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Preview - Elden Ring: Nightreign : 6 Stunden gespielt: Ich hätte nie gedacht, dass es so Bock macht

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Mal ehrlich: Die überwiegende Mehrheit der Elden-Ring-Fans hat sich doch bei der Ankündigung des Ablegers Nightreign im ersten Moment gedacht: „Geil, Elden Ring!“ Und gleich danach: „Aber was ist das?! Sowas will ich nicht!“ Ein Koop-Ableger mit Roguelike-Gameplay – das klingt nach etwas, das andere Spiele wie Ghost of Tsushima und Assassin’s Creed: Valhalla als kostenlosen DLC nachlieferten, um die Spieler auch lange nach Release noch ein bisschen bei der Stange zu halten. Aber als Souls-Fan habe ich darauf eigentlich keinen Bock – und erst recht nicht will ich dafür auch noch Geld bezahlen.

Nun habe ich Elden Ring: Nightreign sechs Stunden lang ausführlich gespielt und kann erstaunt vermelden: Nee, das macht schon ordentlich Bock! Und dürfte vor allem auch für Spieler interessant sein, die mit Elden Ring und Souls-Spielen im Allgemeinen bislang nur wenig in Kontakt kamen, dafür aber gerne Online-Koop-Games wie Destiny, Remnant, Deep Rock Galactic, Warframe oder insbesondere Monster Hunter spielen.

Ein Open-World-Koop-PvE-Battle-Royale. Hä?!

Doch was ist Elden Ring: Nightreign nun eigentlich genau? Nun, am einfachsten erhält man eine Vorstellung, wenn man die einzelnen Genre-Komponenten des Spiels schlicht aneinanderreiht: Es handelt sich nämlich um ein Open-World-Koop-PvE-Battle-Royale-Roguelike. Uff, was für ein Wortungetüm! Klingt erstmal kryptisch, doch betrachten wir mal eben jeden einzelnen Punkt für sich, dann dürfte das grundlegende Spielprinzip ziemlich klar daraus hervorgehen.

Open World: Gespielt wird in einer offenen Spielwelt, die von ihrer Größe einem der Gebiete des „Hauptspiels“ entspricht, mit allem was dazu gehört: normale Gegner, Hügel und Schluchten, Burgen und Kirchen, Soldatenlager mit Schatztruhen, sowie zahlreiche Mini-Bosse, die man großteils schon kennt, wie das Nilpferd, der Löwenmensch, der Ritter hoch zu Ross oder der schwarze Drache im See.

Koop: Diese Welt erkundet ihr zusammen mit zwei Mitspielern. Zwar könnt ihr auch alleine losziehen – dann werden euch zwei KI-Mitstreiter an die Seite gestellt. Dies ist aber allenfalls zur Übung empfohlen. Längerfristig macht es wenig Sinn. Reine Zwei-Spieler-Partien werden überhaupt nicht unterstützt, da das Spielprinzip darauf nicht ausgelegt ist.

PvE: Gemeinsam vollbringt ihr nun typische Elden-Ring-Sachen: Kämpft gegen Untote, um Runen zu farmen und Schatztruhen um ihre Beute zu erleichtern und so den Charakter zu verbessern, um immer stärkere Herausforderungen zu meistern. Mitunter ist es sinnvoll auszuschwärmen und unterschiedliche Vorhaben an unterschiedlichen Orten zu erledigen: Während der eine Spieler einen zusätzlichen Gesundheits-Flakon aus der Kirche im Tal besorgt, säubert ein anderer das Soldatenlager, um dort neue Waffen zu erbeuten, während der Dritte im Bunde eine Mine um ihre Schmiedesteine erleichtert. Danach trifft man sich wieder, um gemeinsam den Baum-Boss zu schlachten, um sich mit seinen Seelenpunkten fürs Finale aufzupowern, denn …

Battle Royale: Wie in Battle-Royale-Spielen à la Fortnite und PUBG wird die Spielwelt im Verlauf immer kleiner und kleiner. Im Gegensatz zu diesen Genrevertretern kämpft ihr in Elden Ring: Nightreign allerdings wie gesagt nicht gegen andere Spieler, sondern die Widrigkeiten der Spielwelt. Am Ende, etwa nach einer halben Stunde, ist diese auf die Größe einer Arena geschrumpft, in der euch der Boss gegenübersteht. Ziel der ganzen Unternehmung davor ist es daher, den eigenen Charakter so schnell und weit wie möglich zu verbessern, um für den Showdown gewappnet zu sein.

Habt ihr den Boss besiegt, geht es in die zweite Runde und das Spielchen von vorne los. Wieder heißt es: erkunden, kämpfen, leveln, verbessern. Bis abermals die Spielwelt vom umgebenden Nichts verschluckt wurde und der zweite Boss ansteht. Ist auch dieser gefallen, erwartet euch zum Finale ein ganz besonders spektakulärer Kampf.

Roguelike: Danach geht’s zurück in die Tafelrunde, um nach Roguelike-Manier dezente, permanente Charakterverbesserungen freizuschalten und sich in neue Abenteuer gegen neue, stärkere Bosse zu stürzen. Scheitert ihr vorher, seid ihr wenigstens an Erfahrung reicher, und allein das ist viel wert. In unseren Partien lief jeder folgende Durchlauf spürbar besser als der vorherige, weil man die Spielwelt immer genauer kennt, weiß, wo sich nützlicher Loot befindet, Gegner und Bosse verstehen gelernt hat und die eigene Route von einem zum nächsten kontinuierlich optimiert.

Du bist gestorben? Halb so wild

So, das war’s im Grunde. Nun wisst ihr im Großen und Ganzen, was Sache ist. Alles Weitere sind nun eigentlich nur noch Details. Jedes Abenteuer beginnt in der Tafelrunde, die als Hub fungiert. Hier verabredet ihr euch mit euren Mitspielern, übt das Kampfsystem auf dem Trainingsgelände und wählt eure Klasse, von denen es acht im fertigen Spiel geben wird: Nahkämpfer, Tank, flinker Geschicklichkeits-Build oder Magier, das Übliche eben.

Viele Spielmechaniken aus Elden Ring wurden dafür stark vereinfacht, damit ihr euch während der Online-Partien nicht im Kleinklein der Feinheiten verzettelt. Bei Levelaufstiegen an den Lagerfeuern vergebt ihr keine Punkte in einzelne Kategorien wie Gesundheit, Stärke, Intelligenz etc. Stattdessen wählt das Spiel automatisch Werte, die für euren Charakter sinnvoll sind und gleichzeitig Gesundheitsbalken, Ausdauer und Angriffskraft stärken. So verplempert ihr keine unnötige Zeit mit dem Feintuning an eurem Build.

Geht ihr drauf, markiert kein „You Died“-Schriftzug das Ende eures Abenteuers. Stattdessen gesteht ein kurzes Zeitfenster euren Mitspielern die Gelegenheit zu, euch wiederzubeleben. Verstreicht dieses, respawnt ihr an einem Leuchtfeuer in der Nähe, verliert dadurch aber eure Runen, die ihr Souls-typisch am Ort des Ablebens wiedergewinnen könnt. Nur wenn keiner der Spieler mehr in einem Bosskampf aufrecht steht, bedeutet dies das endgültige Ende eures Runs.

Meine ersten Begegnungen mit dem ersten Boss – eine Art riesiger Tausendfüßler – waren daher vom üblichen Souls-Gefühl geprägt: „Wie sollen wir das jemals schaffen?“ Denn es braucht erstmal ein paar Anläufe, um sich zurecht zu finden, die Spielwelt und ihre Herausforderungen kennen zu lernen und daraus gemeinsam eine Vorgehensweise zu entwickeln. Gerade zu Anfang artet das mitunter in Stress aus, schließlich ist die Zeit der größte, der ständige Feind, während sich die Spielwelt-Begrenzung wie das Nichts aus der Unendlichen Geschichte unaufhaltsam nähert und dadurch äußere Regionen nicht mehr begehbar macht.

Soll ich diese Gebäuderuine dort hinter der Böschung erkunden in der Hoffnung auf eine Schatztruhe mit einer mächtigen Waffe darin? Oder erledige ich vorher noch schnell die Karawane aus Untoten, um mich für das Vorhaben aufzupowern? Aber wo verflixt ist denn nun das nächste Leuchtfeuer, um die gewonnen Punkte auch in Level-ups einzulösen?!

Doch allmählich lernt man die Spielwelt kennen, weiß, wo es was zu erbeuten gibt, zeichnet sich ein sinnvoller Weg hindurch von einer Aufgabe zur nächsten ab: Die Monsterblume hinter der Böschung ist recht einfach zu legen und gibt wertvolle Punkte, um für den Löwenmenschen im nahen Wald dahinter gewappnet zu sein. Danach holen wir uns noch schnell den zusätzlichen Flakon aus der Kirche und müssten dann stark genug sein für den Drachen im Sumpf. Der bringt mächtige Belohnungen, die den entscheidenden Vorteil verheißen. Und wenn dann noch Zeit ist, beschwören wir den tänzelnden Assassinen aus seinem steinernen Gefängnis ...

Die meisten Orte, Gegner und (Zwischen-)Bosse kennen Elden-Ring-Spieler schon aus dem „Vorgänger“. Selbst manche Prominenz aus den Dark-Souls-Spielen gibt einen Gastauftritt (der Namenlose König auf seinem Riesenvogel aus Dark Souls III etwa war im Trailer bereits zu sehen, in unserer Presse-Demo aber noch nicht enthalten). Die keifenden Skeletthunde sind genauso zurück wie die Fledermäuse, Krabben, krabbelnden Hände und sogar die drolligen Schneemänner mit ihrer Tröte aus der Hauptstadt.

Die bislang gesichteten Bosse grüßen zum Wiedersehen mit alten Freunden wie dem „Michelinmännchen“-Götterskalpe, dem blinden Riesen-Snoopy, dem geflügelten Ritter, dem „Gollum auf Speed“ aus dem Erdtree-DLC, und auch Margit, das grausame Mal, wird euch wie damals einige Male den Allerwertesten versohlen.

Völlig neu fallen hingegen die finalen Bosse eines jeden Runs aus, und die sind wieder durch und durch Spektakel à la From Software in Höchstform. Zumindest der eine, der uns am Ende unserer Anspieldemo zähnefletschend erwartete: ein riesiger Zerberus-Fuchs mit drei Köpfen – und dadurch eben in seiner Vorgehensweise speziell auf ein Drei-Spieler-Team zugeschnitten. Doch nicht nur das: Zwischendurch reißt er sich vorübergehend immer mal wieder in Stücke und tritt euch in Form dreier einzelner Füchse entgegen, wodurch nun eben nicht mehr drei Spieler auf einen Boss einknüppeln, sondern jeder seinem eigenen, persönlichen Widersacher gegenübersteht. Hammer!

Bibi & Tina würden Elden Ring spielen. Nicht

Damit nicht jeder Run demselben Muster folgt, werden manche Bestandteile in jedem Durchgang zufällig verteilt. Wo eine Runde zuvor noch eine Burgruine stand, steht in der nächsten womöglich ein Zeltlager voller Soldaten. Insbesondere aber der erbeutete Loot fällt jedes Mal anders aus, was Erfolg oder Niederlage auch ein wenig zur Glückssache macht, weil viele der gefundenen Waffen etwa für die eigene Charakterklasse nutzlos sind – wenn sie dann aber mal taugen, dann so richtig.

Euer Pferd Sturmwind aus Elden Ring lässt sich in Nightreign übrigens nicht reiten, um schneller voran zu kommen. Stattdessen seid ihr die ganze Zeit ausschließlich zu Fuß unterwegs. Da die Spielwelt aber deutlich kompakter aufgebaut ist, genügt das völlig. Auch weil es keinen Fallschaden gibt und ihr daher auch einfach mal direkt vom Berg ins Tal springen könnt, wo ihr ansonsten einen weiten Umweg hättet nehmen müssen. An glitzernden Bäumen könnt ihr zudem riesige Adler besteigen, die euch ähnlich wie Frodo und Sam nach Vernichtung des Rings quer über die Landkarte fliegen, um so schnell an Orte zu gelangen, die zu erreichen die verbleibende Zeit sonst nicht mehr zulassen würde.

Federführend bei Nightreign ist übrigens nicht Souls-Erfinder Hidetaka Miyasaki selbst. Der hatte mit der Entwicklung dieses Ablegers nichts mehr zu tun und ließ stattdessen Junya Ishizaki völlig freie Hand, der in Elden Ring in leitender Funktion für das Kampfsystem verantwortlich zeichnete.

Elden Ring: Nightreign erscheint am 30. Mai. Vom 14. bis 17. Februar findet zudem eine Closed Beta auf PS5 und Xbox Series X|S statt, in der Interessierte schonmal ins Spiel schnuppern dürfen. Das fertige Spiel wird aber auch auf PC, PS4 und Xbox One erscheinen. Einen offiziellen Verkaufspreis nennt Publisher Bandai Namco noch nicht. Sicher ist aber, dass Elden Ring: Nightreign nicht zum Vollpreis verkauft werden soll.

Update: Soeben erreichte uns die Nachricht, dass Elden Ring: Nightreign für 39,99 Euro erhältlich sein wird. Die Deluxe Edition mit Soundtrack, digitalem Artbook und einem DLC mit neuen Charakteren und Bossen soll 54,99 Euro kosten.

Fazit

Matthias Grimm - Portraitvon Matthias Grimm
Elden Ring: Nightreign ist das Spiel, von dem du vermutlich noch nicht weißt, dass du es brauchst

Freust du dich schon auf Elden Ring: Nightreign? Dann weiter so. Denkst du dir aber noch: „Hmm, nee, das spricht mich nicht an“, dann denk nochmal gut drüber nach. Ich kann dich verstehen und habe genauso gedacht, aber meine Meinung nach dem Anspielen geändert.

Zumindest auf den ersten Blick scheint Elden Ring: Nightreign etwas auf verlorenem Posten zu stehen. Ein Online-Koop-Ableger ist jedenfalls nicht das, was Souls-Fans zu spontanen Begeisterungsstürmen hinreißt. Und umgekehrt haben Spieler von vergleichbaren Multiplayer-Titeln wie Monster Hunter und Warframe nicht unbedingt Elden Ring als naheliegendes Objekt der Begierde auf dem Schirm. Doch genau diese ungewöhnliche Schnittmenge macht Elden Ring: Nightreign so einzigartig. Und richtig Bock! Das kann ich nach sechsstündigem Anspiel jedenfalls schonmal garantieren.

>> 10 Tipps & Tricks zu Elden Ring, die wir gerne vorher gewusst häten <<

Nur eine Sache sollte jeder im Vorfeld sicherstellen: dass ihr zwei Freunde zum gemeinsamen Abenteuern zur Seite wisst. Denn alleine oder mit random Mitspielern aus dem Internet hat Elden Ring: Nightreign wenig Sinn. Als eingeschworene Truppe aber kennt die Freude (und natürlich auch das Leid) kein Halten mehr. Zusammen die Spielwelt zu erkunden, Bosse zu schlachten und sich so nach und nach für das spektakuläre Finale aufzupowern, während einem der Zeitdruck der sich schließenden Battle-Royale-Grenzen der Spielwelt im Nacken sitzt, dabei nach und nach Ausrüstung und Vorgehensweise zu optimieren, bis aus dem anfänglichen Chaos ein glorreicher Triumph wird, motiviert schon jetzt für viele vergnügliche Stunden.

Wie viele daraus letztlich werden, ist eine der Fragen, die das fertige Spiel bei Release noch beantworten muss. Immer neue und schwerere Bosse (die in unserer Demo noch nicht enthalten waren) sollen den Antrieb konstant aufrechterhalten, sich immerzu neuen Herausforderungen zu stellen. Entscheidend für die Langzeit-Motivation wird sein, ob und wann sich dabei das Gefühl einstellt, irgendwann „alles gesehen“ zu haben. Oder eben nicht.

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