Preview - Mario Kart World : Der wichtigste Switch 2 Launch-Titel: So intensiv war Mario Kart noch nie!
- NSw2
Das Erbe von Mario Kart 8 anzutreten, ist keine leichte Aufgabe. Rund 70 Millionen Exemplare gingen davon über den Ladentisch – wahrscheinlich der Hauptgrund, warum anstelle eines neuen Jump-n-Run-Titels nun Mario Kart World die Verkäufe der Switch 2 ankurbeln soll. Ganz schön gewagt angesichts des neuen Spielkonzepts, bei dem man nicht einfach nur Rennstrecken abklappert, sondern quer durch eine offene Welt von Kurs zu Kurs heizt. Wir durften mehr als vier Stunden eintauchen und konnten einige Zweifel loswerden.
Offene Spielwelten sind heutzutage ein alter Hut. Selbst bei Rennspielen. Dass Mario Kart World vom reinen Strecken-Abklappern absieht, überraschte uns somit wenig. Nur hatten wir nach den zwei Vorab-Präsentationen in Paris und Berlin einige Zweifel an der Umsetzung. 24 Piloten im Fahrerfeld erhöhen zwar das Chaos, aber all diese breiten Straßen und offenen Landschaften, die aufgrund der hohen Teilnehmerzahl nötig sind, weckten den Verdacht, Nintendo könne den fahrerischen Anteil der Kart-Balgerei noch weiter in den Hintergrund rücken als sowieso schon üblich. Ohne Antigravitations-Abschnitte und Unterwasserfahrten fehlte uns zudem ein wenig vom Over-the-Top-Faktor.
Um solche Zweifel endgültig aus dem Weg zu räumen, verfrachtete Big N kurzerhand die halbe deutsche Medienlandschaft ins Hauptquartier nach Frankfurt am Main, wo sämtliche Spielmodi ausprobiert werden durften. Eine gerne akzeptierte Einladung, denn so durften wir endlich mehr spielen als nur den einsteigerfreundlichen Pilz-Cup.
Open World in alle Richtungen
Nach rund vier Stunden fiel der Groschen: Mario Kart World ist deutlich spektakulärer als wir zuerst angenommen hatten. Wenn Big N „Open World“ sagt, dann sind nämlich alle drei Dimensionen gemeint. Nicht, dass wir von dieser dreidimensionalen Theorie viel in die Praxis umgesetzt hätten. Die meisten Strecken sahen wir schließlich zum ersten Mal und so fehlte es uns an Erfahrung. Zumal wir es uns nicht nehmen ließen, in der 150-Kubikzentimeter-Klasse herumzuheizen. Die mag nicht übermäßig schnell sein – weder faktisch noch gefühlt – ist aber dennoch zu flink, um spontan nach Abkürzungen zu suchen.
Einige Leute bei Nintendo of Europe haben da schon etwas mehr Übung. Sie wählten zum Abkürzen absurde Pfade und hüpften buchstäblich seitwärts Wände hinauf. Mal schnell von einer Brücke auf ein Bergplateau und von da aus dann über ein Kabel über den Rest der Konkurrenz hinweg? Ja, ist machbar. Wenn das alles so funktioniert, wie sie uns das zeigten, dann werdet ihr spätestens zwei bis drei Wochen nach der Veröffentlichung überall fahren, nur nicht auf den Straßen.
Ein wenig Training vorausgesetzt, versteht sich. Mithilfe einer Rückspulfunktion dürft ihr alle Möglichkeiten mehrmals austesten, um Fehlversuche erneut zu starten und Muscle Memory aufzubauen. Ob ihr irre Stunts in einem laufenden Rennen gegen menschliche Fahrer gebacken bekommt, steht derweil auf einem anderen Blatt.
Um überhaupt hoch genug zu springen, muss man nämlich einen Hüpfer „aufladen“, indem man für ein paar Sekunden schnurstracks geradeaus fährt und dabei die Drift-Taste gedrückt hält. Jede Kurskorrektur, die ihr in der Zwischenzeit ausführt, endet in einem Powerslide. ihr solltet also schon im Vorfeld genau wissen, wann und wo ihr springen wollt und wie ihr da ohne Lenkmanöver hingelangt. Wie viel Übung man dafür braucht und ob das System stimmig ist, klären wir bald in einem ausführlichen Langzeit-Test.
Keine Gnade in der K.O.-Tour
Auch ohne Abkürzungen gibt es genügend Alternativen zum Asphalt: Mario, Yoshi, Donkey Kong und Co. heizen nämlich mit Amphibien-Fahrzeugen übers Wasser und lassen ihren Karts Flügel wachsen, wenn sie nach einem Sprung herabsegeln. Hat sich das Entwicklerteam etwa von Segas Sonic Racing Transformed inspirieren lassen? Der Verdacht liegt nahe.
Egal, Hauptsache flexibel. Alle Piloten grinden auf Schienen, nutzen Wallrides und düsen mit Vollgas über etliche Sprunggelegenheiten, um dem ständigen Beschuss durch Extrawaffen zu entkommen. Bei 24 Fahrern auf der Strecke währt der Frieden nicht lang.
Eine Taktik, die besonders im neuen Spielmodus namens K.O.-Tour an Bedeutung gewinnt, denn in dieser Grand-Prix-Variante schrumpft das Fahrerfeld bei jedem der insgesamt fünf am Stück durchquerten Checkpoints um vier Teilnehmer, bis zum Schluss nur noch vier Kontrahenten übrigbleiben. Ihr werdet Blut und Wasser schwitzen, wenn ihr gefühlte Ewigkeiten den ersten Platz verteidigt, nur um dann kurz vor einem Checkpoint den berühmten blauen Panzer abzubekommen. Das kann euch unter Umständen so weit zurückwerfen, dass ihr buchstäblich ums Überleben kämpft.
Lippen beißen, Luft anhalten
Kein Witz: So intensiv war Mario Kart noch nie! Die permanente Gefahr, aus dem Rennen auszuscheiden, verhindert jeden Ansatz von Diplomatie, und je weiter ihr hinten liegt, desto brutaler wird’s. Ihr verteidigt jede Platzierung mit Zähnen und Krallen. Das ist wahrlich nichts für Leute mit chronisch hohem Blutdruck.
Gerade in den Sekunden bevor man einen Checkpoint erreicht (was durch eine Regenbogen-Vignette am Bildschirmrand angekündigt wird), beißt man sich unbewusst auf die Lippen und neigt zum Luftanhalten. Wie angespannt alle Spieler sind, konnten wir regelmäßig hören. Ist schon ulkig, wenn 23 von 24 Spielern in einem Saal gleichzeitig aufschreien, weil irgendjemand gerade einen Schrumpf-Blitz zündet und die meisten in dessen Radius fahren.
Diese hohe Anspannung verwandelt sich nach jedem durchquerten Checkpoint kurzzeitig in einen Glücksschub durch Hormon-Berieselung, bevor ihr wieder nervös werdet. Umso heftiger fällt dann der Jubel aus, wenn ihr es unter die letzten Vier schafft oder sogar als Sieger über die Ziellinie fahrt. Die K.O.-Tour mag nicht ganz den Charakter eines Battle Royale haben, aber Parallelen lassen sich nicht leugnen.
Sollte euch der ständige Druck zu viel sein, dann grämt euch nicht. Es gibt genügend andere Spielmodi, von denen beinahe alle auf die Spannung eines 24 Spieler starken Fahrerfelds vertrauen, ohne euer Nervenkostüm zu strapazieren. Sei es der klassische Grand Prix, bei dem ihr nun allerdings die Distanzen zwischen den vier Kursen aktiv zurücklegt, indem ihr kreuz und quer über die Spielwelt fahrt. Seien es VS-Rennen, bei denen ihr per Vote-System abstimmt, wo ihr als nächstes hinwollt (wobei auch hier nur Strecken im näheren Umfeld zur Wahl stehen). Sei es der Münzkampf (Münzen sammeln und sie Kontrahenten durch Beschuss stehlen) oder die klassische Ballonschlacht.
Auch das freie Fahren zum Erkunden der riesigen Spielwelt darf man gemeinsam angehen. So könnt ihr euch mit euren Freunden treffen, um die Umgebung zu erschließen, Fotos zu schießen oder um zusammen nach versteckten P-Schaltern zu suchen, die euch knifflige Aufgaben zuweisen. Wegen strenger Reglementierung vor dem Release dürfen wir euch leider noch nicht verraten, wie viele P-Schalter in der offenen Welt verteilt wurden. Ihr müsst uns einfach mal abnehmen, dass es viele sind.
Jeder dieser Schalter gibt euch eine andere Geschicklichkeitsaufgabe vor, die ihr innerhalb eines Zeitlimits knacken sollt. Wir sind schon gespannt, wie lange es wohl dauert, alle zu finden und zu knacken. Ist schließlich nicht die einzige Beschäftigung in der freien Fahrt. Nebenbei sucht ihr noch Vierteldollar-Münzen oder Lunchpakete, die euch irre Outfits spendieren.
Gemeinsam mehr Spaß haben
Nintendo wurde nicht müde, uns eine explizite Botschaft mitzuteilen: Der Multiplayer-Aspekt wird die wichtigste Komponente des Spiels sein. Damit ihr bei den Rennen möglichst selten KI-Fahrer zurate ziehen müsst, wurde sogar eine Option für lokale Netzwerke integriert. Ihr braucht also für Kart-Partys nicht zwingend eine Internetverbindung. Dank der Splitscreen-Option genügen theoretisch sechs Switch-2-Konsolen im heimischen Netzwerk, um das gesamte Fahrerfeld mit menschlichen Piloten zu besetzen, egal ob ihr den Grand Prix bestreitet oder euch in Duellen die roten Panzer um die Ohren jagt.
Wie gut alle Multiplayer-Lösungen implementiert wurden, durften wir anhand diverser, von Nintendo vorbestimmter Paarungen aus erster Hand erfahren. Nach einer kurzen Umbaupause wurden wir mit einigen Kollegen vor eine Konsole gesetzt, an der auch die neue Switch 2 Kamera angeschlossen war. Sie filmte uns alle gleichzeitig, ließ uns aber unsere Gesichter vor dem Rennen einrahmen, sodass unser Konterfei über den Karts eingeblendet werden konnten. Auf diese Weise begutachteten wir nicht nur die Qualität des Vier-Spieler-Splitscreen-Modus, wir wussten auch genau, wem wir gerade einen roten Panzer in den Rücken jagen. Muahaha! Häme war schon immer ein starker Spaßfaktor bei diesem Spiel.
Braucht es die Kamera unbedingt? Nein. Wir fürchten sogar, dass sie für allerhand unsittlichen Unfug missbraucht werden könnte. Mal schauen, ob sie auf Dauer ihren Nutzen beweist. Im Moment wirkt sie eher wie ein Gimmick, ähnlich wie einst bei der Xbox 360, wo die Webcam irgendwann nur noch beim Pokerspielen zum Einsatz kam.
Ansonsten gab es nichts zu beanstanden. Alles in allem eine Riesengaudi, egal in welchem Spielmodus. Einziger Wermutstropfen: Die Bildrate sank beim Vier-Spieler-Splitscreen von flüssigen 60 auf stabile, aber doch etwas zähe 30 FPS, und das merkte man eindeutig beim Steuern. Also: Je mehr Konsolen, desto besser, aber es geht notfalls auch gut an einer.
Nicht falsch verstehen: Wir erwarten von der Switch 2 keine Wunder, gingen also nie davon aus, dass sie den Vier-Spieler-Modus in 60 FPS stemmt. Es ist mehr eine Feststellung als eine Beschwerde, zumal die Grafik auf einigen Strecken geradezu bezaubert. Wenn nicht mit felsenfestem Stil und schönen Modellen, so zumindest mit schicken HDR-Farben, die so knallig sind, dass es euch fast die Augen rausbrennt. Fragezeichen-Blöcke zu übersehen, ist ein Ding der Unmöglichkeit, so krass wie sie leuchten.
Nette Shader für Wasser und andere nicht-solide Objekte unterstreichen den grafischen Vorsprung gegenüber der Original-Switch, auch wenn der Unterschied nicht auf jeder Strecke sofort sichtbar wird. Wenn wir die grafische Stärke von Mario Kart World eingrenzen müssten, dass würden wir unsere zwei Cent auf den hohen Anteil an Masse bei exzellenter Sichtweite verwetten. Dafür sprechen allein schon die 24 Piloten. Das geht auf Kosten feiner Details, die ihr während der hitzigen Fahrt sowieso nicht in Ruhe bestaunen könntet.
Da steckt einiges drin
Generell ist Masse das Credo des Spiels. Wir waren ziemlich überrascht, wie viel Umfang Mario Kart World mitbringt. Es gibt einige neue Waffen wie den Hammer (ein Wurfgeschoss), die Münzen-Box oder den goldenen Schildkrötenpanzer, der beschleunigende Münzen hinterlässt. Dazu noch viele neue Kurse und eine offene Welt voller verstecktem Kleinkram. Nicht zu vergessen komfortable Multiplayer-Lobbys für Einzel-Wettkämpfe, Team-Rennen und Battle-Runden mit einem reibungslosen Voting-System. Kommuniziert wird derweil über einen einfachen Textchat. Das summiert sich!
>> Switch 2: Alles, was ihr jetzt über die neue Konsole wissen müsst <<
Schade nur, dass man Karts nicht mehr selbst zusammenbauen kann. Bauteile hätten sich in der offenen Welt prima als Belohnung für Erkundungstouren angeboten. Stattdessen setzt Nintendo auf freispielbare fertige Karts, neue Charaktere und viele kosmetische Anpassungen. Von Letzteren gibt’s jedenfalls reichlich.
Klar, 90 Euro für die physische Fassung schmerzen trotzdem im Geldbeutel, und wir halten diesen Vorstoß trotz des Umfangs noch immer für ungerechtfertigt. Stellt da einfach mal Forza Horizon 5 gegenüber. Größere Welt, mehr Wagen, mehr Interaktion, Streckeneditor und und und. Trotzdem kostete es beim Release 30 Euro weniger. Puh!
Zumindest knausert Nintendo nicht beim Spielinhalt. Für ein endgültiges Urteil müssen wir dennoch ein paar tausend zusätzliche Kilometer auf den Karts hinter uns bringen, also freut euch schonmal auf das Review, das so bald wie möglich nach dem Release der Switch 2 ansteht.
Wir durften mehr als vier Stunden in das neue Mario Kart World für die Nintendo Switch 2 eintauchen und konnten einige Zweifel loswerden.


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