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Test - Mafia: The Old Country : Test: Schnörkelloses, opulentes Mafia-Drama

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Nach zwei grandiosen und einem durchwachsenen Teil will Hangar 13 die Serie mit Mafia: The Old Country zu altem Ruhm zurückführen und passend dazu geht es zurück zu den Wurzeln der Mafia, nämlich nach Sizilien im Jahr 1904. Schluss mit viel Open-World-Gedöns, zurück zu strikt linearem Storyverlauf mit optionalen Ausflügen. Ganz so, wie wir es aus den ersten beiden Teilen kennen, als noch Illusion Softworks die Fäden zog. Aber reicht das heutzutage noch? Und wie viel bekommen wir (auf dem PC für 49,99 Euro) geboten?

Unsere neue Hauptfigur Enzo beginnt ihre Reise gemeinsam mit einem Jugendfreund in einer staubigen sizilianischen Schwefelmine unter der Herrschaft von Don Spadaro im Jahre 1904. Der Auftrag: Schulden abarbeiten, den Kopf unten halten – auch wenn der Geist längst von Träumen über ferne Länder (klar, Amerika) erfüllt ist. Doch nach einem Unglück unter Tage und einem blutigen Streit mit dem Vorarbeiter eskaliert die Situation. Enzo bleibt nur die Flucht – und er findet überraschend Unterschlupf auf dem Weingut von Don Torrisi, Spadaros erbittertem Rivalen. Wer nun glaubt, Enzo sei in Sicherheit, täuscht sich gewaltig. Sein Weg führt ihn direkt in eine tödlich verstrickte Unterwelt, die das gesamte Umland in ihren Klauen hat.

Ist MAFIA: The OLD COUNTRY mit 12-15 Stunden zu kurz?

Da die Spieldauer bereits in den sozialen Medien kritisiert wurde, hier einige andere storybasierte Singleplayer-Spiele zum Vergleich:

  • BioShock Infinite - ca. 11-12 Stunden
  • Uncharted 4: A Thief's End - ca. 15 Stunden
  • The Last of Us - ca. 15 Stunden
  • Control - ca. 10-12 Stunden
  • Max Payne 3 - ca. 10 Stunden
  • Alan Wake II - ca. 15 Stunden
  • Dead Space - ca. 12 Stunden
  • Detroit: Become Human - ca. 10-12 Stunden
  • Mafia: Definitive Edition - ca. 10-12 Stunden
  • Mafia II - ca. 10-12 Stunden

Mafia: The Old Country befindet sich mit der Spieldauer also in bester Gesellschaft und ist mit 49,99 Euro (PC-Version) sogar günstiger als übliche Vollpreistitel.

Zunächst scheint sein neuer Alltag unspektakulär: einfache Arbeiten auf Torrisis Weingut, kleine Gefälligkeiten für den Don und seine Leute – Enzos Charakter bleibt dabei zunächst noch skizzenhaft. Doch nach etwa der Hälfte der zwölf bis fünfzehn Stunden langen Kampagne (je nach Gründlichkeit) gewinnt die Geschichte spürbar an Fahrt. Der einfache Arbeiter wird im Verlauf mehrerer Jahre Schritt für Schritt zum echten Mafioso, dessen Weg von persönlichen Tragödien und tödlichen Loyalitätskonflikten gesäumt ist. Das Finale schlägt erzählerisch kräftig zu und wird stellenweise emotional, auch wenn einige Klischees und dramaturgisch holprige Passagen nicht ausbleiben. Sogar ein realhistorisches Ereignis wird in die Handlung eingeflochten.

Hangar 13 hat für das Gangsterdrama eine semi-offene Welt entworfen, durchaus ähnlich dem ersten Spiel der Reihe: Dörfer, Felder, Landstraßen und beeindruckende Panoramen – genug Raum zum Erkunden, ohne in überbordenden Open-World-Exzessen zu ertrinken. Schnellreisen sind erst im Erkundungsmodus nach dem Story-Abschluss verfügbar, im Hauptspiel lassen sich Autofahrten immerhin überspringen, aber bei den überschaubaren Strecken und der schicken Spielwelt will man das eigentlich gar nicht. Die Spielwelt von Mafia: The Old Country ist ohnehin nicht so riesig, dass man per Pferd oder Fahrzeug zu lange unterwegs ist.

Der Fokus liegt eindeutig auf der Inszenierung und den stimmungsvoll gestalteten Kulissen: goldene Sonnenuntergänge über grünen Weinbergen, raues Dorfleben mit dem Ätna im Hintergrund, scharfzüngige Dialoge mit dem Don und seinen Schergen. Die Figuren sind einprägsam und wirken in ihren Interaktionen glaubwürdig, auch wenn manches Stereotyp etwas überstrapaziert wird und manche Gespräche durch übermäßige italienische Phrasen beinahe unfreiwillig komisch wirken.

Die Charakterzeichnung überzeugt vor allem durch ihre Entwicklung im Verlauf der Handlung. Der "Caruso" – ein Begriff für junge Bergarbeiter – wird langsam in die Familie aufgenommen und gewinnt selbst das Vertrauen der größten Skeptiker. Mimik, Stimmen und Dialoge tragen stark zur filmischen Atmosphäre bei, auch wenn manche Gesten holprig wirken und die insgesamt gute deutsche Vertonung gelegentlich etwas hölzern daherkommt. Das Spiel fühlt sich oft wie ein interaktiver Mafia-Film an – und genau das scheint die Absicht gewesen zu sein. Rasante Schusswechsel, Verfolgungsjagden im Auto oder zu Pferd, actionreiche Klettereien über die Dächer von San Celeste – es wird einiges geboten.

Im Mittelpunkt steht ganz klar die Story, entsprechend häufig wechseln sich Zwischensequenzen und Spielszenen ab. Technisch wirkt Mafia: The Old Country ambitioniert, aber nicht immer souverän. Die Unreal Engine zaubert großartige Landschaften und stimmungsvolle Details – doch bei genauerem Hinsehen bröckelt die Fassade. Übergänge zwischen Gameplay und Cutscenes ruckeln immer wieder merklich und einige wenige, aber gravierende und nicht reproduzierbare Bugs erzwangen während unseres Tests drei oderr vier Mal einen Neustart des Spiels. Kein Desaster, aber ein deutlicher Hinweis auf Baustellen unter der Haube.

Spielerisch bleibt das Mafia-Revival auf vertrautem Terrain. Die Gefechte funktionieren solide, das Deckungssystem sitzt, Waffen wie Revolver, Repetierer oder die obligatorische Lupara hinterlassen einen ordentlichen Wumms. Auch Schleichpassagen gibt es; sie sind vergleichsweise simpel, aber effektiv genug, um nicht überflüssig zu wirken. Besonders hervorzuheben sind die dynamischen Messerkämpfe, die an kleine Bossfights erinnern – ein knackiges Zusammenspiel aus Ausweichen, Parieren und Timing. Typische Videospiel-Einlagen wie Waffen, Munition und Verbände an beinahe jeder Deckung wirken hingegen etwas altmodisch.

Leichte Rollenspielelemente lockern das Spielgeschehen auf. Schmuck und ein Amulett mit austauschbaren Einlegearbeiten verleihen Boni wie schnelleres Heilen oder besseres Fahrverhalten, außerdem gibt es sammelbare Objekte, alternative Outfits, freischaltbare Waffen und Fahrzeuge sowie einen separaten Erkundungsmodus nach Abschluss der Geschichte. Bereits gespielte Kapitel dürft ihr jederzeit wiederholen – manuelles Speichern gibt es dagegen leider nicht, lediglich fair gesetzte Checkpoints. Alles nett gemacht, wenn auch nicht revolutionär, doch es passt gut ins Gesamtkonstrukt und motiviert zum Weiterspielen. Die Wiederspielbarkeit ist allerdings überschaubar. Die Geschichte ist eben linear und es gibt keine Entscheidungen, die einen anderen Verlauf erzwingen könnten.

Greift zu, wenn...

… ihr klassische Mafia-Geschichten mit starker Atmosphäre und linearem Storyfokus liebt – und über ein paar technische Macken hinwegsehen könnt.

Spart es euch, wenn...

… ihr moderne Open-World-Freiheit oder Gameplay-Innovation erwartet.

Fazit

Andreas Philipp - Portraitvon Andreas Philipp
Opulentes, leicht wackeliges Mafia-Drama

Mafia: The Old Country ist kein Meilenstein, aber ein durch und durch stilsicherer Genrebeitrag – näher am erzählerisch dichten ersten Teil als am überladenen Mafia III, und irgendwo dazwischen lässt es sich auch einordnen. Wer eine Vorliebe für Gangsterepen mitbringt, bekommt eine atmosphärisch starke, wenn auch nicht immer geschmeidig erzählte Geschichte geboten. Insbesondere die zweite Hälfte nimmt dramaturgisch spürbar Fahrt auf und punktet mit einem Finale, das Emotion und Eskalation gekonnt vereint.

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Spielerisch bleibt der Titel auf sicherem Boden: solide Gefechte, bekannte Third-Person-Mechaniken, ein angenehm präzises Deckungssystem – nichts Weltbewegendes, aber handwerklich sauber. Das kleine Highlight sind die überraschend intensiven Messerkämpfe, die dem Spiel eine eigene Note verleihen. Technisch präsentiert sich The Old Country ambitioniert, aber nicht ganz fehlerfrei: visuell beeindruckend, doch mit sichtbaren Schwächen bei Performance und Feinschliff.

Zwölf bis fünfzehn Stunden dauert die Reise, je nach Spielstil und Sammelleidenschaft. Für einen Titel zum Preis von 49,99 Euro (PC/Steam) ist das in Anbetracht des Produktionsniveaus vertretbar. Der ganz große Wurf bleibt zwar aus, doch Enzos Weg von der staubigen Mine zum Mafioso ist eine spannende Reise mit erzählerischen Highlights und mehr Herz, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Abgesehen davon ist ein kurzes und knackiges Abenteuer wie dieses eine Wohltat im Zeitalter aufgeblähter Open-World-Kolosse. 

Überblick

Pro

  • starke Atmosphäre und stimmiges Mafia-Setting
  • gelungene Charakterentwicklung und erzählerische Dichte
  • schöne Umgebungen, authentisches Sizilien-Flair
  • überraschend packende Messerkämpfe mit Bossfight-Charakter
  • solides Gunplay, klassische Deckungssystem-Mechanik
  • optionale Erkundung, freischaltbare Boni

Contra

  • technisch mit einigen Schwächen (Ruckler, Neustarts nötig)
  • Story-Abschnitte teils etwas klischeebehaftet
  • Gestik, Synchro und Dialoge nicht immer gelungen
  • wenig spielerische Ideen, Stealth nur oberflächlich

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