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Test - Metal Gear Solid: Master Collection Vol. 1 : Test: Eine schwache Sammlung

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Muss man erklären, für was Metal Gear seit 1987 steht? Wenn ja, dann in Kurzform. Denn mit der Geschichte der Reihe lassen sich Bücher füllen. Der eigentliche Spielablauf ist jedoch nicht komplex: Als Spion gilt es, in feindlichem Gebiet eine schwierige Mission abzuschließen – ganz allein und möglichst unbemerkt. Schleichen, Observieren und Sabotieren sind die wichtigsten Waffen der verschiedenen Protagonisten, die alle unter dem Codenamen Snake operieren. 

In der Metal Gear Solid: Master Collection Vol. 1 stecken die ersten fünf Spiele der legendären Reihe von Hideo Kojima: Metal Gear (1987, NES), Metal Gear 2: Solid Snake (1990, NES), Metal Gear Solid (1998, inkl. Special Missions und Integral), Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty (2001) und Metal Gear Solid 3: Snake Eater (2004). Zu jedem Titel gibt es ein digitales Screenplay Book, das sämtliche Dialoge und Ereignisse in Textform abbildet. Hinzu kommt ein Master Book mit massig Hintergrundinformationen und Grafiken zu allen Charakteren, der Chronologie der Reihe, wichtigen Momenten und mehr. Der Soundtrack der Spiele ist auch dabei. Klingt absolut solide, um im Thema zu bleiben. 

Verbesserungen? Welche Verbesserungen?

Allerdings handelt es sich bei den Spielen nicht um Remaster oder anderweitig aufgepeppte Versionen für den erneuten Release, sondern um die Originalfassungen in 30 (Metal Gear Solid) beziehungsweise 60 FPS (MGS 2 und 3) mit einer 1080p-Auflösung. Eine Widescreen-Unterstützung bieten lediglich Metal Gear Solid 2 und 3; bei den anderen Titeln muss man mit einem kleinen Bildausschnitt samt Rahmen leben.

Während die Pixel-Einsätze Metal Gear und Metal Gear 2 vielleicht nicht mehr hübsch, aber zumindest sauber aussehen, reibt man sich bei Metal Gear Solid die Augen und überlegt, ob die Brillenstärke noch stimmt. Keine Sorge, das tut sie. Es liegt am Spiel. Äußerst verwaschene und heftig flackernde Texturen, gesichtslose und kantige Figuren, blasse Farben – das soll mal ein grafischer Knüller gewesen sein? Ja, war es, aber das liegt eben 25 Jahre zurück. Hinzu kommt eine hakelige Steuerung, die vor allem beim gelegentlichen Waffeneinsatz Nerven kostet. 

Weil Grafik und Kontrollen überholt sind, kann auch der Spielablauf nicht mehr wie früher brillieren. Von der Schießerei mit Revolver Ocelot über den Kampf gegen Psycho Mantis bis hin zum Scharfschützenduell mit Sniper Wolf (samt voller Diazepam-Dröhnung) spielt sich alles, was damals einzigartig und spannend war, nach heutigen Maßstäben statisch und langweilig. Aber auch das ganze Schleichen und Verstecken wirkt oftmals hakelig, weil sich der Kamerawinkel nicht verstellen lässt und Snake manche Eingabe entweder zu flott oder zu langsam umsetzt. 

Mit den Nachfolgern wird es besser, aber nicht gut. Da es sich bei Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty und Metal Gear Solid 3: Snake Eater um PS2-Spiele handelt, sehen sie per se eine ganze Spur besser aus als der erste Teil. Statt in Brei-Visagen blickt man nun in Gesichter mit erkennbaren Regungen und auch die Texturen verfügen über wesentlich mehr Qualität und Stabilität, sprich weniger krasses Flackern. Das macht die Action auf dem Bildschirm deutlich erträglicher. Auch spielerisch schleichen sich die Fortsetzungen dank übersichtlicher Kameraperspektive, Schießen aus der Ego-Sicht und geschmeidigen Bewegungen ganz locker am Erstling vorbei. Neu sind die Versionen aber nicht: Es handelt sich dabei um die Portierungen von Bluepoint Games aus der Metal Gear Solid HD-Collection von 2011. 

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Das liest sich alles sehr positiv, gilt allerdings nur für den Vergleich mit Metal Gear Solid. Gemessen an heutigen Produktionen machen beide Spiele keinen Stich. Die generelle Aufmachung gepaart mit technischen Einschränkungen, beispielsweise die vielen kompakten Dschungel-Abschnitte samt Ladezeiten in Snake Eater, zeigen das Alter ganz deutlich. Tja, die Jahre 2001 beziehungsweise 2004 liegen halt auch schon ein Weilchen zurück …

Wer spielt das noch?

Diese Frage muss nach all der Kritik zwangsläufig gestellt werden. Wer auf moderne Technik und zeitgemäßes Design steht, braucht keinen Gedanken an den Kauf der Sammlung zu verschwenden. Leute mit Nachholbedarf in Sachen Tactical Espionage Action warten besser auf das Remake von Metal Gear Solid 3. Der Griff zur Master Collection kommt allein für jene infrage, die damals die Originale gezockt und geliebt haben. Denn sie können nachvollziehen, was die Titel bei ihrem Erscheinen ausgezeichnet hat. Mit dem Blick durch die Nostalgie-Brille und der damit verbundenen Toleranz für (aus heutiger Sicht) einige Macken sind die Oldies durchaus noch spielbar.

Metal Gear Solid: Master Collection Vol. 1 - Launch Trailer

Die Metal Gear Solid: Master Collection Vol. 1 bringt ab sofort die ersten drei klassischen Teile der Reihe auf aktuellen Plattformen zurück.

Ein letzter großer Knackpunkt bleibt dennoch bestehen: das Preis-Leistungsverhältnis. Vor rund zehn Jahren machte Konami alle Liebhaber von Snake, Stealth und Metal Gear mit der Legacy Collection für die Playstation 3 glücklich. Die beinhaltete alles, was die Serie bis dato zu bieten hatte: die ersten beiden Teile, die vier Solid-Episoden und Peace Walker, den Ableger für die Playstation Portable. Wer diese Sammlung in seinem Metal-Gear-Schrein stehen hat und noch dazu eine PS3 besitzt, kann angesichts der abgespeckten Master Collection nur den Kopf schütteln. Oder sich kräftig darüber ärgern, wie lustlos Konami die Klassiker auf moderne Systeme übertragen hat. 

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