Preview - Dispatch : Vergesst Marvel! Hier kommen die einzig wahren Superhelden
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In Dispatch leitet ihr eine Agentur für Superhelden. Und das sieht aus wie ein richtiger Zeichentrickfilm zum Mitspielen. Also richtig, richtig cool – um es mal ganz platt auszudrücken. Wir haben uns von den Entwicklern eine fortgeschrittene Version des Spiels angeschaut, das am 22. Oktober für PC und PS5 erscheint.
In Dispatch leitet ihr eine Agentur für Superhelden, und allein diese Prämisse ist schon zum Schreien komisch. „Im Grunde ist das so, als wenn ihr 110 für einen Notfall anruft“, erklären uns die Entwickler von Adhoc Studio, „und dann einen passenden Superhelden für euer Anliegen vermittelt bekommt.“
Dispatch funktioniert daher spielerisch als eine Mischung aus Wirtschaftssimulation und interaktivem Zeichentrickfilm nach Muster der Telltale-Spiele. Kein Wunder, setzt sich das Team aus ehemaligen Mitarbeitern zusammen, die maßgeblich an Spielen wie The Walking Dead, The Wolf Among Us und Tales from the Borderlands beteiligt waren – aber die Fehler, die schlussendlich zur Pleite von Telltale geführt haben, bewusst vermeiden will.
Wie von Telltale – aber besser
„Das waren großartige Spiele, aber wir haben auch aus erster Hand gesehen und miterlebt, was bei Telltale irgendwann alles schieflief“, erzählen sie uns im Interview. Man habe zu sehr an der eigenen Erfolgsformel festgehalten, sich geweigert, das Genre weiterzudenken und spielerisches Neuland zu beschreiten. Genau das wolle man mit Dispatch anders machen.
Und das sieht man auf den ersten Blick. Dispatch geht neue Wege, scheut keine Innovationen und sieht umwerfend gut aus. „Die Spiele von Telltale gebärdeten sich immer wie interaktive Filme, sahen aber wie zweitklassige Videospiele aus“, erklären die Entwickler die Vision hinter ihrem ungewöhnlichen Grafikstil. „Dispatch soll wie ein richtiger Zeichentrickfilm aussehen. Handkoloriert, unterschiedliche Kameraperspektiven, flüssig animiert, unglaublich aufwändig.“ Dadurch werde es insbesondere auch für Spieler interessant, die traditionell keine Gamer sind, aber gerne Superheldenfilme und Animes schauen und diese selbst erleben möchten.
Who you gonna call? Einen echten Superhelden!
In Dispatch spielt ihr den Büroangestellten Robert Robertson (ja, der heißt wirklich so und wird dafür von seinen Kollegen ausgelacht), der einst selbst von einer Karriere als Superheld träumte und aber bald erkennen musste, dass er als eine Art „Iron Man für Arme“ nicht für diese Art von Job geeignet war. Daher heuert er jetzt in besagter Agentur an und entsendet echte Superhelden auf ihre Einsätze.
Das spielt sich zur einen Hälfte wie eine Wirtschaftssimulation, vergleichbar mit This is the Police, falls ihr das kennt. Ein Anrufer oder eine Anruferin schildert ihr Anliegen: ein brennendes Haus, ein Diebstahl, eine entflohene Katze. Daraufhin wählt ihr einen geeigneten Superhelden im Katalog der Agentur aus und entsendet ihn auf seine Mission. Dabei ist entscheidend, den jeweiligen Helden passend zu den Anforderungen der Aufgabe auszusuchen. Manche Aufträge erfordern Kraft, manche Intelligenz und manche bestimmte Fähigkeiten.
Mit jedem erfolgreich absolvierten Job levelt ihr diese Fähigkeiten und macht eure Helden dadurch fit für die Story-Missionen, die das Herzstück von Dispatch bilden. („Dispatch“ bedeutet übrigens „entsenden“, also genau das, was eure vorwiegende Aufgabe im Spiel ist.) Und diese laufen wie ein interaktiver Zeichentrickfilm ab.
Das Böse ist immer und überall
In der Mission, die uns die Entwickler vorspielten, eilen wir bei einem Überfall auf einen Donutladen zuhilfe. Unsere Heldin findet den Verkaufsraum verwüstet vor, doch von dem Täter fehlt jede Spur. Wir entscheiden uns dazu, die Sicherheitskameras zu hacken, was in einem von zahlreichen Minispielen geschieht, mit denen die Entwickler das Spielgeschehen auflockern möchten.
Der Hack ist erfolgreich und wir entdecken den Dieb im Hinterzimmer, wo er sich an einer Maschine zu schaffen macht. Ihn zu überwältigen misslingt, denn wir müssen feststellen, dass er riesige Plasmakanonen anstatt Händen an den Unterarmen trägt. Telltale-typisch müssen wir blitzschnell eine Entscheidung treffen: in Deckung gehen oder mit Worten beschwichtigen? Nein, wir entscheiden uns für die dritte Alternative: die Superkraft unserer Heldin einzusetzen und sie unsichtbar machen. Dies sorgt dafür, dass sie den Kampf unbeschadet übersteht – doch offenbar sind wir gerade einem neuen Superbösewicht begegnet, der das weitere Geschehen maßgeblich beeinflussen wird …
Trefft ihr dabei „falsche“ Entscheidungen, werden eure Superhelden trotzdem nicht sterben. Stattdessen werden sie allenfalls verletzt und fallen für ein paar Tage aus. Eure Entscheidungen nehmen vielmehr Auswirkungen auf die Geschichte, unterschiedliche Ende, aber vor allem die Beziehungen unter den Charakteren, mit denen ihr sogar romantische Bande knüpfen dürft.
„Das ist es, worum es uns bei allem geht: um die Charaktere“, erklären die Entwickler ihre Philosophie hinter dem Story-Telling. „Superhelden-Geschichten handeln vordergründig vom Kampf Gut gegen Böse. Aber das ist nur die Oberfläche. In guten Superhelden-Geschichten geht es um die Personen und ihre zwischenmenschlichen Beziehungen. Und genau das steht in Dispatch im Mittelpunkt.“
Um diesen filmreifen Anspruch zu unterstreichen, ließ sich Adhoc Studio auch bei den Synchronsprechern nicht lumpen und verpflichtete Aaron Paul für die Hauptrolle, bekannt aus der Kultserie Breaking Bad und der Need-for-Speed-Verfilmung.
Dispatch erscheint am 22. Oktober für PC und PS5 – und zwar im Episodenformat. Wer bei diesem Stichwort sofort in einen Schreikrampf verfällt, der sollte jetzt noch weiter lesen. Denn im Gegensatz zu den Telltale- und Dontnod-Spielen müsst ihr auf die nächste Episode nicht jeweils monatelang warten, sondern stets nur eine Woche.
Diese Veröffentlichungspolitik hat also keine produktionstechnischen Gründe, sondern rein dramaturgische – und das gefällt mir sogar ziemlich gut: Denn auf diese Weise können die Cliffhanger und überraschenden Wendungen (von denen das Spiel nur so wimmeln soll) ihre volle Wirkung entfalten. Denn während übliche Spiele im Spannungsbogen der traditionellen Drei-Akt-Struktur stets nur den erzählerischen Weg vom Anfang zum Ende kennen, ermöglicht das Episodenformat mehrere Höhepunkte, Twists und vor allem dieses aufregende Gefühl, unbedingt wissen zu wollen, wie es nächste Woche weitergeht.
8 Episoden wird Dispatch umfassen, wobei jeweils zwei am Stück veröffentlicht werden, immer mittwochs, sprich: Die gesamte Staffel wird über vier Wochen hinweg laufen. Ich kann’s kaum erwarten.


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