Special - Switch 2 : Hardware-Test: Da ist sie endlich!
- NSw2
Da ist sie endlich: Switch 2 ist für jedermann erhältlich. Oder vielleicht auch nicht – leere Regale, überall ausverkauft, noch am selben Morgen. Wer nicht eine Vorbestellung abstauben konnte, geht wahrscheinlich leer aus und muss ein paar Wochen auf Nachschub warten. Der Hype ist echt!
Die Switch 2 ist vermutlich die am sehnlichsten erwartete Nachfolgerkonsole aller Zeiten. Seit Jahren schon unken Presse und Spieler gleichermaßen, die Grafikpower der ersten Switch hätte ihren Zenit so weit überschritten, dass selbst die Umsetzung simpler Spielideen in niedrigen Auflösungswerten und matschigen Texturen versumpfe. Ausnahmen wie die geradezu mirakulösen Adaptionen von Doom Eternal und Hogwarts Legacy bestätigen die Regel.
Irgendwie ironisch, war doch die erste Switch – wie zuvor schon Wii und WiiU – eine demonstrative Entkoppelung vom Hardware-Kräftemessen der Konkurrenten Sony und Microsoft, bei zeitgleicher Verschmelzung von Heimkonsole und Handheld. Nintendo verwandelte Schwächen in Stärken und traf voll ins Schwarze.
Über 150 Millionen Konsolen verkauften sich in über acht Jahren, und mit ein wenig Glück wird sie während ihres Schwanengesangs noch den Verkaufsrekord der Playstation 2 überflügeln. Trotzdem: Offenbar war irgendwann das Maß voll. Selbst bei jenen, die nicht so viel auf Grafikbombast geben.
Besser und schöner – und doch im Gesamtbild gleich
Nintendos zweite Hybridkonsole funktioniert grundsätzlich auf dieselbe Weise wie die Switch 1. Standardmäßig dient sie als mobile Konsole – ein Handheld. Wobei dazu kein Zwang besteht. Dank der ausklappbaren Stütze auf der Rückseite, könnt ihr die Switch 2 auch auf einem Tisch platzieren, und dank eines neuen, zweiten USB-C-Ports auf der Oberseite auch mobil laden. In diesem Tisch-Modus nehmt ihr zum Spielen die Joycon-Controller von den Seiten des Bildschirms ab. Diese liegen nun nicht mehr in Schienen, sondern sind magnetisch verankert und lassen sich durch einen Druckknopf angenehm einfach lösen.
Zum Anklemmen führt ihr sie einfach wieder seitlich an den Bildschirm heran, wo sie automatisch mit einem sehr befriedigenden Klicken andocken – und felsenfest sitzen. Das Einzige, was Pedanten womöglich ein wenig stören könnte, ist die winzige Lücke von einem gefühlten Millimeter zwischen den Hauptgriffen der Joycons und dem Bildschirm. Beim Spielen fällt sie euch garantiert nicht auf, aber rein optisch wirkt der fehlende Abschluss ein wenig grob.
Was in der Handhabung am ehesten abweicht, ist die Unterscheidung der Spielmodule, die man auf der Oberseite in den Modulschacht legt. Derer gibt es nun drei.
1) Switch 1 Module. Mit Ausnahme von 100 Titeln ist Switch 2 abwärtskompatibel, spielt also auch die alten Spiele der Switch 1 ab. Einige davon sogar mit verbesserter Grafik.
2) Normale Switch 2 Module, die auf maximal 64 GB Speicher ein komplettes Spiel beinhalten. SDie lassen sich ausschließlich in der Switch 2 verwenden.
3) Game-Key-Module. Dies sind Module, die lediglich eine Lizenz für ein Spiel beinhalten. Sie lassen euch ein Spiel auf den internen Speicher herunterladen.
Von diesem internen Speicher stehen euch etwa 230 Gigabyte zur Verfügung. Das ist weit mehr als noch bei der Switch 1, aber auch kein riesiger Vorrat. Wollt ihr mehr Speicherplatz, so müsst ihr euch eine MicroSD-EXPRESS-Karte zulegen.
Endlich hochaufgelöst
Es bleibt wie gehabt: Steckt man den Bildschirm in die „Dock“ genannte Ladestation, dann schickt die Konsole ihre Signale per HDMI-Kabel an den Fernseher. Dabei wird ihre Stromversorgung erhöht, sodass sie dem Grafikchip mehr Leistung entlocken kann.
Abseits der nun abgerundeten und einfacher abnehmbaren Abdeckung hat sich im Inneren des Docks wenig geändert. HDMI-Kabel, Stromstecker und Netzwerkkabel lassen sich durch die offener angelegte Gehäuseform leichter einstöpseln. Zudem hilft ein kleiner, kaum vernehmbarer Lüfter beim Kühlen der Hardware. Im Grunde ist das Dock nur eine Ladestation, die zugleich das Bildsignal an den TV schickt.
Als Besitzer einer Switch 1 werdet ihr mit dem Nachfolger sofort zurechtkommen. Selbst die Menüs sehen sehr ähnlich aus, lassen sich aber nun mit der Mausfunktion der Joycon-Controller bedienen. Über die Maus-Funktion, die quasi jederzeit zur Verfügung steht, da ihr die Joycons dafür nur auf die schmale Seite drehen müsst, sowie den neuen Chat-Button am rechten Controller, wurde in den letzten Wochen und Monaten zu genüge eingegangen. Wenn ihr mehr zu unseren Maus-Eindrücken erfahren wollt, dann empfehlen wir euch die Lektüre unseres ersten Anspiel-Berichts.
Bei der internen Technik hat sich deutlich mehr getan. Switch 2 holt dort auf, wo der technische Kompass seit 2016 ruht. Sie unterstützt im Dock-Modus am TV endlich eine 4K-Auflösung und HDR. Wobei 4K in den meisten Spielen nur ein theoretisches Ziel darstellen dürfte. Schließlich kämpfen selbst Xbox Series X und PS5 Pro gegen die harschen Anforderungen der insgesamt acht Millionen zu berechnenden Pixel an.
1440p beziehungsweise Full HD sind realistischere Ziele, die von fast allen Startspielen angepeilt werden. Diese Auflösung wird dann in das 4K-Bildformat eingefügt, wie bei den anderen Konsolen, wodurch einige zahnige oder sogar flimmernde Ränder bei vielen Grafikelementen sichtbar werden. Trotzdem ist die Grafik viel schärfer als bei der ersten Switch, die am TV oft nur eine 900p-Auflösung einbrachte.
Diesen Unterschied könnt ihr sogar in einem direkten Vergleich mit der Switch 1 sehen, wenn ihr ein Spiel einlegt, das ein offizielles Switch-2-Upgrade bekommen hat. Siehe Super Mario Odyssey: Das Abenteuer des berühmten Klempners sieht dank 1440p-Grafik erheblich schärfer aus als einst in 900p. Und es läuft auch konstant flüssiger. Es gab nur wenige Stellen, an denen die Bildrate von Super Mario Odyssey von den angepeilten 60 FPS abwich, aber jetzt läuft es durchgehend wie Butter.
Auch im Handheld-Modus schärfer
Im Handheld-Modus nutzt die Switch 2 den eigenen, fest verbauten Bildschirm. Somit schrumpft die Pixelzahl auf ein Viertel von 4K, aber auch 1920 x 1080 Pixel (Full HD) sind eine Ansage angesichts einer Hardware, die mit 272 x 116 Zentimetern zwar sichtbar größer ist als der Vorgänger, aber mit 13,9 Millimetern Dicke genauso schlank.
Eine höhere Auflösung ergäbe mit der Pixeldichte des neuen, leuchtstarken LCD-Screens wenig Sinn, zumal das System mit seinem Handheld-Verbrauch von gerade mal 10 Watt (für die Versorgung des Bildschirms UND der internen Hardware) stark haushalten muss, damit sie die versprochenen 2 bis 6 Stunden mit dem verbauten Akku durchhält.
Das ist deutlich weniger Spielzeit als mit der ersten Switch, und ob sie in der Praxis überhaupt hinhaut, werden die nächsten Tage zeigen. Mehr als zwei Stunden sind sowieso nur dann drin, wenn der Grafikchip weniger Saft verbrät, Also bei 2D-Spielen oder Titeln mit schlankerem Grafikprofil.
Generell grübeln wir noch ein wenig, wenn es um die Eigenschaften beim Handheldbetrieb geht. Der neue LCD-Screen ist sichtbar leuchtstärker als das Gegenstück der ersten Switch, wenn auch keineswegs so crisp und farbstark wie beim OLED-Modell. Das Bild wird sehr dynamisch und satt. Trotzdem schade, dass kein OLED-Screen verbaut wurde, denn der wäre einerseits etwas stromsparender gewesen, andererseits hätte er die dynamischen Kontraste des nun unterstützten HDR viel besser hervorgehoben.
Tolle Farben dank HDR. Oder doch nicht?
HDR bedeutet High Dynamic Range und beschreibt einen Farbmodus, der besonders helle und besonders dunkle Flächen gleichzeitig darstellen kann. Beispiel: Eine Weltraumszene mit einer Sonne, einem roten Gasnebel, Sternen und dem schwarzen Weltraum. In HDR können Sonne, Sterne und Nebel in knallig hellen, geradezu strahlenden Farben erscheinen, während die Schwärze des Weltraums tief dunkel bleibt.
Die hellen Farben sind sogar noch heller als es ein normaler SDR-Bildschirm darstellen könnte, denn HDR setzt auf eine 10-Bit-Farbtiefe anstelle der fürheren 8-Bit. In SDR (Standard Dynamic Range), wäre nur eines von beiden möglich - entweder strahlende Farben oder tiefdunkler Weltraum.
Das Problem an der Sache ist, dass der LCD-Screen der Switch 2 technisch gar nicht in der Lage ist, HDR korrekt darzustellen. Er verfügt wahrscheinlich über die nötige 10-Bit-Farbtiefe, aber für die hellen Spitzlichter einer Sonne benötigen die Pixel eine starke Hintergrundbeleuchtung. Ein LCD-Sceen verfügt nur über eine Hintergrundbeleuchtung, die auf den gesamten Bildschirm angewendet wird und nicht auf einzelne Teile, wie es bei einem Mini-LED-Screen oder einem OLED möglich wäre. Bei einer Aufhellung des gesamten Bildschirms würde auch der Weltraum in der genannten Szene heller und gräulicher werden.
Wir durften mehr als vier Stunden in das neue Mario Kart World für die Nintendo Switch 2 eintauchen und konnten einige Zweifel loswerden.
Das lässt nur den Schluss zu, dass der Screen der Switch 2 aller Wahrscheinlichkeit nach ein starkes Tonemapping anwendet. Das ist eine Technik, die Bildschirmfarben durch eine Nachberechnung sehr ähnlich erscheinen lässt wie echtes HDR, aber faktisch keines ist. Ein OLED-Bildschirm nutzt selbstleuchtende Pixel. Damit wäre echtes HDR überhaupt kein Problem gewesen, da jeder einzelne Pixel so hell oder so dunkel sein kann, wie von den Grafikern gewollt. Einziges Problem: Die Switch 2 wäre damit wohl noch teurer geworden.
Aber einen Vorteil bringt der neue Screen definitiv mit: Er unterstützt variable Bildraten (VRR). Schafft ein Spiel also mal nicht die sauberen 60 Bilder pro Sekunde, sondern nur 55 oder irgendeine andere krumme Zahl, dann kann sich der Bildschirm daran anpassen, sodass euch das Stottern der Grafik nicht auffällt.
Echtes HDR am TV – aber kein VRR
Im Dock ist die Situation genau umgekehrt. Aufgrund eines Bugs bei der Übertragung von USB-C auf HDMI (an dem Nintendo keine Schuld trägt, sondern der Hersteller des Übertragungs-Chips), kann die Switch 2 kein VRR an eurem Fernseher anwenden, egal ob euer TV es unterstützt oder nicht. Ob dieser Bug jemals durch eine Softwarelösung überbrückt werden kann, steht in den Sternen.
Sofern euer TV HDR unterstützt, kann Switch 2 allerdings echtes HDR ausgeben, was geradezu berauschende Farben durch fantastisch helle Spitzlichter möglich macht. Sofern richtig eingestellt, leuchten die Fragezeichen-Boxen bei Mario Kart World (Test) so kräftig, dass ihr sie niemals verpassen könntet.
Voraussetzung dafür ist, dass euer TV HDR versteht (was bei manchen Fernsehern auch erst in den Menüs für die HDMI-Anschlüsse aktiviert werden muss). Wie kräftig das HDR bei eurem Fernseher ausfällt, hängt zudem vom Modell und von der Technik des Fernsehers ab, daher solltet ihr die HDR-Ausgabe kalibrieren, ähnlich wie es bei PS5 und Xbox-Series-Konsolen der Fall ist. Die Kalibrierungsfunktion findet ihr weit unten im Einstellungen-Menü der Switch 2.
Typisch Nintendo: Die HDR-Kalibrierung fällt benutzerfreundlicher aus als bei Sony und Microsoft. Um nicht zu sagen simpler. Sie ist dafür aber auch nicht so präzise, denn einstellen dürft ihr lediglich die maximale Helligkeit der Spitzlichter in einem Zehn-Prozent-Fenster der gesamten Darstellungsfläche. Dazu müsst ihr einfach nur die Helligkeit zweier Sonnen-Symbole aneinander angleichen. Der volle Bereich eures Bildschirms wird derweil genauso ignoriert wie auch der Schwarzwert.
Nintendo kalibriert somit nur die helle Hälfte des HDR-Spektrums, so als ginge es um eine Übertragung im HLG-Format (das Format, das Fernsehsender wie etwa Sky oder BBC zum Übertragen von HDR verwenden). Wirklich problematisch ist diese Lösung nicht, nur eben etwas nachlässig, denn dadurch erreicht die Switch 2 nie den maximalen Kontrast, den euer Fernseher unterstützt. Vor allem Besitzer eines OLED-Fernsehers schauen in die Röhre, weil sie die Konsole nicht dazu bringen können, das tintenartige Tiefschwarz eines OLEDs auszureizen.
Wunderwaffe DLSS
Switch 2 verfügt über einen von Nvidia gefertigten, speziell für Nintendo entworfenen Grafikchip, der mitsamt des Hauptprozessors als SOC (System on a Chip) auf einer recht kleinen Platine verbaut wurde. Umringt von 12 Gigabyte RAM und dem Akku liegt das meiste der Hardware auf der rechten Seite der Konsole. 3 GB des Hauptspeichers sind für das System, laufende Spielaufzeichnungen und die Menüs reserviert. Für Spiele bleiben somit 9 Gigabyte, was für echtes 4K ziemlich wenig wäre.
Mit ihren 3,1 Teraflops ist die Konsole aber rechnerisch auch nur etwa doppelt so stark wie eine Playstation 4. In der Praxis dürfte das Leistungsdelta sogar ein wenig geringer ausfallen. Somit sind echte 4K in der Regel sowieso ein unrealistisches Ziel. Und doch ist 4K-Darstellung möglich.
Nintendo wäre nicht Nintendo, wenn sie solche Angelegenheiten dem Zufall überlassen würden. Mit Nvidia als Partner – und Hersteller der verbauten Grafikeinheit – kann Switch 2 als einzige Spielkonsole auf dem Markt auf die leistungsstärkste verfügbare Skalierungsroutine zurückgreifen, nämlich DLSS. Diese Technik ist erstaunlich, denn sie kann mithilfe von KI niedrig aufgelöste Grafik aussehen lassen wie hochaufgelöste.
Auf dem PC ist diese Technik inzwischen so ausgereift, dass Grafik, die von 1440p auf 4K hochskaliert wird, unter bestimmten Umständen sogar besser und stabiler aussehen kann als ein echtes 4K-Bild. Je besser aufgelöst das Qeellenbild ist, desto besser das Endergebnis.
Frei von Schwächen ist diese Technik nicht. Es können dabei sogar kleine Grafikfehler entstehen, etwa schmierende Ränder oder flimmernde Verpixelungen. Aber sie halten sich so weit in Grenzen, dass man oft damit leben kann.
Die Schmerzgrenze wird auf Switch 2 noch etwas tiefer gelegt. Nintendos Hybridkonsole kann nur eine abgespeckte Variante von DLSS anwenden, denn „normales DLSS“ ist ein aufwändiger Prozess. Eine einfache Rechnung: Wenn 60 Bilder pro Sekunde über den Screen flimmern sollen, dann bleiben der Maschine pro Bild 16,7 Millisekunden Berechnungszeit. Vollwertiges DLSS verbraucht bei einer Hardware aus dem Leistungsbereich der Switch 2 geschätzt etwa 7 bis 8 Millisekunden – also die Hälfte der Zeit, die für die Berechnung jedes einzelnen Bildes zur Verfügung steht. Das ist in der Praxis viel zu viel. Das DLSS, das die Switch verwendet, beschränkt sich somit auf das Nötigste, um diese Rechenzeit zu verkürzen - und generiert somit mehr schmierende Ränder und flimmernde Pixel.
Trotzdem ist der Zugewinn beachtlich. Nur mithilfe von DLSS kann Switch 2 ein Grafikwunder wie Cyberpunk 2077 auf die Mattscheibe zaubern. Bedenkt dabei: Es wird in der Regel nur in 1080p dargestellt. Heißt also intern ist es erheblich niedriger aufgelöst (wahrscheinlich 720p oder sogar niedriger). DLSS rechnet die Grafik hoch, sodass ihr möglichst wenig davon bemerkt.
Auch Hogwarts Legacy vertraut auf Nvidias Skalierung. Aber sie ist keine Allzweckwaffe und wird wahrscheinlich nur bei extrem fordernden Spielen Verwendung finden. Und vermutlich oft bei Spielen, die sich von vornherein nur bei 30 Bildern pro Sekunde einpendeln. Das verlängert die Rechenzeit je Bild nämlich auf 33,4 Millisekunden, was das zeitliche Opfer für DLSS nicht so schwer wiegen lässt.
Am 5. Juni erscheint die Switch 2. Und hat einiges an Spiele-Futter im Gepäck.

Kommentarezum Artikel