Länderauswahl:
Du wurdest von unserer Mobile-Seite hierher weitergeleitet.

Preview - Stygian: Outer Gods : Preview: Dieses Spiel treibt mich in den Wahnsinn! Geil!

  • PC
  • PS5
Von  |  | Kommentieren

Lovecraft-Enthusiasten dürften bei dem Namen “Stygian” sofort hellhörig werden. Der erste Teil Stygian: Reign of the Old Ones erschien 2019 und gilt als Geheimtipp unter Horror-Fans. Das Point-and-Click-Adventure mit Rollenspiel-Elementen und einem rundenbasierten Kampfsystem stellt wohl eine der originalgetreusten Adaptionen von Lovecrafts Werken dar und überzeugt durch hervorragendes Writing und seine Komplexität.

Leider war der Vorgänger aber auch so schwer, träge und limitiert durch sein niedriges Budget, dass es nie über den Status als Geheimtipp hinausgekommen ist. Gut also, dass Stygian: Outer Gods praktisch nichts mehr mit dem ersten Teil gemein hat - vom niedrigen Budget mal abgesehen.

Stattdessen ist Stygian: Outer Gods ein klassisches Horror-Action-Adventure mit Anleihen aus Rollenspielen und First-Person-Shootern. Als Vorteil ist zudem keinerlei Vorwissen notwendig, um die Geschichte genießen zu können. Kenner kommen trotzdem auf ihre Kosten, da die Ereignisse aus Outer Gods einige Geschehnisse aus Reign of the Old Ones in ein neues Licht rücken.

Nicht dabei ist allerdings die zweite Häfte des Spiels. Stygian: Outer Gods befindet sich momentan in der Early-Access-Phase, was für ein lineares Singleplayer-Game mit Fokus auf Story ziemlich ungewöhnlich ausfällt. Die ersten 7-8 Stunden lassen sich aber bereits spielen und warten sogar mit einem ziemlich coolen (vorläufigen) Ende auf. Reicht also allemal, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen.

Ein kleiner Gefallen für fallende, befallene Gefallene

Ex-Soldat Jack kämpft schon seit vielen Jahren mit heftigen Alpträumen, in denen er fremde Welten bereist und von übernatürlichen bzw. außerirdischen (bei Lovecraft praktisch austauschbare Begriffe) Wesen gequält wird. Seit Kurzem manifestieren sich diese Träume allerdings auch, wenn Jack wach ist, und bescheren ihm grausame Visionen voller Blut und Schrecken.

Fast genauso belastend wirkt allerdings, dass eine ehemalige gute Freundin ihren Besuch anmeldet, die Jack seit Jahren nicht gesehen hat. Es scheint so, als wäre die Freundschaft damals nicht ganz konfliktfrei zu Ende gegangen. Freudiges Wiedersehen liegt jedoch nur am Rande von Victorias Interesse.



Die plant nämlich einen Ausflug in das Fischerdorf Kingsport, denn dort scheinen ungewöhnliche Dinge vorzugehen, die sie als Expertin für das Paranormale gerne untersuchen würde. Da sie allerdings niemanden gefunden hat, der verrückt genug wäre, mit ihr nach Kingsport zu gehen, und Jack ihr noch etwas schuldig ist, soll der jetzt als Begleitung (und wenn wir ehrlich sind auch als lebendiger Schutzschild) mitkommen.

Doch abgesehen davon bewegt Jack auch noch eine persönliche Motivation, sich dem Schatten über Kingsport zu stellen. Angeblich soll sein Vater dort gesichtet worden sein, was ob seines kürzlichen Ablebens eigentlich unmöglich scheint. Und so spült uns das Meer nur einen kleinen Schiffbruch (was auch sonst?) später am Hafen von Kingsport an. Aber wo ist Victoria abgeblieben? Und warum liegen hier so viele Leichen herum?

VK: 2973 Holzplanken (wie neu) - Preis: VHB

Kneift man die Augen beim Spielen ganz fest zusammen, dann könnte man fast meinen, man hätte aus Versehen Resident Evil: Village eingelegt. Nicht nur grafisch erinnert Stygian an den großen Bruder im (Horror-)Geiste, sondern auch, was den Aufbau des Spiels anbelangt. Zwar sammelt ihr (bisher) keine Kinderteile in Einmachgläsern, aber zentraler Punkt, zu dem ihr immer wieder zurückkehrt, ist ein geheimnisvolles, verschneites Hinterwäldler-Dorf, in dem alle Bewohner wahnsinnig oder tot sind und euch ans Leder wollen. Nur halt (bisher) ohne Werwölfe.

Des Weiteren stand wohl The Sinking City Pate für das Look-and-Feel von Stygian. In beiden Titeln durchkämmt ein einzelner Militärveteran eine Stadt, deren Bewohnern das Wasser (wortwörtlich) bis zum Hals steht. Dabei wird er von schrecklichen Visionen geplagt und deckt nach und nach finstere Geheimnisse auf. Außerdem ist da noch was mit alten Göttern und Wahnsinn und so, weil es halt immer noch Lovecraft-Spiele sind. (Mehr dazu in unserem Special zum Thema “Lovecraft in Videospielen”)



Zwischen euch und den Antworten auf eure Fragen stehen eine ganze Menge zäher Gegner, Rätsel, Schleicheinlagen, Hüpf-Passagen und mehr Meer-Wasser, als ihr trinken könnt (und vor allem solltet). Für optionale Rätsel gibt es zusätzliche Crafting-Ressourcen oder neue Waffen. Hier scheint es allerdings noch ein wenig am Balancing zu mangeln. Natürlich hab ich mich fleißig jeder Bonus-Aufgabe gewidmet, konnte so schnell aber gar nicht alles wegbasteln.

Auf dem Weg zum Finale klemmte nicht nur eine massive Schrotflinte unter meinem Arm, im Rucksack klapperte auch mehr Munition, als ich trinken bzw. verschießen konnte. Meine Lagerkiste war aber immer noch bis zum Rand voll mit allerhand Kleinkram und auf dem Boden davor lagen unzählige Zahnräder, Flaschen, Stofffetzen, Edelsteine und Holzplanken. Was soll ich denn mit 15 handgefertigten Dietrichen anfangen?

Eine goldene Karte, aber keine Schokoladenfabrik

“Schlösser knacken” wäre natürlich eine naheliegende Antwort, wo doch die Dietriche bei einem Fehlversuch sogar kaputtgehen können. Aber “leider” war ich einfach zu gut im schlüssellosen Überwinden von Türen. Da hatte ich doch extra reingeskillt! Das Fähigkeitssystem ist erstmal überschaubar. Zu Beginn legt ihr fest, in welcher der drei Fähigkeiten Schlösser knacken, Konversation und Okkultes ihr besonders talentiert sein wollt und wo eure Schwächen liegen. Das eröffnet euch unterwegs neue Gesprächsoptionen, Interaktionen oder Truhen, die wiederum mehr Materialien enthalten.

Richtig spannend wird es aber erst, wenn die Karten ins Spiel kommen (genau wie beim Poker). Über goldene und silberne Tarotkarten schaltet ihr nämlich besonders mächtige Eigenschaften frei. Davon bekommt ihr eine goldene direkt am Anfang geschenkt, alle anderen müsst ihr entweder finden oder durch Nebenaufgaben verdienen. Die silbernen Karten bieten meist kleinere Boni, wie einen höheren Wert bei den Fähigkeiten oder mehr Resistenzen gegen Feuer, Eis und physischen Schaden.



Die goldenen Karten ändern das Spiel jedoch teilweise grundlegend. Da wäre zum Beispiel die Gabe, mit Toten zu sprechen. Davon gibt es ja eine ganze Menge und viele von ihnen suchen auch dringend jemanden, dem sie ein Ohr abkauen können. Einige brauchen sogar eure Hilfe, um endlich Frieden zu finden. Das eröffnet eine komplett neue Welt an Zusatzquests. Nur leider bieten die keine direkten Belohnungen, sondern scheinen (laut Benachrichtigung) eine unbekannte Entität zufriedenzustellen, die wohl unsere moralischen Entscheidungen bewertet.

Wer das ist oder welche Auswirkungen eure Entscheidungen nehmen, wird in der Story bisher allerdings noch nicht klar. Aber schenkt ihr einer Seele die ewige Ruhe, habt ihr immerhin das wohlig warme Gefühl, etwas Gutes getan zu haben. Andere goldene Karten machen eure Schritte im Gehen komplett geräuschlos, schalten die Nutzung von mächtigen Artefakten frei oder lassen euch schwerere Gegenstände heben. Letzteres ist tatsächlich extrem nützlich und bringt meist noch mehr Materialien. Aber wer will schon schwere Fässer schleppen, wenn er stattdessen gepflegt Konversation mit den Verstorbenen führen kann?

Once more with (hard) feeling(s)!

Bedauerlicherweise scheinen die wenigsten Leichen in der Schule aufgepasst zu haben und verfügen somit über keinerlei Fremdsprachenkenntnisse. Zumindest würde das erklären, warum es zur Zeit Stygian ausschließlich mit englischer Sprachausgabe und Untertiteln gibt. Hier gelobten die Entwickler allerdings bereits Besserung und wollen spätestens zum Release alle NPCs nachschulen und entsprechende Untertitel verfassen. Ob des teilweise doch etwas altbackenen Wortschatzes der Charaktere dürfte das äußerst hilfreich sein.

Eine deutliche Sprache sprechen (im Gegensatz zu den NPCs) die Kommentare auf Steam. Hier wird von technischen Problemen berichtet, die das Game vollkommen unspielbar erklären. Bugs, Crashes und massive Ruckler scheinen an der Tagesordnung zu sein. Ich hatte allerdings während meiner ca. 8 Stunden Spielzeit nicht einen einzigen Aussetzer oder Fehler. Und das trotz QHD und allen Grafik-Einstellungen auf Anschlag. Anscheinend hatte ich wohl eine Glückssträhne.



Für Aussetzer hat bei mir persönlich nur das Checkpoint-System gesorgt. Es gibt nämlich keine. Speichern ist ausschließlich manuell an einigen wenigen Punkten gestattet und die liegen oft extrem weit auseinander. Da der Schwierigkeitsgrad der Kämpfe dazu oft noch irgendwo zwischen “Nur mit Glück machbar” und “Vergiss es einfach!” liegt, kommt es nicht selten vor, dass euch ein Gegner mit Anlauf aus den Latschen haut und ihr dadurch den Fortschritt der letzten Stunde verliert.

An besonders schwierigen Stellen passiert das auch gerne mehrere Male hintereinander. Dadurch war ich mir irgendwann nicht mehr sicher, ob ich bestimmte Dinge in diesem Anlauf schon eingesammelt habe oder ob das in einem der letzten fünf Versuche war, in denen ich hier vorbeigekommen bin.

Ich glaube sogar, dass diese Spaßbremse auch schon den Entwicklern aufgefallen ist. Der einzige Speicherpunkt im Spiel, der sich nicht in einem Safe Room mit Lagerkiste befindet, liegt mitten in der Wildnis direkt vor der dümmsten und unfairsten Stelle im gesamten Game, die ihr definitiv mehrmals spielen werdet. Das kann ja wohl kein Zufall sein.

Vielleicht ist dieses fragwürdige Speicherpunkt-Design aber auch gewollt und ein genialer Schachzug der Entwickler, ihre Spieler ganz im Sinne der alten Götter langsam in den Wahnsinn zu treiben. In dem Fall: Chapeau!

Fazit

Sebastian Ruppert - Portraitvon Sebastian Ruppert
Outer Gods ist der Horror - im guten wie im schlechten Sinne!

Hatte ich beim Spielen von Outer Gods Spaß? Ja und nein! Die Story macht neugierig auf mehr, die Charakter sind zumindest mal nicht langweilig und das Design von Kingsport und Umgebung kann sich echt sehen lassen. Aber die erbarmungslosen Speicherpunkte in Kombination mit den extrem schweren Kämpfen (auf normalem Schwierigkeitsgrad) haben mir die Horror-Suppe ganz schön versalzen.

Natürlich setzen auch viele Genre-Klassiker wie das bereits erwähnte Resident Evil oder Silent Hill auf ein solches System, hier sind aber das Leveldesign und die Kämpfe entsprechend angepasst und verhindern den Frust, zigmal dieselbe Stelle durchlaufen zu müssen, ohne Fortschritte zu erzielen.

Das Fähigkeitssystem wirkt dafür erfrischend unbarmherzig. Wer versucht, alles gleichzeitig zu können, bringt keinen Skill hoch genug, um wirklich etwas damit anfangen zu können. Versteift ihr euch aber auf einen Wert, verpasst ihr jede Menge Geheimnisse. Das dürfte stark zum Wiederspielwert beitragen.

>>Wir haben gehört, dass ihr Spiele mögt! Also haben wir mehr Spiele in eure Spiele gepackt! - Die Top 10 Spiele in Spielen<<

Zum jetzigen Zeitpunkt bietet Stygian: Outer Gods immerhin schon 7-8 Stunden (je nachdem, wie oft ihr bestimmte Abschnitte erneut spielen müsst) einer vielversprechenden Geschichte mit Lovecraft-Geschmack. Dennoch würde ich nur wirklichen Lovecraft-Enthusiasten empfehlen, sich bereits zum jetzigen Zeitpunkt furchtlos nach Kingsport zu begeben. Alle anderen sollten sich das Spiel allerdings definitiv mal wishlisten, im Auge behalten und dann holen, wenn das Game nach der Early-Access-Phase auch fertig ist.

Kommentarezum Artikel

Stygian: Outer Gods
Gamesplanet.comStygian: Outer Gods22,49€ (-10%)PC / Steam KeyJetzt kaufen