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Test - Deadpool VR : Test: Tränen lachen beim VR-Spiel des Jahres

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Meta scheint sich zunehmend im Superhelden-Biotop einzurichten. Letztes Jahr versuchte sich Batman als Weihnachts-Systemseller für Quest 3, dieses Jahr zieht Meta das nächste Ass aus dem Strumpf: Deadpool VR. Doch Vorsicht – dieses Spiel ist kein lauschiges Familienprogramm. Wenn Oma an Heiligabend zufällig mithört, wie aus dem Headset des Schwiegersohns ein enthusiastisches „Mund auf, jetzt kommt die Ladung!“ dröhnt, ist womöglich Schluss mit der Besonnenheit, auch wenn’s in diesem Fall tatsächlich um Blei geht.

Liebe Freunde gepflegter Hochkultur, liebe Deadpool-Fans: Was hier auf euch wartet, ist ein Volltreffer. Ein Erlebnis, das gleichermaßen Comic, Film und pubertär-geniales Chaos in einem roten Ganzkörperanzug zusammenknotet. Deadpool VR ist ein Feuerwerk aus Action, Anspielungen und einer so konsequent niveaulosen Humorkaskade, dass sie am Ende schon wieder brillant wirkt.

Neil Patrick Harris (bekannt als Barney Stinson aus How I met your Mother) liefert im O-Ton eine Performance ab, die sich irgendwo zwischen enthemmten Saufsprüchen, politischer Unkorrektheit und „Ich kann nicht glauben, dass sie mich DAS sagen lassen“ bewegt. Hammer!

Die per Download im Optionsmenü nachinstallierbare deutsche Synchro ist keineswegs schlecht, aber tut euch selbst den gefallen: spielt im Originalton, wenn ihr könnt. Ihr werdet es nicht bereuen, versprochen!

Dauerfeuer vom ersten Moment an

Wie konsequent dieses Spiel die vierte Wand perforiert, merkt man im Bestfall schon beim Titelbild, das Sonys Spider-Man-Games auf die Schippe nimmt, spätestens aber dann, wenn selbst die Ladebildschirme blödsinnigen Kommentaren und schlechten Witzen unterliegen. Von da an hagelt es nicht nur ein Gag-Dauerfeuer, sondern auch Action satt.

Schon der Einstieg zeigt, wohin die Reise führt: Mötley Crües „Kickstart my Heart“ dröhnt in die Ohren, Deadpool rast in einem führerlosen Jeep einen Berghang hinunter, ballert Soldaten von futuristischen Gleitern und kommentiert fröhlich die vermeintliche Faulheit der Entwickler, weil ja immer nur dasselbe 3D-Modell verwendet würde.

Nach zwei Minuten wisst ihr also schon Bescheid, was Sache ist: eine Sinfonie aus Chaos, Nostalgie und Selbstironie, die darin gipfelt, dass der Titelheld zielstrebig und perfekt zum Ende des Songs choreografiert in die Rotoren des S.H.I.E.L.D.-Helicarriers segelt, wodurch er sich in appetitliche Fleischstreifen verwandelt. Kaum wieder zusammengewachsen, setzt er seinen Weg fort, als wäre das alles ein normaler Dienstagmorgen. Und ehrlich: Für Deadpool ist es das.

Der berühmte S.H.I.E.L.D. - Helicarrier ist nur der erste Schauplatz in einem Spiel, das sich nicht lange mit konventionellen VR-Gepflogenheiten aufhält. Hier wird nicht geschlichen, nicht langsam entdeckt, nicht mühsam untersucht. Deadpool rennt, springt, schlitzt und schießt sich durch enge metallene Gänge, testet spielerisch die hauseigenen experimentellen S.H.I.E.L.D.-Waffen, als wären sie neue Küchenutensilien, und wirft mit einer Enterhaken-Kanone um sich, die seltsam vertraut wirkt – als hätte ein gewisser dunkler Ritter aus Gotham im Geiste die Blaupause abgezeichnet.

Kommt gut hin: Deadpool spielt sich wie Batman in VR, nur entschlackt und auf Schnelligkeit getrimmt. Gegner sollen euch nicht lange aufhalten. Je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad können sie durchaus eine Herausforderung darstellen, aber sie vermitteln stets das mit voller Absicht genährte Gefühl, Kanonenfutter für einen überlegenen Superhelden zu sein.

Keine Angst: ehe diese Actionroutine Gefahr läuft, zur Gewohnheit zu werden, zieht das Spiel den Teppich unter den Füßen weg und schleudert euch in eine völlig andere Dimension – buchstäblich und stilistisch. Dort wartet Mojo, ein schmieriger Mutanten-Produzent mit dem Charme eines Influencer-Agenten. Sein Entertainment-Imperium erinnert frappierend an Twitch und YouTube: Likes, Follower, Engagement. Nur dass Deadpool hier nicht freiwillig streamt, sondern versklavt wurde, um in Live-Shows Superbösewichte zu verkloppen.

Seitenhiebe, Referenzen, Selbstironie

Je spektakulärer er kämpft, desto mehr Follower schließen sich an. Und mit jedem neuen Meilenstein rückt ein neues Fanservice-Spezialspielzeug ins Inventar – unter anderem Waffen, die Mitgliedern der Marvel-Welt entlohen sind, von Thors glorifiziertem Hammer bis hin zu Gambits kartenwerfendem Krawall.

Dieser bissige Seitenhieb auf moderne Content-Ökonomie ist weitaus schlauer, als er im ersten Moment scheint. Deadpool VR tut so, als wolle es nur albern sein – und schafft es dann, seine eigene Struktur als Kommentar über Performance-Maximierung, Publikumserwartungen und moderne Selbstdarstellung auszuschlachten. Natürlich lacht man über den Humor. Aber manchmal lacht man auch darüber, wie sehr man sich selbst in diesem System erkennt.

Während Deadpool sich in Mojos Programm behaupten muss, entfaltet sich ein Spiel, das sich nicht damit zufriedengibt, ein simples Arena-Gemetzel zu sein. Es lebt von seiner Abwechslung, von seiner ständigen Lust, mit Erwartungen zu brechen. Kaum hat man sich in einer Dschungelmission an die rasanten Gefechte gegen Lady Deathstrike und ihre Handlanger gewöhnt, stolpert man bereits in ein groteskes Sportstadion, in dem Deadpool gemeinsam mit Lady Deadpool bizarre Wettkämpfe austrägt. Wenige Minuten später trägt man den körperlosen Spin-off-Charakter Headpool wie einen seltenblöden Pokal quer durch eine Arena voller zu verspeisender Chimichangas.

Wo zur Hölle verdaut er sie, wenn er keinen Magen hat? Ergibt das Sinn? Nö! Also hat Deadpool natürlich einen vierte Wand sprengenden Kommentar auf Lager, während ihr euch vergnügt durch einen sinnbefreiten Gameplay-Loop schlängelt und scheckig lacht.

Wenn man danach in einer Multiversums-Variante von Las Vegas strandet, in der ein flamboyanter Türsteher sämtliche Waffen konfisziert, wirkt das fast schon wie ein kurzer Moment der Normalität. Deadpools Reaktionen darauf sind alles andere als das.

Diese Sprunghaftigkeit ist nicht bloß Gag oder Selbstzweck – sie ist das Rückgrat des Spiels. Deadpool VR versteht, dass VR-Spiele häufig auf ein oder zwei Mechaniken bauen und diese bis zur Erschöpfung wiederholen. Hier hingegen besteht der Reiz darin, ständig zu überraschen: neue Bewegungsoptionen, neue Gegnerstrukturen, neue Waffen, neue Absurditäten. Die Struktur wird nicht erklärt – sie passiert einfach. Ein Strom aus Ideen, der dem Spieler vermittelt, dass Deadpool nicht nur das Spiel kommentiert, sondern auch dessen Designlösung ist: ein wandelnder Meta-Kommentar, der in die Mechanik hineinspricht.

Die Steuerung: VR in Bestform

Wer weniger Deadpool-Fan als neugieriger VR-Gamer ist, hat freilich nicht ganz so viel von diesem Festival der Niveaulosigkeit, kann aber auf logischen Spielaufbau und klassische Sammelziele vertrauen. Hier und da gibt es eine Fetch-Quest zu lösen (die unser Held natürlich als solche brandmarkt und verurteilt), während das Erforschen der Umgebung mit dem Fund von authentischen Comic-Ausgaben belohnt wird. Oder vielmehr ihren Titelbildern, denn einen Comic bekommt man leider nicht zu lesen.

Für so manchen Fund braucht man ein gutes Händchen. Im wahrsten Sinne, wenn etwa ein Handscanner den Zugang zu einem Nebenraum verwehrt. Da hilft nur, dem richtigen Gegner den Arm abzusäbeln. Daraus ergeben sich selten ernstzunehmende Puzzles, aber oft genug unterhaltsame Nebenbeschäftigungen, die eure Geduld selten überreizen. Auch, weil Nebenquests nie kryptisch sind. Aufgabenstellung und Steuerung gehen immer fließend von einem Szenario ins andere über.

In seiner Interaktion zeigt Deadpool VR sowieso wahre Stärke: ein Handling, das so flink, intuitiv und kompromisslos spaßorientiert ist, dass man kaum glauben mag, wie viele Einzelteile hier gleichzeitig jongliert werden. Pistolen an der Hüfte, Schwerter am Rücken, Granaten am Arm, dazu der Enterhaken, der als Zusatzfunktion der Pistolen dient – alles ist jederzeit greifbar, alles geht nahtlos ineinander über. Ein Waffenwechsel dauert nur den Bruchteil einer Sekunde. Nichts wirkt verschachtelt, nichts fummelig.

Selbst in absurden Situationen – etwa wenn Deadpools Beine kurzzeitig abgetrennt werden und diese eigenständig kämpfen, während ihr euch auf dem Stumpf eures Bauchs liegend verteidigen müsst – zeigt euch das Spiel immer genau, wie ihr fair und unmissverständlich zu einer Verteidigungsstrategie kommt. Droht dann das Game Over, liegt es an eurem Ungeschick. Zum Glück vermeiden dicht gestaffelte Rücksetzpunkte unnötige Wiederholungen.

Am Ende zählt immer euer Geschick und eure Fantasie beim Followersammeln. Logisch ist das alles natürlich kaum. Schwerter lassen sich werfen und tauchen trotzdem sofort wieder am Rücken auf. Geworfene Pistolen bringen Gegner aus dem Gleichgewicht, kehren wie Bumerangs im hohen Bogen zurück und lassen sich fangen. Aber genau diese spielerische Unlogik gibt dem Spiel eine überdrehte Leichtigkeit, die perfekt zur Figur passt. Das gilt auch für temporäre Waffen, die man Feinden entreißt: monströse MGs, Raketenwerfer, Pfeil-und-Bogen-Experimente. Alles kurze, herrlich übertriebene Eskalationsspitzen im ohnehin schon entfesselten Kampftheater.

Endloses Gesabbel

Unglaublich, wie nahtlos die Entwickler bei Twisted Pixel Games es schaffen, dieses Action-Inferno nahtlos mit narrativen Elementen zu füttern. Siehe etwa die stetig begleitende Frauenstimme im Headset: Deadpools Vorgesetzte von Mojo TV, die das fragwürdige Privileg besitzt, seine Gedankensprünge ununterbrochen mitzuerleben.

Man spürt förmlich, wie sie zwischen ironischer Geduld, verzweifeltem Durchhaltevermögen und der stillen Hoffnung schwankt, irgendwann einfach totale Taubheit zu entwickeln. Ihre trockenen Reaktionen bilden das perfekte Gegengewicht zu Deadpools überdrehter Quasselhaftigkeit, sodass selbst Hinweise zur Spielmechanik wie bissige Stand-up-Dialoge wirken.

Dass sich in den Kampfsequenzen manche Sprüche wiederholen, stört dabei wenig, denn Deadpool ist ohnehin der erste Held der Videospielgeschichte, der wirklich alles kommentiert. Dass sich der Stoff irgendwann wiederholt, ist nur logisch, es sei denn, Neil Patrick Harris wäre zum Live-Kommentator verdonnert worden.

Comic-Stil und Film-Einflüsse

Grafisch verkörpert Deadpool VR eine Art High-End-Comic-Ästhetik: cel-shaded, aber detailreich, knallig, plastisch. Es ist fraglos eines der hübschesten VR-Spiele auf Quest 3 – und eines derjenigen, die die Hardware am lautesten zum Schnaufen bringen. Einige kleinere Objekte poppen sichtbar nach, aber dafür bleibt die Bildrate eisern stabil. Bedeutende NPCs glänzen mit geschmeidigen Animationen und akkurater Lippensynchronität, während Massenfeinde etwas simpler ausfallen – pragmatisches Opfer zugunsten der Performance.

Akustisch zeigt das Spiel ähnlichen Mut. Der Soundtrack setzt sparsam ein, aber stets mit präziser Wirkung. Mal episch, mal bewusst albern. Man kämpft gegen Feinde, wirft Gambits Karten in Zeitlupe und plötzlich säuselt Enyas „Orinoco Flow“ durchs Ohr – ein Moment so lächerlich und gleichzeitig so triumphal, dass man beinahe vergisst, dass hier eigentlich nichts Sinn ergeben sollte. Doch Deadpool wäre nicht Deadpool, wenn er nicht gerade aus diesem Unsinn sein Markenzeichen machen würde. Ein Beispiel für die perfekte Verschmelzung des Comic-Deadpool mit seinem Kino-Universum.

Und so ergibt alles zusammen ein Erlebnis, das bei aller Pöbelei, aller Blödelei und aller Selbstverarsche erstaunlich durchdacht wirkt. Ein Spiel, das sich selbst nicht ernst nimmt, aber den Spielerrespekt vollständig verdient.

Greift zu, wenn...

… ihr bereit seid für ein VR-Spiel, das euch gleichzeitig zum Lachen, Schwitzen und Kopfschütteln bringt, das ohne Pause unterhält und Deadpools Humor so perfekt trifft, dass man sich wie mitten in einem überdrehten Comic fühlt.

Spart es euch, wenn...

… euch Deadpools respektloser, derber und gnadenlos platter Humor eher stresst als begeistert – oder wenn ihr mit chaotisch überdrehten VR-Erfahrungen wenig anfangen könnt.

Fazit

Denis Lucius Brown - Portraitvon Denis Lucius Brown
Zu geil für diese Welt – und ein echter Kaufgrund für eine Meta Quest 3

Normalerweise lobe ich vor allem VR-Erfahrungen, die besondere Spielideen umsetzen, Spiele, die nur in VR Sinn ergeben oder die die Immersion auf ein neues Level bringen. Das ist bei Deadpool VR nicht zwingend der Fall. Es hätte in abgewandelter Form auch als normales Konsolenspiel funktioniert. Trotzdem liebe ich es – auch weil es in VR eben noch immersiver ist als es an der Konsole je sein könnte.

Nach all dem Chaos, den Katanas, den absurden Showkämpfen, den Meta-Witzen und den komplett entgleisten Momenten, die selbst Deadpool kaum mehr kommentieren kann, bleibt mir vor allem eines im Gedächtnis: Ich musste mehrmals auf Pause drücken, weil ich schlicht nicht mehr weiterspielen konnte. Nicht wegen Motion-Sickness. Nicht wegen Frust. Sondern weil ich Tränen gelacht habe.

Deadpool VR hat mich in einer Art und Weise erwischt, die ich selten erlebe – schon gar nicht in VR, wo Humor oft schlecht zündet oder durch die tunnelartige Immersion gedämpft wird. Hier aber sitzt fast jeder Spruch, fast jede Anspielung, und jede Brechung der vierten Wand mit chirurgischer Präzision. Das Spiel hat mich nicht nur unterhalten, sondern tatsächlich begeistert. Die Macher dieses Werks wissen um ihren Stoff. Um die Vorlage aus Comics und Filmen, die Widersprüche des Charakters, um VR und um die Videospielszene. Oh yeah, wer Pokémon Snap mit einem Meta-Kommentar verarschen kann, der weiß was Sache ist!

>> Ebenfalls super: Der Superhelden-Spaß Dispatch im Test <<

Für mich ist Deadpool VR nicht nur das VR-Spiel des Jahres. Es gehört zu den besten VR-Erfahrungen, die ich bisher genießen durfte – technisch, spielerisch und humoristisch. Mögen Games wie Half-Life Alyx ihre Daseinsberechtigung noch so tiefgründig durch Atmosphäre, Rätsel und Gameplay-Kniffe verdeutlichen – dieses Game macht einfach nur Spaß von vorne bis hinten. Und als jemand, der das Marvel-Großmaul bereits seit Jahren verehrt, wirkt das Ganze wie ein Geschenkpaket, das jemand direkt auf meine Geschmacksknospen zugeschnitten hat.

Ich wollte ursprünglich die rund acht- bis zehnstündige Kampagne (plus versteckte Level) ohne Pause an einem Stück durchprügeln, aber stattdessen habe ich manchmal einfach nur in der Gegend herumgestanden und gegrinst wie ein Vollidiot, weil ich jeden Moment des Spiels einsaugen musste. Ein besseres Lob fällt mir gerade nicht ein.

Überblick

Pro

  • Großartige Deadpool-Inszenierung mit perfektem englischem O-Ton
  • Gute deutsche Lokalisation
  • Für VR enorm abwechslungsreiche Schauplätze und Mechaniken
  • Beinahe perfekt abgestimmte VR-Steuerung
  • Hoher Wiederspielwert
  • Technische Präsentation auf der Quest 3 nahezu erstklassig
  • Versteckte Level fördern Forscherdrang
  • Humor zündet konstant und sorgt für echte Lachpausen
  • Manchmal überraschend cleverere Meta-Kommentare

Contra

  • Einzelne One-Liner wiederholen sich im Kampf
  • Sichtbare Detail-Pop-ins
  • Relativ wenige Gegnertypen
  • Deadpools Dauerfeuer an Sprüchen kann empfindliche Gemüter überfordern

Awards

  • Games Tipp
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  • Sound
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  • Story
    • PC

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