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Preview - Path of Exile 2 : Da kann sich Diablo IV aber mal ganz warm anziehen

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Nach einer über 10-jährigen Erfolgsgeschichte des Online-Action-Rollenspiels Path of Exile steht nun der Early-Access-Start zum Nachfolger des “Free-to-Play-Diablos” ins Haus. Die ausufernde Liste an neuen Features, Mechaniken und Inhalten beweist, dass es eben wirklich nur ein Spiel gibt, das Path of Exile in Sachen Komplexität und der megalomanischen Menge an Skills und Kombinationsmöglichkeiten übertreffen kann, und das ist Path of Exile II.

Path of Exile ist hauptsächlich für zwei Dinge bekannt. Zum einen stellt es für viele eine kostenlose Alternative zu Activision Blizzards Diablo-Reihe dar, zum anderen verfügt es über den wohl größten Skilltree, den viele Gamer zu ihren Lebzeiten zu Gesicht bekommen werden. Das verzweigte Netzwerk aus verschiedenen passiven Upgrades für euren Charakter bietet über 1300 einzelne Punkte und erfordert ein halbes Studium, um den Durchblick zu bekommen. Aktive Fähigkeiten sind hier wohlgemerkt überhaupt noch nicht eingerechnet.

Die haben nämlich ihr eigenes System, das sich natürlich ebenfalls vom Rollenspiel-Standard absetzt. Statt in einem Menü einfach “Feuerball” auszuwählen und dann loszuballern, macht ihr euch auf die Suche nach bestimmten Edelsteinen, die ihr dann in eure Rüstung oder Waffe einsetzt, und dadurch erst Zugriff auf die darin eingravierten Skills bekommt.

Sockelt ihr neben eure Skills dann noch Support-Edelsteine, verändert ihr dadurch die Funktionsweise oder erzeugt zusätzliche Effekte. Neben den 1300 passiven Verbesserungen habt ihr also noch die Wahl aus unzähligen Kombinationen an Fähigkeits- und Support-Edelsteinen. Sollte euch das alles bereits viel vorkommen, dann wartet mal ab, womit Teil 2 alles aufwartet.

Der grausame Graf und seine tanzenden Tentakel

PoE II setzt ganze 20 Jahre nach den Ereignissen aus dem ersten Teil ein. Der dunkle Graf von Ogham hat mit der Saat der Verderbnis ein mächtiges Relikt der alten Welt in Besitz gebracht. Die wabbelige und zuckende Ansammlung von Tentakeln verdirbt das Land, tötet alles, was ihr in die Quere kommt, und verwandelt ihre Opfer in Untote. (Zumindest, wenn ich das Opening Cinematic richtig interpretiert habe …) Die Spieler machen sich nun auf, den wahnsinnigen Grafen aufzuhalten, bevor nicht nur alle dran glauben müssen, die sich ihm widersetzen, sondern die Saat der Verderbnis auch gleich das gesamte Land zerstört.

Insgesamt soll die Geschichte in sechs Akten erzählt werden, die allerdings zum Early Access noch nicht alle zur Verfügung stehen. Damit Spieler dennoch zum Maximallevel gelangen können, um die zahlreichen Endgame-Inhalte zu genießen, greift Entwickler Grinding Gear Games zu einem kleinen Trick. Seid ihr mit den ersten drei Akten durch, geht es direkt in einen zweiten Durchlauf auf dem neuen, höheren Schwierigkeitsgrad Cruel.

Sobald die Akte vier, fünf und sechs hinzugefügt werden, fliegt der höhere Schwierigkeitsgrad wieder raus und statt zweimal die erste Hälfte der Kampagne abzuarbeiten, könnt ihr die Geschichte dann ungestört bis zum Ende erleben.

Neben der (hoffentlich) ansprechenden Geschichte lohnt sich das Aufleveln vor allem eben für das komplett überarbeitete Endgame. In unzähligen Gebieten sammelt ihr Crafting-Materialien, stellt euch herausfordernden Bossen und erforscht weiter die Welt von Wraeclast.

Als Belohnung winken dann logischerweise mächtige Ausrüstung und Skillpunkte. Und wenn ihr richtig gut seid, dann schaltet ihr sogar ganz neue Skilltrees frei (echt kein Witz!), mit denen ihr euch weiter spezialisieren und eure Fähigkeiten verändern könnt.

Aufstieg und Klassenkampf

Zu Beginn der Early-Access-Phase stehen bereits sechs verschiedene Klassen zur Auswahl. Mönch und Krieger repräsentieren die typischen Nahkampf-Klassen mit Gewalt (Krieger) und Finesse (Mönch). Die flinke Waldläuferin ist erneut mit dem Bogen unterwegs und tollt akrobatisch über das Schlachtfeld. Etwas ungewöhnlicher ist da schon der Söldner.

Dessen Armbrust ist nämlich ein wahres Multitool, solange mit “Multi” verschiedene Arten des Schießens gemeint sind. Mit der passenden Munition macht ihr aus dem mittelalterlichen Bolzenschussgerät (wortwörtlich!) eine Shotgun, ein Scharfschützengewehr oder einen Granatwerfer. Das wirkt in einer Dark-Fantasy-Welt erstmal ein wenig deplatziert, eröffnet aber natürlich ganz neue Spielmöglichkeiten für nicht-magische Fernkampf-Charaktere.

Darf es dann doch ein wenig Magie sein, habt ihr die Wahl zwischen Hexe und Zauberin. Die Hexe ist eine Mischung aus Nekromant und Chaos- bzw. Blutmagier. Ihr lasst also in erster Linie eure Armee an Skelett-Kriegern und -Magiern auf eure Feinde los und unterstützt sie dann noch mit Chaoszaubern und Spells, die Schaden über Zeit verursachen. Die Zauberin wiederum geht die Sache etwas klassischer an und setzt ihren Feinden mit Elementarmagie zu.

Seid ihr mit der Kampagne durch, könnt ihr eure Klasse noch weiter spezialisieren. Diese “Aufstiegsklassen” bilden einen Teil des Endgame-Contents und müssen erst durch das Bestehen verschiedener Herausforderungen verdient werden. Auf diese Art macht ihr aus einer Magierin zum Beispiel einen Stormweaver, die mächtige Elementarstürme herbeirufen kann, oder einen Chronomancer, der temporale Magie verwendet, um Feinde in der Zeit einzufrieren.

Im Laufe der Zeit sollen dann nochmal sechs weitere Klassen ins Spiel gebracht werden, die natürlich auch alle wieder mit neuen Aufstiegsklassen daherkommen. Zusätzlich verfügt der passive Skilltree, auf den alle Klassen Zugriff haben, in PoE II übrigens über mehr als 1500 Knoten. Langweilig wird euch also definitiv nicht beim Ausprobieren verschiedener Builds.

Könnt ihr es jetzt kaum noch abwarten euch auf Path of Exile II zu stürzen, kann das allerdings etwas teurer werden. Zugang zur Early-Access-Version erhalten nämlich nur Käufer eines der Supporter Packs. Die reichen von ca. 30 Euro für den blanken Key und etwas Währung für den Ingame-Shop bis zu 480 Euro für das “Liberator of Wraeclast Supporter Pack”. Greift ihr tiefer in die Tasche und wählt eines der hochpreisigeren Pakete, werdet ihr noch mit kosmetischen Items, Titeln und Pets belohnt. Erst mit dem eigentlichen Release nach dem Early Access wird das Spiel dann - genau wie der Vorgänger - kostenlos für alle.

Path of Exile 2 - Opening Cinematic

Der Nachfolger zum Free-to-play Online-Action-Rollenspiel Path of Exile beeindruckt schon vorab mit seinem düsteren Intro-Video.

Fazit

Sebastian Ruppert - Portraitvon Sebastian Ruppert
Der feuchte Traum aller Build-Tüftler und Rollenspieler mit Durchhaltevermögen

Ich bin fest davon überzeugt, dass bei Grinding Gear Games ausschließlich wahnsinnige Sadisten bzw. Masochisten arbeiten und das meine ich absolut positiv! Zu dem bisherigen Übermaß an Mechaniken kommt einfach nochmal so viel Neues dazu und gleichzeitig werden einige sperrige Systeme sinnvoll verändert.

So könnt ihr jetzt selbst Fähigkeiten in gefundene Skill-Edelsteine eingravieren und seid damit etwas flexibler in der Nutzung eurer Skills. Außerdem benötigt das Neuverteilen von Punkten jetzt keine speziellen Gegenstände mehr, sondern kann direkt mit Gold bezahlt werden. Das kann man fast schon als komfortabel bezeichnen.

Es droht allerdings erneut das alte Problem von Path of Exile. Einsteiger haben eine extrem steile Lernkurve vor sich, um mit all den Mechaniken zurechtzukommen. Die Entwickler haben diesbezüglich zwar bereits einige Verbesserungen angekündigt, aber Path of Exile II bleibt dennoch ein äußerst komplexes Spiel, das ja von Fans auch genau dafür geliebt wird.

Man muss eben bereit sein, Zeit zu investieren und sich durchzubeißen. Wie bisher wird man sich das Leben sicher mit externen Guides und Anfänger-Builds aus den Tiefen des Internets einfacher machen können, aber die Einstiegshürde bleibt wesentlich höher als zum Beispiel bei Diablo IV.

>>Sinnvoller als Edelsteine, Armbrüste und Tentakel? Die 10 nützlichsten Gadgets in Videospielen<<

Wer noch keine Berührung mit PoE hatte, aber neugierig geworden ist, der wirft besser erstmal einen Blick in Teil 1. Der ist immerhin kostenlos und man bekommt schonmal ein Gefühl für das, was einen erwartet. Hat euch PoE bisher gefallen, dann könnt ihr bedenkenlos zugreifen - je nach Geldbeutel und Geduldsfaden entweder bereits zahlend zum Early Access am 6. Dezember oder ihr wartet eben Version 1.0 ab und steigt dann kostenlos ein.

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