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Test - The Crew Motorfest : Test: Besser gut geklont als schlecht selbst erfunden

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Bei einer derart großen Marktlücke musste es so kommen. Irgendjemand würde PlayStation-Fans ein Forza-Horizon-Gegenstück kredenzen, und wenn Fans des Originals mehr vom selben Futter kriegen, meckert sicher auch keiner. Ubisoft traute sich als erster an den Stoff und klonte nun Playgrounds Xbox-exklusiven Megaseller bis auf seine DNA herunter. Für Fans des Genres kann das nur gut sein, denn Konkurrenz belebt das Geschäft. Bleibt nur die Frage, ob The Crew Motorfest seine hochgesteckten Ziele erreicht.

Es ist gespenstig, wie sehr The Crew Motorfest dem großen Vorbild Forza Horizon 5 ähnelt. Es ist ja nicht nur das Spielsystem als solches, das eins zu eins übernommen wurde. Ein Festival samt PS-starkem drumherum, bei dem man als Rennfahrer in einer offen befahrbaren Welt von einem Event zum nächsten hetzt? Warum sollte dieses einladende Setting nur einem einzigen Rennspiel vorbehalten bleiben?

Was ist falsch daran, das Konzept eines Rennspiels zu übernehmen, das in gewisser Weise alles abdeckt, was man mit einem Auto anstellen kann? Schaut man genau hin, verwirklicht The Crew: Motorfest sogar weit weniger als möglich wäre, weil es beim freien Erkunden weder Drift- noch Stunt-Aufgaben stellt oder das Befahren sämtlicher Straßen verlangt.

Wenn aber etliche Komponenten - angefangen beim Kamerawinkel über die Stimme des Navigationscomputers CARA, die Präsentation des Fuhrparks, die Titelanimation bei Spielstart, ja selbst die Einblendungen für halsbrecherische Fahrmanöver auf dem offenen Straßennetz - so angelegt wurden, dass man das Spiel glatt als inoffizielle Fortsetzung verkaufen könnte, quasi als Forza Horizon 6, dann wird es doch verdächtig.

Forza Horizon 6?

Sicherlich gibt es auch ein paar eigene Geschmacksnoten in diesem Königsplagiat. Etwa eine ganze Abteilung japanisch orientierter Driftrennen, deren Neon-Stil heftig an Need for Speed Underground erinnert. Nitro-Einspritzung inklusive. Oder Motorräder als alternative Fahrzeuge, ganz zu schweigen von ein paar vereinzelten Boot- und Flugzeug-Veranstaltungen. Aber spätestens, wenn man in gleicher Selbstverständlichkeit durch Radarfallen spurtet und dabei „zufällig“ den Musiktrack Trouble‘s Coming von Royal Blood hört, der auch in Forza Horizon 5 verwendet wurde, hält man inne und fragt sich, wie viel von The Crew: Motorfest Hommage an ein verdammt gutes Spiel ist und wie viel eiskalt kalkuliertes Abkupfern.

Das ist eine akademische Frage. Wen juckt es, solange The Crew Motorfest Spaß bereitet? Und damit wir das bei allen Plagiarismus-Vorwürfen gleich mal aus der Welt schaffen: Ja, Ubisofts Version von Forza Horizon ist verdammt spaßig. Also, was soll’s? Die letzten Absätze sollen schließlich keiner Anklage dienen. Sie sollen nur verdeutlichen, wie nahtlos die Designer versucht haben, an das Original anzuschließen. Der ein oder andere Rennspiel-Fan könnte das als Service verstehen. Allem voran PlayStation-Gamer.

Noch dazu wäre es unfair, Dinge unter den Teppich zu kehren, die The Crew besser macht als sein Vorbild. Es sind nicht viele Faktoren, aber sie existieren und sie reihen sich nahtlos in eine Palette von klaren Fortschritten gegenüber The Crew 2 ein.

Hawaii, so wunderschön

Die Spielwelt wäre so ein Faktor. Hawaiis Oahu-Insel wurde so dicht und lebhaft nachgestellt, dass nicht nur die virtuelle Umgebung von The Crew 2 verblasst. Keine Spur mehr vom generischen Einerlei der auf Miniaturverhältnisse kondensierten Vereinigten Staaten von Amerika. Auch die Designer von Playground Games dürfen sich angesichts der dichten Vegetation, des wunderbar dunklen Nachthimmels und der geringen ungenutzten Spielfläche gerne Notizen machen.

Es mag alles farblich überdrehter sein, ja bei Betrachtung von viel zu farbstarken Bengalo-Rauchwolken, der auffällig türkisen Wasserfärbung und den arg übersättigten Sonnenuntergängen fast schon grell wirken, aber das Design hat auch mehr Seele als das des realistischeren virtuellen Mexiko. In bester Arcade-Tradition trägt The Crew immer ein wenig dicker auf als nötig, egal ob beim moosigen Grün des tropischen Waldes oder bei der etwas zu gemalt wirkenden Strandidylle.

Mögen sich die Gelehrten im griechisch-römischen Wrestling die Zähne aus dem Kiefer bohren, bis geklärt ist, welcher Stil künstlerisch der bessere ist. Im Moment hat The Crew subjektiv die Nase vorn, weil einerseits mehr Abwechslung geboten wird, und andererseits schlicht mehr von allem zu sehen ist. Randdetails über Randdetails an denen an sich kaum sattsehen kann, schöne griffige Texturen, fantastische Fauna und nette (wenn auch menschenleere) Städte.

Technisch haut das Urteil allerdings nicht hin, denn The Crews Grafikengine hält mit Mühe und Not sämtliche Elemente beisammen. Einige Detailobjekte leiden unter sichtbaren Pop-ins und tauchen gefühlt zehn Meter vor der Kamera auf. Andere Grafikelemente - beispielsweise die Schatten-Maps gewisser Areale - flackern oder können sich nicht entscheiden, ob sie vorhanden sein sollen oder nicht. Dabei spielt es keine Rolle, welcher der beiden wählbaren Grafikmodi (auf den neuen Konsolen) zum Einsatz kommt. Schade auch, dass gewisse Umgebungsanteile bei Nacht nicht verdunkelt werden. Straßen leuchten permanent, als ob sie auf LEDs gebettet wären. Man nimmt es ihnen nicht ab, dass sie von Straßenlaternen erhellt werden, weil die Beleuchtung zu gleichmäßig ist.

Das Endergebnis sieht nur halb so schlimm aus, wie es in einer Beschreibung klingt. So manches aufpoppende Detail bemerkt man beim Cruisen gar nicht erst, weil es in der schieren Masse an Randobjekten untergeht. Gravierend ist viel eher, dass der auf 60 FPS zielende Performance-Modus sein Ziel nicht durchgehend erreicht. Hin und wieder schleicht sich ein Grafik-Schluckauf ein, der zwar kurz bleibt, aber nicht ignoriert werden kann. Zumindest auf unserem Test-System, der PlayStation 5, waren die kurzen Bildrateneinbrüche auffällig genug.

Geschmacksnoten

Sei’s drum. Die Aussage, The Crew: Motorfest übertrumpfe sein Vorbild in einigen wenigen Aspekten, steht felsenfest. Und sei es nur aufgrund des flinken Wechsels zwischen Auto, Motorboot und Flugzeug zum Zweck, die nächste Rennveranstaltung ohne lange Umwege zu erreichen.

Über andere Dinge ließe sich streiten. Es bleibt Geschmackssache, ob man das ultra-arcadige Fahrgefühl von The Crew vorzieht oder zumindest den kleinen Touch Realismus von Forza Horizon unter den virtuellen Rädern spüren möchte. Selbes gilt für den Schwierigkeitsgrad: Lieber Ubisofts „leicht mit viel Grind“ oder Playgrounds „mittelschwer mit viel Variation“? Das müsst ihr entscheiden.

Schwer zu leugnen ist dagegen, dass The Crew: Motorfest in gewissen Kriterien arg danebenhaut. Persönlich würden wir gerne den Soundtrack an erster Stelle nennen, weil er sich vor lauter Mittelmäßigkeit selbst in den Schlaf düdelt. Wenige Ausnahmen bestätigen die Regel. Rein objektiv sollten wir jedoch beim Thema Schwierigkeitsgrad anknüpfen. Er ist einerseits recht niedrig, andererseits unausgeglichen, denn in höheren Stufen verschaffen sich CPU-Fahrer ihren fahrerischen Vorteil einzig und allein durch eine unverhältnismäßig hohe Menge an Nitro-Boost. Geschätzte 20 bis 25 Prozent mehr können gegnerische Fahrer einsetzen, wenn ihr den Schwierigkeitsgrad ganz nach oben dreht.

Ein Vorteil, den ihr nur durch Windschattenfahrten ausgleichen könnt. Und durch Tuning-Upgrades, die ihr in jeder der Playlist genannten Rennserien gewinnt. Ein Trostpflaster angesichts des Grinds, der euch für den Erwerb neuer Autos bevorsteht. Die Ingame-Progression samt Anhäufung von Währung geht nämlich schleppend langsam vonstatten, muss aber zugleich durchgezogen werden, um gewisse Playlists überhaupt erst starten zu können. Siehe etwa Luft- und Bootsrennen. Ohne Moos kein Boot, ohne Boot kein Rennen.

Grind oder Echtgeld?

Wäre angesichts der hohen Anzahl frei erschließbarer Veranstaltungen kein Beinbruch, wenn nicht ständig Mikrotransaktionen beworben werden würden. Mit Preisen, die sich gewaschen haben. Umgerechnet etwa 9 Euro für einen Lamborghini Huracan? Acht Euro für ein Pack mit Toyotas, die in jedem anderen Rennspiel Standard-Flitzer sind? Mein lieber Herr Gesangsverein! Will man stattdessen Ingame-Währung einsetzen, muss man für den genannten Lamborghini etwa dreieinhalb Stunden auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad Rennen fahren und stets als Erster ins Ziel kommen. Und darin sind die zeitraubenden Open-World-Ausflüge mit der Anfahrt an die Startpunkte noch nicht mit eingerechnet.

The Crew: Motorfest - Neuer Gameplay-Trailer zum Launch

Bei der Opening Night Live der gamescom 2023 gab es nochmals einen Gameplay-Trailer zum Open-World-Racer The Crew: Motorfest.

Habt ihr genug Kleingeld oder Freizeit? Nun, selbst dann werdet ihr euch ärgern, weil der virtuelle Wert der Wagen sich nicht im Spiel widerspiegelt. Für die meisten Veranstaltungen bekommt man einen passenden Wagen als Leihgabe gestellt. Manchmal wechselt man sogar mitten im Rennen das Modell. Was übrigens im Multiplayer-Modus einige spannende Veranstaltungen hervorbringt – vor allem wenn man an Checkpoints zwischen Autos, Booten und Flugzeugen umschaltet. Hätte was von einem Dreikampf, wenn die Flugzeug-Abschnitte nicht so verdammt träge wären. Dennoch bleibt die Frage: Wozu all der Aufwand abseits einiger künstlicher Barrieren, die angesichts der vielen offenen Veranstaltungen an virtuelle Wegelagerei erinnern?

Technisch steigerungsfähig

Vielleicht schraubt Ubisoft ja noch am Preismodell. Es wäre ebenso empfehlenswert wie das Fixen technischer Ärgernisse, die das Spiel regelmäßig heimsuchen. Allem voran solche, die mit der Zwangs-Anbindung an die Server zu tun haben. Unzählige Male wurden wir beim Starten des Spiels mit Fehlermeldungen vertröstet, die entweder besagten, es sei kein Kontakt zum Server herstellbar, oder einen kompletten Programmabsturz zufolge hatten.

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Generell kämpft The Crew Motorfest mit seinem Netzcode. Verkehr verschwindet oder manifestiert sich aus dünner Luft. Andere Spieler (die in Geister-Fahrzeugen umherdüsen) verharren mitten in der Fahrt an einer Stelle, Mitspieler in Multiplayer-Rennen werden ohne ersichtlichen Grund aus der Veranstaltung gekickt. Hier hat Ubisoft noch eine Menge Arbeit zu verrichten.

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