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Test - Yerba Buena - Test : Gestern sollte GTA 6 erscheinen. Stattdessen bekamen wir diesen Portal-Klon. Ein würdiger Ersatz?

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Was ist Yerba Buena? Nun, einerseits ist es eine Bezeichnung für ein Kraut aus dem Nordwesten Nordamerikas, das auch als Oregon-Tee bekannt ist. Andererseits ist es der Name einer afrokaribischen Fusion-Band (was man auf Wikipedia eben alles so lernt). Vor allem ist es aber der Name der Siedlung gewesen, aus der das heutige San Francisco entstanden ist - eine kleine Insel in der Bucht der US-Großstadt heißt heute noch so. San Francisco ist auch der Schauplatz des Spiels Yerba Buena - oder doch nicht?

Ich hatte mich vorab nicht über die Geschichte von Yerba Buena informiert. Ich wusste nur, dass es sich um einen Puzzle-Plattformer vom Berliner Entwicklerstudios Mad About Pandas (Hitchhiker, Laika) handelt, dessen Besonderheit der Oszillator ist: ein Gerät, das die Hauptfigur Barb mit sich führt, um damit die physischen Eigenschaften von Objekten auf andere zu übertragen.

Gemächlicher Einstieg … bis zur plötzlichen Eskalation

Als der Titel mit einer Autofahrt durch das San Francisco der 70er Jahre begann, in der ich als Beifahrerin Barb erst einem Dialog zwischen ihr und ihrem Kumpel Russell lauschte und mir dann noch Gespräche über diverse Themen im Wagen anhören konnte, war ich erstmal direkt gelangweilt.

Ich erfuhr, dass es einen Konzern gibt, der das Grundstück kaufen möchte, auf dem sich der örtliche Yerba Buena Park befindet, um dort ein Bürogebäude zu errichten. Barb und ihre Freunde finden das gar nicht toll und setzen sich dafür ein, dass das nicht passiert.

Nein, diese Story wollte mich nicht in ihren Bann ziehen. Und nach fünf Minuten voller Dialoge fragte ich mich auch, wann denn der Knobel-Part beginnt? Doch plötzlich ging es drunter und drüber: Beim Halt an einer Ampel zerrte mich ein bärtiger Rocker aus dem Wagen und entführte ihn mitsamt Russell.

Wenig später hielt ich auch schon den Oszillator in den Händen und war bereit, meinen Freund zu retten. Dank des praktischen Geräts gelang mir das auch, aber was war das? Als ein Polizist den Rocker erschoss, tauchte ein Game-Over-Bildschirm in der Welt auf? Jemand lud den Spielstand neu und … die Zeit wurde zurückgespult?! Ich musste Russell erneut aus den Fängen des Schurken befreien?

In dem Moment war mir dann auch bewusst: Yerba Buena ist ein Spiel im Spiel. Der Rocker ist ein Spieler-Avatar und Barb und ihre Freunde sind NPCs. Mehr will ich zur Handlung auch gar nicht verraten. Entgegen meiner allerersten Empfindungen ist sie nämlich durchaus launig und trägt euch gut von einem Puzzle zum anderen.

Ihr braucht Köpfchen und ein bisschen Geschick

Yerba Buena würde aber auch ohne die Geschichte funktionieren, denn das Rätseldesign ist über weite Strecken hervorragend. Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei dem Spiel um einen Puzzle-Plattformer. Nicht nur geht es stets darum, Wege mit der Hilfe des Oszillators zu eröffnen, hin und wieder wird auch eure Geschicklichkeit ein wenig auf die Probe gestellt.

Allerdings ist es es so gut wie nie erforderlich, präzise Sprünge auszuführen - gut so, denn die Sprungmechanik ist sehr rudimentär. Ihr könnt nicht einmal sprinten, um weiter vorwärts springen zu können. Aber wenn ihr Trampoline nutzt, liegt es an euch, ob ihr da landet, wo ihr hinwollt.

Der Oszillator erweist sich als ein einfach zu benutzendes Werkzeug. Anfangs könnt ihr damit die Bewegungen von Objekten kopieren und sie auf andere Gegenstände übertragen. Wenn also etwa ein Auto von rechts nach links fährt, richtet ihr das Gerät darauf und einen Tastendruck später ist diese Art der Bewegung eingespeichert, so dass ihr sie auf ein anderes Objekt anwenden könnt, um euch so etwa einen Kletterpfad zu schaffen.

Mit welchen Gegenständen ihr auf diese Weise interagieren könnt, ist klar vorgegeben. Via Scan-Funktion zeigt euch das Spiel mit orangenen respektive blauen Umrandungen an, wovon ihr die physischen Eigenschaften kopieren und was ihr manipulieren könnt. Das soll jedoch nicht heißen, dass es immer nur eine Lösung gibt. In den meisten Fällen führen mehrere Wege ans Ziel. Wenn ihr also mal nicht direkt eine Lösungsmöglichkeit vor Augen habt, hilft simples Ausprobieren oft weiter.

Immer wieder was Neues

Natürlich werden die Rätsel im Spielverlauf anspruchsvoller und auch komplexer. Zum einen erweitern sich die Funktionen des Oszillators Stück für Stück. So könnt ihr später damit auch den Aggregatzustand von Objekten beeinflussen, indem ihr zum Beispiel den vom Wasserdampf frisch gekochten Kaffees auf sie überträgt, sodass ihr durch sie hindurchgehen könnt. Oder ihr verpasst harten Oberflächen die Eigenschaften eines Trampolins, sodass sie euch in die Höhe katapultieren.

Mad About Pandas ist dabei eine gute Lernkurve geglückt, und überhaupt ist die Grundidee des Oszillators nicht weniger fantastisch als die Portalkanone aus Portal, wenn auch technisch nicht so beeindruckend. Für spielerische Abwechslung sorgen nicht nur neue Fähigkeiten, sondern ebenso das Leveldesign. Ihr bleibt nicht durchgehend im virtuellen San Francisco, sondern seid auch mal in einem in der Leere schwebenden Freizeitpark oder im Inneren eines Computers unterwegs.

Die einzelnen Levels sorgen nicht nur für eine hohe optische Bandbreite, sie konfrontieren euch auch ständig mit neuen Puzzle-Ideen, wenn ihr zum Beispiel Kugeln in die korrekten Löcher befördern oder Laserstrahlen zum richtigen Ziel lenken müsst. Langeweile? Fehlanzeige! Mein Hirn haben die Rätsel auch durchaus gefordert. Zugegeben, ich tu mich gerne schwer mit Knobeleien, die über die simplen Puzzles aus Uncharted hinausgehen. Ich bin mir aber sicher, dass Fans von Rätselspielen wie The Entropy Center (Test) und ChromaGun 2 (Test) bei Yerba Buena auf ihre Kosten kommen und nicht unterfordert werden.

Die Präsentation ist keine Stärke

Eines dürft ihr von dem Spiel allerdings nicht erwarten: eine gute Präsentation. Die Zwischensequenzen leiden darunter, dass die Figuren allesamt extrem steif animiert sind. Abgesehen von einer charmanten Schattenspielvorführung gibt es hier nix zum Bestaunen. Die Vertonung ist zudem nur Mittelmaß.

Obwohl Mad About Pandas aus Berlin ist, bietet Yerba Buena übrigens keine deutsche Sprachausgabe, was sicherlich finanzielle Gründe hat. Man merkt dem Spiel eben an, dass es ein niedriges Budget gehabt hat. Die stark stilisierte Grafik sorgt aber dafür, dass es trotzdem ansehnlich wirkt. Der Comiclook ist stimmig und erinnert ein bisschen an Titel wie Mixtape. Er passt auch gut zum 70er-Jahre-Setting des Spiels im Spiel. Letztendlich sind es aber die inhaltlichen Werte, mit denen Yerba Buena überzeugt.

Greift zu, wenn...

… ihr Lust auf eine coole Meta-Story und frische Ideen im Puzzlespiel-Genre habt.

Spart es euch, wenn...

… euch Rätsel als alleiniges Gameplay-Element nicht genügen und ihr großen Wert auf eine gute, aufwendige Inszenierung legt.

Fazit

Jens Bremicker - Portraitvon Jens Bremicker
Eine schöne Überraschung!

Ich hatte Yerba Buena gar nicht auf dem Schirm, bis mir der Test dazu angeboten wurde. Umso schöner also, dass es sich als ein richtig gutes Knobelspiel entpuppt hat. Die Mechaniken des Oszillators und das Leveldesign sind gut durchdacht und obendrauf gibt es noch eine nette Story rund um ein Videospiel, in dem ihr als NPC euer eigenes Ding durchzieht. Ich musste unweigerlich an den Film Free Guy mit Ryan Reynolds denken, nur dass Yerba Buena für mich den unterhaltsameren Zeitvertreib darstellt.

>> Best of Knobel-Games: 11 grandiose Rätselspiele nach Art von Portal <<

Klar, die Zwischensequenzen hätten aufgrund der coolen Geschichte bessere Animationen verdient und die Sprecher wirken auf mich ähnlich steif wie die Bewegungen der Figuren. Aber das ändert nichts daran, dass ich mit Yerba Buena eine gute Zeit hatte. Das Knobelspiel ist ein wahrer Geheimtipp für Freunde intelligenter Puzzle-Plattformer und beim Preis von 25 Euro kann man angesichts der circa zehn Stunden langen Kampagne nicht meckern.

Überblick

Pro

  • innovative Rätselmechanik
  • abwechslungsreiche Levels
  • gute Lernkurve
  • unterhaltsame Geschichte über ein Spiel im Spiel
  • mit knapp zehn Stunden weder zu kurz noch zu lang

Contra

  • Cutscenes mit sehr steif animierten Akteuren
  • Sprachausgabe nur Durchschnitt, keine deutsche Vertonung

Awards

  • Design
    • PC
    • PS5
    • XSX

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Yerba Buena
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