Test - The First Berserker: Khazan : Test: Ein Souls-like, das noch Balancing braucht
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An was denkt ihr beim Souls-like-Genre als Erstes? Umfangreiche Build-Optionen? Beeindruckende Bosse? Ewigen Grind? Oder einen knüppelharten Schwierigkeitsgrad, der euch an den Rand der geistigen Gesundheit treibt und nicht weniger als perfekte Reaktionen fordert? The First Berserker: Khazan bietet all die genannten Elemente, übertreibt es aber beim Anspruch etwas zu sehr.
Die Eckdaten von The First Berserker: Khazan erinnern an nahezu jedes andere Souls-like der letzten Jahre. Als der namensgebende General meuchelt ihr euch durch Horden an Feinden, verdient dabei Seelen (hier Lacrima) und verwendet sie anschließend an Leuchtfeuern, um eure Charakterwerte hochzuleveln. Dadurch erhöht ihr eure Lebensenergie, Ausdauer und den Schaden mit bestimmten Waffentypen. An den Checkpoints respawnt ihr natürlich auch nach einem unfreiwilligen Ableben, und Standard-Gegner kehren nach einer dortigen Rast zurück.
Wo Titel wie Elden Ring auf ausgedehnte Open Worlds setzen, geht das südkoreanische Entwicklungsstudio Neople klassische Wege und setzt euch offene Schläuche vor. Diese erinnern mit ihren verzweigten Gängen und zahlreichen Abkürzungen stark an Dark Souls, ohne die Qualität des ewigen Genre-Primus zu erreichen. Dafür kommen die Umgebungen zu generisch daher, sorgen mit öden Texturen und ewig gleichen Dekorationen für müdes Gähnen und bieten nur wenig Geheimnisse. Zumal es sich tatsächlich um unabhängige Levels handelt, die ihr aus dem Hub heraus ansteuert, und nicht um eine clever verzweigte riesige Spielwelt.
Am Ende eines jeden Schlauches wartet natürlich ein Bosskampf auf euch. Setzen euch die Obermotze zu stark zu, dürft ihr Verbündete beschwören und natürlich gibt es diverse Elemente und Status-Effekte, die ihr entweder verpasst bekommt oder mit denen ihr eure Waffen durch Items ausstattet. Soweit weist The First Berserker: Khazan also alle genreytpischen Elemente auf, hat aber ein paar eigene Ideen in petto.
Wäffchen wechsel dich
Allerhand Gegnertypen wollen euch ans Leder. Die Skelette, Drachenmenschen, Untoten und einfachen Soldaten weist ihr mit drei Waffentypen in ihre Schranken: Speer, Großschwert und Doppelklingen, bestehend aus Schwert und Beil. Die kommen jeweils mit eigenem Moveset und bieten entsprechend unterschiedliche Angriffstempos und Reichweiten.
Weitere Anpassungen erlauben die Skilltrees. Durch Levelaufstiege verdient ihr Fähigkeitenpunkte, mit denen ihr euch umfassende Builds für euer Arsenal zusammenbastelt. Ihr wählt aus diversen Skills, sowohl aktiv als auch passiv. Alle getroffenen Entscheidungen dürft ihr jederzeit kostenfrei auf Null zurücksetzen und eure Punkte neu verteilen. Damit bietet The First Berserker: Khazan jede Menge Freiheiten, die das Spielgefühl auf vielfältigste Art und Weise anpassen lassen. Vom superschnellen Doppelklingenkrieger bis hin zum schwerfälligen Großschwertgauner ist alles möglich.
Natürlich skalieren die Waffen auch mit euren Charakterwerten, die ihr mit den verdienten Seelen pusht. Diese dürft ihr nicht einfach zurücksetzen, dafür benötigt ihr ein besonderes Item. Allerdings wirken sich eure Stärke und Geschicklichkeit weit weniger aus als in anderen Genrevertretern, dafür ist eure Ausrüstung umso wichtiger.
Rüstungsteile und auch Waffen gehören oftmals Sets an, die wichtige Boni bieten. Nicht immer erweist sich der stumpfe Blick auf Verteidigungswerte als sinnvoller Weg. Besonders bei Bossen fallen Resistenzen gegen gewisse Schadenstypen oder die Verstärkung bestimmter Angriffe deutlich stärker ins Gewicht. Der Anpassung eurer Builds müsst ihr auf jeden Fall viel Aufmerksamkeit widmen, denn The First Berserker: Khazan macht euch das Leben alles andere als leicht. Immer wieder findet ihr auch weitere Dämonen, die ihr als Begleiter wählen dürft. Sie greifen aber nicht aktiv in die Kämpfe ein, sondern versorgen euch lediglich mit Boni auf definierte Charakterwerte – etwas öde.
Ein Panzer jagt den nächsten
In den Kämpfen nutzt ihr nicht nur die irrsinnig flotten Attackenfolgen der Doppelklingen oder die wuchtigen Hiebe mit dem Großschwert sowie die jeweiligen Skills der Waffen. Auch geschickte Ausweichmanöver sowie Blocks und perfekt getimte Paraden stehen auf dem Plan. Besonders auf Letztere legt The First Berserker: Khazan großen Wert. Für meinen Geschmack vielleicht sogar etwas zu großen.
Besonders gegen mehrere Gegner auf einmal beißt ihr ohne regelmäßige Konter schneller ins Gras als in so ziemlich jedem anderen Souls-like. Das Timing ist dabei in den allermeisten Fällen aber mehr als fair, mit etwas Übung solltet ihr also schnell in den Flow finden – erwartet bloß nicht die Präzision von Sekiro: Shadows Die Twice und unterschätzt die Standard-Mobs nicht. Schon ab dem dritten Level führen kleinste Fehler zum Ableben.
In Kombination mit Konterskills und anderen Spezialmanövern entsteht bei gebührender Vorsicht ein schneller Tanz mit enorm belohnenden Momenten und mehr als saftigem Trefferfeedback. Audiovisuell vermittelt euch das Spiel jeden eingesteckten und ausgeteilten Schlag so gut wie lange kein Titel mehr, es ist oftmals eine helle Freude. Ihr taucht unter Attacken hindurch und schlagt in den offenen Angriffsfenstern zurück, schnell fühlt ihr euch wie ein Gott am Gamepad – und dann holt euch ein Boss unsanft auf den Boden der Tatsachen zurück.
Denn die Obermotze machen euch durch zwei Umstände das Leben schwer. Zunächst sind ihre Lebenspunkte so lächerlich hoch angesetzt, dass sie zur Geduldsprobe mutieren. Ein wenig tanky dürfen Bosse gerne sein, keine Frage – aber minutenlang auf einen Gegner einzukloppen, nur um im letzten Moment durch eine Unachtsamkeit zu krepieren, sorgt schnell für Frust. Zumal ja direkt klar ist, dass man im nächsten Versuch erstmal wieder einen ellenlangen Kampf vor sich hat. Da hilft auch der Umstand nichts, dass der Finisher, den ihr nach dem Bruch der Haltung der Gegner ausführen dürft, aus unerfindlichen Gründen kaum Schaden macht.
Zudem fallen die Fenster für Gegenangriffe nur sehr klein aus, oftmals reichen sie lediglich für einen Schlag. Dann haut euch der Boss wieder abstrus lange Schlagfolgen um die Ohren, die ihr im Idealfall perfekt pariert, ansonsten sinkt eure Ausdauer durch einfaches Blocken auf Null und ihr kassiert eine Trefferfolge, die eure Leben schnell mal um die Hälfte reduziert. Dazu gesellen sich Statuseffekte wie Gift, Feuer oder Frost, die ihr nur mit bestimmten Tränken heilt. Selbst craften dürft ihr diese aber erst sehr spät.
Ein Sieg über einen Boss fühlt sich bei The First Berserker: Khazan dadurch weniger befriedigend an. Vielmehr gleich es dem Ende einer Odyssee. Denn das absolut geniale Gefühl, eine komplette Kombo perfekt zu parieren und einen saftigen Gegenangriff zu erwidern, macht der viel zu geringe verursachte Schaden schnell zunichte. Ja, selbst der Dämonenmodus, den ihr nach etwa 20 Stunden freischaltet, macht euch lediglich kurzzeitig unverwundbar. Ihr müsst also einfach perfekt spielen, um voranzukommen.
Immerhin bleiben eure verlorenen Seelen nicht in der Boss-Arena zurück, sondern direkt davor. Dazu erhaltet ihr für jeden Anlauf weitere Punkte, wodurch ihr euch alle paar Versuche auflevelt. Das bringt keinen riesigen Vorteil, erleichtert das Leben aber doch etwas.
Zudem dürft ihr die aus anderen Souls-likes bekannten Begleiter für Bosskämpfe beschwören. Dafür benötigt ihr eine besondere Ressource, die ihr wiederum von Phantomen erhaltet, die ihr nahezu überall an vorgesehenen Punkten herbeirufen könnt. Allerdings sterben die KI-Kumpels sehr schnell, sofern ihr sie nicht im Hub auflevelt.
Hub-Hub-Hubweltausflug
Von den Leuchtfeuern aus reist ihr jederzeit in den Riss, eine Art Zwischendimension und Hubwelt. Hier craftet ihr neue Waffen und Ausrüstung, verteilt in Ruhe eure Skillpunkte oder kauft neue Tränke und anderweitige Objekte. Der Progress läuft vergleichsweise langsam, Craften beispielsweise dürft ihr erst nach gut 15 Stunden im Spiel. Zu diesem Zeitpunkt liegen schon Feuer- und Gift-Bosse hinter euch, die ohne entsprechende Heiltränke brutal frustig ausfallen können.
Außerdem levelt ihr im Hub die Boss-Begleiter auf, mit eben der Ressource, die ihr auch zum Beschwören benötigt. Im Zweifel steht also Grinding an, damit ihr die bestmöglichen Buddys mitbringt und sie dann auch wirklich herbeizaubern dürft.
Der Witz beim Schwierigkeitsgrad von The First Berserker: Khazan ist tatsächlich, dass es sogar einen Easy Mode gibt. Der verringert erlittenen Schaden, reguliert das Gewichtslimit der Ausrüstung, erhöht eure Ausdauerregeneration und macht euch stärker. Doch selbst in diesem Modus sind die Bosse größere Tanks als der Leopard 2. Es stellt sich mir ernsthaft die Frage, ob Entwickler Neople fürs Balancing auch externe Playtester beauftragte oder nur eigene Leute, die das Spiel und seine Kniffe in- und auswendig kennen.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich mag Souls-likes, auch die der schweren Sorte. Aber Khazans Rachefeldzug artet oftmals in eine wahre Sisyphusaufgabe aus. Nach jedem Tod schiebe ich den Lebensbalken der Gegner mühselig Millimeter für Millimeter nach links, nur um für eine kleine Unachtsamkeit brutal aus dem Leben geprügelt zu werden. Normale Abschnitte hingegen schwanken zwischen Sonntagsspaziergang und Dark Souls 2 vor den Patches – das Balancing haut vorne und hinten nicht hin.
Ich sehne mich nach Armen
Aber warum nehmt ihr all diese Strapazen überhaupt auf euch? Eigentlich ganz simpel, der Grund ist so alt wie die Menschheit selbst: Rache. Großgeneral Khazan gehörte einst zu den eifrigsten Unterstützern des Imperiums von Pell Los und besiegte in dieser Rolle sogar den mächtigen Berserkerdrachen. Eine Verkettung unglücklicher Ereignisse denunzierte den Kriegshelden aber zum Verräter und so wurde er gefoltert, die Sehnen seiner Arme durchtrennt und er ins eisige Exil geschickt.
Beim Gefangenentransport ergreift jedoch eine seltsame Macht Besitz von ihm, die sich als Phantom der Unterwelt erweisen soll. Doch halb so wild, schließlich kann Khazan jetzt wieder laufen, kämpfen und Unfug treiben. Das Biest erinnert nicht von ungefähr an Venom und hilft euch fortan, Rache an euren Peinigern zu nehmen und die verworrene Intrige aufzuschlüsseln.
Die Geschichte von The First Berserker: Khazan erweist sich als erstaunlich interessant, allerdings müsst ihr dafür die Optik ertragen. Denn die Spielfiguren kommen allesamt im Anime-Look daher, der an Titel wie Code Vein erinnert. Mich persönlich stört der Look nicht, zumal es keinesfalls an der nötigen Brutalität mangelt, um den Ernst der Lage angemessen darzustellen. Aber ein Fan-Favorit dürfte er in Kombination mit den öden Umgebungen kaum werden.
Zumal die Levels simpelste Genre-Standardkost auftischen. Es gibt schneebedeckte Berge, verlassene Burgen und der obligatorische Gift-Sumpf fehlt auch nicht. Immerhin knallt die Musik in den Bosskämpfen ordentlich und die Obermotze sind abgesehen vom mangelhaften Balancing auch echte Highlights. Ob riesiger Yeti, fiese Echse oder eine garstige Spinne, in Kombination mit den panisch aufrufenden und euch antreibenden Chorgesängen steigt der Puls schnell in heftige Höhen.
Greift zu, wenn...… ihr große Souls-like-Fans seid und mit einem wirklich knüppelharten Schwierigkeitsgrad kein Problem habt.
Spart es euch, wenn...… Frusttoleranz ein Fremdwort für euch ist und ihr nur die Crème de la Crème des Genres spielt.



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