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Preview - Windrose : Der Hype ist verdient: Valheim trifft Assassin’s Creed Black Flag

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Piratenspiele sind wahrlich ein seltener Schatz, gute umso mehr. Der letzte namhafte Titel Skull & Bones? Eine mittlere Enttäuschung. Nicht wenige mutige Seebären, die eine Probefahrt wagen wollten, haben das Ding schnell wieder von Bord, äh, ich meine, von ihrer Festplatte geschmissen. Doch verzagt nicht! Ihr müsst nicht darauf hoffen, dass Ubisoft endlich das Remake von Assassin’s Creed 4: Black Flag offiziell ankündigt. Wenn euch eine ordentliche Ladung Survival-Gameplay nicht stört, sogar genau euer Ding ist, dann gebt Windrose eine Chance. Hier blicken wir mit dem Fernrohr auf einen ganz großen Hoffnungsträger.

Windrose sollte ursprünglich Crosswind heißen und ein Multiplayer-Spiel mit PvP-Komponente werden. Auf Basis des Feedbacks nach dem geschlossenen Playtest im vergangenen Jahr hat sich Entwickler Windrose Crew für eine Planänderung entschieden: Nun soll Windrose ein reines PvE-Spiel werden, das ihr optional im Koop, aber auch ganz allein im Singleplayer genießen könnt.

Die Demo zeigt bereits, dass das die richtige Entscheidung ist. Windrose ist kein reines Sandbox-Erlebnis, in dem bloß die Progression eures Charakters, eurer Basis und eures eigenen Schiffs (!) den roten Faden spinnt. Es gibt sowohl eine Geschichte als auch narrative Nebenquests. Ihr dürft zwar keine aufwendige Inszenierung à la Assassin’s Creed: Black Flag erwarten (Gespräche mit NPCs sind zumindest in der Demo noch unvertont und ohne jegliche Animationen), aber immerhin findet ihr nett geschriebene Logbucheinträge, Briefe und Szenerien voller Environmental Storytelling.

Im Zusammenspiel vermitteln sie euch, was an den Orten geschehen ist, warum zum Beispiel in einem Lager jemand gehängt wurde, dessen Skelett dort immer noch baumelt. Müsste ich beim Erkunden solcher Points of Interests Angst davor haben, dass mir jederzeit ein feindlicher Spieler seinen Säbel in den Rücken sticht, könnte ich das alles nicht so sehr genießen.

Kein Pirat sein, aber sich wie einer fühlen

Die Story von Windrose wirkt in der Demo noch recht simpel: Ihr seid Kapitän eures eigenen Schiffs und segelt unter offizieller Flagge, doch Piraten, die dem berüchtigten Blackbeard unterstehen, entern euren Kahn und ihr kommt gerade noch so mit dem Leben davon. Na gut, Letzteres entspricht nicht ganz der Wahrheit, aber das findet ihr besser selbst heraus.

Ja, ihr selbst seid in Windrose gar kein Seeräuber, aber was macht das schon? Euch erwarten trotzdem ein Karibik-Setting mit malerischen Sandstränden und dichten Dschungeln, Schiffskämpfe und Landgänge, bei denen ihr euch mit Säbel, Degen, Pistole oder Muskete sowohl gegen wilde Tiere wie überraschend aggressive Dodos als auch Untote (Ertrunkene) und Piraten zur Wehr setzt.

Im Spielverlauf schart ihr eine Crew um euch, die auf Wunsch beim Umherschippern Shantys zum Besten gibt, und auch die Scharmützel auf hoher See erinnern sehr an das, was einst Black Flag zu einem der beliebtesten Assassin’s-Creed-Spiele gemacht hat.

Die ersten To-Dos: Kokos und Dodos

Bevor ihr aber Kanonen zünden und Entermanöver vollführen dürft, müsst ihr erst einmal grundlegende Ausrüstung herstellen, eine Basis errichten, Nahrung sammeln und Überlebende eurer Crew finden. In diesen ersten Stunden fühlt sich Windrose sehr wie Valheim oder Enshrouded an. Ihr klaubt zunächst Treibholz und Steine vom Boden auf, bis ihr eine simple Werkbank bauen und Axt sowie Spitzhacke basteln könnt. Dann fällt ihr eine Palme nach der anderen und zerlegt Büsche, um Pflanzenfasern zu erhalten. So schafft ihr die Grundlagen für eure erste Hütte und weitere Crafting-Stationen.

Schnell landen auch Kokosnüsse in eurem Inventar, mit denen ihr euren Magen wenigstens ein bisschen füllt. Nahrhafter ist aber das Fleisch von Dodos und Wildschweinen, das ihr entweder an der Kochstelle bratet oder zusammen mit anderen Zutaten zu komplexeren Mahlzeiten verarbeitet.

Das Hungersystem erinnert stark an das von Valheim und Enshrouded: Ihr werdet nicht den Tod erleiden, wenn ihr längere Zeit mal nichts futtert, allerdings erhöht Essen im Magen eure maximale Lebensenergie. Zusätzlich bieten vollwertige Gerichte wertvolle Buffs, beispielsweise einen Bonus auf euren Nah- oder Fernkampfschaden.

Die Gefechte spielen sich dank eingängiger, simpler Steuerung (eine Taste für leichte, eine für schwere Schläge plus Ausweich- und Blockfunktion) und der Möglichkeit, Animationen abzubrechen, sehr flüssig. Jeder Gegnertyp hat individuelle Angriffsmuster und Spezialattacken. Eine besondere Form von Ertrunkener zum Beispiel speit mit Säure, die für einige Zeit auf dem Boden liegen bleibt, und “Stürmische Eber” sprinten auf euch zu und katapultieren euch mit einem Rammangriff für mehrere Meter durch die Luft.

Interessante Dualität im Kampf

Eine interessante Designentscheidung: Angreifen und Ausweichen kostet euch Ausdauer, Blocken jedoch nicht. Hierfür gibt es eine eigene Ressource, dargestellt durch Schild-Icons in der Bildschirmmitte. Simples Blocken bei gedrückter Taste lässt mindestens einen, je nach Stärke des Feindes auch mal mehrere dieser Schilde zerbrechen. Nach kurzer Zeit laden die sich wieder auf, aber wenn mal alle verbraucht sind und ihr aufgrund mangelnder Ausdauer nicht ausweichen könnt, wird es schmerzhaft. Dann schlaft ihr schneller bei den Fischen, als ihr „Kielholen“ sagen könnt. Gelingt euch jedoch ein perfekter Block in genau dem Moment, in dem euer Widersacher angreift, verliert ihr keinen der Schilde.

Dass ihr in Windrose mit zwei Ressourcen im Kampf jonglieren müsst, ist eine tolle Idee, die der Action eine schöne taktische Note verleiht. Ähnlich gut durchdacht sind auch Crafting und Basenbau. Beides lässt mein Survival-Fanherz mit praktischen Komfortfunktionen frohlocken. Crafting-Stationen beziehen automatisch Ressourcen aus nahen Lagerbehältern, sodass ihr nicht immer alles in eurem (anfangs stark begrenzten) Inventar herumschleppen müsst.

Beim Zusammenzimmern eures Unterschlupfs könnt ihr eine Snap-Funktion nach Belieben aktivieren und deaktivieren, in eine etwas weiter herausgezoomte Kameraperspektive umschalten und sogar den Drehwinkel für die Platzierung sämtlicher Bauteile und Objekte in mehreren Stufen einstellen – dieses Feature will ich fortan bitte in jedem Survival-Spiel haben! Einzig ein Button, um beim Crafting direkt die mögliche Maximalmenge an Items herzustellen, fehlt mir noch.

“Kanonen los!”

Ähnlich begeisternd wie das Bausystem fallen das Schippern über die See und die Schiffskämpfe aus. Auch hierbei erweist sich die Bedienung als hervorragend. Mit den Tasten W und S erhöht respektive senkt ihr die Geschwindigkeit. Der Wind spielt keine Rolle und ihr könnt sogar den Rückwärtsgang einlegen, euer Schiff lenkt sich aber recht träge.

Dadurch ist in den Seeschlachten einiges an Geschick gefragt. Die erinnern wohlig an Black Flag. Es gibt verschiedene Arten von Kanonenkugeln (im Fall der Demo Standardgeschosse und Kettenkugeln) und ob ihr von der Steuerbord- oder Backbordseite oder dem Bug aus feuert, hängt von der Ausrichtung der Kamera ab. Die Gefechte spielen sich sehr eingängig und dank animierter Crew, krachenden Soundeffekten und stimmungsvoller Musik kommt dabei eine tolle Atmosphäre auf.

Und ja, natürlich könnt ihr feindliche Schiffe auch entern, sobald ihr sie stark beschädigt habt. Dann springt ihr selbst rüber auf den anderen Kahn und erledigt die gegnerische Mannschaft im Nahkampf – oder ihr schickt eure Leute vor und feuert selbst vom eigenen Schiff aus mit der Muskete auf die Feinde.

Die Demo deutet bereits an, dass ihr in der Vollversion von Windrose verschiedene Arten von Schiffen selbst bauen könnt. Kanonen und andere Schiffsausstattung stellt ihr ebenfalls selbst her. In Kombination mit der Inselerkundung, den narrativen Quests, der Progression eurer Basis und eures eigenen Charakters (es gibt auch noch ein Levelsystem mit Attributssteigerung und diversen freischaltbaren Talenten) könnte Windrose einen unfassbar starken Sog entfalten, wenn es in den Early Access startet.

Obendrein sieht das Spiel sehr hübsch aus. Die Spielwelt mit ihrer grandiosen Lichtstimmung sorgt für Urlaubsfeeling und auch die Figuren sind klasse modelliert. Dank eines Filters erinnert deren Look ein bisschen an Ölgemälde aus dem großen Piratenzeitalter, ohne dass Windrose aber allzu stark stilisiert wirkt. Das Gesamtbild ist ungemein stimmig und die Performance bereits jetzt ausgezeichnet. Der Early Access kann kommen!

Fazit

Jens Bremicker - Portraitvon Jens Bremicker
Windrose könnte einer der Survival-Hits des Jahres werden

Ich liebe Survival-Spiele und wünsche mir schon lange ein richtig gutes Open-World-Piratenabenteuer, das nicht Black Flag heißt. Zack, kommt Windrose um die Ecke und erobert mit seiner Demo mein Herz im Sturm. Ich kann mich im Aufbau meiner Basis verlieren, interessante Orte erkunden, Ressourcen grinden, meinen Charakter aufleveln und dann auch noch übers Meer segeln und spaßige Seeschlachten austragen. Alle Spielmechaniken greifen wunderbar ineinander und lassen die Zeit wie im Fluge vergehen.

Dabei sieht Windrose auch noch hübsch aus und bietet das richtige Maß an spielerischem Anspruch. Der Überlebenskampf stresst mich nicht, weil ich nicht verhungern kann, die Kämpfe sind aber auch nicht zu einfach geraten und verlangen mir eine gute Portion Geschick und Taktik ab.

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Dass bereits die Demo diverse Komfortfunktionen beim Bau und der Verwaltung meines Unterschlupfs bietet, die ich in so manch fertigem Spiel vermisse, stimmt mich umso positiver, dass Windrose ein richtiger Kracher werden kann. Wenn am Ende die Geschichte noch Fahrt aufnimmt und die Entwickler für genügend Abwechslung in der Spielwelt sorgen, sehe ich mich schon etliche Stunden in der virtuellen Karibik verbringen. In diesem Sinne: Yo-ho, yo-ho, (Hobby-)Piraten haben’s (bald) gut.

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