Test - Berserk or Die : Das neue Spiel der Vampire-Survivors-Macher wird eure Tastatur zerstören
- PC
Simple Spiele, bei denen ihr ohne Weiteres einen zweiten Bildschirm im Blick behalten könnt, während ihr den TikTok-Algorithmus quält, liegen voll im Trend. Das galt auch schon 2021, als Vampire Survivors auf den Markt kam. Hier sammelt ihr ganz entspannt Items ein, während euer Charakter automatisch angreift. Perfekt für gemütliche Runden während der Lieblingsserie. Berserk or Die, das neue Spiel von Poncle, geht allerdings einen komplett anderen Weg.
Eigentlich fällt das Spielprinzip von Berserk or Die denkbar einfach aus: Ihr bewegt euch nach links oder rechts und haut haufenweise Gegner vom Bildschirm. Im Gegensatz zu Vampire Survivors greift ihr diesmal aktiv an – und genau hier liegt der besondere Kniff des Spiels. Denn ihr müsst wie ein Wahnsinniger auf eure Tastatur einprügeln, um möglichst effektiv zu agieren.
Keine Kontrolle und Spaß dabei?
Für Berserk or Die hat sich Entwickler Poncle etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Drückt ihr beliebige Tasten auf der linken Seite eures Keyboards, greift ihr in die entsprechende Richtung an – selbiges gilt für rechts. Doch nur austeilen reicht nicht: Ihr müsst auch eingehende Attacken abwehren. Dafür dienen zwei vertikale Tastenreihen, die jeweils bestimmen, in welche Richtung ihr euch verteidigt.
Was so simpel klingt, sorgt in der Praxis für massiv verknotete Finger und Gehirnwindungen. Denn je mehr Tasten ihr gleichzeitig drückt, desto stärker werden eure Angriffe. Ein einzelner Druck verursacht einen simplen Seitenschritt mit einem winzigen Schwerthieb. Erwischt ihr hingegen nahezu die komplette Hälfte der Tastatur, vollführt euer Recke einen Salto, der ganze Gegnerhorden eliminiert.
Selbst nach einiger Spielzeit fühlt sich Berserk or Die weniger nach kontrollierter Keyboard-Klaviatur an als nach willkürlichem Tastatur-Missbrauch. Blocks habe ich während meiner Session kaum genutzt – Attacken können gegnerische Angriffe nämlich ebenfalls unterbrechen. Zumal ich im Eifer des Gefechts ohnehin meist die falschen Tasten erwische. Hilft hier das Zehn-Finger-System? Vielleicht.
Richtiggehend frustrierend ist die Steuerung der Spezialattacken: Durch besiegte Gegner füllt ihr eine Leiste. Ist sie voll, müsst ihr mit der Maus wild hin- und herfahren. Je heftiger ihr über den Tisch rubbelt, desto schneller dreht sich euer Charakter. Die Bewegung nach links und rechts erfolgt weiterhin über die Tastatur. Bei einem Spiel, das vollständig mit dem Keyboard gesteuert werden soll, wirkt diese plötzliche Maus-Einbindung irritierend – und sorgte häufiger für den Bildschirmtod als mir lieb war.
Alternativ (und bizarrerweise) bietet Berserk or Die auch Controller-Support – die Entwickler und Entwicklerinnen empfehlen jedoch die Tastatur. Witzigerweise fällt mein Fazit genau gegenteilig aus: Auf dem Gamepad laufen Angriffe über die Schultertasten, je mehr ihr drückt, desto heftiger wird zugeschlagen. Verteidigt wird mit den Sticks – das Finger-Verknoten entfällt. Einzig die Spezialangriffe nerven: Berserk or Die erklärt ihre Aktivierung nur in einem freischaltbaren Untermenü bei der Charakterauswahl – beide Sticks gleichzeitig drücken.
Wie 300, nur weniger spektakulär
Die KI-Gegner sind erwartungsgemäß herrlich dämlich: Sie rennen entweder direkt auf euch zu oder greifen aus der Distanz mit Wurfspeeren an. Rote Laserstrahlen aus dem Himmel deuten eingehende Pfeile oder Kometen an.
Damit das Gameplay nicht komplett monoton wird, bietet das Spiel diverse Upgrades für euren aktuellen Run. Es gibt einen simplen Tag-Nacht-Wechsel – sobald die Sonne untergeht, erscheint ein Händler, bei dem ihr gesammeltes Geld gegen Items eintauschen könnt. Darunter: mehr Angriffsreichweite, schnellere Aufladung der Spezialleiste oder erhöhter Boss-Schaden. Auch Lebensenergie lässt sich auffüllen. Die Auswahl wächst mit erfüllten Erfolgen stetig. Neue Waffen tauchen selten auf, bleiben dafür dauerhaft aktiviert. Auch neue Charaktere lassen sich freischalten und wechseln.
Alle fünf Tage stellt euch das Spiel vor eine Boss-Herausforderung: Ihr müsst eine Phalanx zerschlagen oder einem Streitwagen die Räder stutzen. Grundlegend verändert sich das Spielprinzip dabei nicht, die Bosse verhalten sich wie größere Standardgegner mit mehr Lebenspunkten. Da weiterhin normale Mobs aktiv sind, verliert man dabei noch schneller den Überblick.
Die Gegnertypen variieren je nach Level. Mal kloppt ihr euch durch ein Wüste, mal geht es in den Wald oder auf eine leere Ebene. Ob ihr jetzt allerdings gegen spartanische Krieger oder altägyptische Herren kämpft, ist letztlich egal. Sie alle agieren gleich hirnlos und besondere Taktiken erlaubt das Spielprinzip ohnehin nicht.
Die Pixeloptik ist schlicht und dennoch schick, die Effekte wirken dafür umso wuchtiger und füllen den Bildschirm bisweilen regelrecht aus. Die Übersicht geht entsprechend regelmäßig flöten, das stresst zwar etwas, passt insgesamt aber doch sehr gut zum allgemeinen Chaos.
Greift zu, wenn...… ihr Fans von ungewöhnlichen Spielideen seid und keinen Wert auf eure Tastatur legt.
Spart es euch, wenn...… ihr es nicht ausstehen könnt, keine volle Kontrolle über das Geschehen zu haben.


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