Test - Doom: The Dark Ages : Test: Meisterwerk der Metzelkunst
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Der Doom Slayer ist schon ein seltsamer Geselle. Seit über 30 Jahren rennt er stoisch über die Welt und durch die Hölle, versohlt haufenweise Dämonenhintern und beschwert sich dabei noch nicht einmal. Selbst knöcheltief im Blut watend dringt kein Wort der Unzufriedenheit über seine Lippen. Da fragt man sich doch: Wer steckt eigentlich in dem ikonischen Helm? Wo kommt er her? Warum hat er so eine Riesenwut auf Dämonen? Woher rührt seine rohe Kraft? Genau diese Fragen will id Software mit Doom: The Dark Ages beantworten und geht dafür ganz weit zurück.
Okay, machen wir uns nichts vor: Die Story spielte bei Doom noch nie eine relevante Rolle. Die letzten beiden Serienteile erzählten im Kodex zwar einige Geschichten, die breite Masse der Spielerinnen und Spieler ignorierte diese aber gekonnt. Schließlich war die ultrabrutale Shooter-Reihe seit jeher mehr ein Weg zum Frustabbau und für den schnellen Action-Fix zwischendurch. Da stellt sich jetzt doch die Frage: Wie gut oder schlecht bekommt Doom: The Dark Ages der erhöhte Fokus auf den erzählerischen Part?
Techno im Mittelalter
Die Götter selbst segneten den Slayer mit seiner immensen Kraft und der Schnelligkeit, die selbst Dämonen Schweißperlen auf die Stirn treibt. Im Tausch für diese Ehre unterwarf sich der Supersoldat aber auch dem Willen seiner himmlischen Gebieter. Entsprechend starten die Priester und Bischöfe den Slayer wie einen Roboter-Staubsauger, wenn sie ihn gerade benötigen. Nur kümmert er sich halt nicht um Schlammspuren und Wollmäuse, sondern um die höllischen Horden.
Diese haben es im finsteren Mittelalter nämlich auf das Argent-Herz abgesehen. Unter der Leitung von Prinz Ahzrak und einer mysteriösen Hexe starten sie einen Großangriff auf den Planet Argent D’Nur, was die Wächter rund um König Novik in blanke Aufregung versetzt. Von der ehemaligen Minenstadt Khalim aus beginnt ihre unheilige Invasion, sie haben die Rechnung aber ohne den Slayer gemacht.
In den folgenden 18 bis 20 Stunden von Doom: The Dark Ages erlebt ihr in erster Linie ein Blutbad nach dem anderen, garniert von Story-Cutscenes, die durchaus schick inszeniert sind und sogar kleinere Twists auffahren. Für tiefschürfende Informationen gibt es noch immer die Kodex-Karten, die ihr als Collectibles findet, und Fans der beiden Vorgänger freuen sich über ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Allerdings handelt es sich noch immer um ein Doom und die Story passt mehr oder weniger auf einen Bierdeckel und fällt für den Genuss der Welt und Action weitestgehend irrelevant aus.
Das Mittelalter-Setting mag zwar durch die Story erklärt sein, funktioniert dank der ungewöhnlichen Darstellung aber auch für sich genommen großartig. Wenn ihr Ritter in strahlender Rüstung, hoch zu Pferd reitende Edeldamen und Dorftrottel mit klingelnden Narrenkappen erwartet, liegt ihr meilenweit daneben. The Dark Ages fährt zwar typische Versatzstücke wie Burgen, Morgensterne und Drachen auf, verpasst dem Szenario aber einen ganz eigenen Twist.
Denn id Software kombiniert das simple Mittelalter mit haufenweise technologischen Elementen, die eigentlich fehlplatziert sein müssten. Doch die Spielwelt von Doom: The Dark Ages wirkt so albern, nimmt sich dabei aber so ernst, dass ich sie den Entwicklerinnen und Entwicklern gerne abkaufe. Wenn König Novik samt Tochter Thira in einer Kommandozentrale mit 3D-Projektions-Technologie steht, passen sie aufgrund ihrer Cyberpunk-Rüstungen mit Anleihen von Gears of War wie die Faust aufs Auge.
Anstelle eines treuen Rosses reitet der Doom Slayer auf einem Cyberdrachen durch die Lüfte, ein irres Biest mit riesigen Schwingen und Düsenantrieb. Magische Schädel fungieren als Schlüssel, in Rundschildern verbergen sich Kettensägen und okkulte Rituale gehen Hand in Hand mit Plasmawaffen. Ergibt dieses Setting Sinn? Auf keinen Fall. Macht es aber eben deshalb so viel Spaß? Definitiv.
Arsenal des Grauens
Auch in der bestens bestückten Waffenkammer des Slayers spiegelt sich diese Mischung aus Moderne und Mittelalter wieder. Klassiker wie die Super-Shotgun, der Raketenwerfer oder das Plasmagewehr finden sich selbstverständlich im Arsenal, mit einigen Design-technischen Anpassungen. Dazu gesellen sich aber auch Wummen, die Stahlbolzen verschießen, Schädel schreddern und als Munition verwenden oder eine Eisenkugel an einer Kette nach vorne schnalzen lassen. Insgesamt zwölf Waffen erhaltet ihr während der Kampagne, jede mit ihrer Daseinsberechtigung.
Über gefundenes Gold und Edelsteine wertet ihr sie an Schreinen auf. So feuert eine Schrotflinte mehr Projektile mit einem Schuss ab, der Granatwerfer verschießt splitternde Bomben und die Eisenbolzen des Schredders prallen von Feinden ab, in denen eure Schildsäge steckt. Denn passend zum martialischen Setting legt Doom: The Dark Ages großen Wert auf den Nahkampf.
Drei Prügel stehen zur Verfügung, ein elektrischer Handschuh, der klassische Streitkolben oder ein mächtiger Morgenstern. Sie unterscheiden sich in Stärke und Geschwindigkeit und bieten natürlich noch einmal eigene Upgrade-Pfade. Nach einer definierten Anzahl Einsätze müsst ihr sie durch Kills oder Abwarten wieder aufladen lassen, bevor ihr wieder zuschlagen dürft.
Passend zu den bekannten Waffen mit mittelaltem Anstrich erfuhren auch die Feinde eine Frischzellenkur. Kleine Dämonen tragen klassische Metall-Rüstungen, der Revenant kommt als kuttentragender Nekromant daher, der statt Schulterkanonen jetzt Spektralschädel zum Angriff nutzt, und auf dem Rücken des Pinkys sitzt ein Reiter.
Mich trifft kein Schild!
Mit Doom Eternal schaltete id Software 2020 in ein gnadenlos hohes Tempo und machte aus den Kämpfen regelrechte Puzzles, was den Fans nicht vollumfänglich schmeckte. The Dark Ages fährt die Geschwindigkeit betont zurück und besinnt sich auf alte Stärken. Teilweise gleichen die Gefechte einem Bullet-Hell-Shooter, ihr weicht vergleichsweise langsam heran fliegenden Projektilen aus und ballert währenddessen aus allen Rohren – oder nutzt euren Schild zur Abwehr.
Der runde Personenschützer aus massivem Metall ist die wohl wichtigste Neuerung. Mit ihm wehrt ihr nicht nur Projektile ab, ihr rauscht mit einem Schildsturm auch auf anvisierte Feinde zu, wodurch ihr schnell große Lücken schließt. Viele Angriffe lassen sich auch parieren, was euren Feinden Schaden zufügt und euch mit Aufladungen eurer Nahkampfangriffe und je nach Upgrades auch mit Munition und Lebensenergie belohnt.
Allerdings braucht ihr keine Angst haben, sollten Paraden so gar nicht zu eurem Skill-Repertoire gehören. Denn im Gegensatz zu Sekiro: Shadows Die Twice oder Clair Obscur: Expedition 33 fällt das Aktionsfenster je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad extrem großzügig aus. In den Einstellungen feinjustiert ihr zudem an den Leben eurer Feinde herum, erhöht euren eigenen Widerstand und stöpselt so das für euch perfekte Erlebnis zusammen.
Rauscht ihr anschließend durch die Arenen und feuert aus allen Rohren, während ihr eingehende Attacken pariert, Rüstungen von Gegnern mit eurem Schild wie reife Nüsse knackt und einen Finisher nach dem anderen ausführt, dann gleicht das einem ultrabrutalen und irrsinnig befriedigenden Tanz. Durch Herausforderungen verdient ihr weiteres Gold oder Waffenskins, zudem forcieren sie bestimmte Spielstile. Dämonen mit einer bestimmten Waffe zu töten oder regelmäßig zum Nahkampf zu greifen, krempelt nicht nur euren Spielstil um, es erinnert euch auch stets an die kleinen Nuancen des Systems.
Doome Entscheidungen
So geil sich das alles auch anfühlt, ich habe zwei mittelgroße Probleme mit den Kämpfen von Doom: The Dark Ages. Zunächst sei da der Soundtrack genannt: Noch immer treiben euch flotte E-Gitarren durch die Arenen und das Schlagzeug gibt unbarmherzig den Takt vor. Synthesizer unterstützen die harten Metal-Klänge oder unterstreichen ruhigeren Segmente. Doch trotz all dieser musikalischen Finesse fehlt etwas.
Es mangelt am letzten Quäntchen Genialität. Zugegeben, hätte es Doom 2016 und Doom Eternal nicht gegeben, wäre mir dieser Umstand nicht weiter aufgefallen. Die Soundtracks aus der Feder von Mick Gordon für die beiden Titel gehören aber zum musikalisch Besten, was mir je bei einem Videospiel durch die Ohren getrieben wurde.
Nach dem historischen Streit zwischen Bethesda und dem Australier war klar, dass jemand anders den Soundtrack übernimmt und das Team von Finishing Move leistet wirklich ganze Arbeit. Aber so ganz das Niveau von Gordon erreicht The Dark Ages trotz der extrem hohen Güteklasse einfach nicht.
Mein zweites Problem betrifft die Glory Kills – oder eben ihr Fernbleiben. Zwar leuchten Dämonen nach genügend Treffern noch immer farbig auf und ihr drückt ihnen einen flotten Finisher rein, aber die Over-the-Top-Animationen der Vorgänger gehören der Vergangenheit an. Ein einfacher Schlag mit der Keule und Feierabend ist.
Ich stehe jetzt vermutlich wie der größte Neandertaler da, aber: Mir fehlen die comichaft überzogenen Glory Kills. Einem Cacodemon mit einem lauten „PLOPP“ das Auge aus dem Schädel zu ziehen spricht halt einfach die niederen, leicht peinlichen Triebe an. Aber solche Animationen sind halt stellvertretend für die Gewaltorgie Doom. Dem Spielfluss gereichen die neuen und schnelleren Finisher aber definitiv zum Vorteil.
Slayer mit Wachstumsschub
Immer nur ballern kann aber auch ermüden, so paradox das klingt. Entsprechend verbaute id Software einige zusätzliche Spielelemente. So finden sich in den Levels immer wieder kleine Umgebungsrätsel, durch die ihr versteckte Pfade findet. Hier warten Upgrade-Materialien sowie andere Collectibles als Belohnung auf euch und die enorm gute 3D-Map hilft enorm dabei, die Goodies zu finden.
Manche der 22 Missionen von Doom: The Dark Ages lassen euch zudem in einem Atlan Platz nehmen. Hierbei handelt es sich letztlich um einen riesigen Mech, quasi den Doom Slayer im XXL-Format. Geschossen wird hier nur selten mit einer mächtigen Gatling Gun, die meiste Zeit klopft ihr mit euren Robo-Fäusten auf haushohe Dämonen ein. Kombos oder Ähnliches gibt es währenddessen allerdings nicht, durch Treffer ladet ihr lediglich einen Balken in mehreren Stufen auf. Darauf basierend feuert ihr einen Finisher ab.
Wieder andere Levels lassen euch auf dem Rücken eures Cyber-Drachen Platz nehmen. Ihr flattert durch die Lüfte und ballert mit seinen Geschützen Kriegsschiffe vom Himmel. Dazu weicht ihr abermals rechtzeitig den Projektilen ihrer Geschütze aus, um eure eigenen Schüsse besonders stark zu machen. Nachdem ihr sämtliche Kanonen ausgeschaltet habt, dürft ihr auf dem Kahn landen und zu Fuß zum Antrieb schreiten und ihn zerlegen.
Sowohl die Abschnitte auf dem Cyber-Drachen als auch im Atlan schaffen auf einem Grundlevel, was id Software sich davon verspricht: Sie lockern das Geschehen zwischen den regulären und noch immer sehr flotten Kämpfen auf. Allerdings fallen sie auch weitestgehend monoton aus und sind etwas zu lang. Um Totalausfälle handelt es sich keinesfalls, aber irgendwie lässt sich das Gefühl nicht abschütteln, dass etwas Potenzial verschenkt wurde. Warum beispielsweise hat der Riesen-Mech keine weiteren Schusswaffen? Vielleicht gibt es diese ja mit dem sicherlich kommenden DLC.
Greift zu, wenn...… ihr Fans von knüppelharter Action seid und euch das extreme Tempo von Doom Eternal abgeschreckt hat.
Spart es euch, wenn...… ihr Doom Eternal und dessen Tempo sehr viel lieber mochtet als den Reboot von 2016.






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