Test - Thronebreaker: The Witcher Tales : Das neue Epos der Witcher-Macher

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Zwar ist die Witcher-Trilogie um Geralt vorerst abgeschlossen, doch Entwickler CD Projekt Red will die erfolgreiche Marke nicht ungenutzt lassen. Bereits mit Gwent: The Witcher Card Game erweiterte er das Universum mt der Auskopplung des sehr populären Kartenspiel aus The Witcher 3: The Wild Hunt. Ursprünglich lediglich als Storykampagne für das Free-to-play-Spiel gedacht, kehrt es nun als eigenständiges Spiel in einer aufgebohrten Einzelspielerversion zurück.

Eines vorneweg. Es handelt sich bei Thronebreaker: The Witcher Tales nicht einfach nur um eine bessere Version oder die Offline-Variante von Gwent: The Witcher Card Game, sondern um ein eigenständiges Spiel mit eigener Geschichte, eigenen Charakteren, eigener Spielwelt und eigener Spielgrafik. Wer Gwent als Minispiel in The Witcher 3: The Wild Hunt kennengelernt hat, wird zweifellos gemerkt haben, welch immenses Suchtpotenzial es in sich birgt. Ein ähnliches Potenzial hatte dereinst das Spiel Triple Triad in Final Fantasy XIII auf der PSOne. Damals schon verbrachte ich in dem Rollenspiel fast mehr Zeit damit, Karten zu spielen und zu sammeln als mich um die Hauptstory zu kümmern.

Mehr als nur ein Kartenspiel

In diesem Sinne hat Entwickler CD Projekt Red den richtigen Schritt getan und das beliebte Kartenspiel gleich zu einer ganzen Serie ausgebaut. Die The-Witcher-Welt ist also zurück. Doch in welcher Form und aus welcher Perspektive? Ihr spielt in der Rolle von Königin Meve und zieht durch ihre Länder Lyrien und Rivien. Die Geschehnisse des Spiels ereignen sich zu Zeiten des zweiten nordischen Krieges und damit vor der Witcher-Trilogie. Es herrschen Spannungen zwischen den nördlichen Königreichen und dem Kaiserreich Nilfgaard.

Aus einer Top-down-Perspektive steuert ihr eure Herrscherin frei durch die comicartige Spielwelt und baut eure Armee in Form eines Kartendecks auf. Hierfür braucht ihr drei Ressourcen: Gold, Holz und Soldaten. Ihr stolpert während eurer Reise über Charaktere, kleinere Aufgaben oder versteckte Gegenstände. Ihr durchsucht mit eurem Mauszeiger jeden Winkel der Spielwelt nach Ressourcen, die ihr mitnehmen dürft. Das artet nach kurzer Zeit zu einer etwas langweiligen Tätigkeit aus, da ihr euch im Zickzack durch die Landschaft bewegt.

Nebenquests erhaltet ihr entweder durch das Auffinden von Nachrichten oder durch Gespräche mit Bewohnern. Ihr stoßt mehr oder weniger zufällig auf diese Aufgaben wie schon in den anderen Teilen der Witcher-Serie. Der Rollenspielcharakter wirkt auf den ersten Blick eher simpel gehalten. Wenn man sich aber die Dialoge anhört und die Verzweigungen versteht, fällt auf, dass die Erzählweise fast mit dem Niveau der Hauptserie mithalten kann.

Doch nun zum eigentlichen Geschehen: dem Kartenspiel. Geskriptete und zufällige Ereignisse führen dazu, dass ihr euch in Kämpfen mit anderen Gruppen und Armeen messen müsst. Wenn die Königin beispielsweise im Wald von Banditen angegriffen wird oder ihr auf eine Truppe Nilfgaarder trefft, kommt es zu einem Duell. Dss tragt ihr dann in Form des Kartenspieles aus.

Aufsteeelllllluunnnng!

Wem der Aufbau bereits geläufig ist, der darf diesen Abschnitt ruhig überspringen. Denn abgesehen von der grafischen Aufmachung hat sich nicht viel am Spielgeschehen geändert. Ein Spiel dauert in der Regel drei Runden. Wer zwei dieser Runden gewinnt, trägt den Sieg davon. Es dreht sich alles um die Gesamtpunktzahl, die eure Armee aufzuweisen hat. Ist diese höher als die eures Gegners, dann gewinnt ihr die Runde. Hierfür dürft ihr zwei Reihen von Karten legen: Nahkampf- und Fernkampfkarten. Ihr wechselt euch in euren Zügen ab.

Wissen über die aktiven und passiven Fähigkeiten eurer Karten und was sie für euch und eure Feinde bewirken, ist unerlässlich. Bereits verloren geglaubte Partien könnt ihr mit einem Kniff wieder drehen. Reiheneffekte, Bannerkarten, Tränke und so weiter machen die Partien zum Teil unberechenbar, aber auch immer wieder spannend. Manche Karten können Angriffe starten (wie eure militärischen Einheiten), manche bewirken Zustandsveränderungen (wie etwa ein Tonikum), andere Einheiten verbessern eure Armee mit passiven Fähigkeiten. Besonderes Augenmerk gilt dabei eurer Königinkarte. Sie könnt ihr mit neuen Waffen ausrüsten, die ihr in der Spielwelt findet, und damit immer wieder neue Fähigkeiten nutzen.

Das Kartenspiel ist noch immer sehr ausgefuchst und tiefgründig. Ihr kommt schnell dahinter, wie die Mechaniken funktionieren. Gwent zu meistern, ist jedoch eine Lebensaufgabe. Es gibt so viele Karten und so viele strategische Kniffe, dass die größte Freude darin liegt, alle Möglichkeiten zu erkunden und neue Strategien zu finden. Die Inszenierung des Kartenspieles fällt sehr dynamisch aus. Wann immer ihr eine Karte ausspielt, regt sich etwas auf dem Spielfeld und ihr hört mal seriöse, mal witzige Kommentare von Charakteren und Einheiten.

Anders als beim normalen Gwent: The Witcher Card Game erwartet euch in beinahe jeder Begegnung eine andere, abwechslungsreiche Situation. Mal müsst ihr die Schlacht in einer Runde gewinnen, mal gilt es, nur einen Kommandanten auszuschalten, mal rollen Felsbrockenkarten auf euch zu. Diese abwechslungsreichen Szenarien bereichern das ohnehin schon gelungene Spielgeschehen und stellen euch vor immer neue Aufgaben.

Lagerleben

Zwischen den Gefechten wandert ihr durch die Spielwelt. Um euch für die kommenden Kämpfe zu wappnen, müsst ihr euer Lager aufschlagen und euch um euer Heer (eure Karten) kümmern. Im Kommandozelt stellt ihr euer Deck zusammen. Verbessert ihr dieses Zelt, dann erweitert ihr auch die Größe eurer Armee beziehungsweise eures Decks. Auch neue Karten dürft ihr hier herstellen. Dadurch habt ihr es in der Hand, welche Armee ihr aufstellt und in den Kampf führt. In eurer Werkstatt verbessert ihr euer Lager mithilfe der Rohstoffe, die ihr in der Spielwelt gefunden habt.

Verbessert ihr beispielsweise euer Königinnenzelt, erhaltet ihr Zugriff auf eine Karte der Region oder viele weitere Boni. Diese Behausung dient zugleich als Sammelstelle für alle Informationen, Karten, Schlüssel, Briefe und Berichte, die ihr während eurer Reise sammelt. Solltet ihr einmal den Faden verloren haben, dann ist das eure Anlaufstelle. Im sogenannten Messezelt führt ihr interessante Gespräche mit euren Gefährten. Euer Lager vergrößert sich so mit der Zeit immer weiter und dadurch auch die Bandbreite eurer Möglichkeiten. Das spornt stets dazu an, neue Ressourcen zu sammeln.

Happig, aber fair

Drei Schwierigkeitsgrade stehen von Beginn an zur Verfügung. Selbst auf der niedrigsten Stufe ist das Spiel schon sehr knackig, aber stets fair. Auf diesem Schwierigkeitsgrad habt ihr sogar die Möglichkeit, jede Schlacht zu überspringen. Auf diese Weise dürft ihr euch besonders heiklen Herausforderungen entziehen, wenn ihr an der Aufgabe verzweifelt oder euch der richtige strategische Kniff fehlt.

Thronebreaker: The Witcher Tales - Launch Trailer
Auch der eigenständige Einzelspieler-Ableger Thronebreaker: The Witcher Tales ist neben Gwent ab heute für den PC erhältlich.

Was gibt es sonst noch?

Die Erzählweise erinnert in den Zwischensequenzen an The Witcher 3: The Wild Hunt. Der Großteil der Geschichte findet aber in comicartig inszenierten Dialogen statt. Die Zeichnungen sind wie die ganze Spielwelt in einem Cel-Shading-Stil gehalten, der einzigartig wirkt und perfekt zum Spiel passt.

Wenngleich Thronebreaker in erster Linie eine Einzelspielererfahrung ist, gibt es auch einen Online-Mehrspielermodus. Greift ihr darauf zu, dann installiert das Spiel das bereits verfügbare Gwent: The Witcher Card Game. Wollt ihr hierzu mehr erfahren, empfehlen wir euch unseren Gwent-Test.

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