Test - RoadCraft : Wo ist mein Bagger? Das neue Spiel der MudRunner-Macher im Selbstversuch
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Bei RoadCraft handelt es sich weder um Activision Blizzards Vorstoß in den Hoch- und Tiefbau, noch um einen neuen Action-Film, in dem Jake Gyllenhaal per Roundhouse-Kick seinen Weg mit Leichen pflastert. Stattdessen versuchen sich Saber Interactive, die Macher von Spielen wie Snowrunner, Space Marine 2 und dem kommenden Turok: Origins an einer Art Straßenbausimulator extrem. Aber wie viel Spaß kann es schon machen, im Schlamm stecken zu bleiben und Sand von A nach B zu fahren? Spoiler: Eine ganze Menge!
Mir ist bewusst, dass Simulatoren gerade in Deutschland ein Riesending sind. Spiele wie OMSI - Der Omnibussimulator, der PowerWash Simulator und natürlich allen voran der Landwirtschaftssimulator verkaufen sich immerhin wie frisch gebackenes, geschnittenes Brot aus dem Bakery Simulator. Aber als “echter Gamer” hat sich mir nie erschlossen, warum ich denn neben meinem eigentlichen Beruf in meiner Freizeit auch noch virtuell arbeiten sollte, anstatt bei einer Partie Clair Obscur (Test) oder Doom: The Dark Ages (Test) zu entspannen.
Zumal die meisten Simulatoren ja nicht mal Elfen, Schusswaffen oder wenigstens Verfolgungsjagden zu bieten haben. (Nicht mal der Omsi!) Meine Erfahrungen beschränken sich also hauptsächlich auf so witzig gemeinten Kram wie den Surgeon Simulator, Die Sims, Two Point Museum (Test) und gefühlte 8000 Stunden in Stardew Valley (auch eine Art Landwirtschaftssimulator). Aber man soll ja offen für Neues bleiben und so stürze ich mich mit einer gehörigen Portion Skepsis kopfüber in RoadCraft. Was folgt, ist meine ganz persönliche Chronik des Scheiterns.
Nach 1 Stunde: Wo bitte ist mein Bagger?
Geht ja schon gleich mal gut los! Statt schön gemütlich von meiner gepolsterten Kabine aus Löcher zu buddeln (ich gehe davon aus, dass das integraler Bestandteil des Straßenbaus ist), sitze ich in einem klapprigen Jeep und muss mich erstmal durch Matsch und hüfthohe Dreckspfützen kämpfen. Hier macht sich definitiv die Mudrunner-DNA bemerkbar.
Stellenweise würde ich auch gerne mal aussteigen und schieben, ein Ego(-Perspektive)-Trip ist in RoadCraft aber nicht drin. Dafür hält mich die nette Dame aus der Zentrale per Funk stets bei Laune und versorgt mich mit dem neuesten Tratsch, dem Wetterbericht und natürlich jeder Menge Quests.
Denn zu tun gibt es mehr als genug. Die Gegend, in die mich die erste Mission schickt, ist von einem Sturm schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Industrieanlagen stehen unter Wasser, Straßen sind nur noch mit Geröll versperrte Buckelpisten und scheinbar ist jede einzelne Brücke eingestürzt. Keine Ahnung, wer bisher hier für die Infrastruktur zuständig war, für mein ungeschultes Auge sieht das aber alles nach lupenreinem Pfusch am Bau aus.
Doch jetzt ist endlich Shovelware Inc. da (ja, man darf seine Firma selber benennen), und wir machen den Weg frei! Dank des niedrigen Gewichts und der angebauten Seilwinde war das Durchkommen mit meinem Scout-Jeep ja bisher fast kein Thema. Aber so einfach ist es mit anderen Gerätschaften nicht. Neben Hauptquests, in denen ich für gewöhnlich meinen eigenen Karren aus dem Dreck ziehe, stehen noch Infrastruktur-Aufgaben an. Hilfskonvois, Ersthelfer und natürlich Zulieferer für die Industrie müssen schnellstmöglich wieder ihre Ziele erreichen können.
Zwar muss ich nicht jeden LKW selber fahren, aber den computergesteuerten Fahrzeugen den Weg bereiten. Bleiben die Karren im Schlamm stecken, verkeilen sich oder schaffen aus anderen Gründen die von mir festgelegte Route nicht, dann meckern sie und es gibt keine Belohnungen (sprich keine Bezahlung) für mich. Mein treuer Muldenkipper und ich schütten also einfach alle Schlaglöcher, Schlammberge und andere Schandflecken mit Sand zu und nach ca. 734 Fahrten kommt die Kolonne endlich auch an und es ist Zahltag. Ob die dafür wohl wirklich eine Rechnung brauchen?
Nach 6 Stunden: Kranplätze müssen verdichtet sein!
Straßenbau ist gar nicht so schwer, wie man immer meint. So langsam hab ich den Dreh raus! Erst mit dem Muldenkipper (ich nenne ihn mittlerweile liebevoll “Muldi”) Sand ausbringen, dann mit dem Bulldozer alles planieren, einmal den Asphaltleger (Es handelt sich trotz des Namens um ein hoch spezialisiertes Fahrzeug und nicht um eine schlecht bezahlte Hilfskraft) darüber schicken und zum Schluss noch mit der Asphaltwalze alles schön platt machen. Tadaa! Fertig ist die astreine Fahrbahn.
Das größere Problem ist eher, die nötigen Gerätschaft dort hinzubringen, wo die Straße entstehen soll. In Mission 2 und 3 bekomme ich es mit den Überresten eines Erdbebens und eines Hurrikans zu tun, und das macht die Strecken nicht gerade leichter zu befahren. Noch dazu sind die Karten teilweise riesig und die Aufgaben werden auch nicht einfacher. So bekomme ich zum Beispiel den Auftrag, teure Bohrausrüstung aus einer eingestürzten und überfluteten Mine zu bergen.
Aber natürlich ist der Strom in der Gegend ausgefallen, es gibt keine Möglichkeiten, an Rohstoffe für Reparaturen zu kommen, alles steht unter Wasser und wahrscheinlich tauen in allen Tiefkühlfächern des nahegelegenen Dorfes gerade die Fischstäbchen auf. Eine Vollkatastrophe! Um die Fabriken wieder an den Start zu bringen, braucht es erstmal Elektrizität und weil die alten Leitungen alle kaputt sind (wahrscheinlich Marderschaden) müssen neue verlegt werden. RoadCraft ist also weniger ein reiner Straßenbau- als ein kompletter Infrastruktur-Simulator. Dafür bekomme ich ein ultracooles Fahrzeug - einen rostigen Kabelleger!
“Rostig” ist das Teil deswegen, weil euch das Spiel immer ein neues Fahrzeug stellt, wenn es die Quest verlangt. Allerdings sind die in der alleruntersten Qualitätsstufe und wenn ihr etwas Besseres wollt, dann hilft nur ein Besuch im Shop. Das bisschen Rost macht den Kabelleger aber nicht weniger beeindruckend. Vorne hat der eine riesige Rolle mit Starkstromkabel und hinten Grabschaufeln, um sie in der Erde zu verbuddeln.
Außerdem hab ich mir noch ein Fahrzeug gekauft! Ständig soll ich Dinge wie Generatoren und Ähnliches herumkutschieren, aber dafür brauche ich immer einen Kran zum Beladen und einen Fracht-Truck für die Fahrt. Ab sofort steht ein brandneuer Fracht-Kran-Truck in meiner Garage, der beides in einem ist. Und gerade als ich meine neue Anschaffung begutachte, fällt mir auf, dass ich tatsächlich irgendwie sowas wie Spaß habe.
Nach 21 Stunden: Gut gepfuscht ist besser, als schlecht gearbeitet!
Es könnte sein, dass ich vergangene Nacht nicht geschlafen habe. Eigentlich wollte ich nur noch schnell eine Fuhre Sand abliefern und dann habe ich gesehen, dass einer der Konvois feststeckt, was ja eh nur ein kurzer Einsatz ist. Aber irgendwie war die eine Straße schon fast fertig und die Strecke ist für die Asphaltwalze eigentlich ja kein Problem und wenn dann schonmal alle Fahrzeuge vor Ort sind, dann kann ich die Straße auch noch schnell fertig machen und schon war es 2 Uhr morgens.
Grafisch ist RoadCraft eine wahre Augenweide. Zwar brauchen die 4K-Texturen manchmal ein wenig lange zum Laden, aber wenn sie dann da sind, dann zeigt sich die von Naturkatastrophen zerstörte Landschaft in ihrer ganzen Pracht. Theoretisch könnte ich meine wunderschöne Welt sogar mit einem zweiten Spieler teilen und die Aufgaben gemeinsam angehen, aber eigentlich gefällt mir die Einsamkeit ganz gut. Ich kann in meinem eigenen Tempo arbeiten und wenn ich will, auch einfach mal anhalten und die grandiose Aussicht genießen.
Selbst nach über 20 Stunden habe ich das Gefühl, noch lange nicht alles gesehen zu haben. Das ist auch kein Wunder, denn in der ganzen Zeit habe ich nicht mal vier der acht Karten fertig bekommen und eine davon war sogar nur das Tutorial. Bis ich mit allem durch bin, ist sicherlich auch schon der bereits angekündigte DLC erschienen, mit neuen Karten, Spielmechaniken und Fahrzeugen.
Ein Blick in die Fahrzeugauswahl zwingt mich dann wirklich in die Knie. Auf Stufe 11 schalte ich einen Holzvollernter frei und auf Stufe 18 etwas, das so aussieht, als hätte man die Klemmbausteine zum Bau eines Panzers und eines Krans wild durchmischt und anschließend versucht, das Beste daraus zu machen. Der Traum meines eigenen Kran-Panzers liegt aber in weiter Ferne, denn in 21 Stunden Spiel habe ich gerade mal genug Quests für Level 6 abgeschlossen. Bis dahin warten also noch so einige Flutkatastrophen, eingestürzte Höhlen und Sandstürme auf mich.
Greift zu, wenn...… ihr entspanntes Sandkasten-Feeling mit ein bisschen Knobelei zur Wegfindung sucht.
Spart es euch, wenn...… ihr auch nur ein bisschen Action wollt, die nicht ausschließlich off-screen zwischen den Missionen stattfindet.





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