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Preview - Forza Motorsport : Ein Neustart mit großen Ambitionen

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In den letzten Monaten erreichten uns schubweise neue Informationen zu Forza Motorsport, dem achten Teil der bekannten Rennspielserie für Xbox und PC. Die Zahl acht im Titel fehlt, weil es einerseits um einen Reboot und andererseits um einen dauerhaften Service geht, der ähnlich wie iRacing auf stetige Updates und Erweiterungen setzen wird. Der frühere Zyklus, der alle zwei Jahre einen Nachfolger versprach, ist damit Geschichte. Wie das aussieht, zeigte uns eine Vorführung auf der Gamescom.

Nicht nur wir konnten sie sehen, denn einen echten Pressetermin für Forza Motorsport gab es nicht. Vielmehr führten einige Entwickler das Spiel live in einem abgeschlossenen Vorführraum in der Messehalle vor, den jedermann nach etwas Wartezeit betreten konnte. Was wir bei dabei gezeigt bekamen, ergibt in Verbindung mit allen Trailern, den monatlichen Videoberichten und dem Schwall an schieren Daten, die Turn 10 bislang preisgab, ein interessantes Gesamtbild, dem nicht mehr viel fehlt. Trotzdem ist es erstaunlich, dass wir angesichts der im Oktober anstehenden Veröffentlichung noch nicht selbst Hand anlegen durften. Vermutlich wird in den Büros der Entwickler unter Hochdruck an den letzten Feinheiten gearbeitet.

Forza Motorsport gehört zu den beliebtesten Marken der Xbox, aber der Name hat mit den Jahren ein wenig gelitten. Nach dem behäbigen Start mit Forza Motorsport 5 auf der Xbox One erarbeitete sich die Reihe mit jeder neuen Iteration mehr Umfang und viele technische Fortschritte, aber leider auch unfreiwillig den Ruf als Crash-Rennspiel für ungeduldige Naturen. Eine Kehrseite der Einsteiger- und Casual-Gamer-Freundlichkeit, die vor allem bei Online-Rennen sichtbar wurde.

Dass Turn 10 diesen Ruf wieder loswerden möchte, wird in vielen Bereichen des Reboots sichtbar. Man möchte mehr Simulation, mehr sauberes Profi-Racing und mehr Ernsthaftigkeit vermitteln, ohne Einsteiger zu vergraulen. Ein beachtlicher Spagat, der auf drei Haupteigenschaften fußt: Verbesserung der Physik, erheblich talentiertere KI und neue Multiplayer-Regeln. Laut dem offiziellen PR-Material hat Turn 10 das Spiel von Grund auf neugestaltet, jeden Stein umgedreht und selbst die Spielphilosophie hinterfragt.

Etwas seriöser, aber noch immer keine Hardcore-Sim

Der erste Aspekt des neuen Designs findet beim Reifenmodell seinen Ausdruck. Anstelle eines Berührungspunkts je Reifen prüft das Spiel nun acht Punkte pro Rad, an denen Reifengummi und Asphalt aufeinandertreffen. Sie werden 360 mal in der Sekunde abgefragt, wodurch die Genauigkeit der Simulation um den Faktor 48 steigt. Auf diese Weise sollen Unebenheiten, die damit verbundene Haftung und der erreichte Abtrieb noch genauer errechnet werden. Da außerdem die Curbs der Kurse nun voll modelliert und mit voll funktionsfähigen Collidern versehen wurden. Statt schlicht abgeänderte Physikwerte abzufragen, soll die Reaktion der Reifen erheblich authentischer sein.

Ob Forza Mototorsports Autos damit ihre frühere Neigung zum schnellen Abrutschen verlieren, wird sich zeigen. Physik ist bei Videospielen schließlich auch eine Interpretationssache, sonst gäbe es keine merklichen Unterschiede zwischen den diversen Sims. In der Gamescom-Vorführung, bei der ein Entwickler ein Rennen auf dem Mugello-Kurs in Italien fuhr, rutschte der gewählte BMW durchaus an Stellen ab, an denen es ein echtes Auto nicht tun würde. Keineswegs so auffällig wie früher, aber der Wagen wirkte nicht ganz so stabil wie in iRacing oder Assetto Corsa Competizione.

Forza Motorsport - Neuer Trailer vom Xbox Showcase

Wenig überraschend gab es beim Xbox Showcase nochmals einen neuen Trailer zu Forza Motorsport.

Das könnte allerdings auch an den groben Eingaben über einen Standardcontroller liegen. Mit einem Lenkrad dürfte das schon ganz anders aussehen, zumal noch nicht die finale Version des Spiels gezeigt wurde. Auch konnten wir nicht sehen, ob Soft-, Medium- oder Hard-Reifen zum Einsatz kamen. Eine Wahl, die erstmals im neuen Forza Motorsport möglich sein wird und die Rennstrategie gehörig beeinflussen dürfte.

Auf der kompetitiven Seite des Einzelspielermodus legt Turn 10 schon mehr Greifbares in die Waagschale. Dank einer fortschrittlichen KI-Lernmethode sollen CPU-Fahrer nun so schnell fahren wie die besten menschlichen Piloten – und dabei ohne Mogelei auskommen. Sie fahren keine Kurven mehr, die der Spielphysik widersprechen und rufen auch keine unrealistische Motorleistung mehr ab. Weder Gummibandeffekt noch andere unsichtbare Helfer kommen zum Einsatz. Es hieß sogar, man könne sich an der Ideallinie eines guten CPU-Fahrers orientieren, um besser zu werden. Die Stärke der Gegner im Einzelspielermodus lässt sich selbstverständlich in feinen Stufen einstellen, sodass niemand überfordert wird.

Fairness-Förderung im Multiplayer-Modus

Im Multiplayer-Modus, der auf der Gamescom nicht gezeigt wurde, vertrauen die Entwickler hingegen auf ein zweigleisiges System aus Renn-Events, die ein Reglement vorgeben, und privaten Rennen, bei denen man sämtliche Regeln selbst anpassen darf. In der ersten Kategorie wird es sogenannte Spec-Events geben, bei denen Fahrzeuge ohne Upgrades verwendet werden müssen, und auch offene Events, die lediglich die Wagenklasse eingrenzen. Ähnliche wie bei iRacing finden solche Veranstaltungen in regelmäßigen Abständen statt, die zeitlich vorgegeben sind.

Hier kommt erstmals eine Fahrsicherheitswertung in sieben Stufen (F, E, D, C, B, A und S) zum Einsatz. Sie analysiert jeden Zusammenstoß mithilfe von KI-Referenzen und soll so mehr als 5000 mögliche Rennvorfälle unterscheiden, die sie entsprechend bewertet und bestraft. Ein ähnliches, wenn auch feineres Bewertungssystem ist für die Einstufung des fahrerischen Könnens zuständig.

All diese Bewertungen unterliegen den neuen Forza Racing Regulations (kurz FRR) – also dem KI-gestützten Gesamtreglement, welches bestimmt, was legal ist und was nicht. Es fängt an beim Kollisionsverhalten und reicht bis hin zum Schneiden von Kurven. Wer es übertreibt, wird im schlimmsten Fall sogar aus einem laufenden Rennen geworfen. Da Spieler mit ähnlichen Werten in Online-Rennen zusammengeführt werden, dürften die Tage der Crash-Kids gezählt sein. Genauer gesagt bleiben rüpelhafte Mitstreiter zukünftig untereinander, während faire Fahrer mit anderen guten Piloten um Bestplatzierungen kämpfen. Klingt super!

Den Grundwert für den Einstieg in die Multiplayer-Wertung bestimmt die sogenannte Qualifier-Series, also eine Reihe offener Rennen, in denen eine erste grobe Bewertung stattfindet. Wer sich hier ungeschickt anstellt, landet sofort auf den unteren Rängen. Ein Warnschuss, den selbst die größten Grobiane sofort verstehen dürften. In den privaten Rennen bleibt euch dagegen Narrenfreiheit. Ihr könnt beinahe alles nach Gutdünken anpassen und auch spielen, gegen wen ihr wollt. Benzinverbrauch abschalten? Reifenabnutzung ebenso? Geht klar. Oder wie wäre es andersherum: Boxenstops werden zur Pflicht. Es liegt in eurer Hand.

All diese Verbesserungen versprechen ein neues, anspruchsvolleres Fahren. Sollte die neue Physik halten, was Turn 10 verspricht, könnte die Marke wieder auf dem Radar von Sim-Enthusiasten landen, auch wenn es noch immer um ein Simcade-Rennspiel geht und nicht um eine knallharte Rennsport-Simulation.

Schließlich bleiben noch immer essenzielle Eigenschaften für einen Vertreter des Genres außen vor. Beispielsweise fehlen weiterhin Qualifizierungsrunden zwecks Platzierung im Rennen im Einzelspielermodus. In der Karriere darf man stattdessen manuell festlegen, von welcher Position aus man starten möchte – je weiter hinten im Feld, desto größer die Belohnung. Ein klares Geschenk an Casual-Gamer und Leute, die dank Game Pass nur schnell mal reinschnuppern wollen.

Hochgesteckte Ziele, aber auch Einschränkungen

Am Spielspaß muss das nicht zwingend nagen, aber hoffentlich verzettelt sich Turn 10 nicht beim Spagat zwischen Sim- und Casual-Racing. Für Gelegenheitsraser ist nämlich die Streckenauswahl etwas zu trocken. Alle 20 Kurse, die beim Release mitgeliefert werden, sind inzwischen bekannt, und es sind einige wahnsinnig spaßige Dauerbrenner dabei, etwa Spa, La Sarthe oder Road America. Casual-Rennspielern dürfte allerdings was fürs Auge fehlen. Kein einziger Stadtkurs ist dabei und auch keine Strecke, die in anderer Form optisch aufregend ausfällt.

Nicht falsch verstehen: Rein technisch sehen die Strecken fantastisch aus. Insbesondere die neue grafische Lösung für Bäume und andere vegetative Randobjekte macht einiges her, was in der Gamescom-Vorführung sehr deutlich wurde. Ein voller Tag-Nacht-Zyklus auf allen Strecken (inklusive Wettereffekten), Echtzeit-Raytracing für Lack-Reflexionen und viele weitere Features heben das neue Forza Motorsport technisch zweifellos auf ein Niveau, das nur die neue Konsolengeneration stemmen kann. All das bei 60 FPS und (auf Xbox Series X) in 4K? Das kann sich sehen lassen!

PC-Spieler könnten sich jedoch über eine Einschränkung ärgern. Die maximale Bildrate wird auf einen Teiler der höchsten Bildrate des Monitors festgezurrt, um Timing-Problemen bei Bestzeiten und Replays entgegenzuwirken, die man bei Forza Horizon 5 entdeckt hatte. Nur so lässt sich ein fairer Wettbewerb beim Crossplay mit Konsolenspielern garantieren. Wer einen 144-Hz-Bildschrim hat, muss sich dann (wahrscheinlich) mit 72 FPS Maximalbildrate zufriedengeben. Wie das genau aussehen wird, kann uns nur die finale Version des Spiels zeigen. Unterm Strich dürfte das kein Beinbruch sein, schließlich geht es um Fairness im Wettbewerb.

Das Gran-Turismo-Problem

Was aber beim Betrachten der Streckenliste fehlt, ist ein wenig Design-Spielerei. Kein einziger der beim Start verfügbaren Kurse hat das Potenzial, der optischen Vielfalt des großen Konkurrenten Gran Turismo 7 zu trotzen. Leider arbeitet Turn 10 in dieser Hinsicht gegen die eigene Community, die seit Jahren lauthals die Rückkehr fallengelassener Lieblinge verlangt. Etwa den Drift-Kurs Fujimi Kaido, der erstmals in Forza Motorsport 4 zur Track-Liste gehörte. Hier mal ein Tunnel, da mal ein schöner Waldabschnitt – abseits des Fantasie-Kurses Maple Valley, der mit malerischen Nebelschwaden und herbstlichen Farben begeistert, hat keine der (real existierenden) Strecken so etwas auf Lager.

Noch dazu fehlt der mit Abstand beliebteste Kurs aller Rennspiele der letzten 20 Jahre. Die Nordschleife soll erst ein halbes Jahr später als kostenloser Download nachgeliefert werden. Bei anderen Kursen wird es genauso laufen. Da Turn 10 verspricht, das neue Forza auf lange Sicht mit Inhalten zu versorgen, könnte dies lediglich ein temporäres Problem sein, das sich irgendwann in Luft auflöst. Ob die breite Masse angesichts der bei Start arg trockenen Streckenauswahl am Ball bleibt, muss sich allerdings zeigen.

Forza Motorsport - Offizielle Gameplay-Demo vom Karriere-Modus

Beim Extended Showcase von Xbox wurde im Rahmen einer Gameplay-Demo auch noch der Karrieremodus des neuen Forza Motorsport vorgestellt.

Optimal sind die Startbedingungen nicht, denn auch Enthusiasten werden (zumindest dem Vorab-Videomaterial zufolge) nicht in jeder Hinsicht bedient. Dass in einem der Strecken-Vorstellungsvideos das inzwischen 18 Jahre alte und sehr inakkurat modellierte 3D-Modell des Mitsubishi Lancer Evo entdeckt wurde, stieß der Community arg sauer auf. Offenbar wurde das Spiel nicht in jeder Hinsicht von Grund auf neugestaltet, wie uns das PR-Material versprach.

Es mag nur einen Teil der insgesamt über 500 enthaltenen Wagen betreffen, schließlich wurden alle neueren Autos entsprechend der grafischen Leistung der vorherrschenden Konsolengeneration modelliert. Dennoch ist es schade, dass Turn 10 die letzten fünf Jahre nicht zum Auffrischen alter Automodelle genutzt hat, denn dadurch befindet sich Forza Motorsport leider in einer ähnlichen (wenn auch nicht ganz so gravierenden) Position wie einst Gran Turismo 5. Damals verwässerten sichtbar grobe 3D-Modelle beliebter Autos den Sprung ins HD-Segment. Nagt so etwas am Spielspaß? Nö. Aber prestigeträchtig ist es leider auch nicht.

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