Test - Medion Erazer X15805 : Notebook mit Sechskerner und RTX-Grafik

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Medions Gaming-Marke Erazer steht immer mehr auf eigenen Beinen. Nach einigen hochwertigen PCs mit Markeninnenleben gibt es nun auch Nachwuchs bei den Notebooks, der problemlos ins High-End-Segment vorstürmt. Ein billiges Vergnügen ist das allerdings nicht, satte 2.599 Euro stehen auf dem Preisschild unseres Testmusters. Dafür glänzt der kompakte Bolide aber auch mit leistungsstarkem Innenleben. Wir haben das neue Gaming-Notebook-Flaggschiff von Erazer auf den Prüfstand gestellt.

Die neue Daddelflunder von Erazer sammelt schon auf den ersten Blick Punkte, vor allem dank ihrer kompakten Maße von 359 x 242 x 19 mm und des Gewichts von nur 2,2 kg. Wenig für ein 15-Zoll-Notebook, das unter anderem auch vom schmalen Displayrahmen profitiert und damit kaum größer ist als frühere 14-Zöller. Ein begrüßenswerter Trend, der bei Notebooks mehr und mehr um sich greift und es endlich ermöglicht, ohne Bandscheibenschaden satte Spielepower im Rucksack mit sich herumzutragen.

Das Äußere sieht definitiv nach Gaming aus dank Displaydeckel in gebürstetem Schwarz, Erazer-typisch blauem Logo und LED-Streifen an der Front. Weniger schön sind die Antirutschgummis an der Unterseite, die ein wenig zu hoch sind und dafür sorgen, dass das gesamte Notebook doch ein wenig wackelt, wenn man den Displaydeckel antippt. Größere und flachere Gummis wären da hilfreich. Erazer dürfte auf diese Lösung zurückgegriffen haben, um den Lufteinzügen an der Unterseite schlicht mehr Raum zu geben. Ansonsten gibt es an der Verarbeitung aber wenig zu bemängeln, einzig der Displaydeckel könnte etwas fester sein.

Sehr gut gefällt uns die zonenbeleuchtete mechanische Tastatur, auch wenn die Tastenbeschriftungen nicht ganz homogen ausgeleuchtet sind. Dafür bietet sie ein angenehmes Tippgefühl. Das Touchpad geht in Ordnung und funktioniert gut, die Druckpunkte sind knackig. Trotz der kompakten Größe handelt es sich übrigens um eine Volltastatur mit Zahlenblock und gefälligem Layout, allerdings sind die Pfeiltasten nicht abgesetzt. Stört uns nicht, den einen oder anderen Spieler aber vielleicht schon.

Die seitlichen Anschlüsse sind relativ weit vorn, um Raum für die Luftaustritte zu schaffen. Das dürfte Mausspielern nicht so gut schmecken. Mit Audio, RJ45, Type-C, HDMI, Mini DisplayPort und normalem USB 3.1 sowie einem Card Reader ist alles Nötige vorhanden. Wer es kabellos mag, freut sich über Bluetooth 5.0 und Intel Wireless-AC 9560.

Kommen wir zum Innenleben. Hier hat Medion Erazer nicht gekleckert, sondern ordentlich was ins Gehäuse gestopft. Der Sechskerner i9-8950H mit 2.9 GHz entpuppt sich als kraftvoller Motor, der auch hungrigen Anwendungen mühelos gewachsen ist. Schon mal ein echter Pluspunkt für Zocker, die auch mal Videos schnippeln. Ihm zur Seite stehen 16 GB DDR4-2667-Arbeitsspeicher. Spieler freuen sich über die Nvidia GeForce RTX 2070 MaxQ, die keine Probleme hat, das 15,5 Zoll große IPS-Display von LG mit seinen 144 Hz Bildwiederholrate zu befeuern.

Das Display erfreut das Herz mit kräftigen Farben und gutem Kontrast, zudem verhindert es Reflexionen dank matter Beschichtung. Ansonsten sind noch eine 512 GB große PCIe-SSD vorhanden, die das vorinstallierte Windows schnell an den Start bringt. Als großzügige Datenplatte dient eine 2,5-Zoll-HDD von Seagate mit satten 2 TB. Auch bei den Notebooks setzt Medion Erazer also mittlerweile auf Markenkomponenten statt OEM-Ware. Gut so.

Dem Innenleben entsprechend gibt es an der Spieleleistung nichts zu bemängeln. Klar, die MaxQ-Variante der RTX 2070 erreicht nicht ganz die Framerates ihrer großen Desktop-Schwester, für Spiele unter Full HD reicht es aber mehr als locker aus, um selbst auf maximalen Einstellungen bei den meisten Titeln die 60-fps-Grenze zu knacken. Auch die Benchmarkwerte können sich sehen lassen. Im TimySpy kommt das Gerät auf gute 6.633 Punkte, im FireStrike reicht es gar für 15.386 Punkte.

Die Leistung in Verbindung mit der Kompaktheit haben allerdings, wie bei Notebooks üblich, ihren Preis. Die Lautstärke der Lüfter unter Volllast ist nicht ganz ohne. Im Bereich vor dem Display und oberhalb der Tastatur kommen die Lüfter auf satte 56 dB – das ist nicht gerade wenig. An den hinteren Luftaustritten konnten wir gar über 60 dB messen. Ohne Headset und/oder mit einem Sitznachbarn im Zug kommt da wenig Freude auf. Aber noch mal: Das ist nicht ungewöhnlich, wenn man viel Leistung in ein schlankes Gehäuse packt.

Immerhin sorgt die Kühlung für moderate Temperaturen der Komponenten. Die CPU arbeitet mit den üblichen 94 bis 100 Grad bei Volllast, die GPU bleibt sogar unter sehr guten 80 Grad und kommt nicht ungebührlich ins Schwitzen. Weniger schön ist die Temperaturemission des Gehäuses. Vor allem der mittlere Bereich der oberen Tastenreihe und das Gehäuse darüber sind mit 45 bis 48 Grad schon eher ungemütlich. Zwar verbrennt man sich nicht die Finger, wärmer sollte es aber tunlichst nicht sein.

Greift zu, wenn...

… ihr ein starkes, aber kompaktes Notebook mit kräftiger CPU und leistungsfähiger Grafikkarte sucht.

Spart es euch, wenn...

… ihr eure Notebooks flüsterleise liebt. Entweder stark oder leise, es geht nur eins.

Fazit

Andreas Philipp - Portraitvon Andreas Philipp
Stark und kompakt

Das Medion Erazer X15805 muss sich vor der Konkurrenz wahrlich nicht verstecken. Im erfreulich kompakten Design steckt ein leistungsstarkes Innenleben, das nicht nur allen aktuellen Spielen gewachsen ist, sondern dank des Sechskerners auch mit leistungshungrigen Anwendungen wie Videobearbeitung gut klarkommt. Das gute 144-Hz-Display kann überzeugen, ebenso wie die schicke mechanische Tastatur.

Allerdings solltet ihr bereit sein, neben den 2.599 Euro auch den Preis für das kompakte Design zu bezahlen. Die Lüfter sind bei gehobener Spielelast nicht gerade leise. Das Innenleben wird damit auf ordentlichen Temperaturen gehalten, aber die Gehäusetemperaturen sind nicht in allen Bereichen zufriedenstellend. Das bleibt allerdings nicht aus, wenn man viel Leistung in ein knapp bemessenes Gehäuse stopft, und sieht bei anderen Herstellern nicht anders aus.

Insgesamt ist das Erazer X15805 ein gutes, ansprechend gestaltetes Gaming-Notebook mit viel Leistung und insgesamt akzeptablen Schwächen.

Überblick

Pro

  • starke Spieleleistung
  • gutes Display
  • sehr kompakt
  • kräftige CPU
  • ansprechendes Design
  • insgesamt solide verarbeitet
  • griffige Tastatur

Contra

  • unter Volllast recht laut
  • einige Gehäuseteile werden recht heiß
  • Standsicherheit könnte besser sein

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