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Test - Resident Evil Requiem : Test: Ein würdiges Jubiläum! Der Mix aus Survival-Horror und blutiger Action funktioniert erstaunlich gut

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Dreißig Jahre. So lange begleitet uns Resident Evil, der Großvater des Survival Horrors, inzwischen durch verlassene Herrenhäuser, zerstörte Städte und unterirdische Labore voller Biowaffen. Mit Resident Evil Requiem erscheint nun der mittlerweile neunte Teil der Reihe, die unzähligen Spin-offs mal nicht mitgerechnet. Aber ist der Jubiläumstitel nun Ergebnis eines würdevollen Alterns, die vielleicht notwendige Frischzellenkur oder spürt man nach drei Jahrzehnten dann doch mal den Kalk in den Gelenken?

Was 1996 mit starren Kameraperspektiven und knapper Munition begann, entwickelte sich über Action-Eskapaden, Koop-Ausflüge und die radikale Ego-Neuausrichtung von Resident Evil 7: Biohazard zu einer der prägendsten Horror-Reihen der Spielegeschichte.
Kaum ein anderes Franchise hat es geschafft, sich dabei so oft neu zu erfinden und dennoch immer seinen unverkennbaren Kern zu behalten.

Mit Resident Evil Requiem feiert Capcom nun das 30-jährige Jubiläum und muss sich dabei einer heiklen Frage stellen: Wie vereint man die klaustrophobische Angst der frühen (und neuesten) Teile mit der überdrehten Action der mittleren Episoden? Die Antwort lautet: mit zwei Perspektiven, zwei verschiedenen Spielstilen und einer Reise zurück an den Ursprung des Grauens.

I want to believe

Grace Ashcroft ist FBI-Agentin und Tochter der legendären Alyssa Ashcroft. Obwohl “legendär” wahrscheinlich ein wenig übertrieben ist. Immerhin tauchte die Investigativreporterin nur im Koop-Multiplayer-Ableger Resident Evil Outbreak und Outbreak File 2 auf, welche ja eher verhaltene Spielerzahlen verzeichneten.

Ihre Suche nach der Wahrheit hinter den Machenschaften der bösen Umbrella Corporation ist ihr schlussendlich aber wohl nicht gut bekommen, denn bereits acht Jahre vor den Ereignissen von Requiem wurde Alyssa vor den Augen ihrer Tochter Grace ermordet. Die genauen Gründe dafür sind jedoch ungewiss.

Doch jetzt wird Grace von ihrer Vergangenheit eingeholt, denn eine Reihe an mysteriösen Todesfällen führt sie ins Wrenwood Hotel. Genau den Ort, an dem ihre Mutter ihr jähes Ende fand. Während ihrer Untersuchung schlittert Grace immer tiefer in eine Verschwörung hinein, die am Ende sogar die ganze Welt ins Chaos stürzen könnte.

Das Gameplay während der Grace-Abschnitte orientiert sich eher an den letzten beiden Resi-Teilen Biohazard und Village. In Ego-Perspektive schleicht ihr durch dunkle Gänge und werdet dabei meist von riesigen und für Grace nahezu unbesiegbaren Stalker-Monstern verfolgt. Die gehen einem für gewöhnlich ziemlich auf die Nerven, was aber ja wohl irgendwie ihrer Jobbeschreibung entspricht.

Als Bewaffnung steht euch gerade mal eine Pistole zur Verfügung sowie der superkrasse Requiem-Revolver, welcher die meisten Gegner zwar mit einem einzigen Schuss aus den Zombie-Latschen haut, aber für den ihr auch nur äußerst begrenzt Munition findet bzw. craften könnt.

Gerade weil Grace eigentlich mit der ganzen Resi-Lore bisher noch nicht in Berührung gekommen ist, funktioniert die vorsichtige Herangehensweise richtig gut. Zombies, Mutationen, geheime Verschwörungen und Gebäude, in denen alle Türen mit komischen Vertiefungen oder Rätseln verschlossen sind, sind für sie Neuland, und so jagt ein WTF-Moment den nächsten. Langjährige Resi-Fans könnten sogar einige Male ihren Bildschirm anschreien, weil man oft bereits erahnen kann, was Grace in dem Moment für riesige Fehler begeht.

Die Atmosphäre ist düster, Ressourcen sind rar, die Gegner angsteinflößend und die Nerven oft zum Zerreißen gespannt. Da wäre es doch gut, wenn man zwischendurch mal ein wenig Dampf ablassen könnte.

In der Zwischenzeit an einem anderen Ort …

Da passt es ja, dass wir noch einen zweiten Protagonisten haben. Resi-Posterboy Leon S. Kennedy zerbricht mittlerweile seit fast 30 Jahren routiniert Zombie-Schädel. Wo die Grafik sich seit seinem ersten Auftritt in Resident Evil 2 (1988) massiv verbessert hat, sieht man Leon persönlich das Alter mittlerweile durchaus an. Von dem strahlenden und hochmotivierten Polizei-Anfänger, der zufällig mitten in eine Zombie-Apokalypse stolpert, ist nicht mehr viel übrig.

Das mag sicherlich auch daran liegen, dass er mit einer mysteriösen Infektion kämpft, die seinen Körper langsam aber sicher zu zerstören droht. In Requiem ist Leon auf der Suche nach einem Heilmittel für diese Krankheit, und seine Suche führt ihn schließlich ins zerstörte Raccoon City, wo alles vor 28 Jahren angefangen hat.

Leons Gameplay ist eindeutig von Resident Evil 4-6 inspiriert und vor allem dem Remake zu Teil 4 von 2023. Statt der klassischen Lagerkiste, mit der sich Grace an den Schreibmaschinen-Speicherpunkten herumschlagen muss, schleppt Leon seinen schweren Waffenkoffer stets bei sich, und jeder besiegte Gegner bringt Kampfdaten ein, mit denen ihr wiederum eure Ausrüstung verbessern könnt.

Fokus liegt also viel mehr auf aggressivem Vorgehen, der richtigen Waffe und einer ausreichenden Menge an Munition als darauf, von den Gegnern nicht entdeckt zu werden. Fehlt nur noch ein maskierter Fremder, der euch fragt, was ihr denn kaufen möchtet.

Auch Leons Roundhouse-Kicks haben es ins Spiel geschafft, zusammen mit Kettensägen, Äxten, Handgranaten und allem, was schön BUMM macht. Eine willkommene Abwechslung also zu Grace‘ eher begrenzten Verteidigungsmöglichkeiten.

Das Beste zweier Welten?

Ich hatte im Vorfeld ja starke Zweifel, ob zwei so unterschiedliche Spielweisen vereint in einem Spiel nicht am Ende aufgesetzt wirken oder sogar die Fans beider Lager gleichermaßen verschrecken, aber das Endprodukt hat mich tatsächlich überzeugt. Es ist unheimlich befriedigend, mit Leon in ein Gebiet zu gehen, in dem man vorher mit Grace ums Überleben gekämpft hat, nur um dann ordentlich aufzuräumen und sich an den nervigen Gegnern zu rächen.

Meine persönliche Fehde als Grace mit dem Zombie-Koch (die ich schon seit der Demo pflegte) endete schließlich fulminant in einer Reihe Kopfschüssen aus Leons Schrotflinte. Selten fühlte es sich so befriedigend an, den Abzug zu drücken.

Wenngleich sich die reinen Leon-Parts mitunter zunächst nach purer Blasphemie für Resi-Fans anfühlen mögen, machen sie nicht zuletzt auch deswegen richtig Laune, weil Leon einige herrlich überzeichnete Over-the-Top-Momente spendiert bekommt, in denen man vor Lachen auch mal die Pause-Taste drücken muss. Abseits aller unheimlichen Survival-Atmosphäre sind es eben gerade auch diese Übertreibungen und absurden Story-Momente, die schon immer die charakteristische Resident-Evil-Erfahrung ausmacht.

Requiem wirkt zwar oft wie eine Hommage an sich selbst und eine Feier der eigenen Vergangenheit, aber was es definitiv nicht ist, ist ein tatsächliches “Requiem” im eigentlichen Sinne. Das neue Resident Evil ist nicht die Totenmesse für das eigene Franchise, sondern ein Versprechen, dass der Spaß um Zombies, verzierte Schlüssel, unnötig komplizierte Schließsysteme und irrwitzige Fleischmutanten so schnell kein Ende nimmt.

Greift zu, wenn...

du Resident Evil liebst - egal ob Biohazard-Schleicherei oder Resident-Evil-4-Geballer.

Spart es euch, wenn...

du Horror lieber als Dauer-Action ohne Pausen erlebst.

Fazit

Sebastian Ruppert - Portraitvon Sebastian Ruppert
Die Nostalgie ist alt, die Infektion ist frisch

Resident Evil Requiem ist genau das, was ein Jubiläumsteil sein sollte: keine müde Best-of-Compilation, sondern eine selbstbewusste Mischung aus Nostalgie und Mut zur Veränderung. Die Doppelstruktur mit Grace und Leon funktioniert überraschend gut und bringt zwei Spielstile zusammen, die sich eher ergänzen als widersprechen. Wer schleichen, zittern und Rätsel lösen will, bekommt das mit Grace in Reinform. Wer danach Frust abbauen und Zombies mit der Schrotflinte zur Räson bringen möchte, findet bei Leon sein Glück.

Natürlich knarzt es hier und da im Gebälk. Manche Stalker-Passagen dauern etwas zu lang und nicht jede Story-Wendung passt perfekt in die bisher bestehende Resi-Lore. Aber genau diese Mischung aus Ernst, Trash und völliger Übertreibung ist ja seit dem ersten Resident Evil immer Teil des Charmes gewesen. Man darf aber auch durchaus hinterfragen, warum denn ausgerechnet schon wieder Leon aus der Mottenkiste gekramt wurde, wo das Resi-Universum doch so viele andere interessante Charaktere und auch genug Platz für frische Gesichter bieten würde.

>>Hier kommt der Großmeister des Horrors: Die Welt des H.P. Lovecraft<<

Unterm Strich fühlt sich Requiem wie ein liebevoller Blick zurück an und gleichzeitig wie ein klarer Schritt nach vorn. Kein revolutionärer Neubeginn, aber ein starkes Lebenszeichen einer Reihe, die nach 30 Jahren immer noch weiß, wie man uns mit knapper Munition, absurden Schlüsseln und viel zu vielen Tentakeln die Nerven raubt. Und ehrlich gesagt: Genau deshalb lieben wir Resident Evil doch.

Überblick

Pro

  • Zwei komplett unterschiedliche Spielstile sorgen für Abwechslung
  • Frei wählbare Kamera-Perspektiven
  • Leon-Comeback als Fan-Service
  • Befriedigender Gameplay-Loop aus Schleichen, Rätseln und Action

Contra

  • Einige Stalker-Passagen können nervig werden
  • Inventar- und Ressourcen-Management manchmal etwas hakelig

Awards

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