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Preview - The Blood of Dawnwalker : Angespielt: Mehr als nur Witcher mit Vampiren

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Das erste Spiel eines neuen Studios hat es oft schwer, Aufmerksamkeit zu erregen. Wenn dieses Studio allerdings von ehemaligen Entwicklern gegründet wurde, die zuvor an The Witcher 3 und Cyberpunk 2077 gearbeitet haben, darf man durchaus hellhörig werden. Genau das trifft auf Rebel Wolves und seinen Erstling The Blood of Dawnwalker zu. Ich durfte den „Vampir-Witcher“ bereits anspielen und bin inzwischen ziemlich sicher, dass uns hier weit mehr erwartet als nur ein blutleerer Witcher-Klon.

The Blood of Dawnwalker spielt im 14. Jahrhundert in einer fiktiven Region irgendwo in den Karpaten. Aufmerksamen Connaisseuren blutiger Weltliteratur dürfte spätestens jetzt ein wohliges Schaudern über den Rücken laufen. Schließlich soll sich in derselben Gegend auch das mindestens genauso fiktive Schloss des legendären Grafen Dracula befinden. In Dawnwalker muss der alte Blutsauger allerdings Platz machen für eine neue Generation von Vampiren.

Mein herzliches Twilight!

Bevor die Blutsauger allerdings ihren großen Auftritt bekommen, kämpft die Bevölkerung erst einmal mit deutlich bodenständigeren Problemen. Die Pest zieht durchs Land und rafft die Menschen schneller dahin, als der Schnitter das Korn mäht. Auch Coens kleine Schwester steht bereits mit einem Bein im Grab. Kurz gesagt: Die Lage ist eher düster.

Rettung naht in Form einer kleinen Schar an Vampiren rund um ihren Anführer Brencis. Trinkt ein Sterblicher das Blut der Vampire, wird er von allen Krankheiten und Leiden befreit. Das bedeutet kein Fußpilz mehr, kein Rheuma und gegen die Pest hilft es praktischerweise auch. Als Gegenleistung verlangen die Vampire nur eine winzige Kleinigkeit: totale Unterwerfung und Anbetung.

Da die Alternative schlicht darin besteht, an der Pest zu sterben, ergeben sich die Menschen widerstandslos. In einer grotesken Verdrehung des christlichen Glaubens versammelt sich die Bevölkerung fortan einmal pro Woche zur gemeinsamen Andacht inklusive gemütlichem Vampirblut-Schlürfen.

Nach einem sehr ausführlichen Prolog-Tutorial-Kapitel wird Coens Familie verschleppt, und er soll gegen seinen Willen zum Vampir gemacht werden. Doch leider geht seine Verwandlung aus bisher noch unbekannten Gründen schief. Statt zum Blutsauger wird er zum (Trommelwirbel!) Dawnwalker, einer Art Mensch-Vampir-Hybride, der nachts andere Fähigkeiten besitzt, als am Tag. (Dazu später mehr!)

Wir haben doch keine Zeit!

Bis Brencis seine Familie zum Dinner serviert, hat Coen jetzt genau 30 Tage und 30 Nächte Zeit, um stärker zu werden, Verbündete zu sammeln oder einfach nur faul im Wald sein Schwert zu polieren. Denn von diesem Moment an entscheidet allein ihr, wie Coens Geschichte weitergeht. The Blood of Dawnwalker verzichtet auf eine klassische Hauptquest und wirft euch stattdessen mit dem drohenden Kampf gegen Brencis in seine offene Spielwelt.

Wer jetzt wie ich einen nervtötenden Wettlauf gegen die Zeit erwartet, kann sein Majora’s-Mask-Trauma erstmal wieder wegpacken. Jeder Tag und jede Nacht besteht aus acht Zeiteinheiten. Diese verstreichen allerdings nur, wenn ihr tatsächlich etwas Bedeutendes oder besonders Zeitaufwendiges unternehmt. Theoretisch könntet ihr also bereits am zweiten Tag einmal quer über die riesige Karte spazieren, euch sämtliche Dörfer ansehen und in aller Ruhe Pläne schmieden, ohne dass die Uhr auch nur einen einzigen Tick weiterläuft.

Die eigentliche Herausforderung besteht darin zu entscheiden, welche Aufgaben eure Zeit wirklich wert sind. Es ist schlicht unmöglich, in einem einzigen Durchgang alles zu erleben. Bereits im Prolog müsst ihr beispielsweise Medizin für eure Mutter besorgen, bevor am Abend die Blutmesse beginnt. Wie ihr die Stunden bis dahin nutzt, bleibt komplett euch überlassen. Geht ihr mit der Familie angeln? Erkundet ihr lieber die nahegelegenen Höhlen? Folgt ihr einem Grabräuber oder schaut ihr schon früher bei der örtlichen Kräuterfrau vorbei, um noch eine kleine „Lesestunde“ einzulegen?

Dabei gilt es stets zu berücksichtigen, dass manche Vorhaben deutlich mehr Zeit verschlingen, als zunächst erwartet. Schafft ihr es deshalb nicht rechtzeitig zur Medizin, kann das erhebliche Auswirkungen auf den weiteren Verlauf der Geschichte haben. Nicht nur Nebenquests lassen sich ignorieren. Sogar den finalen Kampf gegen Brencis könnt ihr theoretisch einfach nicht antreten.

Vorne Las Vegas, hinten Transsilvanien

Auch im Kampf spielt der Wechsel zwischen Tag und Nacht eine zentrale Rolle. Coen beherrscht von Beginn an den Umgang mit dem Schwert. Diese Fähigkeiten stehen euch jederzeit zur Verfügung. Nachts übernimmt jedoch seine Vampirseite die Kontrolle. Dann beißt ihr Gegner, zerfetzt sie mit Klauen oder nutzt weitere vampirische Kräfte.

Tagsüber schlummert dieses Monster dagegen wieder in euch. Dafür erhaltet ihr Zugriff auf Magie. Zauber wirken allerdings ausschließlich bei Tageslicht, da Coen dafür Runen in seinen Arm ritzen muss, die nachts durch seine Regenerationskräfte sofort wieder verheilen. Das ist tatsächlich eine überraschend elegante Erklärung.

Etwas weniger elegant präsentiert sich dagegen das eigentliche Kampfsystem. Dawnwalker setzt auf direktionale Schwertkämpfe. Vor jedem Angriff legt ihr fest, aus welcher Richtung ihr zuschlagen möchtet. Greift euch ein Gegner an, verrät ein kleiner Pfeil, aus welcher Richtung sein Schlag kommt. Reagiert ihr schnell genug und bewegt euer Schwert entsprechend, pariert ihr den Angriff und eröffnet euch Kontermöglichkeiten. Alternativ könnt ihr auch einfach blocken, ohne eine Richtung anzugeben. Das kostet allerdings deutlich mehr Ausdauer und verhindert wirkungsvolle Gegenangriffe.

Auf dem Papier klingt das zunächst ziemlich nachvollziehbar. Sobald euch allerdings mehrere Gegner gleichzeitig einkreisen, wird das Ganze schnell hektisch. Man verliert leicht den Überblick und landet entsprechend häufig im virtuellen Gras. Nach rund vier Stunden Spielzeit bin ich trotzdem überzeugt, dass dieses Kampfsystem enormes Potenzial besitzt. Es verlangt lediglich deutlich mehr Eingewöhnung als beispielsweise The Witcher 3.

Wer bereit ist, diese Lernkurve in Kauf zu nehmen, bekommt schon jetzt ein Rollenspiel voller spannender Ideen, einer Geschichte mit außergewöhnlich vielen Entscheidungsmöglichkeiten und einem erfreulich vielseitigen Kampfsystem. Wie gut das Gesamtpaket am Ende funktioniert, erfahren wir voraussichtlich am 3. September, wenn The Blood of Dawnwalker für PC, PlayStation 5 und Xbox Series X|S erscheint.

Fazit

Sebastian Ruppert - Portraitvon Sebastian Ruppert
Frisches Blut fürs Genre

The Blood of Dawnwalker könnte genau das werden, was sich viele Rollenspiel-Fans seit Jahren wünschen: kein zweiter Witcher, aber ein Spiel, das sich traut, eigene Ideen in ein vertrautes Gerüst einzubauen. Das Zeitkonzept sorgt dafür, dass jede Entscheidung Gewicht bekommt, der Tag-Nacht-Wechsel verändert nicht nur die Atmosphäre, sondern auch eure Spielweise, und die Geschichte macht schon nach wenigen Stunden neugierig auf alles, was noch kommen mag.

Ganz ohne Fragezeichen bleibt der erste Eindruck allerdings nicht. Das direktionale Kampfsystem verlangt deutlich mehr Eingewöhnung, als man zunächst erwartet, und gerade größere Gefechte können schnell unübersichtlich werden. Sollte Entwickler Rebel Wolves hier bis zum Release noch etwas Feinschliff investieren, könnte daraus jedoch eine echte Stärke statt einer Einstiegshürde werden.

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Nach meinen ersten Stunden wirkt The Blood of Dawnwalker jedenfalls wie weit mehr als ein weiterer Fantasy-Klon ehemaliger Witcher-Entwickler. Sollte Rebel Wolves das hohe Niveau bis zum Abspann halten, dürfte The Blood of Dawnwalker im September deutlich mehr Herzen erobern als Brencis in 30 Nächten auslutschen kann.

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The Blood of Dawnwalker
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