News - Xbox : Xbox-Spieler verklagt Microsoft und bekommt digitale Bibliothek zurück
- XSX
In Zeiten, in denen die Gaming-Branche den Verzicht auf physische Discs vorantreibt, sorgt ein Gerichtsurteil aus Südamerika für Aufsehen. Ein brasilianischer Xbox-Spieler, der online unter dem Pseudonym Ordo_Liberal bekannt ist, hat einen Rechtsstreit gegen den Tech-Giganten Microsoft gewonnen. Nachdem das Unternehmen sein Benutzerkonto dauerhaft gesperrt und ihm den Zugriff auf alle rechtmäßig erworbenen digitalen Spiele entzogen hatte, zog der Betroffene mithilfe des lokalen Verbraucherschutzsystems vor ein Kleinunternehmensgericht – und bekam auf ganzer Linie recht.
Der Fall kam vor rund drei Monaten nach einem unbefugten Fremdzugriff auf das Microsoft-Konto des Spielers ins Rollen. Obwohl dieser die Zwei-Faktor-Authentifizierung aktiviert hatte, gelang es Angreifern, Sicherheitsinformationen des Profils zu ändern. Als das automatisierte System von Microsoft den Vorfall registrierte, fror es das Konto permanent ein, um weiteren Missbrauch zu verhindern.
Der Kundenservice verweigerte im Anschluss jegliche Wiederherstellungsoptionen, stufte die Sperre als endgültig ein und forderte den Nutzer laut dessen Veröffentlichungen im Xbox-Subreddit sogar explizit dazu auf, seine gesamte Spielebibliothek einfach komplett neu zu kaufen.
Anstatt sich mit dem Verlust seiner digitalen Besitztümer abzufinden, reichte der Spieler Klage ein. Das zuständige brasilianische Gericht urteilte nun, dass Microsoft den Account mitsamt aller verknüpften Spielelizenzen innerhalb von 15 Tagen vollständig wiederherstellen muss. Sollte der Konzern dieser Aufforderung nicht fristgerecht nachkommen, droht ein tägliches Zwangsgeld.
Darüber hinaus verurteilte der Richter Microsoft zur Zahlung von rund 2.000 Brasilianischen Real (umgerechnet etwa 400 US-Dollar) als Entschädigung für den entstandenen moralischen Schaden. Microsoft versuchte den Prozess im Vorfeld mit einem großen Aufgebot von zwölf Anwälten abzuwehren, scheiterte jedoch an den strengen lokalen Verbraucherschutzgesetzen.
Obwohl es sich hierbei um das Urteil eines erstinstanzlichen Gerichts handelt, das keine automatische Bindungswirkung für andere Länder entfaltet, besitzt der Fall eine enorme Symbolkraft. Plattformbetreiber argumentieren rechtlich meist, dass Kunden digitale Spiele nicht besitzen, sondern lediglich eine jederzeit widerrufbare Nutzungslizenz erwerben. Das brasilianische Urteil bricht mit dieser Praxis, indem es den Entzug der gekauften Inhalte durch starre Nutzungsbedingungen im Falle eines Hackerangriffs als unzulässig erklärt.
In der Gaming-Community wird der Ausgang als wichtiger Teilsieg gefeiert, der die Debatte um Verbraucherrechte beim rein digitalen Spielekauf neu entfachen dürfte.

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