Test - Assassin's Creed: Unity : Au revoir, Ludwig

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Der Pariser Morgen des 21. Januar 1793 ist kühl und grau. Die Stimmung ist angespannt – unzählige Revolutionäre haben sich auf dem Place de la Concorde versammelt, um das heutige Ereignis mit lautstarken Parolen zu begleiten. „Vive la Revolution“ soll heute nicht nur ein Schlachtruf sein, sondern Teil der französischen Geschichte werden. Die Menge stachelt sich selbst an, als König Ludwig XVI. die Szenerie betritt und mit gefesselten Armen zum Schafott geführt wird. Als Assassine betrachten wir das Spektakel aus dem Hintergrund und warten ab.

Um 10:21 Uhr rast die Guillotine schließlich gen Königsnacken und überschwemmt den Festplatz mit Blut. Die Menge tobt und jubelt. Währenddessen verschwinden wir wieder im Sog der Menge, die sich lauthals in die Arme fällt und einen leblosen Kopf beklatscht. Am 21. Januar 1793 um 10:21 Uhr wurde in Paris Geschichte geschrieben. Das Kapitel trägt den Namen „Vive la Revolution“. Was so gut wie keiner weiß: Assassinen und Templer waren an jenem historischen Ereignis maßgeblich beteiligt – zumindest in Assassin's Creed: Unity.

Als wir vor einigen Monaten mit Creative Director Alex Amencio sprachen, machte er schnell klar, dass Assassin's Creed: Unity kein einfacher Nachfolgetitel ist. In Unity sieht Amencio vielmehr einen Neuanfang, der jegliche Tugenden der Serie ablegt und neu erfindet. Auf den ersten Blick wird diese Intention zumindest in den Ansätzen deutlich. Mit der Französischen Revolution in Paris setzt der Entwickler auf einen vollständig unverbrauchten Schauplatz. Darüber hinaus tritt mit Arno Victor Dorian ein frischer Charakter als Protagonist auf, der die Serie mit neuen Impulsen bereichern soll.

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Um dieses Ziel zu erreichen, legten die Entwickler viel Wert auf Charakterisierung und Persönlichkeitsbildung. Ihr startet das Spiel als junger Arno, dem schnell erste Schicksalsschläge widerfahren. Die Inszenierung befindet sich zu Beginn auf einem absolut hohen Niveau. Die Kombination aus Narrative und musikalischer Untermalung weckt im Prolog das Interesse am Charakter und der Geschichte und erhält es aufrecht.

Dazu trägt auch der stark ausgearbeitete Schauplatz bei. Das eigentliche Abenteuer fängt inmitten der Revolution an, sodass ihr überall auf der Straße Aufständische findet, die als Spiegel der Epoche dienen. Bauern, Handwerker, Diebe und Halbadelige – jede Gesellschaftsschicht tritt auf den Straßen auf und kämpft für die aufstrebende Herrschaft des Bürgertums. Dieser Umstand verhilft zu einer starken Immersion, die euch an das Paris von Assassin's Creed: Unity fesselt. Davon profitiert zu Beginn auch die Handlung – im Laufe der rund 20-stündigen Kampagne verläuft sie sich jedoch zu oft, sodass man auf die geschichtlichen Ereignisse wenig Wert legt und nur noch nach dem nächsten Attentatsziel sucht. Auf die Helix-Portale wurde in der Hinsicht mehr Wert gelegt.

Die halbgare Handlung ist besonders bedauerlich, da mit Elise eine weibliche Hauptfigur in das Geschehen Einzug hält, die eine zweite erzählerische Ebene öffnet. Elise gehört zum Templerorden, führt jedoch gleichzeitig eine romantische Beziehung mit Assassine Arno. Die Templerin tritt als starke, stolze Persönlichkeit auf, die sich selbst zu verteidigen weiß. Dennoch sticht der Charakter zu keiner Zeit wirklich hervor und bleibt blass. Ein ärgerliches Versäumnis, zumal eine ordentliche Ausarbeitung der neuen Charaktere dem Spiel sehr gut zu Gesicht gestanden hätte.

Ein weiterer Indikator für den Neuanfang der Serie findet sich in diversen spielerischen Aspekten. So habt ihr für eure Parkour-Bewegungen zusätzliche Eingabeoptionen, die euch die Fortbewegung erleichtern sollen. Drückt ihr nur die rechte Schultertaste, bewegt sich euer Protagonist lediglich auf einer Ebene und klettert nicht Wänden hinauf oder hinab. Drückt ihr zusätzlich zur Schultertaste die A-Taste, sucht Arno nach der nächsten Möglichkeit, an Wänden oder Gerüsten hochzuklettern. Per Druck auf die B-Taste könnt ihr von hohen Gebäuden ohne großen Aufwand auf den Boden zurückkehren.

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