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Test - The Séance of Blake Manor – Test : Rätsel-Adventure im Stile von Blue Prince: Schnüffeln, Kombinieren, Konfrontieren

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Westirland, Ende des 19. Jahrhunderts – auch wenn theoretisch hinter all dem Wasser irgendwann Nordamerika auftaucht, sind wir doch gefühlt am Ende der Welt. Und warum? Weil wir, in Gestalt von Privatdetektiv (natürlich!) Ward, einer verschwundenen Person nachgehen. In einem weit entfernten Landsitz, an dem aber ausgerechnet jetzt eine große und diesmal-wirklich-ernsthaft durchgezogene Séance geplant ist, mit entsprechend illustrer Belegschaft vor Ort. Ein Agatha-Christie-reifes Setup, also los!

Die Ankunft in Spiel und Landschaft: 23 Uhr abends, wie eine Uhr oben am Bildrand aufführt. Dunkel und ungemütlich ist der Außenbereich des Landsitzes, sodass wir instinktiv die Heizung etwas hochdrehen wollen. Einstweilen bewegen wir uns aus der Ich-Perspektive über eine mit Cel-Shading-Optik passend illustrierte Szenerie.

Und da passiert es auch schon: Im Springbrunnen sehen wir für einen Sekundenbruchteil eine schemenhafte Gestalt. Eine Frau, die Wäsche wäscht? Um diese Zeit? Nein, der Portier wird uns das sicherlich nicht abnehmen. Aber freundlich ist der auch nicht. Alles … mysteriös.

Beim Laufen selbst läuft die Zeit dankbarerweise nicht weiter, doch dedizierte Aktionen wie das Untersuchen von Gegenständen oder der Auswahl eines neuen Gesprächsthemas verbrauchen eine Minute. Mögliche Deadlines kündigt The Séance of Blake Manor mit einigermaßen Vorlauf an: Um Mitternacht ist unser Zimmer schließlich fertig, um neun Uhr gibt es Frühstück. Die zur Verfügung gestellte Zeit bleibt stets fair, das Nichteinhalten von Deadlines kann jedoch auch zum vorzeitigen Spielende führen.

Das Betrachten sämtlicher Nichtspielercharaktere – jeder und jede einzelne verdient das Tagesschau-„Sus“-Gif – liefert uns ebenso Hinweise wie das Herumschnüffeln drinnen und draußen, das Öffnen von Schubladen und Schränken sowie das Absuchen von Schriftstücken. Über diesen rasch wachsenden Katalog an Indizien führt das Spiel Buch und präsentiert diese in einem Netzwerk an Verkettungen wie diese Wandplakate mit den roten Fäden in Polizeifilmen. In Gesprächen lässt sich wiederum darauf zugreifen und, wenn genügend Beweislast vorhanden ist, eine Hypothese aus den vorhandenen Bausteinen formen und sich etwas Verdächtige damit konfrontieren. Hinzu kommen ab und an kleinere Logikrätsel in der Umgebung sowie – ruft da jemand „Bingo!“? – verzweigte Handlungs- und Lösungsmöglichkeiten.

Eine geschickte Kombination

Mit diesen Spielmechaniken fügt sich Blake Manor ein in die Reihe von Detektiv-Adventures, wie etwa die Sherlock-Holmes-Serie oder The Case of the Golden Idol und liefert auf breiter Front gute Arbeit ab. Das fängt beim sanften Einstieg an, der kleine Belohnungen und Erfolgserlebnisse serviert, und geht bei der guten Fortführung mit vielen Etappenzielen weiter.

Gerade große und in Echtzeit ablaufende Adventures laufen oft Gefahr, viele Anläufe zu brauchen, bis sie überhaupt Sinn ergeben, doch solche Frustrationsmomente sind in The Séance of Blake Manor selten. Auch bemüht sich der Titel eifrig, uns wirklich alle denkbaren Hilfsmittel an den Tag zu geben, inklusive Karten-Material und sich aktualisierenden Zeitplänen, ideal etwa für Alibi-Überprüfungen.

Was fehlt da noch? Richtig, der persönliche Bezug. Warum ausgerechnet wir? Denn schließlich haben wir mit der Familie der Vermissten eine Geschichte – ihr Vater war am Tod unseres Bruders beteiligt, wie Ward bereits im Intro kommentiert. Da überrascht es auch nicht, dass die Nächte in Blake Manor kein Eitel Mondschein sind, sondern uns in albtraumhaften Sequenzen durch einen Parcours an Sigillensymbol-Rätsel scheuchen, eine kurzweilige, atmosphärisch passende Abwechslung.

Am Rande der Welt das Schicksal der vermissten Evelyn Deane nachgehen, im Wettlauf mit einer Reihe Gestalten vom Druiden bis zum Medium, umgeben von mysteriösen Maschinen und okkulten Ritualen: Wer des Englischen mächtig ist und Mystery mag, sollte die Reise nach Westirland aufnehmen.

Greift zu, wenn...

… ihr Detektiv-Geschichten und den Grafikstil mögt.

Spart es euch, wenn...

… ihr in den meisten Adventures Lösungen und Lösungswege offensichtlich findet.

Fazit

Christian Burtchen - Portraitvon Christian Burtchen
Ich will zurück nach Westirland

Spiele wie The Séance of Blake Manor können leicht in genretypische Fallen tappen. Feststehende Events, voranschreitende Zeit und damit ein Maximum an möglichen Untersuchungs- oder Gesprächsschritten, das birgt nicht nur ein potenziell für viel Atmosphäre und Spannung, sondern eben auch für viele Frustmomente. Wer heute ohne jede Nostalgie-Monokel den Blick etwa auf The Last Express richtet, wird schnell merken, dass die Sackgassen-Gefahr allerorten liegt.

Und analog: Viele Mystery-Adventures überschätzen die Faszination ihrer Spielwelt ab Minute Eins. Ich erinnere mich dunkel an diverse Myst-artige Spiele meiner Laufbahn, die mich in den ersten Minuten mit wirren Mechanismen und ellenlanger Mythologie bewarfen. Ich erinnere mich an das mühselige Durchklicken und Irgendwas-auf-Latein-Maschinen – aber nicht einmal mehr an die entsprechenden Namen der Titel!

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Die Séance im Blake’schen Landsitz umschifft sowohl die Skylla der Überkomplexität als auch die Charybdis der Selbstüberschätzung: Der Fall wird allmählich aufgebaut, aber mit einer soliden Mischung aus Interaktivität und Lese- respektive Hörmaterial. Die Welt hat ihre faszinierenden Menschen und Eigenheiten, aber diese muss ich nicht innerhalb der ersten Tasse Tee auswendig lernen.

Stattdessen bekomme ich eine spannende und sich allmählich entfaltende Wo-ist-sie-und-wer-war-es-Geschichte vorgesetzt, die gut vorankommt. Absolute Genre-Profis mögen sich teilweise etwas unterfordert fühlen, für mich war der Ausflug nach Westirland jedoch eine tolle Erfahrung.

Überblick

Pro

  • Stilsichere Grafik mit punktuellen Effekten
  • Dichte Atmosphäre
  • Gute Mischung auf Bewegungsfreiheit und Geführtheit
  • Meist sinnvoll ansteigende Komplexität
  • Faszinierende Geschichte

Contra

  • Teils stockende Dialogregie bei besonders lebhaften Gesprächen
  • Kleine Sprünge in der Komplexität
  • Manchmal etwas hinweisarm

Awards

  • Story
    • PC

Kommentarezum Artikel

The Séance of Blake Manor
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