Test - Steel Seed : Test: Feinster Eurojank auf ganz leisen Cyberpunk-Sohlen
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Interessant fällt der Genre-Sprung ja schon aus, den Storm in a Teacup mit dem neuen Spiel vollführt. Denn während das römische Studio mit Close to the Sun zuletzt einen Walking-Simulator mit Horror-Elementen ablieferte, handelt es sich bei Steel Seed um ein waschechtes Action-Adventure, das seinen Fokus auf Stealth legt. Die Ambitionen für das Projekt waren offensichtlich sehr groß, herausgekommen ist aber der Inbegriff von Eurojank – das kann man jetzt lieben oder hassen.
Dieser Begriff entwickelte sich über die Jahre für verbuggte, unfertige oder einfach schlechte Spiele, die aber eigentlich auf geilen Ideen basieren: Eurojank. Die wohl populärsten Titel dieser Zunft sind Sacred, Gothic, ja sogar das erste S.T.A.L.K.E.R. zählt dazu – oftmals nehmen die Fans die Dinge in ihre eigenen Hände und machen mit Community-Patches die Vision der Entwicklerinnen und Entwickler wahr. Bei Steel Seed passiert das aber vermutlich weniger.
Klischee 20.77
Auf den ersten Blick mag das dystopische Szenario mit Cyberpunk-Anleihen überzeugen. Die Geschichte rund um die Gier der Menschen und ihr damit verbundener Untergang weckt Interesse. Dazu kommt der mysteriöse Doktor Archer, der durch ein Sicherheitsprotokoll die Spezies Homo sapiens angeblich zurückbringen kann, und spätestens eure Hintergrundgeschichte macht den Story-Sack zu: Ihr kontrolliert Zoe, eine Art Cyborg, deren Persönlichkeit auf Archers Tochter basiert.
Natürlich spielen auch Themen wie Künstliche Intelligenz eine Rolle, doch bei all den spannenden Elementen schafft es Steel Seed dennoch nicht zu fesseln. Dazu verläuft sich die Geschichte zu schnell im Sand, geht zu langsam voran und ellenlange Textdokumente sorgen eher für Gähnen als tatsächliche Begeisterung.
Natürlich steckte Archer das Bewusstsein seiner Tochter nicht aus purer Gaudi in Zoes Körper, vielmehr sollt ihr Datensätze finden, um die Rückkehr der Menschheit vorzubereiten. Dafür bewegt ihr euch durch interessant gestaltete Gebiete, die irgendwo zwischen futuristischen Städten, modernen Metropolen und wüsten Wüsten angesiedelt sind. Stets an eurer Seite befindet sich Koby, eine kleine Drohne, deren Inspiration ganz klar aus einer gewissen Puzzle-Reihe von Valve stammt.
Allerdings greift euch Koby deutlich mehr unter die Arme als Wheatley. Im Spielverlauf lernt ihr beständig neue Skills und diese basieren oftmals auf Funktionen eures Robokumpels. Ihr braucht eine Näherungsmine, um patrouillierende Feinde zu sprengen? Koby! Es fehlt an einem Glitch-Feld, in dem ihr unsichtbar werdet? Koby! Ohne markierte Feinde in der Umgebungen könnt ihr nicht leben? Koby! Entweder lasst ihr ihn die Skills passiv einsetzen oder ihr übernehmt sogar die direkte Kontrolle über ihn, aber Vorsicht: Entdecken euch die Feinde, schießen sie ihn ab und es braucht Zeit, bis er wieder einsatzfähig ist.
Heimlich, still und doch entdeckt
Einen Großteil der Spielzeit in Steel Seed verbringt ihr auf leisen Sohlen. Immer wieder gilt es, sich durch Abschnitte zu schleichen, die gespickt mit Gegner sind. Deren Designs animieren abermals zum Gähnen, schließlich handelt es sich um humanoide Roboter aus dem Klischee-Baukasten, bei deren Bau ihre Künstliche Intelligenz wohl noch in der Pre-Alpha war. Die Kollegen stampfen stur ihre designierte Route entlang und verlieren selbst bei mehreren Sekunden Sichtkontakt schnell wieder das Interesse an euch.
Im krassen Gegenzug dazu steht ihr plötzlicher Röntgenblick. Mehr als einmal entdeckten sie mich, obwohl ich mich in einem quasi nicht einsehbaren maximal hüfthohen Tunnel befand. Diese Inkonsistenz sorgt für einigen Frust bei einem so Stealth-lastigen Spiel, denn dann müsst ihr euch den Blechkameraden direkt stellen. Und auch das Kampfsystem von Steel Seed fällt alles andere als prickelnd aus.
Letztlich eifert Storm in a Teacup hier dem duellbasierten Souls-like-Prinzip nach. Mit einem Energieschwert kloppt ihr auf anvisierte Feinde ein, es gibt leichte und schwere Angriffe, wie Atreus in God of War unterstützt euch Koby durch Projektile, die Gegner potenziell paralysieren. Seltsame Hitboxen und unsaubere Ausweichfenster machen die Kämpfe in Kombination mit dem schwammigen Trefferfeedback aber mehr zu Krämpfen.
Immerhin das Klettersystem mit seinen Uncharted-Anleihen bietet einige nette Elemente. Ihr springt an klar gekennzeichnete Kanten heran, erklimmt teils riesige Metallkonstrukte und schlüpft auch öfters mal in die Hülle von Koby, um Schalter zu aktivieren und neue Pfade zu öffnen. Nathan Drakes epische Qualitäten erreicht Steel Seed nie, aber sich an einer Wand entlangzuhangeln, während im Hintergrund eine riesige Robo-Schlange aus einem Felsen ragt, hat schon etwas. Dazu gesellen sich regelmäßig flotte Verfolgungsjagden, bei denen ihr per Doppelsprung über Abgründe hüpft oder an Wänden entlanglauft. Alles etwas unpräzise, aber dennoch ganz nett.
Greift zu, wenn...… ihr einen besonders weichen Punkt für Eurojank in eurem Herzen habt und Fehler verzeihen könnt.
Spart es euch, wenn...… euch auf Hochglanz polierte Spiele mehr liegen und ihr bei Gegnern mit Röntgenblick rot seht.


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