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Test - Revenge of the Savage Planet : Test: Quietschbuntes Sci-Fi-Adventure mit einer Menge Humor und Schleim

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Der Weltraum - unendliche Weiten und eine wohl ebenso unendliche Anzahl an Wertschöpfungsgelegenheiten. Bereits vor fünf Jahren lehrte uns Journey to the Savage Planet, dass Turbokapitalismus auch im All zwar nicht so geil ist, aber irgendwie dennoch verdammt witzig sein kann. Revenge of the Savage Planet setzt da noch einen drauf und macht die Erkundung von fremden Planeten noch skurriler und bietet (geschätzt) bis zu 67,4 % mehr Kapitalismuskritik.

Genau wie sein Vorgänger ist auch Revenge of the Savage Planet ein Action-Adventure mit schwarzem Humor und einer merkwürdigen Faszination für Schleim. Viel wurde am Konzept nicht geschraubt. Die offensichtlichste Änderung liegt wortwörtlich im Auge des Betrachters. Statt wie vorher aus der Ego-Ansicht mit maximaler Immersion über den Planeten zu hüpfen, zieht sich die Kamera jetzt in die Third-Person-Perspektive zurück.

Zwar leidet die Immersion vielleicht ein bisschen darunter, aber eigentlich ist die Entscheidung für den Perspektivwechsel recht schnell nachvollziehbar. Der Humor von Savage Planet ist nicht gerade feinsinnig, sondern lebt von Übertreibung und Skurrilität. Der eigene Charakter war davon bisher immer ein wenig ausgenommen, denn als Spieler sieht man ja nicht, was die Figur mit anderen Körperteilen als den Händen so anstellt.

Das ändert sich mit der neuen Ansicht. Jetzt dürft ihr dabei zusehen, wie euer kleiner Astronaut herzallerliebst kopfüber mit Schwung in ekligen, orangen Alien-Glibber springt oder die Füße bis auf Kinnhöhe hebt, wenn er durch seichtes Wasser watet. Das bereichert das Spiel durchaus noch um den ein oder anderen Schmunzler. Aber bevor es darum geht, was wir so mit unseren Füßen machen, sollten wir uns erstmal darum kümmern, den Boden welches Planeten wir warum platt treten.

Die unsichtbare Hand des (Arbeits-)Marktes

Reisen durchs Weltall sind in der Science-Fiction so eine Sache. Wenn man sich nicht gerade mit dem Nachbarplaneten zufriedengibt, sind die Entfernungen so weit, dass selbst bei Maximalgeschwindigkeit die eigene Lebensspanne kaum ausreicht, um die Reise abzuschließen. Also geht es ab in den Kryoschlaf und kaum 107 Jahre später seid ihr schon am Ziel eurer Reise angekommen.

Aber 107 Jahre sind eine lange Zeit, was auch unser namenloser Protagonist in Revenge of the Savage Planet feststellen muss. Während der sich in der Kältekammer frisch gehalten hat, wurde die Firma, für die er arbeitet, einfach mal von der Konkurrenz geschluckt und ausgerechnet sein Job fiel den gefürchteten Verschlankungen zum Opfer. Die Kolonisierung des neuen Himmelskörpers ist ebenfalls abgeblasen und für die Heimreise fühlt sich der ehemalige Arbeitgeber auch nicht zuständig.



So bleibt euch nichts anderes übrig, als den Planeten zu erkunden, eure Ausrüstung aufzubessern, irgendwie einen Weg nach Hause zu finden und im besten Fall noch Rache am Ex-Arbeitgeber zu nehmen. Immerhin wartet ein ganzer Planet darauf, von euch erkundet zu werden!

Wobei da der Etikettenschwindel schon anfängt. Anders als es der Titel des Spiels nämlich verspricht, seid ihr auf ganzen vier Planeten unterwegs und wenn ich sage “ganzen”, meine ich auf Ausschnitten davon. Die vier Himmelskörper bieten unterschiedliches Klima und jeweils einen größeren Open-World-artigen Abschnitt, den ihr an sich frei erkunden könnt. Das einzige, was euch im Weg steht, ist eure fehlende oder mangelhafte Ausrüstung.

Ich liebe es geradezu, Lebensformen auszumachen!

So ein Gebirge erklettert sich halt schlecht ohne Doppelsprung, Greifhaken und Gleiter-Drohne. (Fragt mal Reinhold Messner!) Aber zum Glück sind die Baupläne dafür über alle Planeten verteilt worden und bieten so noch mehr Anreiz, sich mal ordentlich umzusehen.

Die Karte sieht also irgendwann aus wie eine Mischung aus Omas Streuselkuchen und der nach Clearasil lechzenden Gesichtshaut eines 15-jährigen Death-Metal-Fans. Ihr kommt praktisch keine 10 Meter weit, ohne über eine Kiste mit seltenem Material für den 3D-Drucker, Alien-Glibber zur Verbesserung eurer Ausdauer und Lebenspunkte oder einen seltenen Gegner zu stolpern, der zur Vervollständigung der hauseigenen Sammlung gerne eingefangen werden möchte.



Zusätzlich zum Herumklettern, Materialsammeln und den zahlreichen Umgebungsrätseln, scannt ihr einfach alles, was euch vor den Blaster kommt. Auf die Art schaltet ihr auch neue Quests oder Ausrüstungsgegenstände frei. Revenge of the Savage Planet ist gemacht für Leute, die gerne To-dos abhaken oder Listen vervollständigen.

Eine Sache gibt es allerdings zuhauf auf den Planeten, die nicht direkt etwas zu eurem Überleben oder Vorankommen beitragen kann: Geld! Aus herumliegenden Transportkisten sammelt ihr euch schnell Millionenbeträge zusammen. Nur kann man die Kohle eben nicht essen, heizen müsst ihr nicht und auf allen vier Planeten zusammen gibt es genau so viele offene Einzelhandelsgeschäfte wie in der Fußgängerzone von Passau nach 20 Uhr (also gar keines).

Komplett nutzlos ist der Zaster aber dennoch nicht. Im interstellaren Versandhandel bestellt ihr euch ganz praktisch per Katalog Möbel für eure Basis und macht es euch damit richtig schön gemütlich in eurer verlassenen Ecke der Galaxie. So ein Glück, dass man mittlerweile praktisch alles online bestellen kann! Es lebe der Kapitalismus! Moment … Was?

GROßBUCHSTABEN IM SONDERANGEBOT!!!

Natürlich ist Revenge of the Savage Planet kein Loblied auf die Vorteile der freien Marktwirtschaft, sondern vor Sarkasmus triefende Kapitalismuskritik der obersten Güteklasse, bei der man ganz nebenbei noch süße Tierchen mit Glubschaugen in Treibsand treten kann. So haben es zum Beispiel auch die urkomischen FMV-Filmchen und Werbungen aus dem Vorgänger wieder ins Spiel geschafft.



Jedes Mal, wenn ihr eure Basis betretet, schallt euch aus dem riesigen Fernseher ein Werbespot entgegen und immer wieder warten auch mal kleine Videobotschaften eurer Verbündeten und/oder Feinde (der Übergang ist fließend) auf euch. Stilistisch wirken die so, als wären die Kostümbildner von Das Fünfte Element nach einem alkoholgeschwängerten Retro-Filmabend mit Coneheads und Idiocracy morgens mit Filmriss aufgewacht und hätten in einer Lache aus Asbach-Cola die fertigen Drehbücher gefunden.

Bunt, schrill, trashig, laut und comichaft - genau so, wie man sich Werbung in einer kapitalistisch geprägten Dystopie eben vorstellt. Egal ob Schleim-Sex-Hotline (die verführerischsten Weichkörper im All), Portal Potty (ein Klodeckel, der Exkremente direkt irgendwo ins Multiversum teleportiert) oder Parfum für Meerschweinchen - da bleibt man gerne mal stehen, legt den Controller zur Seite und schaut ein bisschen fern. Werbung scheint also tatsächlich zu funktionieren. Wer hätte das gedacht?

Greift zu, wenn...

ihr Bock auf bunte Erkundungs-Action (am besten mit Freunden) habt.

Spart es euch, wenn...

ihr lieber einer Story folgt, als eine Karte zu säubern, oder CEO eines interplanetaren Konzerns seid.

Fazit

Sebastian Ruppert - Portraitvon Sebastian Ruppert
Urkomische Sci-Fi-Sause für antikapitalistische Entdecker

Ob Revenge of the Savage Planet tatsächlich besser ist als sein Vorgänger, ist wohl wortwörtlich Ansichtssache. Stört euch die neue Third-Person-Perspektive aber nicht, bekommt ihr hier einen noch größeren Abenteuerspielplatz mit neuen Gadgets, erkundbaren Unterwasser-Arealen und überhaupt viel mehr zu entdecken.

Hervorragend gelungen ist der optionale Koop-Modus. Ihr könnt den Planeten nämlich nicht nur alleine unsicher machen, sondern euch auch noch mit einem zweiten Spieler über Internet oder im Couch-Koop zusammentun.

Einige Kritikpunkte aus dem Vorgänger bleiben aber leider erhalten. Die Gegnervielfalt ist überschaubar und das Kampfsystem lässt oft zu wünschen übrig. Gerade fliegende Gegner in großer Menge (und die kommen immer in großer Menge) können euch schnell mal überwältigen und ohne entsprechendes Ausweich-Upgrade (welches für mich viel zu spät kam) seid ihr dem Gegner-Ping-Pong oft schutzlos ausgeliefert. Zudem sind in einigen speziellen Gebieten (keine Spoiler an der Stelle!) die Checkpoints recht frustfördernd verteilt.

>>Bleiben sie dran! Nach einer kurzen Unterbrechung geht es hier weiter mit 10 der emotionalsten Momente in Videospielen aller Zeiten!<<

Dank des Koop-Modus und des eher lockeren Gameplay (von den Kämpfen mal abgesehen), eignet sich Revenge of the Savage Planet perfekt für launige Abende mit Kumpels. Da kann man dann auch gemütlich den anderen dabei auslachen, weil er schon wieder von der Klippe fällt. Gerade für Game-Pass-Besitzer bietet sich ein Ausflug ins All an, denn die dürfen ohne weitere Kosten spielen. Revenge of the Savage Planet ist ab sofort erhältlich für PC, Xbox Series S|X und die PlayStation 5.

Überblick

Pro

  • schreiend komisch
  • vier komplett unterschiedliche Planeten zur Erkundung
  • Koop-Modus
  • unzählige Upgrades

Contra

  • teils frustrierende Kämpfe
  • recht chaotische Story

Awards

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  • Mehrspieler
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Revenge of the Savage Planet
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