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Test - Black Mirror 2 : Rückkehr nach Willow Creek

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Das klingt aber schlimmer, als es ist, denn umfangreiche und sinnvolle Hilfsfunktionen nehmen dem Knobel-Overkill den Schrecken. Fast schon Standard ist da die Hotspot-Anzeige, die vor allem in den teilweise von Details überbordenden Hintergründen mehr als sinnvoll ist. Warum eine so hilfreiche Funktion wie das Tagebuch noch nicht in allen Adventures integriert ist, bleibt schleierhaft. In Black Mirror 2 sorgt dies nicht nur dafür, dass ihr den Überblick behaltet, sondern hält euch auch bei den zu erledigenden Aufgaben auf dem Laufenden. Wie schon aus Geheimakte Tunguska bekannt lassen sich zu bestimmten Rätseln auch Tipps einblenden - wenn auch nicht ganz so weitgehend.

Hilfe!

Besonders spielerfreundlich ist aber die Möglichkeit, die Minispiele automatisch lösen zu lassen. Erfreulich für alle, die einfach keine Lust oder kein Talent für Schiebepuzzles und Musikrätsel haben. Wie gut durchdacht die meisten Puzzles sind, zeigt der Umstand, dass wir die Spielhilfe gar nicht benutzt haben. Wer nicht in Versuchung geraten will, kann übrigens sämtliche Hilfen ab- oder wieder hinzuschalten. Dazu gibt es natürlich kleine Goodies, wie das Abkürzen durch eine Schnellreisekarte sowie das Verlassen von Bildschirmen und das Überspringen von Kommentaren und Dialogen per Doppelklick. Wer das ganze Abenteuer aber auf sich allein gestellt durchspielen möchte, der sollte sich alles komplett anhören, da ihm ansonsten wichtige Informationen entgehen könnten.

Ob mit oder ohne Hilfen, Black Mirror 2 funktioniert prima mit der klassischen Point-&-Click-Steuerung. Ein klein wenig nervtötend ist nur die Ein-Tasten-Belegung der Maus. So bekommt ihr zu absolut jedem Gegenstand zuerst einen Kommentar von Darren, bevor ihr etwas anderes damit anfangen könnt. Das kann schnell dazu führen, dass ihr einfach alle Kommentare per Doppelklick überspringt und dann das eine oder andere überseht. Mehr als einmal kommt es auch vor, dass ihr euch ein Objekt mehrmals ansehen müsst, bevor ihr überhaupt mit ihm interagieren könnt. Das ist ärgerlich, weil es meistens spielerisch keinen Sinn ergibt oder euch unnötig das Spielen erschwert.

Die Dialoge werden euch durch die ausgezeichnete Synchronisation wahrscheinlich eher bei der Stange halten als die drögen Kommentare Darrens. Von ganz wenigen Ausnahmen wie dem reichlich übertrieben agierenden Chef Darrens mal abgesehen, leisten die Synchronsprecher hier exzellente Arbeit. Etwas unglaubwürdig wirkt manchmal auch der gute Darren, zumindest in aufgewühlten Momenten. Trotzdem kann man mit Fug und Recht behaupten, dass dtp bei der Lokalisierung wieder einmal auf höchstem Niveau gearbeitet hat. Auf etwas anderem Niveau bewegt sich lustigerweise allerdings das, was gesagt wird. Das Einstreuen von „Fuck" und ähnlichen Ausdrücken hat dem Titel wahrscheinlich nicht nur eine USK-Einstufung ab 16 eingebracht, sondern trägt auch zur Authentizität des Handlungs- und Charakterhintergrundes bei.

Glaubwürdig und atmosphärisch

Darren kommt tatsächlich über große Teile des Spiels glaubwürdig rüber, was natürlich nicht nur an der pseudoauthentischen Jugendsprache liegt, sondern auch an seinem zotteligen Post-Grunge-Outfit. Die Charaktere in diesem 2,5D-Titel sind sowieso durch die Bank gut animiert, sogar auf Lippensynchronität wurde wert gelegt, obwohl die Figuren kaum aus der Nähe zu sehen sind. Nur wenn unser Darren beim Laufen einen Zahn zulegt, wirken die Bewegungsabläufe albern. Erstaunlich ist allerdings, wie gut die 3D-Charaktere mit den 2D-Hintergründen verschmelzen. Nicht ein Mal kommt hier der Eindruck auf, ihr hättet es mit Ausschneidefiguren zu tun.

Grafisch spielt Black Mirror 2 sowieso in der Oberklasse mit - zumindest, was Adventures angeht. Ob nun der verträumte (und stinklangweilige) neuenglische Ort Biddeford oder das britische Willow Creek, hunderte von Details lassen die Schauplätze lebendig erscheinen. Fans des ersten Teils werden feststellen, wie sehr sich die englischen Örtlichkeiten verändert haben: So ist das berüchtigte Sanatorium nun ein Landhotel, in dem Darren absteigt, und im Dorfmuseum werden Touristen mit Darstellungen der Morde aus dem ersten Teil erschreckt. Atmosphärisch macht das Spiel fast gar nichts falsch. Edle Grafik, tolle Musik, ausgefeilte Dialoge und zu Beginn auch die Geschichte fügen sich zu einem passenden Ganzen zusammen.

Fazit

Stephan Fassmer - Portraitvon Stephan Fassmer
Die Fortsetzung eines Hits mit erfrischend neuen Ideen und Charakteren, vielen realistischen Rätseln, atmosphärischer Grafik und stimmungsvollem Sound – da kann doch nichts schiefgehen! Leider haben die Macher von Black Mirror 2 in der kompletten zweiten Hälfte des Spiels entweder die Geschichte aus den Augen verloren oder mit Banalitäten gekillt. Dass der Titel nicht völlig versiebt wurde, verdankt er der ausgezeichneten ersten Hälfte, den zwar schweren, aber sehr gut eingefügten Rätseln, der fast perfekten Synchronisation und einer in jeder Hinsicht überzeugenden Atmosphäre. Das Verhunzen einer tollen Geschichte ist einem Adventure allerdings schwer zu verzeihen. Trotzdem ist der Nachfolger des Spiels, das das Genre miterneuert hat, zumindest all denen zu empfehlen, die herausfordernde Rätsel in gepflegter (und ungepflegter) Atmosphäre suchen.

Überblick

Pro

  • starker Anfang
  • interessante Charaktere
  • atmosphärische Grafik
  • realistische Rätsel
  • tolle Synchronisation
  • viele sinnvolle Hilfsfunktionen

Contra

  • zweiter Teil und Ende schwach
  • unausgegorene Charakterentwicklung
  • sehr schwere Rätsel
  • kleine Bedienungsmängel

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