährt sich nicht nur individuell, sondern hat auch seinen eigenen, authentisch wirkenden Sound. Ein Dieselfahrzeug wie der SIGMA Blue Bird klingt halt ganz anders als der mit Wasserstoff betriebene Hydrogen 40ft Gen2 oder ein elektrisches Modell von Horizon. Und damit ihr auch wirklich das Gefühl vermittelt bekommt, durch eine amerikanische Stadt zu fahren, gibt es ein Ingame-Radio, das unter anderem Country-Musik spielt. Bekannte Songs hat Bus Bound zwar nicht zu bieten, der Soundtrack passt aber sehr gut zum Spiel und seiner Welt.

Ein wenig muss ich aber doch noch über den technischen Zustand der Testversion meckern. Nicht selten passiert es, dass Fahrgäste an Haltestellen entweder direkt auf dem Haltestreifen für den Bus stehen. Glücklicherweise glitchen sie dann einfach durch das Fahrzeug, sodass kein Unfall geschieht, es schadet aber der Atmosphäre. Gleiches gilt für NPCs, die vom Bauch an aus dem Boden herausgucken.

Besonders nervig ist, wenn die KI des Stadtverkehrs ihre Aussetzer hat: Manchmal gibt es kleine Baustellen am Straßenrand, die ihr umfahren müsst. Blöderweise bleiben KI-Autos davor einfach stehen, weil sie scheinbar nicht wissen, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Hier sollte stillalive studios dringend nachbessern.

Greift zu, wenn...

… ihr keine Hardcore-Simulation, sondern ein entspanntes Fahrspiel mit vielen Dingen zum Freischalten haben möchtet.

Spart es euch, wenn...

… ihr einen komplexen Simulator erwartet und/oder eine richtige Wirtschaftssimulation zum Busfahren dazu haben möchtet.

Fazit

Jens Bremicker - Portraitvon Jens Bremicker
Entspannend und motivierend zugleich

Bus Bound ist das perfekte Spiel für alle, die gerne virtuelle Busse steuern und durch eine schöne Open World fahren wollen, aber keine Lust auf eine überkomplexe Steuerung haben. Es ist bewusst simpel gehalten und dabei mehr klassisches Videospiel als die sonstigen Genrevertreter.

>> Dann lieber Lenkrad: Die 10 verrücktesten Controller <<

Likes sammeln, Haltestellen aufleveln, neue Stationen, Busse, Lackierungen und Stadtteile freischalten, das motiviert, auch wenn sich ein Grind-Faktor nicht absprechen lässt. Gerade die Veränderungen in der Spielwelt sind eine tolle Belohnung. Nur wer einen richtigen Simulator sucht, sollte hier nicht einsteigen.

Überblick

Pro

  • schön gestaltete Stadt, die sich mit eurem Fortschritt verändert
  • Freischalten neuer Stadtteile, Busse und Haltestellen motiviert
  • steuert sich mit Gamepad und Lenkrad klasse
  • hübsche Grafik
  • authentische Bus-Sounds

Contra

  • Grind bleibt nicht aus
  • Spielwelt hätte gerne etwas größer sein können
  • unschöne Glitches
  • KI-Verkehr ist mit Baustellen überfordert

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