Test - Little Nightmares 3 : Der Albtraum ist zurück: Toller Puzzle-Plattformer jetzt im Koop
- Multi
Im Vierjahresrhythmus ist es Zeit für Albträume. Ob Fußball-Weltmeisterschaft der Herren, Bundestagswahlen oder eben Little Nightmares 3 – uns bleibt auch nichts erspart. Im Falle der kleinen Albträume stellt sich das jedoch als glückliche Fügung heraus. Denn der Teil hat den Studiowechsel von Tarsier nach Supermassive Games (Until Dawn) nicht nur schadlos überstanden, sondern das Konzept erfolgreich weiterentwickelt.
Während wir in den Vorgängern „nur“ ein Kind in dessen Albtraumwelten spielten, in denen es psychologisch verwurzelten Gefahren zu entkommen galt, haben wir in Little Nightmares 3 die Wahl zwischen Low und Alone. Ausgerüstet mit entweder einem Bogen oder einem Schraubenschlüssel als Waffe und Werkzeug, müssen wir uns gemeinsam durch verschiedene Albtraumwelten schlagen. Das geht idealerweise mit einem zweiten Menschen für die andere Figur – oder natürlich auch dem Rechner. Die KI stellt sich dabei meistens clever an, folgt uns in sinnvollem Abstand und packt automatisch mit an, wenn es etwa gilt, Türen oder Hindernisse zu bewegen.
Albtraumhafte Atmosphäre
Ein Blick auf die Screenshots oder eine Millisekunde in jedem Video des Spiels macht es offensichtlich: Little Nightmares 3 liefert eine beklemmende und dichte Atmosphäre, die es in dieser Vollendung selten gibt. Dazu tragen einerseits die klugen Welt- und Landschaftsgestaltungen bei, von den tollen Sandeffekten in der „Wüste“ bis zum Süßwaren- und Kirmeshorror.
Auch die Kameraführung wird meisterhaft eingesetzt, um Perspektiven zu verschieben, um Größenverhältnisse, Entfernungen und Richtungen einzufangen – und natürlich auch, um spielerische Hier-geht’s-lang-Tipps zu geben. „Cineastisch“ als Beschreibung hat sich ja ein wenig abgenutzt, seitdem es inflationär für jeden PS2-Filmschnipsel mit abstrakt erkennbaren Gesichtsausdrücken verwendet wurde, doch hier trifft es völlig zu.
Oft fühlt sich das Voranschreiten an, als würde jemand aktiv im Regieraum die Fäden ziehen. Auch die subtile Änderung der Perspektive – mal geht es her von links nach rechts, mal müssen wir tief in einen Raum und natürlich auch hoch und runter – wird hervorragend eingesetzt.
Die akustische Untermalung bleibt dabei eher im Hintergrund, Sprachausgabe gibt es nicht. Stattdessen werden Geschichte, Ängste und Antagonist über die phantastischen Animationen übertragen. Das hat schon in den Vorgängern oder auch in Titeln wie Journey funktioniert, Little Nightmares 3 zelebriert es geradezu.
Spukige Sprungeinlagen
Stück für Stück arbeiten sich Low und Alone so durch eine schaurige Welt, in der verschiedenste Herausforderungen und Bedrohungen lauern. Sprung- und Hindernis-Passagen müssen ebenso überwunden werden wie Rätsel in der Umgebung: Hebel und Maschinen bewegen, mit unseren Werkzeug-Waffen Geröll beseitigen oder seidene Fäden durchtrennen. Die Lösungen sind dabei nicht komplett offensichtlich, aber selten wirklich obskur. Kleiner Wermutstropfen: Wenn wir länger an einer Stelle scheitern, was der Verfasser natürlich aus rein journalistischem Interesse ausprobiert hat, hätte sich ein kleines Hinweis-System schon als hilfreich herausgestellt. Und: nicht immer ist die gespenstische und natürlich maximal düstere Welt direkt lesbar – hier kann aber zum Beispiel die Einstellung helfen, interaktive Gegenstände direkt zu markieren.
Auch das Wegrennen vor einer zerfallenden Umgebung oder dem bedrohlichen Licht einer riesigen uns verfolgenden Kreatur zählt dazu und geht auch mit der Tastatur gut von der Hand, am Gamepad sowieso. Die lichtscheuen Passagen, die ein wenig an die Scarecrow-Passagen von Arkham Asylum erinnern, bringen dabei noch einmal besonders die inszenatorische Kraft des Spiels hervor – und sorgen auch für ein paar wirklich überraschende Schreckmomente.
Zu den seltenen nicht ganz so gelungenen Passagen zählen dabei die Kampf-Momente. Hier stört das recht behäbige Verhalten und die langsamen Animationen unserer Figuren mitunter. Das passt zwar zum Setting, schließlich haben wir es nicht mit persischen Prinzen oder akrobatischen Assassinen zu tun, sorgt aber trotzdem für kurze Frustmomente.
Solche Momente bleiben aber insgesamt klar im Hintergrund. Auch nach Stunden überzeugt Little Nightmares 3 noch mit klugen Ideen zum Ausnutzen der Umgebung und einer beklemmenden Geschichte.
Greift zu, wenn...… gruseliges Springen und Rätseln nach der perfekten Spuktober-Unterhaltung für euch klingt.
Spart es euch, wenn...… ihr jeden Schreckmoment selbst im Tatort mit einer halben Staffel Glücksbärchis kompensieren müsst.






Kommentarezum Artikel