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Test - MIO: Memories in Orbit : Test: Selten hat mich ein Metroidvania gleichermaßen begeistert und erzürnt

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Handgezeichnete Metroidvanias mochten vor ein paar Jahren noch die Nische bedient haben, doch heute sprießen sie aus nahezu jeder Ecke. Schwankende Qualität in Sachen Spielgefühl gehört bedauerlicherweise aber oftmals ebenso zur Formel wie grafischer Augenschmaus. Vermag das französische Studio Douze Dixièmes diesen Fluch mit MIO: Memories in Orbit zu brechen?

In zwei Punkten müssen Metroidvanias mit handgezeichneter Optik idealerweise überzeugen: Grafik und Gameplay. MIO: Memories in Orbit brilliert in einer der beiden Kategorien regelrecht, leistet sich an anderer Stelle aber ein paar Schnitzer, die unter Umständen zum Dealbreaker werden.

Spiel mit der Perspektive

Dürfte ich nur ein Adjektiv verwenden, um MIO: Memories in Orbit zu beschreiben, wäre das wohl „wunderschön“. Der Stil bewegt sich zwischen Aquarell und Skizzen, mit surrealen Elementen und 3D-Modellen sowie -Hintergründen. Viele kleine Details erwecken die Spielwelt zum Leben, seien es herumwuselnde kleine Roboter oder sanft im Wind wiegende Pflanzen.

Oftmals besteht das Problem, dass Sidescroller mit 3D-Versatzstücken schwer lesbar ausfallen, Wege und Gegner nicht erkennbar sind. Doch Douze Dixièmes schafft eine durchgehend erkennbare Designlinie, die stets zwischen Vorder- und Hintergrund unterscheiden lässt. Gegner heben sich deutlich ab, was der klar definierten Farbgebung zu verdanken ist.

Selbst Angriffe mit langen Ranken oder Kabeln, die im Hintergrund beginnen, erkennt ihr ohne große Trial-and-Error-Phase, was für die feinfühlig kreierte Grafik von MIO: Memories in Orbit spricht. Im Hintergrund bauen sich malerische Städte und imposante Maschinen auf, die zum Storytelling beitragen. Ein Ärgernis gibt es dann aber doch: Beim Wechsel zwischen Räumen verschwindet euer Protagonist kurz hinter der Wand, und auch Feinde können hier lauern, was in seltenen Fällen zu unverschuldet kassierten Treffern führt.

Die Gebiete strotzen zudem vor optischer Abwechslung. Vereiste Unterkünfte mitsamt rutschigen Eisplatten setzen eine frostige Stimmung, während an anderer Stelle die Natur die Hoheit über das Raumschiff zurückerobert, durch das ihr euch bewegt.

Der Soundtrack schmiegt sich wie eine zweite Haut an die Optik an und verstärkt die Emotionen der jeweiligen Szene. Bewegt ihr euch durch verlassene Quartiere, lauscht ihr melancholischen Synthesizer-Sounds. In Bosskämpfen treiben euch hingegen flotte Electro-Beats an, und ruhigere Story-Passagen untermalt ein entspannendes Piano.

Ein Gefäß voller Geheimnisse

Die gesamte Spielzeit von MIO: Memories in Orbit bewegt ihr euch durch ein Raumschiff, das sogenannte Gefäß. Hier eingesetzte KI-Aufpasser haben den Dienst eingestellt, und so schwebt der Koloss ziel- und planlos durch die Gegend. Als kleiner Roboter MIO ist es nun an euch, den seltsamen Vorkommnissen auf den Grund zu gehen und eine größere Katastrophe zu verhindern.

Dabei offenbaren sich durch die wenigen noch aktiven und freundlichen Blechkameraden einige Details zur Vergangenheit des Schiffes. Kleinere und größere Anspielungen deuten auf eine größere Entität hin, das Gefäß scheint weit mehr als eine seelenlose Blechdose zu sein. Mit manchen Aussagen wirft MIO: Memories in Orbit regelrecht existenzielle Fragen auf.

Wenn uns Terminator aber eines gelehrt hat, dann, dass uns die Künstliche Intelligenz nicht zwangsläufig positiv gestimmt ist. So versucht sie auch in diesem Fall, euch an eurem Vorhaben zu hindern.

David gegen Goliath

Im Vergleich mit nahezu jedem anderen Roboter auf dem Schiff fällt MIO regelrecht winzig aus, das hält eure kleine Einheit aber nicht auf. Feinde attackiert ihr vornehmlich mit einer normalen Dreier-Kombo, während ihr eingehenden Angriffen ausweicht. Praktischerweise steht euch direkt ab Beginn ein Doppelsprung zur Verfügung.

Im weiteren Spielverlauf schaltet ihr Metroidvania-typisch neue Skills frei. So zieht ihr euch zu bestimmten Punkten heran, klettert Wände hinauf oder gleitet durch die Lüfte. All diese Aktionen sind jedoch an Energie gekoppelt, und die ist knapp bemessen – doch durch ausgeteilte Schläge lädt sie sich wieder auf, was gleichermaßen für den Doppelsprung gilt.

So entfalten Kämpfe wie Plattforming von MIO: Memories in Orbit gleichermaßen eine überraschende Tiefe, die aber auch eine saftige Lernkurve mit sich bringt. Wie in Hollow Knight durch Abwärtsschläge auf Gegnern und Objekten herumzuhüpfen, funktioniert nur bedingt. Stattdessen gilt es, im Wechsel zuzuschlagen, mit dem Doppelsprung aufzusteigen, sich an Punkte heranzuziehen und all das möglichst ohne abzustürzen oder euch treffen zu lassen.

Dabei verrät euch das Spiel viele Systeme nur im Ansatz. Trial and Error steht gleichermaßen bei Bossen und beim Plattforming an der Tagesordnung. Unfair fällt MIO: Memories in Orbit dabei aber nie aus, zumal es ein paar nützliche optionale Hilfen gibt. So schwächt das Spiel Bosse auf Wunsch nach jedem Tod eurerseits und lässt sie mehr Schaden erleiden. Oder ihr bekommt einen zusätzlichen Lebenspunkt, wenn ihr ein paar Sekunden auf dem Boden bleibt. Blöd nur, dass die Zeit hierfür variiert.

Wer es nicht in den Fingern hat, hat’s in den Beinen

Ebenfalls mehr als blöd fallen die Laufwege oftmals aus. Etwas Backtracking gehört zum guten Metroidvania-Ton und auch, dass Bosse nicht immer in der Nähe von Checkpoints sind. Aber regelmäßig zwei bis drei Minuten zum Obermotz rennen zu müssen, nervt irrsinnig. Dazu führen die Wege oftmals durch Areale, in denen es vor Gegnern oder kniffligen Plattforming-Passagen nur so strotzt.

Nicht selten erreicht ihr den jeweiligen Boss also bereits vorgeschädigt. Leben zu regenerieren geht abseits der Rastpunkte nämlich nur an speziellen Stationen, im Austausch für die wichtigste Ressource des Spiels – die nach eurem Ableben flöten geht und erst im Hub wieder zurückgewonnen werden kann.

Auch manch andere Spieldesign-Entscheidungen sorgen unnötig für Frust. Die essenziellen Speicherpunkte gibt es schlicht zu selten, und warum die Entwicklerinnen und Entwickler regelmäßig knallharte Zwischenbosse nach minutenlangen und fordernden Plattforming-Passagen platzieren, muss man mir mal erklären.

Mein Weißglut-Favorit war aber ein ganz spezieller Boss. Vor ihm müsst ihr weglaufen, was man auch aus anderen Genre-Vertretern durchaus kennt. Dass das Segment einige Sprünge ins Ungewisse birgt und auf Trial and Error setzt, sei mal geschenkt. Wenn ihr dann aber endlich die circa zwei Minuten ohne Fehler absolviert, nur um keinen Checkpoint zu finden und plötzlich erneut in einer Verfolgungsjagd ähnlicher Schwierigkeit landet, gewinnt der Controller einen Freiflug Richtung Monitor.

Optionen ohne Ende

Da helfen auch die Mods nur bedingt, mit denen ihr MIO aufrüstet. Diese findet ihr entweder in geheimen Passagen oder kauft sie bei der Händlerin im Hub. Sie erhöhen Schaden, Leben, Angriffe, kreieren neue Ankerpunkte oder bringen anderweitige Verbesserungen für jegliche Situation.

Die Auswahl will taktisch getroffen werden, denn sie kosten eine bestimmte Anzahl an Slots. Deren Kapazität erhöht ihr ebenfalls durch gefundene Upgrades, wie auch eure Lebensenergie. Bereits besuchte Gebiete mit neuen Skills zu besuchen, ist also nicht nur empfehlenswert, sondern unabdingbar. Kein Grund zur Beschwerde, so funktionieren Metroidvanias und entfalten ihren Spaß.

Was allerdings so überhaupt keine Freude macht: Wenn plötzlich und ohne Vorwarnung ein hart verdienter zusätzlicher Lebenspunkt dauerhaft geraubt wird. Aber gewissermaßen steht das auch stellvertretend für die generelle Unausgewogenheit im Balancing von MIO: Memories in Orbit.

Greift zu, wenn...

… ihr auf wunderschöne Optik steht und kein Problem damit habt, wenn ein Spiel auch mal unfair fordert.

Spart es euch, wenn...

… ihr bei Backtracking rot seht und mit schwierigen Kämpfen sowie Plattforming-Abschnitten nichts anfangen könnt.

Fazit

Dennis Hilla - Portraitvon Dennis Hilla
Unnötige Frustmomente schmälern ein sonst sehr starkes Metroidvania

Eigentlich macht MIO: Memories in Orbit vieles richtig. Die Steuerung fällt angenehm präzise aus und kommt fast an Genre-Größen wie Silksong oder die Ori-Spiele heran. Lediglich kleinere Unsauberkeiten bei der Kollisionsabfrage können nerven. Dafür bietet das Spiel eine ineinander verschlungene Welt mit etwas zu langen Laufwegen, aber vielen Geheimnissen und einer immens nützlichen Map.

Grafisch und akustisch ist der Titel über jeden Zweifel erhaben und gehört mit zum Schönsten, was ich in den letzten Metroidvania-Jahren sehen durfte. Da schmerzen die unnötigen Unzulänglichkeiten umso mehr.

>> Meilensteine des Hype-Genres: Die 10 besten Metroidvania-Games <<

Angefangen bei den manchmal irrsinnig langen und schweren Wegen zu Bossen. Die kosten unnötig Zeit und Nerven, wie auch die Platzierung mancher Zwischengegner und die zu selten vorhandenen Speicherpunkte. Könnt ihr darüber hinwegsehen, erwartet euch aber ein sehr gutes Metroidvania, das mit etwa 13 bis 15 Stunden Spielzeit auch nicht zu lang ausfällt – wollt ihr alle Geheimnisse des Gefäßes bergen, dürft ihr sicher noch ein paar Stündchen mehr draufrechnen.

Überblick

Pro

  • fantastische handgezeichnete Optik
  • ideal auf das Geschehen abgestimmter Soundtrack
  • präzise Steuerung
  • abwechslungsreiche und vielfältig nutzbare Skills
  • Mods erlauben vielfältige Anpassungsmöglichkeiten
  • kein Boss gleicht dem anderen
  • interessante und mysteriöse Story

Contra

  • Laufwege fallen oftmals zu lange aus
  • etwas zu viel Trial-and-Error
  • Balancing gerät regelmäßig aus dem Tritt
  • wenige Standard-Gegner-Designs

Awards

  • Design
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  • Sound
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MIO: Memories in Orbit
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