Test - Blades of Fire : Test: Souls-like auf Sparflamme
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Ein Action-Rollenspiel im Souls-Stil mit einem eigenständigen Schmiedesystem für Waffen, einer düsteren Fantasy-Welt und einer Geschichte um Verrat, göttliches Schicksal und den Kampf gegen eine dunkle Vergangenheit. Ja, Blades of Fire klingt vielversprechend, bleibt aber in jeder Hinsicht hinter seinen Ambitionen zurück.
Protagonist Aran wird von den Göttern selbst zum „Meisterschmied“ auserkoren. Dafür geben sie ihm einen magischen Hammer, der mehr ist als nur ein Werkzeug: Er dient als Symbol, Waffe und Schicksalsbringer zugleich. Arans Auftrag lautet, die grausame Königin Nerea zu töten, die das Land in ihrem Würgegriff hält und mit Chaos überzieht.
Die gemeinsame Vergangenheit von Aran und Nerea liefert einen verheißungsvollen Ansatz für emotionale Tiefe, die in Dialogfetzen und kryptischen Rückblenden allerdings nur spärlich durchscheint. Vieles müsst ihr euch selbst zusammenreimen, was angesichts der wenigen Informationen und seltenen Zwischensequenzen schwerfällt. Eine Richtung ist kaum erkennbar, stattdessen wirkt alles zerfahren und antriebslos.
Schmieden unter erschwerten Bedingungen
Der Dreh- und Angelpunkt des Spiels ist aber ein anderer, nämlich das Schmieden – und das im wortwörtlichen Sinne. Waffen wie Schwerter, Speere, Äxte oder Hämmer werden in der Götterschmiede gefertigt, die über zahlreiche Speicher- und Rastpunkte (typisch Souls mit Gegner-Respawn) zugänglich ist. Die Waffen entstehen im Rahmen eines Minispiels, bei dem mehrere Balken mittels Hammerschlägen in die Form einer Zielkontur gebracht werden müssen.
Was in der Theorie spannend klingt, artet in der Praxis zumeist in planloses Kloppen aus. Einige Balken senken sich beim Schlag, andere steigen an – eine Logik oder wenigstens ein knappes Tutorial fehlen. Mit viel Geduld und etwas Glück kriegt ihr den Dreh nach einer Weile raus. Habt ihr beides nicht, kommt am Ende zwar trotzdem eine Waffe heraus, doch fällt diese ungefähr so stabil aus wie ein selbst geschnitzter Holzlöffel.
Das Schmieden ist nämlich direkt mit dem Reparatursystem verbunden: Je besser eine Waffe gefertigt wurde, desto mehr Sterne erhält sie. Jede Reparatur an einem Amboss verbraucht genau einen dieser Sterne. Wer gut arbeitet, darf Schwert und Co. also eine Weile nutzen. Trotzdem schwingt bei dem Ganzen eine ordentliche Portion Enttäuschung und Frust mit, weil jede noch so geniale Kreation früher oder später unweigerlich kaputt geht. Zumindest kann der Schrott zerlegt werden und die entsprechenden Ressourcen lassen sich wiederverwenden.
Letzteres ist wichtig, weil die beim Schmieden eingesetzten Materialien Metall und Holz die Haltbarkeit, Durchschlagskraft und Schadensart (zum Beispiel Hieb und Stich) der jeweiligen Waffe maßgeblich beeinflussen. Im Spielverlauf kommen zunehmend bessere Ressourcen zum Vorschein, sodass stärkere und stabilere Varianten gefertigt werden können – vorausgesetzt, das oben erwähnte Minispiel verläuft erfolgreich.
Mehrere Waffengattungen mitzuführen ist Pflicht, weil die unterschiedlichen Soldaten, Monster und Zombies nur auf bestimmte Attacken allergisch reagieren – andere prallen einfach an ihnen ab. Dieses System zwingt zum ständigen Waffenwechsel, jedoch befinden sich nur vier davon im Schnellzugriff. Braucht es eine Alternative, muss umständlich zwischen aktivem Inventar und „Rucksack“ getauscht werden. Führt Aran überhaupt nichts Hilfreiches mit sich, zieht ihr euch gezwungenermaßen zurück und werdet erneut in der Schmiede tätig.
Kämpfen mit Wucht und Wut
Die Kämpfe in Blades of Fire erinnern stark an The Surge: wuchtig, langsam, taktisch. Ausweichen, Blocken und Kontern sind essenziell, doch alles kostet Ausdauer, und die ist knapp bemessen. Vor allem schwere Waffen saugen sie gnadenlos leer: Bereits nach drei mächtigen Schwingern mit einem Zweihandhammer klappt Aran vor Erschöpfung beinahe zusammen.
Die Erholungsphasen dauern zu lange, um tatsächliche Kombos aufzubauen, was viele Auseinandersetzungen zu zähen Geduldsproben macht. Greifen dann noch mehrere Gegner zugleich an, die nach unterschiedlichen Waffen verlangen, wird aus dem Kampf rasch ein Krampf. Immerhin: Der Bildschirmtod bedeutet ausschließlich den Verlust der zuletzt verwendeten Waffe, die sich im nächsten Anlauf zurückholen lässt.
Die verschiedenen Angriffe funktionieren reibungslos und auch das Treffer-Feedback ist solide. Das Anvisieren der Feinde hat aber seine Tücken: Manchmal kippt die Kamera hinter eine Textur oder verfängt sich kurzzeitig in einem Objekt, sodass man nicht gezielt attackieren, ausweichen oder kontern kann – gerade in engen Räumen kommt das einem Todesurteil gleich.
Durchwachsen ist auch die Grafik: In den besten Momenten wird PS5-Mittelmaß geboten, in den schlechtesten erinnert Blades of Fire an späte PS4-Titel. Die Umgebungen wirken gemacht, nicht gewachsen, und der Fantasy-Touch bemüht, ohne visuelle Highlights aufzufahren. Vieles, was schick und einladend aussieht, ist lediglich eingeschränkt begehbar oder reine Hintergrund-Dekoration. Besonders enttäuschen die häufigen Ladezeiten: Schnellreisen und das Betreten der Schmiede sind mit Warten verbunden – auf der PS5 ein No-Go.
Wenige Erklärungen, viele Fragezeichen
Eines der größten Probleme von Blades of Fire ist seine Lernkurve. Oder besser gesagt: deren Abwesenheit. Das Spiel erklärt nahezu nichts. Wie man schmiedet, welche Waffen welche Wirkung haben oder wie sich die gelegentlichen KI-Helfer verhalten – alles müsst ihr selbst herausfinden. Trial and Error ist hier bitterer Alltag. Sidekick Adso, ein junger Gelehrter, liefert gelegentlich hilfreiche Infos zur Welt, der Lore und – am wichtigsten – den Feinden. Über weite Strecken ist er jedoch ein überflüssiger Begleiter, der seine wenigen Sprüche so oft wiederholt, dass man am liebsten den Ton abstellen möchte.
Während die meisten regulären Feinde für Souls-Veteranen keine Herausforderung darstellen, bieten die (teils optionalen) Bosse eine knackige Prüfung – nicht zuletzt wegen ihrer mächtigen Angriffe, der geringen Ausdauer von Aran und der stark limitierten Heiltränke, die sich ausschließlich an Rastpunkten wieder auffüllen lassen. In diesen Schlachten blitzt das Potenzial des Schmiede- und Kampfsystems auf: Mit der richtigen Kombination aus Waffe und Taktik kriegt ihr jeden noch so heftigen Brocken klein – und fühlt euch danach super!
Im krassen Gegensatz dazu stehen die Belohnungen. Erfahrungspunkte fehlen komplett, ebenso besondere Items oder Ausrüstungsteile. Daher liegt die einzige Motivation im Sammeln von Ressourcen und Upgrade-Materialien für die Schmiede. Das sind vorrangig neue Waffen-Baupläne, die es jedoch nur für das Besiegen mehrerer Feinde vom gleichen Typ gibt. Dementsprechend wiederholen sich die Feindtypen und auch Zwischenbosse, was die Kämpfe schon nach wenigen Stunden Spielzeit repetitiv und somit langweilig macht.
Karte oder Krampf?
Für die Erkundung der großen, zusammenhängenden Areale erhaltet ihr hauptsächlich Erweiterungen der Lebensenergie und Ausdauer. Geheimnisvolle Steintafelfragmente oder Verbesserungen für die Tränke verstecken sich dagegen häufig hinter Zwischenbossen oder verlangen nach einer zähen Suche. Letztere ist primär der Karte geschuldet, die keine Höhenunterschiede wie Etagen anzeigt und nur einen geringen Zoom ermöglicht.
Noch schwerer wiegt die Karten-Problematik bei den Story-Quests. An einer Stelle müssen beispielsweise mehrere Items gesammelt werden, um weiterzukommen. Bis ihr diese jedoch ergattert habt, kann viel Zeit verstreichen, weil ihr mangels Überblick in Kleinarbeit die Gebiete wie Dorf, Sumpf, Friedhof oder Festung durchkämmt. Genauso kann es ausarten, einen schmalen Durchgang zu entdecken oder eine unscheinbare Abzweigung zu finden. Diese Suche nach der Nadel im Heuhaufen wäre hin und wieder okay, doch Blades of Fire setzt mit unschöner Regelmäßigkeit darauf.
Greift zu, wenn...… ihr so ausgehungert seid, dass euch ein halbgares Action-RPG ausreicht.
Spart es euch, wenn...… ihr Kaliber wie Sekiro oder Elden Ring noch vor euch habt.



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