Preview - Tides of Tomorrow : Dieses Postapokalypse-Spiel war mein Highlight der Gamescom
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„Ich bin total neugierig auf euer Spiel, denn nach den Trailern habe ich null verstanden, worum es darin geht“, begrüßte ich die Entwickler von Tides of Tomorrow bei meinem Termin auf der Gamescom. „Keine Sorge, das geht jedem so“, lachten sie, „aber wir werden versuchen, es dir zu erklären.“ Denn Tides of Tomorrow ist höchst ungewöhnlich, einzigartig, innovativ – und vielversprechend! Also lasst mich nun euch erklären, worum es geht.
Tides of Tomorrow ist das neue Spiel von DigixArt, den Machern von Road 96 (Test), und schon das war ein höchst einzigartiges narratives Spiel – entfernt verwandt mit Life is Strange, könnte man es grob beschreiben, aber mit ungewöhnlichen Spielmechaniken, die mit jedem Durchgang eine neue Geschichte schrieben.
Tides of Tomorrow beschreibt sich selbst im Trailer als „narratives, asynchrones Multiplayer-Adventure, das man mit und gegen andere Spieler und Influencer spielt“ und stiftet damit mehr Verwirrung als Klarheit. Also vergesst es am besten sofort wieder. Lasst euch stattdessen von mir Stück für Stück durch das Spiel mitnehmen, und ihr werdet feststellen: So kompliziert ist es gar nicht. Aber höchstwahrscheinlich schon der erste große Indie-Geheimtipp fürs Spielejahr 2026.
Story: Waterworld in bunt
Tides of Tomorrow spielt in einer postapokalyptischen Welt, die man vereinfacht als eine Mischung aus dem Kinofilm Waterworld und Borderlands beschreiben könnte – aber in bunt und schrill. Der Plastikmüll hat die Weltmeere zum Kollaps gebracht. Die letzten überlebenden Menschen haben sich wie im Kevin-Costner-Flop aus Schrott und Müll schwimmende Inseln in den Ozeanen gebaut. Die Menschen selbst mutieren aufgrund der Anreicherung von Mikroplastik in ihren Körpern nach und nach zu Kunststoffzombies. Ziel des Spiels ist es, ein Heilmittel dagegen zu finden.
Gameplay: Entscheidungen wie in Life is Strange
Und so reisen wir mit unserem Motorboot von Insel zu Insel, sprechen mit NPCs, wählen Dialogoptionen aus und treffen Entscheidungen. Also wie in allen Spielen der Marke Life is Strange und Konsorten. 10 bis 15 Stunden soll ein Durchgang laut Entwicklern dauern. So weit alles bekannt.
Doch jetzt wird es ungewöhnlich
Doch nun zur Besonderheit von Tides of Tomorrow, und jetzt wird es ziemlich abgefahren. Denn zu Beginn des Spiels wählt ihr einen Spieler aus, dem ihr „folgen“ wollt. Das kann ein random Player sein, der das Spiel schon durchgespielt hat, ein Freund aus eurer Freundesliste oder euer Lieblings-Youtuber. Diesen werdet ihr auf eurem Abenteuer nie begegnen – Tides of Tomorrow ist in dieser Hinsicht ein reines Singleplayer- und kein Multiplayer-Spiel. Aber eure Spielwelt wird nach den Vorgaben der Entscheidungen erstellt, die der andere Spieler in seinem Durchgang getroffen hat. Und gleichzeitig werdet ihr in eurem Durchgang die Entscheidungen fällen für andere Spieler, die euch eines Tages nachfolgen werden.
Was heißt das nun konkret? Im Kleinen zunächst einmal, dass euch etwa NPCs darauf ansprechen und sich bewusst sind, dass da schonmal ein Held vor euch des Weges kam. „Schon wieder so ein Weltenretter“, begrüßt er euch dann oder: „Normalerweise hätte ich jetzt einen Heiltrank für euch, aber der Abenteurer vor euch hat schon den letzten aus meinem Vorrat genommen, deswegen habe ich nun keinen mehr übrig.“ War der andere Spieler hingegen nett und zuvorkommend, hat er aber vielleicht den letzten Heiltrank nicht geplündert, sondern ihn für euch hinterlassen. Entsprechend stellt sich nun ebenfalls für euch die Wahl, wie ihr die Spielwelt für die Spieler hinterlassen wollt, die nach euch kommen, sie auf ihrer Reise unterstützt oder ihnen das Leben erschwert.
Zudem nehmt ihr das Wirken vorheriger Spieler überall in der Spielwelt als Schemen wahr, vergleichbar mit den geisterhaften Erscheinungen in Dark Souls, die für kurze Momente Einblick darin geben, was diesen widerfahren ist. Jene Visionen lassen euch in die Vergangenheit schauen, um den Augenblick zu erleben, in dem euer Vorgänger-Spieler eine wichtige Entscheidung getroffen hat – und euch so einen Hinweis erhaschen lassen, wie die Konsequenzen aussehen, wenn ihr euch ebenso entscheidet. Oder eben doch lieber anders.
Mit zunehmender Spielzeit nehmen die Entscheidungen aber auch immer mehr Einfluss auf die Story und damit auf die gesamte Spielwelt. Und das kann sogar so weit gehen, dass man zwei komplett unterschiedliche Erlebnisse erhält. Um dies zu veranschaulichen, spielten mir die Entwickler dieselbe Szene mit zwei unterschiedliche Spielständen vor: In dem einen hatte der vorherige Spieler hauptsächlich „gute“ Entscheidungen getroffen, in dem anderen die Welt durch sein Wirken in ein dystopisches Chaos gestürzt.
Obwohl wir uns am selben Ort und im selben Kapitel der Story befinden, könnten die Unterschiede kaum größer ausfallen. Fast hat man das Gefühl, zwei gänzlich andere Spiele zu erleben. Im einen Durchlauf wirkt die Welt hell und freundlich, die NPCs verhalten sich zuvorkommend und gut gelaunt, der Weg zum Basar ist frei und es herrscht geschäftiges Treiben. Auf dem anderen Spielstand ist alles düster, schmutzig, allerorts stehen bewaffnete Soldaten, die den Weg versperren, die Bewohner reagieren auf uns mit Argwohn oder bitten verzweifelt um Hilfe.
Jeder Spieldurchgang von Tides of Tomorrow dürfte derartig spürbar unterschiedlich ablaufen. Falls euch übrigens die Welt, die euch euer Vorgänger-Spieler hinterlassen hat, nicht gefällt, könnt ihr auf Wunsch jederzeit den Spieler wechseln und einem anderen folgen.
Wenn ihr jetzt neugierig geworden seid, müsst ihr euch noch ein wenig gedulden. Tides of Tomorrow erscheint nach jetzigem Stand erst am 24. Februar 2026 für PC, PS5 und Xbox Series X|S.



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