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Test - Dead Take : Test: FMV-Horror mit Stars aus Critical Role und Baldur’s Gate III

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Im vergangenen Jahr erzielte Entwickler Surgent Studios einen Überraschungserfolg mit Tales of Kenzera: ZAU. In dem von afrikanischer Mythologie inspirierten Metroidvania springt und lauft ihr genretypisch in 2D herum und kämpft gegen Geister. Im neuen Titel Dead Take gibt es allerdings keine Kämpfe und der einzige der gesprungen ist, bin ich aus meinem Stuhl - vor Schrecken und Freude!

Mit Dead Take wechseln die Entwickler von Surgent Studios nun in ein Genre, das ihnen eigentlich ohnehin viel näher liegt als Metroidvanias. Normalerweise produziert das Studio nämlich ausschließlich Filme, mit Tales of Kenzera als ihre bisher einzige Ausnahme. Dead Take versucht, das Beste aus beiden Welten zu vereinen und vermischt dafür First-Person-Horror mit Full Motion Video (FMV)-Elementen. Freut euch also auf gruselige Jumpscares und verstörende Videosequenzen mit echten Schauspielern.

Der eher erfolglose Schauspieler Chase Lowry macht sich auf den Weg zur Villa des exzentrischen (das ist ein Euphemismus, damit ich nicht “egozentrisches Arschloch” schreiben muss) Film-Produzenten Duke Cain in Hollywood, um seinen Freund und ebenfalls Schauspieler Vinny Monroe zu suchen. Der scheint nämlich wie vom Erdboden verschluckt, seit er am Abend vorher dort auf einer ausgelassenen Party zu Besuch war.

Die Überreste der Feier sind im ganzen Haus noch deutlich zu erkennen, sonst scheint es jedoch vollkommen verlassen zu sein. Also stellt Chase die Villa auf den Kopf und entdeckt dabei Erschreckendes über die Schattenseiten der sonst so strahlenden Filmindustrie.

Nicer Splaicer 

Duke Cains Villa als einzige Location mag erstmal nach nicht viel klingen (in Resident Evil befinden sich unter Villen für gewöhnlich wenigstens noch geheime Labore oder so), aber mit Dutzenden Zimmern, Geheimgängen, einem eigenen Pool-Gebäude und diversen Geheimnissen gibt es einiges zu entdecken. Die Überreste der Party im mittlerweile menschenleeren Haus und die mangelnde Beleuchtung geben der Villa eine äußerst gruselige Atmosphäre.

Hinzu kommt noch ein tolles Sounddesign und eine sparsam eingesetzte musikalische Untermalung. Allein das sorgt schon für dauernde Anspannung und die fortwährende Angst, dass euch irgendjemand aus der Dunkelheit anspringen könnte. Vielleicht ist Duke Cain ja auch nicht das einzige Monster im Haus.

Herzstück ist allerdings das hauseigene Kino, das ihr mehrmals besuchen werdet, um euch die Inhalte der USB-Sticks anzusehen, die ihr findet. So gut wie alle Videosequenzen laufen nämlich auf der großen Leinwand ab, während ihr es euch im Sessel gemütlich macht. Fehlt nur noch die Tüte Popcorn. Allerdings könnt (und müsst) ihr auch selbst Hand an das Videomaterial legen. Mit einer speziellen Software verknüpft ihr gefundene Clips und erhaltet auf die Art komplett neue Informationen.

So gibt es zum Beispiel ein Video von Vinny bei Probeaufnahmen, in dem er sich mit der Produktionsassistentin unterhält, und ein anderes, in dem Lia Cain interviewt wird. Verbindet ihr die beiden Clips miteinander, wird aus dem gleichen Material ein Gespräch zwischen Vinny und Lia, in dem Lias Antworten im Interview plötzlich zu Vinnys Fragen und Kommentaren passen. So ergibt sich ein komplett neuer Zusammenhang.

Das erinnert schon sehr an Her Story oder andere Spiele von Sam Barlow wie Telling Lies und Immortality, allerdings weniger komplex und mit wesentlich weniger Videos. Nach diesem Beispiel mag das außerdem total logisch klingen, ist es aber nur selten. Meistens wird aus Video A und B nicht AB, sondern ein komplett neues Video C. Keine Ahnung, wie das Programm an das Bildmaterial kommt, aber für euch bedeutet das mehr Informationen und Plot-Twists und darüber will man sich ja nicht beschweren.

Die meiste Zeit drückt ihr euch allerdings nicht euren Hintern im Kinosessel platt und seht Schauspielern bei Nervenzusammenbrüchen zu, sondern stolpert durch die Villa, welche eher an eine Art überdimensionalen Escape-Room erinnert. Ihr durchsucht jeden Raum und löst dabei Rätsel, die euch neue Wege eröffnen und mehr Einblick in die Geschehnisse rund um die Party und Duke Cains neuesten Film “The Last Voyage” bieten.

Trotz der düsteren Atmosphäre und der unzähligen kleinen Details in der Villa sind wichtige Gegenstände gut erkennbar und die Rätsel somit immer fair. Wer die Augen offen hält und ein gutes Gedächtnis hat, wird gut durchkommen. Natürlich kann es mal passieren, dass ihr eine geschlagene Stunde lang durch die Villa irrt, weil ihr vergessen habt, dass die Antwort auf das aktuelle Rätsel eigentlich bereits vor einiger Zeit in einem Video zu finden war. Aber so dumm ist sicherlich niemand …

City of Star(r)s

Chase Lowry wird gespielt von Neil Newbon, den viele wahrscheinlich als den arroganten und blutsaugenden Elfen Astarion aus Baldur’s Gate III kennen. Alternativ erinnert ihr euch vielleicht an Wäschetrockner Drysdale aus Date Everything, dem Newbon vor kurzem ebenfalls die Stimme lieh. BG3 und Date Everything scheinen überhaupt die beiden Spiele zu sein, aus denen sich (mit kleinen Ausnahmen) der gesamte Cast rekrutiert.

So auch Ben Starr, welcher die Rolle des verschwundenen Vinny Monroe übernimmt. Als Verso in Clair Obscur spielte er in einem der Überraschungshits des Jahres und eben auch als Tür(steher) Dorian in Date Everything. Starr und Newbon battlen sich in einem extrem hochwertigen Cast noch um die Top-Performance. Da wir selbst Chase (also Newbons Charakter) spielen, gibt es von dem ein bisschen weniger zu sehen als von Vinny/Starr, aber dennoch ist es beeindruckend, was die beiden aus ihren begrenzten Mitteln herausholen.

Ohne zu spoilern ist es schwer, noch viel mehr zu erzählen, also vertraut mir einfach, dass die schauspielerische Leistung von allen durchweg top ist. Neben den beiden Hauptdarstellern kann sich auch der Rest des Casts sehen lassen. Jane Perry (Mystra aus BG3) verkörpert Lia Cain, die Frau des Hausherren, und mit Travis Willingham (Synchronsprecher in Hunderten Animes, Animationsserien und -filmen und natürlich Mikrowelle Luke Nuke’m), Laura Bailey (The Last of Us, Wäschekorb Harper) und Matthew Mercer (Würfel Chance) sind gleich drei bekannte Gesichter aus dem Ensemble von Critical Role zu sehen. Ein ordentliches Aufgebot an bekannten und talentierten Schauspielern also.

Da fällt der Auftritt von Sam Lake, dem Creative Director bei Remedy Entertainment und Kopf hinter Spielen wie Alan Wake und Control, schon ein wenig aus dem Raster. Damit will ich nicht sagen, dass der nicht talentiert wäre, aber der war doch gar nicht in Baldur’s Gate III oder Date Everything?! Wobei ich mir da einen DLC mit Sam Lake als Schreibmaschine Tippser (oder so) sehr gut vorstellen könnte.

Greift zu, wenn...

ihr richtig gruseligen Psycho-Horror mit herausragender schauspielerischer Leistung sehen und spielen wollt.

Spart es euch, wenn...

ihr nicht auch mal still sitzen und ein Video gucken wollt in eurem Horror-Spiel.

Fazit

Sebastian Ruppert - Portraitvon Sebastian Ruppert
Licht! Kamera! Action! Nicht nur wegen der herausragenden Schauspieler einen Blick wert!

Mit Dead Take liefert Surgent Studios eine gelungene Liebeserklärung an das Horrorkino, die sich spielerisch irgendwo zwischen Her Story und einem wirklich gruseligen Escape Room einpendelt. Wir durchforsten Duke Cains Alptraumvilla nach Rätseln, Hinweisen und fragmentierten Videoaufnahmen – und entdecken dabei nicht nur dunkle Wahrheiten, sondern auch eine überraschend dichte Atmosphäre und liebevoll platzierte Details.

Besonders das Zusammensetzen von Videoclips eröffnet spannende neue Blickwinkel auf die Handlung und lädt zum Miträtseln ein, auch wenn das System nicht immer ganz nachvollziehbar bleibt. Getragen wird das Erlebnis von einem hochkarätigen Cast, der selbst aus kleinen Szenen viel herausholt und das Gefühl verstärkt, mitten in einem interaktiven Psychothriller zu stecken.

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Dass die Villa nur eine einzige Location darstellt, fällt dank cleverem Leveldesign, starker Inszenierung und herrlich unangenehmem Sound kaum negativ ins Gewicht. Dead Take ist kein Spiel für Actionfans, sondern für alle, die gerne graben, kombinieren, erschrecken und dabei in die tiefen Abgründe der Filmindustrie blicken wollen. Kurzum: Kein Blockbuster – aber ein echter Geheimtipp mit Star(r)power.

Überblick

Pro

  • fulminante Star-Besetzung
  • dichte Horror-Atmosphäre
  • gutes Rätsel-Design

Contra

  • sehr kurze Spielzeit (ca. 4 Stunden)
  • Story manchmal etwas verwirrend
  • Splaicing teilweise nicht nachvollziehbar

Awards

  • Games Tipp
    • PC

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