Test - Vanguard Exiles : Test: Vom neuen Spiel des Magic-The-Gathering-Erfinders solltet ihr besser die Finger lassen!
- PC
Mit Magic: The Gathering erfand Spieleentwickler Richard Garfield vor über 30 Jahren den Urvater aller Trading-Card-Games. Für gewöhnlich hält sich die Entwicklerlegende an analoge Brett- und Kartenspiele in der echten Welt. Mit Vanguard Exiles hat sich jetzt allerdings eines seiner seltenen Computerspiele in den Early Access begeben. Für mich als jahrelangen Magic-Spieler und Berufs-Gamer eigentlich ein absolutes Fest. Nur leider führte das zu einer der schlimmsten Gaming-Erfahrungen, die ich je hatte.
Vanguard Exiles ist ein Auto-Battler mit PvP-Fokus, der nach Entwicklerangaben in einer “Fantasy-Ära nach dem Ersten Weltkrieg im Dieselpunk-Stil” spielt. Klingt in der Tat originell und ist auch schick anzusehen, allerdings wollen sich die 2D-Comic-Figuren mit Pickelhauben und Gasmasken nicht so recht in die 3D-Umgebung einfügen.
Warum ich dafür die Entwickler zitiere? Ganz einfach: Das Spiel selbst weigert sich beharrlich, euch irgendetwas über sich zu erzählen. Das gilt sowohl für die Story, als auch die drei spielbaren Fraktionen. Wenn man mal von einem 3min YouTube-Video absieht, dann hat das Ding nicht mal ein Tutorial. Durchaus möglich, dass dieser Test eine der (wenn nicht die) ausführlichsten “Anleitungen” zu Vanguard Exiles darstellt, die existieren. Aber wenn schon, dann machen wir das auch richtig und fangen von vorne an.
Kommissar Zufall zieht in die Schlacht
Bevor ihr euch ins allererste Match stürzen könnt, benötigt ihr erstmal ein paar Einheiten. Direkten Einfluss könnt ihr darauf allerdings nicht nehmen. Ihr habt die Wahl zwischen einigen zufällig zusammengestellten Trupps mit ebenso zufälliger Namensverteilung, deren Sinnhaftigkeit auf einer Stufe mit der Benennung von Mini-Bossen in Diablo II steht. (Grüße gehen raus an “Baumkopf Holzfaust”!)
Jeder dieser Trupps besteht aus Angehörigen von zwei der drei Fraktionen. Mit dabei sind die kriegslustigen Zwerge in ihren dicken Rüstungen und mit noch dickeren Knüppeln, die Elfen, welche mit einer Mischung aus Magie und Wissenschaft experimentieren, und die Magier. Über letztere Gruppierung weiß man einfach mal gar nichts. Sie scheinen aber irgendwie mit dunkler Magie herumzupfuschen und beschwören gerne mal unnatürliche Kreaturen, wenn ihnen danach ist.
Auch später lässt sich die Zusammenstellung der Trupps nicht ändern und Einheiten nicht austauschen oder aufleveln. Habt ihr euch für einen entschieden, seid ihr erstmal darauf festgelegt. Einen zweiten, dritten und vierten Trupp für etwas Abwechslung müsst ihr euch erst verdienen.
Aber dann kann es auch schon losgehen. Es treten immer zwei Kommandanten gegeneinander an. Das Spielbrett besteht aus zahlreichen Hexagon-Feldern, von denen zu Beginn einige zu einnehmbaren Gebiete werden. Schafft ihr es, ein Feld mit euren Truppen zu besetzen und zwei Runden ungestört dort zu verbringen, gehört das Feld euch und seine Siegpunkte gehen auf euer Konto ein. Einige Felder verfügen außerdem über Spezialfähigkeiten, die euch mit Upgrades oder Münzen belohnen. Es wird so lange gespielt, bis einer insgesamt 80 Punkte angesammelt hat. Egal, wie viele Runden es dauert.
Beide Kontrahenten setzen gleichzeitig ihre vorhandenen Einheiten auf die Felder, sehen aber nicht, was der jeweils andere so geplant hat. Sind alle Platzierungen abgeschlossen, beginnt der Auto-Battle-Teil. Ab sofort entwickeln eure Figuren nämlich ein Eigenleben. Stehen sie alleine auf einem Feld, beginnen sie damit, es einzunehmen, und ziehen danach weiter. Falls sich feindliche Einheiten dort befinden, wird eben vorher noch um die Stellung gekämpft.
Sind alle Besitzverhältnisse geklärt, endet die Runde, die Siegpunkte werden verteilt und es geht an den Nachschub und die Verstärkung der eigenen Truppen. Während ihr die Einheiten für Runde 1 noch umsonst auf die Hand bekommt, müsst ihr im weiteren Verlauf ordentlich blechen.
Am Ende jeder Runde erlangt ihr eine Goldmünze, die ihr im Shop ausgeben dürft. Spart ihr euch die Kohle lieber für einen späteren Zeitpunkt, könnt ihr euch dann eben größere Einheiten leisten. Welche drei Einheiten euch angeboten werden, ist wieder zufällig. Einsatzphase, Kampf und der Shop wechseln sich so lange ab, bis eben der erste die 80 Punkte erreicht. War doch gar nicht so schwer.
Junger Mann zum Mitspielen gesucht!
Um ein wenig Abwechslung ins Spiel zu bekommen, wartet Vanguard Exiles gleich mit fünf verschiedenen “Spiel-Modi” auf. Die ändern zwar rein gar nichts am Spielablauf, aber bestimmen, wer gegen euch aufmarschiert.
Im Einzelspieler-Modus tretet ihr in steigenden Schwierigkeitsgraden gegen die KI an. Habt ihr eine Stufe geschafft, kommt die nächst schwierigere und so weiter. “Schwieriger” bedeutet in dem Fall aber nicht, dass die KI smartere Entscheidungen treffen würde, sondern einfach mehr Ressourcen zugesteckt bekommt. Kann man so machen, fühlt sich aber eher nach Schummeln an als nach einem stärkeren Gegner.
Habt ihr einen Freund, den ihr mit ins Verderben ziehen wollt, dann ist der Hot-Seat-Modus praktisch für euch gemacht. Hier sitzen beide Spieler an einem Gerät, was aber zu etwas merkwürdigen Situationen führt. Denn damit das Spiel funktioniert, dürfen die Spieler ja nicht sehen, was der andere so treibt. Also heißt es andauernd für einen von beiden weggucken oder aufs Klo gehen.
Dummerweise ist Hot-Seat aber momentan die einzige Möglichkeit, die ihr habt, wenn ihr gegen menschliche Spieler antreten wollt. Theoretisch gibt es zwar öffentliche und private Online-Matches und die Option, einfach nur jemandem zuzugucken, aber selbst nach Stunden in der Warteschlange wurde ich immer nur gegen Bots gematcht.
Kein Wunder, denn zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Textes spielen laut SteamDB weltweit nur zwei Leute Vanguard Exiles und einer davon bin wohl ich. Schade, denn ein funktionierender Online-PvP-Modus würde dem Spiel richtig guttun. Zumindest besser, als zum 25. Mal vom überfütterten Bot verdroschen zu werden.
Greift zu, wenn...ihr ein Poster von Richard Garfield über dem Bett hängen habt.
Spart es euch, wenn...ihr lieber ein Spiel wollt, das von euch auch gespielt werden will.


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