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Test - Halo: Campaign Evolved : Test: wunderschön, leicht aufgewertet und doch ein wenig ausgenudelt

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Remake, Remaster oder doch wieder nur eine grafische Frischzellenkur? Halo: Campaign Evolved soll den gefeierten Xbox-Klassiker zeitgemäß auffrischen und zugleich erstmals auf der Playstation spielbar machen. Aber wie viel wurde wirklich an den Stellschrauben gedreht?

Lasst uns kurz die Uhr zurückdrehen: 1996 schoss sich GoldenEye 007 auf dem Nintendo 64 nicht einfach nur an die Spitze der Konsolen-Shooter. Es definierte sie. Rare hatte einen Bauplan entworfen, an dem sich die Konkurrenz über Jahre hinweg orientieren sollte. Missionsziele statt bloßer Schießbuden, intelligente Gegner, eine für damalige Verhältnisse überraschend freie Levelstruktur und vor allem eine Steuerung, die das Genre der Ego-Shooter auf dem Gamepad überhaupt erst salonfähig machte. Selbst Titel wie Turok 2 verneigten sich vor diesem Konzept und versuchten, den Rare-Zauber mit eigenen Ideen weiterzutragen. Dann kam Halo – und erfand die Formel für Konsolenshooter neu.

Der Generationssprung eines Genres

Rückblickend wird der Einfluss von Halo: Combat Evolved oft auf einen einzigen Satz reduziert: "Es machte Ego-Shooter auf Konsolen groß." Das stimmt zwar, greift aber viel zu kurz. Denn Bungies Meisterstück war weit mehr als ein technisch beeindruckender Launch-Titel für Microsofts erste Xbox. Es war eines jener seltenen Spiele, die scheinbar beiläufig gleich mehrere Probleme eines Genres lösten, ohne daraus einen großen Deal zu machen.

Da war das Zwei-Waffen-System, das den Spieler ständig zu Entscheidungen zwang. Da waren regenerierende Schilde, die Kämpfe in kleine Vorstöße und Rückzüge verwandelten, statt den Bildschirm mit Medipacks zuzupflastern.

Vor allem aber verstand Halo, wie man Abwechslung erzeugt. Kaum hatte man sich an einen Rhythmus gewöhnt, warf das Spiel ein Fahrzeug unter den Hintern, schickte einen in verwinkelte Alienanlagen oder ließ plötzlich die Flood los – eine Wendung, die damals wohl jeden kalt erwischte.

Und dann war da noch dieser geheimnisvolle Ring, der buchstäblich Dimensionen sprengte. Halo wirkte größer als alles, was Konsolenspieler bis dahin erlebt hatten. Nicht unbedingt wegen seiner tatsächlichen Ausmaße, sondern weil Bungie meisterhaft mit Perspektiven spielte. Die gewaltigen Landschaften, der gebogene Horizont des Ringes und die monumentalen Alienbauten vermittelten ständig das Gefühl, Teil von etwas Unfassbarem zu sein.

Die Xbox lieferte zwar deutlich mehr Rechenleistung als ein Nintendo 64, doch technische Stärke allein erklärt diesen Eindruck nicht. Es war geschicktes Art Design. Ein Blick in den Himmel genügte und plötzlich erschien selbst eine einfache Schlucht wie der Vorhof einer galaktischen Zivilisation. Kein Wunder also, dass Halo zur Identität einer ganzen Konsole wurde.

Zahn der Zeit

Inzwischen sind 25 Jahre vergangen. Eine Ewigkeit in einer Branche, in der sich selbst vermeintliche Meilensteine irgendwann anfühlen wie Museumsstücke. Die Master-Chief-Collection hat den Klassiker zwar technisch konserviert und ihm bereits vor Jahren eine ordentliche Frischzellenkur verpasst, doch irgendwann reicht es eben nicht mehr, Texturen auszutauschen und die Auflösung hochzudrehen.

Moderne Remakes haben die Messlatte verschoben. Wer heute ein Spiel neu auflegt, muss sich zwangsläufig mit Schwergewichten wie Resident Evil 2, Final Fantasy VII oder Silent Hill 2 messen lassen. Dort werden Klassiker nicht restauriert – sie werden neu interpretiert.

Die Halo Studios sprechen zwar von einem vollständigen Neuaufbau, doch schon nach wenigen Stunden wird klar, dass hier keine Revolution geplant war. Vielmehr verfolgt das Remake einen deutlich vorsichtigeren Ansatz. Es möchte das Original nicht ersetzen, sondern dessen Erinnerung modernisieren. Das klingt zunächst nach einer Marketingfloskel, beschreibt den Charakter des Spiels aber erstaunlich treffend.

Neu und doch vertraut

Bereits der erste Schritt auf Installation 04 fühlt sich gleichzeitig neu und vertraut an. Die Unreal Engine 5 verpasst Halo eine jener Generalüberholungen, bei denen man erst nach einigen Minuten begreift, wie viel Arbeit tatsächlich unter der Oberfläche steckt. Natürlich springen die neuen, hochauflösenden Texturen sofort ins Auge. Felsen besitzen endlich nicht nur scharfe Konturen, sondern auch Geröll, weiche, wetterbedingte Abnutzungen und natürliche Brüche.

Metallische Oberflächen reflektieren Licht glaubwürdig und Vegetation besteht nicht länger aus flachen Texturkarten, die mehr andeuten als darstellen. Saftige Wiesen erinnern an eine österreichische Alm. Fast schon zu schön für so einen künstlichen Planetenring.

Die eigentliche Stärke der neuen Grafik liegt jedoch an anderer Stelle. Sie fällt kaum auf. Das klingt zunächst wie ein Vorwurf, ist in Wahrheit aber eines der größten Komplimente, das man einem Remake machen kann.

Unreals Nanite sorgt dafür, dass die Illusion der Spielwelt praktisch nie in sich zusammenfällt. Wo frühere Versionen mit sichtbaren Detailstufen oder vereinfachter Geometrie arbeiten mussten, wirkt der Ring nun wie aus einem einzigen Guss. Man entdeckt ständig kleine Unebenheiten im Gestein, fein modellierte Felskanten oder komplexe Metallstrukturen der Covenant-Architektur, ohne jemals das Gefühl zu bekommen, die Technik würde einem ihre Tricks verraten. Vor allem aber bleibt die ursprüngliche Bildsprache unangetastet.

Das ist keineswegs selbstverständlich. Viele Remakes verwechseln Modernisierung mit Übertreibung und werfen sämtliche Regler gleichzeitig nach rechts. Mehr Bloom. Mehr Lens Flares. Mehr Reflexionen. Mehr Partikeleffekte. Hauptsache spektakulär.

Campaign Evolved widersteht dieser Versuchung erstaunlich konsequent. Das HDR wird nicht wie ein Farbeimer über jede Szene gekippt. Es setzt gezielt Akzente. Blendendes Sonnenlicht bricht durch Baumkronen. Plasmasalven leuchten intensiv genug, um ganze Areale kurzzeitig einzufärben. Energieschilde strahlen kraftvoll, ohne den Bildschirm zu überladen. Dazwischen herrscht eine fast schon konservative Erdigkeit, die nötigen Kontrast schafft. Denn nur so gewinnen die Science-Fiction-Elemente an Wirkung.

Wenn der Planet ansonsten relativ natürlich aussieht, stechen die violett schimmernden Covenant-Strukturen oder das kalte Blau der Forerunner-Anlagen umso stärker hervor. Die Außerirdischen wirken fremdartig, weil ihre Umgebung nicht permanent versucht, sie in einem Feuerwerk aus Neonfarben zu übertrumpfen. Halo war schon immer Science-Fiction mit einem erstaunlich nüchternen Fundament – und dieses Remake versteht genau das.

Fast könnte man meinen, man erinnere sich einfach nur falsch an das Original. So, wie man sich alte Filme im Kopf oft schärfer vorstellt, als sie tatsächlich waren. Campaign Evolved nutzt genau diesen Effekt. Es erschafft nicht das Halo von 2001. Es erschafft das Halo, an das man sich heute zu erinnern glaubt.

Mehr als nur schöne Aussichten

Die beeindruckende, wenn auch nie am oberen Ende des Machbaren kratzende Optik wäre allerdings nur die halbe Miete, wenn darunter ein Spiel läge, das sich plötzlich wie ein moderner Shooter anfühlt. Genau davor dürften viele Serienveteranen die größte Sorge gehabt haben. Schließlich ist Halo nicht deshalb ein Klassiker geworden, weil es jedem Trend hinterherlief, sondern weil es seinen ganz eigenen Rhythmus fand.

Die gute Nachricht lautet: Halo: Campaign Evolved fühlt sich verblüffend stark nach Halo an. Schon nach den ersten Feuergefechten stellt sich dieses vertraute Gefühl wieder ein. Der Master Chief ist kein hyperaktiver Supersoldat, der im Sekundentakt über Hindernisse springt, an Wänden entlangläuft und Magazine leert, bevor die Gegner überhaupt reagieren können. Die Kämpfe leben weiterhin davon, Schilde gezielt zu brechen, Deckungen auszunutzen und Waffen bewusst zu wechseln. Strategie steht vor reiner Feuerkraft.

Das berühmte Zwei-Waffen-System funktioniert heute noch genauso hervorragend wie vor einem Vierteljahrhundert. Es zwingt den Spieler ständig dazu, improvisieren zu müssen. Nehme ich das Präzisionsgewehr mit oder doch lieber den Nadelwerfer mit den zielsuchenden, aber eher schwächlichen Projektilen? Tausche ich meine Pistole gegen ein Covenant-Gewehr oder spare ich mir den Platz für etwas, das vielleicht erst hinter der nächsten Tür wartet? Diese kleinen Entscheidungen verleihen den Gefechten bis heute eine Dynamik, die erstaunlich frisch geblieben ist.

Das Für und Wider der Schlachten

Auch die Gegner tragen ihren Teil dazu bei. Die Eliten suchen Deckung, umgehen Flanken oder ziehen sich zurück, wenn ihre Schilde zusammenbrechen. Grunts geraten in Panik, sobald ihr Anführer fällt, und stürmen kopflos davon. Jackals machen ihrem Ruf als wandelnde Schutzschilde alle Ehre und verlangen gezielte Treffer, statt stumpfes Dauerfeuer. Selbst nach heutigen Maßstäben besitzen diese Gegner erstaunlich viel Persönlichkeit. Sie fühlen sich nicht wie Zielscheiben an, sondern wie kleine Zahnräder eines funktionierenden Schlachtfeldes.

Natürlich offenbaren sich ebenso die Schattenseiten eines Gameplays aus dem Jahr 2001. Vor allem in längeren Feuergefechten wiederholt sich die Gegnerzusammensetzung spürbar häufiger als in modernen Shootern. Manche Abschnitte ziehen sich unnötig in die Länge, weil ähnliche Kampfarenen mehrfach hintereinander durchquert werden müssen. Besonders die Forerunner-Komplexe leiden trotz gewisser Umgestaltungen noch immer unter ihrer berühmten Architekturphilosophie mit langen, immergleichen Korridoren.

Das Remake versucht diese Schwächen jedoch nicht mit der Brechstange auszumerzen. Statt das komplette Fundament umzubauen, setzt es auf vorsichtige, wenn auch gezielte Eingriffe.

Gut gerannt ist (nicht) halb gewonnen

Bestes Beispiel ist die neue Sprintfunktion. Auf dem Papier klingt sie fast schon langweilig, schließlich gehört Sprinten heute zur Grundausstattung nahezu jedes Ego-Shooters. In der Praxis verändert es Halo auch überraschend wenig. Die Kritik der Fans, das Rennen könne den Charakter des Spiels verfälschen, greift also nicht. Aber der Sprint ist eine Kleinigkeit, die sich gut anfühlt, wenn Platz dafür ist.

Während eines Feuergefechts bringt der kurze Geschwindigkeitsschub kaum Vorteile. Wer versucht, unter Beschuss einfach davonzurennen, wird meist genauso zuverlässig von Plasma eingedeckt wie früher. Der Sprint dient vielmehr dazu, längere Laufwege etwas angenehmer zu gestalten. Zwischen zwei Kampfarealen spart man einige Sekunden ein, ohne dass dadurch das eigentliche Spieltempo aus den Fugen gerät. Dafür waren wir tatsächlich dankbar.

Ähnlich verhält es sich mit den überarbeiteten Levels. Wer erwartet, vollkommen neue Missionen zu erleben, dürfte allerdings etwas enttäuscht werden. Es gibt drei Zusatzlevel, die als Vorgeschichte dienen, aber sie stechen kaum aus den Höhepunkten der bereits bekannten Kampagne heraus.

Ansonsten bleibt vieles gleich, oder zumindest so, wie man es aus der Anniversary Edition kennt. Wer sich an das Schädelsammeln inklusive ihrer Modifikatoren als Lückenfüller und Spielspaß-Erweiterer gewöhnt hat, darf sich über einige neue freuen, die an anderen Orten platziert wurden und mitunter so manche alberne Zusatzmission beinhalten.

An der Basis wurde derweil wenig gerüttelt. Die ikonische Bruchlandung auf dem Ring verläuft fast unverändert. Veteranen erkennen jede Anhöhe, jede Schlucht und beinahe jeden Felsen wieder. Das ist kein Zufall, sondern eine bewusste Entscheidung. Halo Studios möchten Erinnerungen wecken, bevor sie beginnen, daran zu arbeiten. Erst im weiteren Verlauf schleichen sich die Veränderungen langsam ein.

Mit dem Charme eines Director’s Cut

Mal öffnet sich ein bislang verschlossener Weg. Mal erweitern Waffen, die erst in späteren Halo-Ablegern verfügbar waren, das Arsenal eines altbekannten Schlachtfelds. An anderer Stelle sorgen neue Gegnerwellen oder leicht veränderte Verteidigungspositionen dafür, dass bekannte Situationen plötzlich eine andere Dynamik entwickeln. Diese Eingriffe sind nie spektakulär genug, um Veteranen völlig aus dem Konzept zu bringen, aber groß genug, damit alte Routine nicht automatisch zum Erfolg führt.

Trotzdem wäre es übertrieben, Campaign Evolved in dieselbe Liga wie die großen Remake-Meisterwerke der vergangenen Jahre einzuordnen. Resident Evil 2 oder insbesondere Final Fantasy 7 haben ihre Vorlagen teilweise vollständig neu interpretiert. Räume wurden neu gestaltet, Gegner neu platziert, Spielmechaniken grundlegend verändert. Das Ergebnis wirkte beinahe wie ein neues Spiel, das lediglich die gleiche Geschichte erzählte.

Halo verfolgt einen anderen Ansatz. Die Änderungen erinnern eher an einen Director's Cut eines beliebten Films. Zusätzliche Szenen, leicht veränderte Schnitte, einige neue Perspektiven – aber derselbe Film, den man seit Jahren kennt. Die Handlung bleibt unangetastet. Die Struktur bleibt erhalten. Nur hier und da wurden Szenen erweitert oder etwas geschickter inszeniert.

Das mag konservativ wirken, passt aber erstaunlich gut zu Halo. Denn das ursprüngliche Spiel besaß bereits ein Fundament, das selbst heute noch bemerkenswert stabil steht. Gerade deshalb spielt sich Campaign Evolved so angenehm flüssig. Es verzichtet auf übertriebene Modernisierungsexperimente und verlässt sich stattdessen auf ein Gameplay, das seine Qualitäten nie verloren hat.

Alt und Neu mit dem Warthog

Nicht jede Entscheidung aus dem Jahr 2001 verdient allerdings dieselbe Narrenfreiheit. Das zeigt sich spätestens dann, wenn der Warthog ins Spiel kommt.

Wer die klassische Steuerungsvariante aktiviert, erlebt eine kleine Zeitreise – allerdings keine besonders angenehme. Der Geländewagen folgt noch immer jener eigenwilligen Logik, bei der sich seine Fahrtrichtung in erster Linie nach der Kameraperspektive richtet. Wer dynamisch durch Kurven driften oder spontan Hindernissen ausweichen möchte, kämpft deshalb oft weniger gegen die Covenant als gegen die Physik des eigenen Fahrzeugs. Gerade in hektischen Gefechten fühlt sich das unnötig sperrig an.

Zum Glück haben die Entwickler hier Vernunft walten lassen. Mit der optional zuschaltbaren modernen Steuerungsoption fährt sich der Warthog endlich so, wie man es heute erwartet. Gas gibt man bequem mit dem rechten Trigger, gelenkt wird über den linken Analogstick. Klingt selbstverständlich, macht in der Praxis aber einen Unterschied wie Tag und Nacht. Plötzlich lassen sich enge Kurven sauber nehmen, Hindernisse elegant umfahren und Verfolgungsjagden wirken nicht mehr wie ein Ringkampf mit der Kamera. Es ist eine dieser kleinen Komfortverbesserungen, die das Spielgefühl enorm aufwerten, ohne den Charakter des Originals anzutasten.

Gerade solche Entscheidungen zeigen, wie das Remake insgesamt funktioniert: Es modernisiert dort, wo die Vergangenheit tatsächlich im Weg steht, und lässt alles andere erfreulich unangetastet.

Kaum Klang von oben

So überzeugend Grafik und Gameplay auch modernisiert wurden, an einer Stelle gelingt Halo Campaign Evolved der Sprung in die Gegenwart leider nicht ganz: beim Sound.

Dabei beginnt zunächst alles vielversprechend. Schon die ersten Schüsse haben ordentlich Wucht, Explosionen drücken kräftig aus den Lautsprechern und Martin O'Donnells legendärer Soundtrack entfaltet erneut genau jene Mischung aus Ehrfurcht und Abenteuerlust, die Halo seit jeher begleitet.

Auch die allgemeine Klangqualität bewegt sich auf hohem Niveau. Waffen besitzen Druck, Fahrzeuge klingen kernig und die zahlreichen Alienwaffen behalten ihren unverwechselbaren Charakter. Gerade deshalb fällt umso stärker auf, dass die Dolby-Atmos-Abmischung ihr Potenzial nur teilweise ausschöpft.

Eigentlich sollte dreidimensionaler Klang mehr sein als ein gelegentlicher Showeffekt. Er soll den Spieler mitten in die Spielwelt versetzen, ihm das Gefühl geben, sich tatsächlich zwischen riesigen Felsformationen, fremdartigen Tempeln und tobenden Schlachten zu bewegen. Genau das gelang Halo Infinite bemerkenswert gut. Dort war Atmos nicht bloß ein Etikett auf der Verpackung, sondern ein echter Bestandteil des Gameplays. Gegner ließen sich anhand ihrer Position erstaunlich präzise orten, Umgebungsgeräusche bauten einen glaubwürdigen Raum auf und selbst unscheinbare Geräusche wie Wind, Regen oder Wasserfälle nutzten die Höhenkanäle, um die Spielwelt lebendig wirken zu lassen.

Campaign Evolved verfolgt einen deutlich konservativeren Ansatz. Die Deckenlautsprecher werden fast ausschließlich dann aktiv, wenn das Spiel sie ausdrücklich vorsieht. Fliegt eine Pelican über den Kopf hinweg oder setzt ein Covenant-Transporter zur Landung an, funktioniert der Höheneffekt erwartungsgemäß hervorragend. Solche Momente beeindrucken auch, weil sie genau dort stattfinden, wo unser Gehör sie erwartet. Dazwischen herrscht leider überraschend viel Stille.

Gespräche hallen nicht glaubwürdig durch große Hallen. Wasserfälle rauschen nicht von oben herab. Auch natürliche Umgebungsgeräusche bleiben weitgehend auf die klassische Surround-Ebene beschränkt. Das Ergebnis ist kein schlechter Klang – ganz im Gegenteil. Wer bislang ausschließlich mit einem herkömmlichen 5.1-System gespielt hat, wird vermutlich kaum etwas vermissen. Wer jedoch ein Dolby-Atmos-System besitzt und Halo Infinite kennt, hört den Unterschied bereits nach wenigen Minuten.

Schon wieder stottern?

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den neuen Zwischensequenzen. Inszenatorisch setzen sie die Handlung deutlich wirkungsvoller in Szene als das Original. Gesichter transportieren mehr Emotionen, Kamerafahrten wirken filmischer und manche Momente gewinnen durch moderne Mimik und Gestik erheblich an Dramatik. Gerade Figuren wie Captain Keyes oder Cortana profitieren sichtbar davon. Ihre Dialoge besitzen mehr Gewicht, weil die Inszenierung ihnen endlich den Raum gibt, den die Technik der ersten Xbox damals schlicht nicht bieten konnte.

Technisch bleibt dennoch Luft nach oben. Einige Sequenzen stottern (wie schon damals bei Infinite) und verlieren dadurch ausgerechnet in emotional wichtigen Momenten an Wirkung. Hinzu kommt, dass die Renderqualität nicht durchgehend das hohe Niveau der eigentlichen Spielgrafik erreicht.

Während das Gameplay häufig aussieht, als könne man jeden Screenshot direkt als Wallpaper verwenden, wirken manche Zwischensequenzen überraschend weich oder weniger detailreich. Das fällt nicht permanent auf, aber oft genug, um den ansonsten hervorragenden Gesamteindruck leicht zu trüben. Es sind kleine Schönheitsfehler.

Halo, so wie ihr euch daran erinnert

Vielleicht beschreibt genau das den gesamten Charakter dieses Remakes am besten. Halo Studios hatten nie das Ziel, Halo neu zu erfinden. Sie wollten das Spiel erschaffen, das viele von uns seit Jahren in ihrer Erinnerung abgespeichert haben. Dieses Kunststück gelingt ihnen erstaunlich häufig.

Campaign Evolved fühlt sich nicht wie ein modernes AAA-Spiel an, das zufällig dieselbe Geschichte erzählt. Es fühlt sich an wie Halo – nur ohne den Staub, den 25 Jahre zwangsläufig hinterlassen. Die fantastische Grafik modernisiert den Klassiker, ohne seine Identität zu verwässern. Das Gameplay besitzt noch immer jene Klarheit und Eleganz, die das Genre damals nachhaltig verändert hat. Selbst die behutsam erweiterten Levels wirken nie wie Fremdkörper, sondern wie längst vergessene Ideen, die schon immer hätten dazugehören können. Zurückhaltung ist die größte Stärke des Spiels.

In einer Zeit, in der Remakes oft versuchen, ihre Vorlagen zu übertrumpfen oder gar zu ersetzen, entscheidet sich Halo Campaign Evolved für einen bemerkenswert respektvollen Weg. Ähnlich wie zuletzt das Gothic Remake oder Assassin’s Creed: Black Flag Resynced versteht es, dass nicht jede Falte geglättet werden muss und dass manche Eigenheiten Teil des Charmes sind. Statt das Original umzuschreiben, ergänzt es behutsam dessen Randnotizen.

Greift zu, wenn...

… wenn ihr erleben möchtet, wie sich einer der wichtigsten Ego-Shooter der Spielegeschichte anfühlt, nachdem ihn moderne Technik behutsam von seinem technischen Ballast befreit hat.

Spart es euch, wenn...

… wenn ihr eine radikale Neuerfindung nach dem Vorbild der Resident-Evil-Remakes erwartet.

Fazit

Denis Lucius Brown - Portraitvon Denis Lucius Brown
Optisch schönes und immer noch höchst unterhaltsames Remake, das nur dort modernisiert, wo es wirklich nötig war

Halo: Campaign Evolved ist kein Meilenstein der Serie, sondern eine gelungene Neuauflage, die allem voran zeigt, wo die Serie in Zukunft grafisch hinstrebt. Abseits kaum bemerkbarer Schwächen (etwa bei den Schatten) bewegt sich der grafische Fortschritt irgendwo zwischen richtig nett und exzellent. Schon wenige Sekunden nach Spielstart wird klar, um wie viel besser alles aussieht, wenn man es mit Halo Infinite vergleicht. Licht und Dunkelheit werden wunderbar genutzt, um mehr Stimmung zu erzeugen, und geometrisch lässt die Unreal Engine sowieso ihre Muskeln spielen. Dass beinahe jede Oberfläche in den Bauten glänzt, geht mir zwar ein wenig auf den Zeiger, aber das ist Geschmackssache.

Kritischer sehe ich da den Inhalt, denn nach wie vor geht es um dasselbe alte Halo von 2001. Das mag zwar grundsätzlich noch sehr gut spielbar und unterhaltsam sein, hat seine besten Jahre aber klar hinter sich. Man muss schon ein Fan sein, um Schwächen wie ewig lange Korridore und die über lange Strecken hinweg immergleiche Gegner-Zusammensetzung zu ignorieren.

Die drei Zusatzmissionen mit etwa zweieinhalb Stunden neuem Material, bei denen Captain Johnson und der Master Chief einen Teil der direkten Vorgeschichte angehen (quasi als Brücke zu Reach), sind nett und bieten zum Teil sehr weitläufige Umgebungen, aber sie stellen nicht mehr als Dreingaben dar. Im Grunde wie ein zuvor unveröffentlichter Download-Inhalt. Hier ein paar ungewöhnliche Gegner, da ein wenig mehr Erklärung zu den Covenant. Nimmt man gerne mit, aber die Natur des Spiels ändert sich nicht.

>> Es geht auch anders: Die 10 schlechtesten Spiele-Remakes <<

Wer damit leben kann, bekommt die schönste, die unterhaltsamste und mit Sicherheit die modernste Version dieses Klassikers, wenn auch abseits der Koop-Option ohne Multiplayer-Anteil – was wirklich ein Lapsus ist. Die Einflechtung neuerer Waffen, die Sprintoption und die minimale Straffung einiger Szenen bewegen nur wenig im Halo-Universum, aber Veteranen wird das Wenige bestimmt gut gefallen.

Überblick

Pro

  • Wunderbare Neuinterpretation der Originalgrafik mit beeindruckender Detailfülle
  • Die klassische Halo-Atmosphäre bleibt vollständig erhalten
  • Gameplay wurde nahezu perfekt übernommen und behutsam modernisiert
  • Sinnvolle Levelerweiterungen sorgen für frischen Wind, ohne den Klassiker zu verfälschen
  • Nach wie vor eines der intensivsten Shooter-Abenteuer überhaupt
  • Koop-Kampagne für bis zu vier Spieler

Contra

  • Dolby-Atmos-Sound nutzt Höhenkanäle nur selten sinnvoll
  • Einige Zwischensequenzen wirken technisch unfertig und ruckeln gelegentlich
  • Manche Levelabschnitte zeigen trotz Überarbeitung weiterhin ihre ursprünglichen Längen
  • Der Umfang der spielerischen Neuerungen fällt kleiner aus, als die Bezeichnung "Remake" vermuten lässt
  • Kein Multiplayer-Anteil abseits des Koop

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