Test - Metal Wolf Chaos XD : From Software und Devolver: ein unschlagbares Team?

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Am 6. August erschien mit Metal Wolf Chaos XD die Remastered-Version des Third-Person-Shooters von From Software aus dem Jahr 2004. Das Spiel, das damals nur in Japan veröffentlicht wurde, versetzt euch in die Rolle des Mech-steuernden US-Präsidenten, der im Alleingang Terroristen bekämpft, die Welt rettet und einen derben Spruch nach dem anderen vom Stapel lässt.

Um die Popularität der ersten Xbox in Japan zu steigern, tat sich Microsoft vor über 15 Jahren mit From Software zusammen, die, lange bevor an Dark Souls überhaupt zu denken war, vor allen Dingen durch ihre Mecha-Reihe Armored Core bekannt waren. Das Ergebnis ist ein Fall für sich: ein Third-Person-Shooter, der US-Amerikaner stark überzeichnet darstellt, sich am laufenden Band über überschäumenden Patriotismus lustig macht und in dem sich Explosionen und derbe Sprüche die Klinke in die Hand geben.

Der Titel, der gute drei Jahre nach den Anschlägen von 9/11 auf den Markt kam, erschien wohl nicht nur deswegen lediglich in Japan. Und trotzdem hat das Spiel von Director Keiichiro Ogawa auch in den USA eine große Fangemeinde, wo man Metal Wolf Chaos im Laufe der Zeit wegen seiner satirisch-überzeichneten Darstellung des amerikanischen Selbstverständnisses zu lieben gelernt hat.

Aufgrund dieser Tatsache hat sich Publisher Devolver dazu entschlossen, den Titel visuell aufzupolieren und als Remastered-Edition weltweit neu auf den Markt zu bringen. Metal Wolf Chaos XD war geboren.

Solltet ihr das Spiel noch gar nicht kennen, lasst mich den eh schon recht übersichtlichen Plot kurz zusammenfassen. Ihr seid der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Michael Wilson, der in einem auf Hochglanz polierten Mech sitzt und gegen endlos scheinende Wellen von Terroristen kämpft. Die wiederum unterstehen eurem Erzfeind, dem bösen Vizepräsidenten Richard Hawk ... der ebenfalls in einem Mech hockt. Und euch aus dem Weißen Haus verjagt hat.

Das Spielprinzip

Ich würde lügen, wenn ich jetzt behauptete, im Verlauf des Spiels passiere nicht noch das eine oder andere von Relevanz, doch unterm Strich decken diese Informationen alles Notwendige ab. Während der Protagonist einen abgedroschenen Spruch nach dem anderen von sich gibt und dabei fleißig von seiner Sekretärin, Jody Crawford, unterstützt wird, macht er Welle um Welle an Feinden platt, die sich ihm zu Fuß, in Fahrzeugen und in Helikoptern entgegenstellen.

Hierfür stehen ihm viele verschiedene Waffen zur Verfügung, die er nach und nach freischaltet und in seinem Mech verbaut. Jedes Geschütz ist gegen einen anderen Feindtypen von Vorteil, weswegen ständig zwischen ihnen hin- und hergewechselt werden muss. Da Michael auf jede Mission acht Waffen mitnehmen und zwei Waffen auf einmal verwenden kann, eine in der rechten und eine in der linken Hand, ist ein gewisses Geschick vonnöten. Zu unübersichtlich wird es dennoch nie.

Die Handhabung von Sturmgewehr, Schrotflinte, Bazooka und Co. erfordert allerdings ein wenig Übung, wenn man Spiele solcher Art nicht gewöhnt ist. Das Fadenkreuz markiert nämlich keinen exakten Punkt, sondern vielmehr einen Zielradius, in den eure aktuell verwendete Waffe trifft. Knarren mit breiter Streuung, die gegen Infanterie nützlich sind, haben entsprechend ein sehr großes Fenster, die besonders schlagkräftigen Wummen, die eher gegen Panzer und Helikopter einzusetzen sind, verfügen über einen relativ kleinen Bereich.

Ein elementarer Aspekt von Metal Wolf Chaos XD besteht also darin, die richtige Waffe gegen den passenden Gegner zu benutzen. Am Ende der meist recht schnöden Level erwartet euch oftmals ein Boss, der, im Gegensatz zu quasi allen Feinden auf dem Weg zu ihm, tatsächlich taktisches Vorgehen verlangt.

Entsprechend kann es vorkommen, dass man, noch völlig gelangweilt von der schwächlichen Armee des Vizepräsidenten, den Levelboss unterschätzt. Oder dieser ohne Vorwarnung lächerlich viel Schaden anrichtet und die Lebensleiste schneller zum Schmelzen bringt als ein heißes Messer die sprichwörtliche Butter. So oder so enden Begegnungen mit diesen einmaligen Feinden nicht selten mit einem Fehlschlag.

Wir können nur spekulieren, ob dies als augenzwinkernde Parallele zu den heutigen Souls-Erfolgsspielen aus dem Hause From Software verstanden werden soll, vermuten aber eher, dass es schlicht und ergreifend dem hohen Alter geschuldet ist, das das Spiel mittlerweile auf dem Buckel hat. Zwischenspeichern während eines Levels ist nämlich nicht möglich und ihr müsst diesen nach einem Fehlschlag komplett wiederholen. Vor 15 Jahren war das in Actionspielen nunmal so. Metal Wolf Chaos XD führt dadurch unmissverständlich vor Augen, dass für das Remaster lediglich die Hülle aufpoliert wurde, während der spielerische Kern unangetestet dem Zahn der Zeit überlassen blieb.

Da sich (im Gegensatz zu Dark Souls) die Herausforderung während der Missionen sehr in Grenzen hält, werden die ständigen Wiederholungen schnell langweilig - vor allem auch deshalb, weil der Ablauf stets absolut gleich vonstattengeht. Wer bei einem Boss nicht weiterkommt, versucht sich an Nebenmissionen, um bessere Ausrüstung zu verdienen und den Kreislauf des Scheiterns so schließlich zu durchbrechen. Aber auch dieses Vorgehen hat einen Haken.

Denn die optionale Aufgaben, die ihr nach dem Abschluss einer Hauptmission annehmen könnt, zwingen euch, das exakt gleiche Level noch einmal zu spielen. Ihr lauft also wieder durch das bereits abgeschlossene Gebiet, mit den altbekannten Gegnerwellen, während sich lediglich euer Ziel geändert hat.

Wenigstens wurde darauf geachtet, dass sich die Level untereinander nicht allzu sehr ähneln und es immer einen Twist gibt, der die Aufträge von den jeweils anderen unterscheidet. In Chicago müsst ihr zum Beispiel unter Zeitdruck die Verbreitung von Giftgas verhindern, während in der nächsten Stadt ein Boss auf euch wartet, der im Verlauf der Mission erst geschwächt werden muss, bevor ihr ihn herausfordern könnt.

Spielerisch ist Metal Wolf Chaos XD trotz seiner recht anspruchsvollen Bosskämpfe und der kleinen Abweichungen im Missionsablauf deutlich zu abwechslungsarm und über weite Strecken schlicht zu leicht. Im Grunde lebt der Titel ausschließlich von seiner völlig überzogenen Darstellung US-amerikanischen Heldenmuts und den vielen Onelinern. Es geht um brachiale Action, explodierende Gegner, Waffen, die amerikanische Fußbälle verschießen, und Level, in denen es quasi jedes einzelne Objekt zu zerstören gilt, um die notwendigen Items und Munition zu finden.

Aus alt mach neu?

Metal Wolf Chaos XD ist eine ausschließlich visuell auf Vordermann gebrachte Version des Originals und ändert an der Spielmechanik wenig bis gar nichts. Die Steuerung während der Kämpfe ist recht klobig, aber das ist schon in Ordnung. Schließlich steuert ihr hier keinen grazilen Akrobaten, sondern einen schweren, bulligen Mech.

Metal Wolf Chaos XD - Launch Trailer
Metal Wolf Chaos XD ist ab dem morgigen 06.08.2019 für PC, PS4 und Xbox One erhältlich.

Das Remaster spendiert dem Spiel eine Breitbild-Unterstützung, höhere Auflösung und verbesserte Texturen. Während die ersten beiden Punkte eigentlich obligatorisch sind, fällt Letzteres kaum auf: Als entstammten sie immer noch dem Jahr 2004, bestehen die Städte aus matschigen Übergängen von braun zu grau und wieder zurück. Die FPS brechen regelmäßig ein, während so mancher Gegner heftiger mit seinen Clippingfehlern zu kämpfen scheint als mit dem Spieler und dabei schon mal komplett in einer Wand oder einem Berg verschwindet. Oder schlimmer: Mit notwendigem Loot über eine Klippe stürzt und die Items mit in den Abgrund reißt, wie es während des Tests im zweiten Level in Washington DC passiert ist.

Nostalgie mal ganz anders: Sogar bekannte Bugs aus dem Original haben überlebt und es ins Remaster geschafft – irgendwie fast schon konsequent. Die berühmt-berüchtigte, weil fürchterliche englische Synchronisation wurde ebenfalls beibehalten. Dafür wurde immerhin das Menü komplett lokalisiert.

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