Preview - Moroi : Da platzt dem Schwein einfach der Kopf!
- PC
Einst lebte in einem fernen, magischen Land, genannt “Schweiz”, ein kleiner Indie-Entwickler mit einer großen Vision. Ein Spiel sollte es werden, mit einer komplexen Welt, einer tiefgreifenden Story, Action, Crafting und jeder Menge Blut und Gedärme. Seitdem sind mehr als fünf Jahre vergangen und aus dem (Alb-)Traum ist Realität geworden. Ich habe mich durch die Demo gekämpft und kann euch zumindest berichten, wie verwirrt mich das düstere Märchen-Adventure-Hack-and-Slay Moroi zurückgelassen hat.
Am ehesten kann man sich Moroi wahrscheinlich vorstellen als eine wilde Mischung aus der Atmosphäre von Little Nightmares, dem Body-Horror eines Resident Evil und dem Humor von Deponia. Aus einer Top-Down-Perspektive steuert ihr den Protagonisten durch eine düstere und dreckige Welt, in der euch alles entweder töten will oder eklig ist und meistens beides.
Konkret wacht ihr zu Beginn des Spiels in einem heruntergekommenen Gefängnis auf. Die Holztür, die euch ein Stückchen näher an die Freiheit bringen würde, ist allerdings verschlossen. Ihr hab keine Ahnung wer oder wo ihr seid. Aber eines ist klar: Ihr müsst so schnell wie möglich hier raus.
Essen sie das noch?
Sucht ihr die angrenzenden Zellen ab, trefft ihr auf allerlei skurrile Gestalten. Direkt zu Beginn findet ihr zum Beispiel einen Gefangenen, der gerade dabei ist, seine eigene Hand zu verspeisen. In einem kurzen Geplänkel verrät er euch, dass er hier angekettet wurde, weil er sein Leben lang Menschen gegessen hat. Na, Mahlzeit!
Jetzt, wo er eh schon zum Sterben hier ist, könne er sich ja auch dem ultimativen Kannibalismus hingeben und sich selbst essen. „Wenn das nicht genial ist, dann möge mich der Blitz erschlagen!“, sind seine letzten Worte und wie aufs Stichwort fährt ein Blitz vom Himmel und zerfetzt den guten Kerl.
Übrig bleibt nur seine abgetrennte (und angenagte) Hand. Vorsichtshalber steckt ihr die ein, denn man weiß nie, wann man sowas nochmal braucht. Von genau dieser skurrilen und makaberen Situationskomik lebt Moroi.
Mit besagter Hand startet auch gleich das erste Rätsel. Wobei „Rätsel“ fast schon zu viel gesagt ist. Eigentlich tragen wir nur jeweils einen Gegenstand von einer Person zur anderen bis wir uns so lange nach oben getauscht haben, dass wir ein Schwert in Händen halten. Damit channeln wir unseren inneren Jack Nicholson und brechen Shining-artig durch die klapprige Holztür.
Diese erste Tauschaktion bietet bereits eine perfekte Gelegenheit, sich mit der Welt besser vertraut zu machen. Immerhin müssen wir während der ersten Quest mit jeder einzelnen Person im Gefängnis quatschen und die könnten skurriler nicht sein. Ich wüsste zumindest nicht, wann ich mich zuletzt mit einem halben anthropomorphen Schwein (obere Hälfte) unterhalten habe, dem mitten im Gespräch der Kopf geplatzt.
Ein bisschen was zum Nachdenken gibt es dann später auch noch. Gegen Ende des ersten Abschnitts landet ihr in einer Kühlkammer. Die Tür fällt hinter euch ins Schloss und um euch herum gibt es nichts außer einem PIN-Eingabefeld und einigen Schweinehälften.
Lest ihr aufmerksam Dialoge und Notizen mit, dann ahnt ihr an dieser Stelle bereits, dass ihr die Kadaver zählen müsst, um an die PIN zu kommen. Ansonsten erfriert ihr nach kurzer Zeit. Von solchen Rätseln, die Beobachtungsgabe, Aufmerksamkeit und ein bisschen Nachdenken erfordern, würde ich gerne im fertigen Spiel mehr sehen.
Weit aufmachen, bitte!
Für die Rätsel mutet die Sicht von oben auf die Welt ein wenig merkwürdig an. Sobald es aber an den Kampf geht, ergibt die Entscheidung wieder Sinn. Moroi erinnert dort nämlich auf einmal an klassische Twin-Stick-Shooter. Mit dem Controller bewegt ihr euch per linkem Stick und stellt unabhängig davon mit rechts die Richtung ein, in die ihr gerne kämpfen würdet. Idealerweise also zum Gegner hin. Beim Keyboard übernehmen die WASD-Tasten die Bewegung und mit der Maus zielt ihr und greift an. Theoretisch ist es so möglich, rückwärts zu laufen und sich gleichzeitig nach hinten zu verteidigen.
Das Kampfsystem an sich ist recht simpel. Linker Trigger (bzw. Mausklick) löst einen Angriff aus, rechter Trigger eine Spezial-Attacke, die von der Waffe abhängt. Die Bezeichnung Twin-Stick-Shooter passt aber trotzdem nicht so ganz auf Moroi, schließlich bekommt ihr ja ein Schwert in die Hand gedrückt.
So richtig wollten die Kämpfe bei mir aber nicht zünden. Sich mit dem Schwert gegen Horden an Gegnern zu verteidigen, ist mit einer solchen Steuerung recht mühselig. Und selbst das Maschinengewehr, das mir auf einmal überraschenderweise in die Hände fällt, macht die Situation nicht viel besser. Leider schießt das Ding nämlich nicht dahin, wo ich hinziele, sondern immer ganz leicht daneben. Gerade so, dass es auf Dauer nervt.
Eine redselige Ente beschließt später noch mir zu helfen und reißt sich dafür mal eben die Zähne raus. Die würden nach Aussage der Ente ohnehin wieder nachwachsen. Mir ist durchaus bewusst, dass Enten eigentlich keine Zähne haben, diese hier verfügt aber über ein paar beachtliche Beißerchen, die die Grinsekatze aus Alice im Wunderland vor Neid erblassen lassen würden! Alice ist an sich ohnehin ein guter Vergleich für Moroi. Zwar nicht unbedingt die bunte Disney-Version, aber Alice: Madness Returns spielt mit seiner Verdrehtheit und Surrealität durchaus in einer ähnlichen Liga.
Aber zurück zum Gebiss: Das führt nämlich eine neue Spielmechanik ein. Neben zwei Waffen stattet ihr euch außerdem noch mit zusätzlichen Items wie Kopfbedeckungen oder eben Zähnen aus, die wiederum Auswirkungen auf die Waffen haben. Ein System, das durchaus für Spaß und Chaos sorgen dürfte.
In diesem Fall verbessern die Beißerchen unser Schwert, und so können wir ab sofort damit auch durch verstärkte Türen und Kisten brechen. Danke, liebe Ente! Mit deiner Hilfe - so absurd und blutig sie auch war - sind wir unserer Freiheit ein Stückchen näher gekommen.



Kommentarezum Artikel