Special - EA Sports FC 25 : Meinung: Ultimate Team hat ein fundamentales Problem
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Das Team of the Season läutet das große Finale einer jeden Ultimate-Team-Saison ein. Dabei geben sich Spielerinnen und Spieler mit Gesamtbewertungen von 95 Punkten aufwärts die Klinke in die Hand. Doch was sonst die Leute vom Gaming-Stuhl riss, ruft diesmal Enttäuschung und Gleichgültigkeit hervor.
Würde man die Community von EA Sports FC fragen, welcher Zeitraum im Zyklus des Fußballspiels der beste ist, gäbe es mit größter Wahrscheinlichkeit eine der folgenden zwei Antworten: gleich nach dem Release und zum Team of the Season. Der generelle Aufbau der eigenen Traum-Truppe im Herbst motiviert ebenso wie der finale Schliff gegen Ende, bei dem nur noch die absolut besten Items einen Platz im Kader erhalten. An diesem Punkt sind wir nun, aber der einstige Hype ist Frust gewichen.
Die Kampagne zum Team of the Season (kurz TotS) startete am 25. April, und zwar mit den besten Spielerinnen und Spielern aus Frankreichs Topligen sowie den Niederlanden. Dabei stand Ousmane Dembélé, Torjäger von Paris Saint-Germain, bei vielen ganz oben auf dem Wunschzettel. Kein Wunder bei einem Gesamtwert von 97 Punkten, maximalem Tempo und Spitzenwerten im Bereich Dribbling. Wer den Kerl im Pack hatte, sprang vor Freude vermutlich durch die Zimmerdecke.
Alle mit weniger Glück brauchen zwischen acht und zehn Millionen Coins auf dem Ingame-Konto, um den Angreifer über den Transfermarkt zu ergattern. Dahinter folgen eine Handvoll weiterer erstklassiger Profis zu Preisen, die kein Gelegenheitsspieler ansatzweise stemmen kann. Wer FIFA und EA FC länger kennt, für den ist das nichts Neues. Die besten Karten kosten die meiste Kohle, so muss das sein.
Schleuderpreise …
Doch bereits eine Woche später, mit der Veröffentlichung des jeweiligen Team of the Season aus der Premier League und der Women’s Super League, änderte sich die Lage. Ja, Mohamed Salah oder Virgil Van Dijk stehen auch in ihrer jeweiligen TotS-Inkarnation an der Spitze, sowohl in Sachen Leistung als auch Anschaffungskosten. Aber dahinter geht es ganz steil bergab.
Bruno Fernandes, Spielmacher von Manchester United, kommt mit stattlichen 94 Punkten daher. In den vergangenen Jahren kosteten vergleichbare Items des Portugiesen mehrere Hunderttausend Coins, wenn nicht weit über eine Million. Heuer bekommt man den Mann zum Grabbeltisch-Kurs von rund 40.000 Coins. Arsenals Flügel Bukayo Saka liefert 93 Punkte, hohes Tempo und starkes Dribbling. Sein Preis? Knapp über 40.000 Coins. Fast schon teuer mutet da Mariona aus Arsenals Frauenmannschaft an, die etwa 90.000 Münzen kostet und mit satten 96 Punkten auf dem linken Flügel durchstartet.
Beim aktuellen Best-of der Bundesliga und Frauen-Bundesliga sieht es ähnlich aus: Es gibt reihenweise (auf dem Papier) krasse Karten zum absoluten Sparkurs. Alex Popp mit 95 Punkten für nicht mal 30.000 oder Nico Schlotterbeck, 94, für 40.000 Coins. Daran dürfte sich nichts ändern, wenn in den kommenden Wochen die weiteren TotS-Teams aufschlagen, allen voran aus der Serie A und La Liga.
Dieser Preisverfall kommt nicht von ungefähr. Das Gros der Ultimate-Team-Spieler hatte schon vor dem Team of the Season extrem starke Mannschaften beisammen. Bereits im Januar wurde das Team of the Year veröffentlicht – mit mächtigen 97er-Karten wie Bellingham, Salah, Graham Hansen oder Vini, alle inklusive drei Plus-Playstyles. Das sind Endgame-Items. Hinzu kamen ein paar mächtige Icons, unter anderem Pelé (96), Eusébio (95) oder Thierry Henry (93). Nicht zu vergessen wilde Squad Building Challenges à la Gareth Bale, der aufgrund seiner offensiven Flexibilität und enormen Werte nach wie vor in vielen Teams steht.
… und Langeweile
In der Folge überhäufte EA die Community regelrecht mit weiteren Kampagnen und potenten Items. Fantasy FC brachte im Februar einigen Spielerinnen und Spielern massive Upgrades ein, basierend auf den Leistungen ihrer realen Mannschaften. Im März verpasste Ultimate Birthday den Karten nicht nur Werteverbesserungen, sondern schraubte zusätzlich bei ALLEN Profis die Skills und den schwachen Fuß auf fünf Sterne hoch. Diese Kombination war in früheren Jahren sowas wie der Ritterschlag.
Wer einfach nur regelmäßig Squad Battles und Rivals spielte, hatte zu diesem Zeitpunkt schon reichlich Karten mit hoher Gesamtbewertung im Club, die im Vergleich mit den wirklichen Top-Items jedoch beinahe nutzlos waren. Die Spreu vom Weizen trennte dabei nicht allein die Gesamtbewertung, sondern auch die Kombination der Playstyles. Mittelfeldspieler, die nicht vernünftig passen konnten oder Stürmer ohne Schuss-Playstyles landeten gleich auf dem Abstellgleis.
Ich spreche aus einschlägiger Erfahrung. Unzählige Spielerinnen und Spieler jenseits der 90 habe ich ausprobiert, insbesondere seit März. Aber kaum eine Karte schaffte es, mich zu überzeugen. Schlechtes Positionsspiel, schwacher Antritt, mangelnde Physis, nutzlose Playstyles – und das bei Profis, die auf dem Papier nach einem krassen Upgrade aussahen.
Inzwischen kann ich eine komplette Elf mit TotS-Items aufstellen. Aber selbst darunter sind höchstens drei, die meine bestehende Truppe tatsächlich verstärken. Natürlich sind Zahlen niemals alles. Auch Spielstil und Vorlieben entscheiden darüber, ob es passt oder nicht. Doch wenn mein "Schattenstürmer" Florian Wirtz (Gesamtbewertung 91) seit fast drei Monaten rund 90 Prozent aller theoretisch besseren Alternativen mühelos in die Tasche steckt, läuft irgendwas schief. Oder richtig, weil seine grandiose Leistung ungefähr das widerspiegelt, was er in dieser Saison auf dem realen Fußballplatz veranstaltet hat. Zudem war die damalige Squad Building Challenge ausgesprochen günstig. Das nennt man eine Investition mit langfristigem Wert.
Allerdings geht dabei eine zentrale Motivation für das Spielen von Ultimate Team verloren: die Vorfreude auf Kampagnen, ihre Items und die damit verbundene Verbesserung des eigenen Kaders. Die bärenstarken Spielerinnen und Spieler tauchen seltener auf als Schnee im Hochsommer, der lahme Rest steckt dafür in jedem dritten Pack. Klar, ich kann alles in Squad Building Challenges versenken. Doch viele davon stärken meine Mannschaft ebenso wenig wie die Karten, die ich dafür abgebe.
Einige Profis behalte ich in der Hoffnung auf eine künftige Evolution. Damit kann ich schwächere Spielerinnen und Spieler teils umfassend verbessern, unter anderem in Sachen Werte, Playstyles und Positionen. Damit einher geht jedoch ein weiteres Problem: Einige Evos pushen Items so sehr, dass sie danach besser dastehen als neu veröffentlichte Karten. Warum sollte ich die also noch haben wollen?
EA ist an allem schuld – oder?
Es ist ganz leicht, die Schuld an jeder Misere dem Entwicklerteam bei Electronic Arts zuzuschieben – so geschehen im Zusammenhang mit der angeblichen Gameplay-Verschlechterung durch einen Soft-Patch in EA Sports FC 25 im Januar. Natürlich, die Macher hinter Ultimate Team steuern die Veröffentlichung neuer Kampagnen und Karten, doktern mit Patches am Titel herum und beeinflussen damit maßgeblich das Spielgefühl.
Das passiert aber auf Grundlage des Community-Feedbacks. Und damit sind keine mehr oder weniger sinnvollen Kommentare in irgendwelchen Foren gemeint, sondern Faktoren wie die Spielzeit, beliebte Karten und Packs sowie die Art und Menge gekaufter Inhalte. Das bestimmt darüber, was bei Ultimate Team passiert.
Weil der Modus seit Jahren die wichtigste Einnahmequelle für EA darstellt, wurde selbstverständlich nach Wegen gesucht, damit noch mehr Geld zu verdienen: häufigere und längere Kampagnen, die Einführung von Heroes und neuen Icons, unterschiedliche Versionen beliebter Items und zuletzt ein Season Pass. Damit die Leute jede Woche aufs Neue spielen und kaufen, wird regelmäßig eine Schippe draufgelegt: frische Profis, Heroes und Icons mit besseren Werten, mehr Playstyles und zusätzlichen Rollen.
In EA Sports FC 25 gehen 13 neue Heroes im Ultimate Team an den Start. Der Trailer zeigt euch einige der ehemaligen Spitzenspielerinnen und -spieler, die dabei sein werden.
Das alles passierte allerdings nicht von heute auf morgen. Stattdessen wurde jede neue FIFA- oder EA-FC-Iteration um Inhalte aufgestockt. Die Spirale drehte sich weiter, und die Community nahm diese Entwicklung an, indem sie ungebrochen fleißig zockte und Geld ausgab. Selbst die teils horrenden Preise für Packs im Store und kosmetische Items à la Trikots oder Stadion-Dekorationen werden offensichtlich bezahlt, ansonsten gäbe es sie längst nicht mehr.
Im diesjährigen Ultimate Team sieht man jedoch überdeutlich die Probleme, die das Prinzip “Höher, schneller, weiter” mit sich bringt. Um den Modus langfristig attraktiv zu halten, muss die durchschnittliche Gesamtbewertung neuer Items fast ein Jahr lang kontinuierlich angehoben werden. Wenn aber schon drei Monate nach dem Spielstart zahlreiche Mannschaften mit lauter 92er-Karten bestückt sind, bleibt wenig Raum für weitere Verbesserungen.
Zugleich waren diverse Kampagnen inhaltlich völlig überladen. Selbst absolute Gelegenheitszocker haben längst so viele Top-Leute im Team, dass sie gar nicht mehr wissen, wen sie überhaupt aufstellen sollen. Das hat viele Profis, Heroes und Icons massiv entwertet und damit zu reinem Futter für die mehr oder minder sinnvollen Squad Building Challenges gemacht. Von Freude oder Spannung beim Öffnen der Packs kann inzwischen keine Rede mehr sein, stattdessen regieren Langeweile und Gleichgültigkeit.
Potenzielle Problemlösungen
Es wäre nicht verkehrt, würde man für EA Sports FC 26 zwei oder drei Gänge runterschalten. Das heißt: eine reduzierte Anzahl von Kampagnen mit weniger Items, die dafür jedoch alle spielerisch reinhauen. Die Community würde in der Weekend League weiterhin für hohe Ränge schwitzen und massig Packs kaufen, um an diese begehrten Karten heranzukommen. Daneben könnte man etwas teurere, aber mittelfristig lohnenswerte Squad Building Challenges anbieten und das nahezu irrelevante Team of the Week mit Werte-Upgrades etwas attraktiver machen.
Ich persönlich habe überhaupt kein Problem damit, auch mal zwei Wochen am Stück die gleiche Truppe aufs Feld zu schicken. Wenn dann ein Knaller im hart erspielten Pack steckt, ist die Freude darüber schließlich umso größer. Ich bin mir sicher, dass viele andere aus der Ultimate-Team-Community ähnlich denken.
Dreht sich die Spirale hingegen weiter wie bisher, gerät die kontinuierliche Weiterentwicklung des eigenen Teams vermutlich noch schneller ins Stocken, als es in diesem Jahr der Fall war. Es wäre schade um das sehr gute Spielgefühl, das man mit dem großen Gameplay Refresh Update im Januar geschaffen hat. Das darf man gerne beibehalten und für FC 26 verfeinern. Kommt dann noch der Jubel über krasse Karten zurück, ist alles wunderbar.
Anmerkung: Sämtliche Angaben zu den Item-Preisen sind auf dem Stand vom 14. Mai, 10 Uhr.

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