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Test - Elden Ring Nightreign : Test: Das wohl mutigste Spiel der Dark-Souls-Macher

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Mit Hypes ist es immer so eine Sache. Springen Studios zu schnell auf den Zug auf, kommen zumeist unfertige und nach Cashgrab stinkende Spiele dabei raus. Lassen sie sich hingegen zu viel Zeit, besteht das Risiko, dass die Popularität abflacht. Umso interessanter fällt Elden Ring: Nightreign aus. Sowohl Roguelites als auch Battle Royales haben ihre besten Zeiten hinter sich und entsprechend viel wagt From Software mit dem Spin-off. Fans des Hauptspiels haben nämlich nicht zwangsweise Spaß an dem Multiplayer-Titel.

Drei tapfere Krieger ziehen los, um der ewig währenden Nacht von Limveld Einhalt zu gebieten. In dieser düsteren Parallelwelt zu Limgrave herrschen die Nachtfürsten, mächtige Wesen mit der Kontrolle über Raum und Zeit. Die Götter kehrten der Welt schon lange den Rücken und jetzt ist es an den acht Nachtwandlern, die unendliche Dunkelheit zu beenden und die Nachtfürsten in den wohlverdienten Ruhestand zu schicken.

Die Grundprämisse der Story von Elden Ring: Nightreign passt perfekt zur düsteren Welt des Hauptspiels. Trotz der eingeschränkten Möglichkeiten beim Storytelling im Rahmen eines Multiplayertitels schafft es From Software aber regelmäßig, kleinere Infobrocken einzubauen, und jede der acht Figuren verfügt über eigene Tagebucheinträge, die ihr nach und nach freischaltet. Bei jedem anderen Studio würde ich mich jetzt über öde Textwüsten und kryptische Dialoge beschweren, aber hier gehört das ja irgendwie zum Erlebnis.

Wir sind sehr wohl aus Zucker

Letztlich fällt die Story aber weitestgehend irrelevant für das eigentliche Spiel aus. Entweder alleine oder zu dritt zieht ihr aus und stürzt euch in den wilden Genre-Mix. Im Kern handelt es sich bei Elden Ring: Nightreign nämlich um ein Roguelite. Bei jedem Anlauf würfelt das Spiel die Welt neu aus, wobei das grundlegende Layout meistens gleich bleibt. Die Positionen von feindlichen Camps, Kirchen und Bossen variiert aber ebenso wie das Loot, das euch erwartet.

Um euch ordentlich Feuer unterm Hintern zu machen, ließen sich die Entwicklerinnen und Entwickler zudem gehörig vom Battle-Royale-Genre inspirieren. Nach einer gewissen Zeit verkleinert sich die Map nämlich, ihr dürft euch nur noch in einem bestimmten Radius bewegen. Verlasst ihr diesen, nehmt ihr kontinuierlich Schaden. Der fallende Regen scheint saurer Natur zu sein oder die Nachtwandler werden einfach nicht gerne nass.

Eine Runde teilt sich in drei Nächte auf. Die ersten beiden verengen jeweils in zwei Schritten die Welt und setzen euch schließlich einen Zwischenboss vor. Diese variieren von Rittern hoch zu Ross hin zu alten Bekannten wie den Tree Sentinels und sogar der Namenlose König aus Dark Souls 3 stellt sich euch in den Weg.

Habt ihr die zweite Nacht erfolgreich überstanden, geht es ohne Umschweife zum jeweiligen Nachtfürst. Insgesamt acht der Obermotze bietet Elden Ring Nightreign, allerdings steht zunächst nur der dreiköpfige Hund Gladius zum Kampf bereit. Erst wenn ihr ihn gelegt habt, schaltet ihr weitere Expeditionen und entsprechend Bosse frei. Das verrät euch in bester From-Software-Tradition natürlich niemand, wie auch viele anderen Mechaniken des Souls-Rogue-likes selbst ergründet werden müssen.

Ebenfalls typisch für das Studio ist die epische Präsentation der Nachtfürsten. Besagter Zerberus Gladius macht euch mit seinem an einer Kette hängenden Schwert schwer zu schaffen und teilt sich in seiner zweiten Phase regelmäßig auf drei einzelne Hunde auf. Libra hingegen erinnert entfernt an den Ziegendämon aus dem ersten Dark Souls und haut euch bombastische Flächenattacken um die Ohren, die langsam den Wahnsinns-Statuseffekt aufbauen.

Selbst wenn euer Team zusammenhält und ihr die Resistenzen und Schwächen der Nachtfürsten bei der Waffenauswahl bedenkt, garantiert das keinen Sieg. Die Lebenspools der Bosse fallen absurd hoch aus und einige Attacken hauen euch mit einem einzigen Treffer aus den Socken. Da eine Partie davor gut und gerne 40 Minuten läuft, bevor ihr überhaupt beim jeweiligen Obermotz landet, lernt ihr deren Movesets nur sehr langsam, im Gegensatz zum Hauptspiel. Unfair fallen sie nur selten aus, Frust schleicht sich aber potenziell dennoch regelmäßig ein. Auch weil viele von ihnen wie von Sinnen quer durch die Arenen springen oder sich teleportieren und entsprechend nur schwer zu greifen sind.

Vorbereitung ist die halbe Miete

Nach einer jeden Expedition findet ihr euch in der Tafelrundfeste wieder, dem Hub des Spiels. Hier bereitet ihr euch auf den nächsten Anlauf vor. Vielfältige Möglichkeiten zur Anpassung erwarten euch aber nicht, die Startausrüstung für die acht Klassen ist fest vorgegeben. Lediglich durch die Relikte genannten Perks ändert ihr etwas an den Parametern. Diese erhaltet ihr zufällig als Belohnung für absolvierte und auch verlorene Runs.

Sie müssen farblich zu den Slots der Charaktere passen und verstärken Charakterwerte, erhöhen den Schaden mit bestimmten Waffengattungen, bieten seltsam spezifische Aufwertungen für einzelne Skills und vieles mehr. Bis ihr wirklich gute mit drei ausgefüllten Fähigkeitenslots erhaltet, ziehen aber einige Stunden ins Land. Permanente Fortschritte, die euch die Runs einfacher machen, sind demnach nur in homöopathischen Dosen zu erwarten – entscheidend für Erfolg oder Niederlage ist entsprechend vor allem der eigene Skill und die immer besser werdenden Kenntnis der Spielwelt.

Bei den Klassen erwartet euch eine angenehme Vielfalt. Der Wylder beispielsweise stellt mit seinem Schild und dem Großschwert einen Allrounder dar, das Eisenauge hingegen hält sich mit dem Bogen lieber im Hintergrund und das Gespenst beschwört spektrale Skelette und Krieger. Abgesehen von der Ausrüstung selbst hat jede Klasse noch einen passiven sowie zwei aktive Skills, einen regulären und einen ultimativen. Diese variieren von erhöhter Item-Entdeckungsrate über Wirbelwindattacken hin zu einer Verwandlung in eine riesige Hunde-Bestie.

Euer Team sollte abwechslungsreich aufgestellt sein. Im Idealfall zieht ihr mit mindestens einem Tank und einem Fernkämpfer los, allein schon zum Wiederbeleben. Geht ein Teammitglied zu Boden, müsst ihr es attackieren, um eine zweite Chance zu gewähren. Je öfter ihr umklappt, umso mehr Treffer werden nötig.

Zu Beginn verfügt ihr zudem nur über drei Heiltränke. Sobald ihr auf der Map gelandet seid, steht Routenplanung auf dem Programm. Kirchen bieten die dringend nötigen Flaschen zur Lebensregeneration, in Camps und Burgen warten Bosse und damit verbunden neue Waffen und Erfahrungspunkte, die ihr für Level-ups benötigt. Ihr startet immer auf Stufe Eins und wollt idealerweise das Maximallevel 15 vor dem jeweiligen Nachtfürsten erreichen. Nur mit maximaler Lebensenergie und dem größtmöglichen Schaden besteht eine Chance auf den Sieg.

Praktischerweise teilen sich die verdienten Erfahrungspunkte gleichmäßig auf das gesamte Team auf. Allerdings solltet ihr stets einigermaßen nah beieinander bleiben. In Minen findet ihr zudem Schmiedesteine, mit denen ihr eure Waffen verbessert.

Eine Welt im Wandel

Jede Runde von Elden Ring: Nightreign findet in Limveld statt, einer offenen Spielwelt, die der Anfangsregion aus dem Hauptspiel nachempfunden ist. Weitere Maps gibt es nicht, weshalb das immer gleiche Gebiet schnell ermüden kann. Nach einigen Siegen über die Nachtfürsten schaltet ihr immerhin besondere Weltevents frei. Diese verändern die Karte an bestimmten Punkten, beispielsweise taucht ein riesiger Vulkankrater auf oder ihr findet euch auf einem verschneiten Berggipfel wieder. In diesen veränderten Gebieten warten eigene Gegner und Geheimnisse, allerdings gibt es nur vier dieser Spezialgebiete. Entsprechend schnell nutzen sie sich ab.

Um möglichst schnell von A nach B zu kommen, steht euch anders als im Hauptspiel kein stattliches Spektralross zu Verfügung. Stattdessen gibt es einen waschechten Sprint, der ungefähr das gleiche Tempo wie der Gaul offeriert. Außerdem gibt es keinerlei Fallschaden mehr – eine willkommene Erleichterung für die schnellen Partien, weil man so einfach den direkten Weg zum Ziel nehmen kann und sich dabei direkt vom Berg ins Tal stürzt, ohne einen Umweg laufen zu müssen. Als anfangs etwas hakelig erweist sich hingegen der Wandsprung. Mit diesem stoßt ihr euch einmal ab und erreicht so auch höhergelegene Ebenen. Nach etwas Übung entwickelt man aber ein gutes Gespür, sonderlich hübsch anzusehen oder intuitiv fällt die Mechanik aber dennoch nicht aus.

Diese neuen Systeme mögen nach nicht viel klingen, verändern das Movement im Vergleich zum Hauptspiel aber immens. Ihr geht größere Risiken ein, wartet mit der Flucht vor dem Regen bis zum allerletzten Moment und nutzt Sprungplattformen, um euch in den Himmel zu katapultieren und höhere Ebenen zu erreichen. Dieses Tempo schlaucht nach ein paar aufeinander folgenden Runden ordentlich.

Gelegentlich tauchen die Nachtfürsten sogar vor ihrer eigentlichen Zeit mitten während eines laufenden Runs auf. Sie attackieren euch direkt oder hetzen euch Level-raubende Heuschrecken auf den Pelz. Ihre Movesets mögen eingeschränkt sein, weniger stressig macht dieses System das Spiel aber nicht. Immerhin winken besonders mächtige Belohnungen, wenn ihr sie besiegt.

Alleine? Ohne mich!

Selbst zu dritt in einem gut eingespielten Team artet Elden Ring: Nightreign schnell in Stress aus. Das Tempo ist enorm hoch und ohne externen Voice Chat beispielsweise über Discord bleibt lediglich die Kommunikation über simple Zielmarkierungen, die ihr zur Orientierung auf die Map setzt. Nicht einmal eine Option zur Abstimmung darüber, ob eine Runde vorzeitig beendet werden soll, bietet das Spiel. Auch Crossplay zwischen Playstation, Xbox und PC fehlt komplett.

Wahlweise dürft ihr auch alleine Jagd auf die Nachtfürsten machen. In diesem Fall skaliert Nightreign die Lebensenergie von Feinden nach unten und auch die Angriffsmuster der Bosse reduziert das Spiel. Das klingt auf dem Pergament super, in der Praxis erweist sich der Titel für Solisten aber als immens harte Nuss.

Wenn die Nachtfürsten schon in einem Dreierteam mehrere Minuten in Anspruch nehmen, könnt ihr euch die Schwierigkeit vorstellen, wenn ihr alleine loszieht. Zumal euch die Kameraden fehlen, die euch im Falle des Ablebens wieder auf die Beine helfen. Der Tod ist dann endgültig. Auch die allgemeine Anzahl an Standardgegnern verringert sich nicht merklich, was den Schwierigkeitsgrad noch weiter in die Höhe treibt. Plant ihr also, Elden Ring: Nightreign alleine in Angriff zu nehmen, kann ich euch nur vor diesem Vorhaben abraten. Dieser Titel ist ein Drei-Spieler-Koop-Game und sollte nicht anders gespielt werden. Über einen möglichen Zwei-Spieler-Modus denkt From Software zumindest nach.

Greift zu, wenn...

… ihr euch nicht an schweren Spielen stoßt und ein festes und Souls-like-erfahrenes Team zur Hand habt.

Spart es euch, wenn...

… ihr ein Erlebnis wie bei Elden Ring erwartet und alleine nach Limveld reisen wollt.

Fazit

Dennis Hilla - Portraitvon Dennis Hilla
Das Experiment Nightreign ist durchaus geglückt, steht aber dennoch auf einem schwierigen Posten

Meinen ersten Gedanken bei der Ankündigung hatten vermuten auch viele andere Elden-Ring-Fans: „Wollen die uns verarschen? Sowas brauche ich echt nicht.“ Denn der wilde Mix aus Fortnite und Hades ergab in meinem Kopf einfach keinen Sinn. Zumal Multiplayer nicht unbedingt die starke Seite von From Software darstellt. Ich meine, kein Crossplay im Jahr 2025? Ernsthaft?

Knappe 40 Stunden mit dem Spiel später bin ich so zwiegespalten wie selten. Die Partien bocken mit einem anständigen Team ungemein und die Kämpfe weisen die typischen Qualitäten des Hauptspiels auf – aber auch dessen Probleme. Sämtliche Movesets unterscheiden sich angenehm voneinander und das Trefferfeedback sucht im Souls-like-Genre noch immer seinesgleichen. Doch der Lock-on zickt durch die erhöhte Menge an Gegnern massiv, und ein paar zu viele Hiebe landen dank der unsauberen Hitboxen im Leeren.

Dass es nur eine einzige Map gibt, enttäuscht zudem, da helfen auch die regelmäßig auftauchenden Events wie der Schneeberg oder Krater nur bedingt. Letztlich fühlt sich jeder Run etwas zu ähnlich an, was freilich zu Roguelites gehört – aber Elden Ring: Nightreign tritt in diesem Punkt einfach etwas penetranter auf. Das liegt sicherlich auch am Mangel an dauerhaften Upgrades, die das Gefühl vermitteln würden, etwas erreicht zu haben oder wenigstens für zukünftige Runs besser gerüstet zu sein.

>> Anders, aber ähnlich: Die 10 besten Extraction-Shooter <<

Alleine braucht ihr in das Multiplayer-Spiel eigentlich gar nicht erst losziehen – darauf ist es trotz runterskaliertem Schwierigkeitsgrad schlicht nicht ausgelegt. Im Team aber bringt jeder Anlauf enorm viel Laune. In einem Affenzahn durch Limveld zu rennen, die perfekte Route zu finden und dabei die stets lauernde Gefahr des Regens im Rücken zu haben, treibt den Puls schnell nach oben und wenn der jeweilige Nightlord dann nach langen Minuten doch noch das Zeitliche segnet, ist das Hochgefühl kaum in Worte zu fassen. Jeder Versuch bringt euch etwas Neues bei und durch die individuellen Storylines der Charaktere bietet das Spiel auch erzählerisch unerwartete Überraschungen.

Dennoch wird es Elden Night: Nightreign auf dem Markt nicht leicht haben. Denn Fans des Hauptspiels dürften aufgrund des absurden Tempos und der Zufallskomponente nur bedingt Gaudi haben. Für die Roguelite-Community könnte der Mangel an dauerhaften Upgrades zum Dealbreaker werden. From Software geht ein großes Wagnis ein, doch wenn ihr frustresistente Freundinnen und Freunde an der Hand habt, kann ich euch nur sagen: Lasst euch von der enormen Einstiegshürde nicht abschrecken! Es lohnt sich.

Überblick

Pro

  • interessante Klassen, von denen keine überflüssig ist
  • From-Software-typisch gelungenes Kampfsystem
  • Welt-Events als spannende Variable
  • hohes Risiko, hohe Belohnung auf die Spitze getrieben
  • großartige Audiokulisse
  • Springt hilft enorm bei der Fortbewegung
  • Jeder Run bringt etwas Neues bei
  • Relikte erlauben interessante Anpassungen
  • Gewohnt epische Präsentation der Bosse

Contra

  • heftige Lernkurve
  • viele Bosse zu tanky und entsprechend anstrengend
  • Limveld als einziges Gebiet etwas öde
  • Balancing vor allem solo nicht ausgereift
  • vergleichsweise wenig dauerhafte Upgrades
  • Klettern fühlt sich unsauber an
  • kein Crossplay

Awards

  • Mehrspieler
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Kommentarezum Artikel

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