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Test - Logitech RS50 : Test: Der neue Preis-Leistungs-König unter den Direct Drive-Lenkrädern

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Bei den massenmarkttauglichen und konsolenfreundlichen Direct-Drive-Lenkrädern tat sich lange nichts. Seit der Übernahme durch Corsair dümpelt der einstige Platzhirsch Fanatec vor sich hin, während MOZA hohe Ambitionen zeigt, aber mit der solitären Xbox-Unterstützung auf die falsche Konsole gewettet hat. Branchenriese Logitech witterte seine Chance – und schlägt nun eiskalt zu. Das RS50 samt Zubehör ist eine Kriegserklärung an die Konkurrenz.

Kaum liegt die umweltfreundlich verpackte Base auf dem Tisch, wird klar: Logitech hat hier kein beliebiges Peripheriegerät gebaut, sondern eine Kampfansage. Das RS50 ist nicht laut, nicht bunt, nicht bemüht, cool zu wirken – es wirkt vielmehr so, als hätte jemand bei Logitech die Geduld verloren, den Premium-Markt anderen zu überlassen. Das Ergebnis ist ein Direct-Drive-System für PC, PlayStation und Xbox, das wenig neu erfindet, aber vieles zurechtrückt.

Die Geschichte des RS50 beginnt mit einer Erkenntnis: Zwischen Einsteigerlenkrädern und den sündhaft teuren High-End-Systemen klafft trotz vieler Bemühungen anderer Firmen eine Lücke – ein Niemandsland aus Übergangslösungen, zu teuer für Anfänger, zu leistungsschwach für Profis, zu kompliziert gedacht für all jene, die keine Lust haben, sich durch Anschlussmethoden und Treiberdetails zu arbeiten. Genau hier setzt Logitech an.

Kein Preiskampf, sondern ein Qualitätskampf

299 Euro kostet euch die PC-Version des RS50, 399 Euro legt ihr für die Version hin, die von Haus aus auf dem PC und der PlayStation funktioniert (egal ob PS4 oder PS5). Das ist allerdings der jeweilige Preis für den reinen Motor – ohne Lenkrad, ohne Pedale.

Bundles mit einem Lenkrad-Aufsatz samt Tischklemme gibt es ebenfalls. 649 Euro müsst ihr für so ein Bundle berappen, und hier wird es dann auch für Xbox-Besitzer interessant, denn während die Base den PlayStation-Erkennungschip beinhaltet, liegt das Gegenstück für die Xbox im ansteckbaren Lenkrad-Hub. Das System funktioniert also sehr ähnlich wie bei Fanatec: wer ein Lenkrad für beide Konsolen benötigt, kauft die PlayStation Base und steckt ein Xbox-Lenkrad dran – tadaa, schon funktioniert es mit beiden Systemen (und dem PC).

Da fehlen dann noch Pedale. Welche Pedale aus dem Logitech Ökosystem ihr wählt, bleibt euch überlassen. Für dieses Review hat uns Logitech die zur Serie passenden RS-Pedale zur Verfügung gestellt, die mit 149 Euro zu Buche schlagen. Der Gesamtpreis für ein RS-Komplettset liegt somit bei rund 800 Euro.

Das ist eine ganze Stange Geld, und genauso viel, wie man auch bei Fanatec für ein vergleichbares Set auf den Tisch legt. Der Unterschied ist nur, dass ihr in Logitechs Entwurf mehr Gegenwert findet. Und zwar in mehrfacher Hinsicht.

Einer für alles

Das RS50 kommt mit einem Direct-Drive-Motor, der bis zu acht Newtonmeter Drehmoment aufbringt. Das ist genug, um echtes physisches Feedback zu erzeugen, aber nicht so brutal, dass der Durchschnittsfahrer Angst um seine Ellenbogengelenke haben müsste. In dieser Balance liegt die Stärke des Systems. Es will nicht mit technischem Kauderwelsch protzen oder in Zahlen dominieren. Es will einfach nur liefern.

Das Gehäuse, das größtenteils aus Aluminium besteht, wirkt wie ein Statement gegen Plastik und unnötigem Protz. Keine übertriebene Beleuchtung, kein RGB-Spektakel. Das RS50 steht einfach da, kühl, präzise, zweckmäßig. Es hat etwas Militärisches in seiner Ruhe und strahlt Funktionalität aus. Alles, was nicht nötig ist, fehlt, und das, was da ist, funktioniert. Selbst die kleine LCD-Anzeige an der Oberseite dient ausschließlich der Kalibrierung und Anpassung der Systemeigenschaften.

Während Fanatec-Kunden im Wirrwarr des eigenen Ökosystems verliert und MOZA in der Vielfalt seiner Modelle fast schon kleinkariert daherkommt, liefert Logitech eine Base für alle, die einfach läuft. Kein Treiberdrama, keine Unterscheidung zwischen mehreren Quick-Release-Klemmen, keine Firmware-Odyssee. Anstecken, kalibrieren, fahren. Der Moment, in dem sich das Rad zum ersten Mal dreht, ist ernüchternd im besten Sinne: kein Showeffekt, keine künstliche Kraftspitze, nur pure Präzision.

Ein erstaunlich kleines 130-Watt-Netzteil speist das Gerät, wobei der Verbrauch in der Praxis deutlich darunter liegt. Selbst bei Spitzen im maximalen Lenkeinschlag konnten wir nie mehr als 100 Watt messen, in typischen Kurven waren es etwa 70 Watt.

Der modulare Lenkrad-Aufsatz

Das im Bundle gelieferte Lenkrad besteht aus zwei Teilen, nämlich dem RS Wheel Hub, auf dem die Tasten und ein Mini-Joystick für Eingaben verbaut wurden, sowie dem Lenkradkranz namens RS Round Wheel.

Diese beiden modularen Teile sind schlicht miteinander verschraubt. Wer eine andere Lenkradform haben will, schraubt den Hub ab und befestigt ihn an einem anderen Kranz. Zum Beispiel dem RS Formula Wheel McLaren Racing, das demnächst veröffentlicht wird. Auf Dauer ist das eine kostengünstige Lösung zum Erweitern des Ökosystems. Dennoch wäre eine neue Lenkradvariante mit Telemetrie-Screen, die das Logitech-Ökosystem auch in technischer Hinsicht sinnvoll erweitert, wünschenswert.

Der bislang erhältliche zentrale Hub verzichtet nämlich auf auf jegliche Sperenzchen – kein LCD-Screen für Telemetrie-Anzeigen, kein sekundärer Joysticks für fließende Kamera-Anpassungen. Lediglich eine bunt leuchtende Rev-Leiste, welche die Umdrehungen pro Minute visualisiert, sticht hervor.

Sie ist leider erstaunlich grob, weil mit wenigen LEDs und ineinanderfließenden Regenbogenfarben gearbeitet wird. Es fällt dadurch schwer, abzuschätzen, wie viel Prozent der maximalen Drehzahl abgedeckt wird. Aber man kann die Darstellung ändern. Wir haben uns irgendwann dazu entschieden, die aufleuchtenden LEDs von den beiden Außenseiten zur Mitte wandern zu lassen – das ist ein wenig übersichtlicher.

Es gab schon Lenkräder, der Druckknöpfe ein besseres haptischen Gefühl hinterließen. Hier liefert Logitech nur Mittelklasse-Arbeit ab. Loben müssen wir jedoch die präzisen und taktil angenehmen (wenn auch etwas lauten) magnetischen Schaltwippen.

Ebenfalls super: die beiden Encoder-Rädchen, mit denen man nicht nur das Menü bedient, um das Force Feedback einzustellen, sondern in vielen Spielen das ABS oder das Differenzial im laufenden Rennen anpasst. Der haptische Einrast-Effekt der Rädchen ist deutlich genug, als dass man sie in der Hitze des Gefechts ohne hinzusehen bedienen kann.

Mit 29 cm Durchmesser wirkt der Lenkradkranz etwas klein – 31 hätten es ruhig sein dürfen, um sämtlichen Klassen gerecht zu werden, aber diese Kritik fällt wohl in die Kategorie Erbsenzählerei. Ummantelt wurde er mit TPE – einem Gummiartigen Material, das sehr bequem und griffig ist, leider aber auch nach spätestens einer Stunde schwitzige Hände zufolge hat. Da werden Handschuhe zum Pflicht-Zubehör.

Ihr seht: qualitativ hat der Lenkradaufsatz noch Luft nach oben. Im Vergleich mit anderen Direct-Drive-Bundles aus demselben Preissegment liefert Logitech dennoch das stabilste und haptisch angenehmste Design ab – eben weil es statt Schnickschnack gute Materialien bevorzugt.

Trueforce: Physik als Gefühl

Die wahre Magie entfaltet sich, sobald man auf die Strecke geht. Logitechs Trueforce-System, das Audiodaten und Telemetrie in haptisches Feedback übersetzt, war schon in den anderen Logitech-Modellen präsent, wirkte dort aber je nach Preisklasse eher wie ein nettes Extra. Im RS50 wird es zum zentralen Erlebnis.

Schon wenn der Motor im Standgas brummt, überträgt das Lenkrad passende Vibrationen an die Hand, und wenn ihr losfahrt, werden sie passend zum Gang intensiver. Die Verbindung zum Fahrzeug wirkt dadurch intensiver, sei es beim Schalten oder beim Wechsel des Fahrbelags. Viel davon ist nur ein psychologischer Effekt, aber er hilft der Immersion - einer von Logitechs größten Vorteilen.

Fanatec hat zwar seit inzwischen zwei Jahren ein ähnliches Feature in den neuesten Basen verbaut, aber abseits von iRacing fehlt die Unterstützung seitens der Software-Entwickler. Ein Problem, das Logitech nicht mehr hat. Assetto-Corsa Competizione, Forza Motorsport, Gran Turismo, Dirt Rally 2.0, die WRC-Serie, ja selbst Arcade-Racer wie The Crew 2 unterstützen die Technik.

Im RS50 scheint sie zur Vollendung zu kommen. Trueforce-Effekte und das super-smoothe Force Feedback des Direct Drive Motors verschmelzen zu einem gemeinsamen Eindruck. Jede Bodenwelle, jedes Bremsen, jedes Aufsetzen auf der Curb hat eine eigene Textur. In Assetto Corsa Competizione fühlt man die Reibung des Reifens auf feuchtem Asphalt, im neuen Assetto Corsa Evo fällt vor allem das leichte Flattern beim Übersteuern auf und in Gran Turismo auf PS5 gefielen uns die Übertragungen der Unebenheiten auf der Nordschleife. Das Force-Feedback ist dabei nicht übertrieben, sondern differenziert. Es ermutigt, feinfühliger zu lenken, sensibler zu reagieren. Und genau das macht den Unterschied: Das RS50 verlangt beim Lenken keinen übermenschlichen Kraftakt, sondern Präzision.

In unseren Testläufen blieb das Drehmoment konstant, ohne Aussetzer oder Überhitzung. Auch nach Stunden blieb die Base leise und stabil. Kein Ruckeln, kein Nachschwingen, kein Drehmomentverlust. Wobei wir uns dazu entschieden, die Dämpfung von der Voreinstellung (10 aus 100) herunterzudrehen, und zwar auf 1 von 100. Das sorgt zwar im Stillstand für ein permanentes Schaukeln des Lenkrads, sofern man es nicht festhält, aber das Lenkgefühl wird noch direkter und bleibt dabei unglaublich sanft.

Beste Kombo mit den RS-Pedalen

Ihr könnt an diese Base jedes beliebige Logitech-Pedalset anschließen, das per USB-Kabel verbunden wird. Ebenso Schaltknüppel. Drei USB-Slots auf der Rückseite der Base schreiben euch nicht einmal vor, was wohin gehört.

Die RS-Pedale im Wert von 149 Euro, die uns zur Verfügung gestellt wurden, müssen erst zusammengebaut werden, was mit Schrauben sortieren und Teppich-Pads befestigen etwa zehn Minuten in Anspruch nimmt. So habt ihr die Kontrolle über alle Abstände. Wer gerne mit Spitze-Hacke-Technik bremst, legt die Bremse schlicht ein Schraubloch näher ans Gas.

Das reine auf Aluminium basierende Design ist abermals simpel und funktional. Luxus ist was anderes, aber es punktet mit Technik. Denn während das Gaspedal per Hall-Effect Sensor gelesen wird, steckt hinter der Bremse eine Load-Cell mit adaptiver Druckstärke. Perfekt für alle, die spüren wollen, wie der Bremswiderstand zunimmt. Ein Hammer-Deal in dieser Preisklasse! Wer noch ein Kupplungs-Pedal haben will, kauft es für 39 Euro nach.

Wir wollen hier nichts beschönigen: Die Pedale mögen dank der Load-Cell die Konkurrenz derselben Preisklasse ausstechen, aber es gibt natürlich deutlich bessere Modelle auf dem Sim-Racing-Markt. Was wir hervorheben wollen, ist der Preis des Gesamtpakets, und wie Logitech in jedem einzelnen Teil dieses Lenkradsets mehr hineinsteckt als die Konkurrenz. Was ihr hier für einen Gesamtpreis von rund 800 Euro bekommt, ist keine Spielerei, sondern ein echtes Sim-Racing-Werkzeug, das sich weiter ausbauen lässt.

Greift zu, wenn...

… ihr schon immer überlegt habt, wer das bessere konsolentaugliche Direct Drive Bundle für weniger als 1000 Euro schnürt. Logitech nimmt euch die Antwort mit einem Lenkrad ab, das ohne Schnickschnack daherkommt, aber sehr gut funktioniert.

Spart es euch, wenn...

… ihr Gelegenheits-Rennfahrer seid, die eine solche Investition noch nicht durch den regelmäßigen Gebrauch rechtfertigen können, oder Profis seid, die ein Drehmoment jenseits von 10 Nm suchen

Fazit

Denis Lucius Brown - Portraitvon Denis Lucius Brown
Funktionalität ist Trumpf!

Das Logitech RS50 ist mehr als eine Spielerei für Racing-Fans– es ist ein Statement. Logitech liefert in der hart umkämpften gehobenen Mittelklasse des Direct Drive-Sektors einen No-Nonsense-Entwurf, der euer Geld sinnvoll investiert. Das RS50 ist ein kraftvolles, präzises, und zugleich benutzerfreundliches System mit hervorragendem Fahrgefühl und einem exzellenten Preis-Leistungsverhältnis.

Das Design ist nicht perfekt. Die Knöpfe am Lenkrad-Hub könnten straffer sein, das Quick-Release-System ist etwas steif und so generisch entworfen, dass man nie sofort sieht, wo beim Schaft oben und unten ist. Spontan das Lenkrad wechseln klappt also nicht so schnell wie bei der Konkurrenz. Und wer Luxus erwartet, findet ihn hier auch nicht. Doch in seiner Gesamtheit ist das RS50 das ehrliche Gegenteil von Blendwerk.

Man spürt, dass hier nicht Marketing, sondern Ingenieursstolz am Werk war. Das RS50 hat Haltung. Es steht fest in einer Zeit, in der zu viele Produkte mit kleinen Bildschirmen und LEDs nach Aufmerksamkeit schreien. Wenn ihr nach ein paar Runden den Motor an den Fingerspitzen spürt, das Force Feedback euch die Physik des Wagens vermittelt und ihr anfangt, intuitiv zu fahren, werdet ihr dankbar für jedes Bisschen sein, das in der internen Technik steckt. Logitech hat die gehobene Mittelkasse aufgerüttelt. Das sollte der Konkurrenz ein paar schlaflose Nächte bereiten.

Überblick

Pro

  • direktes, präzises Force Feedback
  • stabile 8 Newtonmeter Drehmoment
  • Trueforce-Effekte mit spürbarer Detailtiefe
  • hohe Verarbeitungsqualität
  • ruhiger Lauf, sehr geringe Geräuschentwicklung
  • breite Kompatibilität durch Modularität (PC, Xbox, PlayStation)
  • kompatibel mit älteren Logitech-Pedalen
  • zuverlässige Software (über G HUB)
  • Tischklemme im Lieferumfang
  • 5 speicherbare Profile

Contra

  • Quick-Release etwas fummelig
  • Tasten mit leichtem Spiel
  • Trueforce arbeitet gelegentlich minimal verzögert
  • optisch unspektakulär

Awards

  • Hardware Tipp

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