Test - Hytale : Warum Hytale seinen Hype verdient hat
- PC
Auf die Gefahr hin, dass mich manche von euch mit Cobblestone-Blöcken steinigen möchten, sage ich es gleich vorweg: Ich mag Minecraft nicht. Ich finde es optisch in etwa so ansprechend wie ein verschimmeltes Brot, das grundlegende Gameplay ist so unterhaltsam wie Staubwischen und in den prozedural generierten Welten gibt es nichts Spannendes zu entdecken. Demgegenüber steht seit dem 13. Januar Hytale – ähnlicher Look, ähnliches Spielerlebnis (zumindest in der aktuellen Early-Access-Version) … und ich liebe es! Ganz viele andere Spieler tun das auch. Hytale ist der erste große Indie-Hit 2026 und so wenig verwunderlich das jetzt ist, noch vor zwei Wochen hätte wohl niemand damit gerechnet.
Was bisher geschah …
Es ist bereits über sieben Jahre her, dass Hytale der Öffentlichkeit erstmals vorgestellt wurde. Nach Jahren an Erfahrungen als Minecraft-Modder und Betreiber des größten Minecraft-Servers wollte das Team von Hypixel ein eigenes Spiel auf den Markt bringen, das zwar vieles von Mojangs Riesen-Hit abkupfert, aber doch ganz andere Schwerpunkte legen soll. Statt einer reinen Sandbox-Erfahrung möchte Hypixel den Spielern ein Story-Abenteuer mit Quests, handgebauten Dungeons und verschiedenen Fraktionen bescheren.
Trotzdem soll Hytale all die Sandbox-Eigenschaften des großen Vorbilds besitzen, wie der Hypixel-Server diverse Minigames bieten und sehr leicht modifizierbar sein, damit Modder ihre eigenen Ideen darin umsetzen können. Minecraft trifft Skyrim trifft Roblox – so könnte man die Grundidee von Hytale zusammenfassen.
Das Projekt erregte viel Aufsehen, oftmals wurde schon von einem “Minecraft-Killer” oder “Minecraft 2.0” gesprochen. 2020 dann die große Nachricht: Riot Games erwirbt die Rechte an Hytale, übernimmt Hypixel und vergrößert das Team in der Hoffnung, dass das Spiel der nächste große Millionen-Seller wird.
Die Ambitionen werden daraufhin noch größer: Die Entwickler wechseln auf eine modernere, Multiplattform-geeignete Engine, damit Hytale nicht nur für den PC, sondern direkt auch die Konsolen erscheinen kann. Der Haken: Sie müssen das bisher Geschaffene über Bord schmeißen und quasi nochmal von vorne anfangen. Drei Jahre später ist ein Release immer noch so weit entfernt, dass Riot die Reißleine zieht.
Die Entwicklung wird eingestellt, das Team aufgelöst. Aus und vorbei der Traum vom großen Minecraft-Konkurrenten – bis 2025 der Kopf hinter Hytale, Simon Collins-Laflamme, verriet, die Rechte am Spiel von Riot Games zurückkaufen zu wollen. Im Herbst folgte die freudige Ankündigung, dass Hypixel wieder da sei, an der 2020 eingestellten alten Version weiterarbeiten werde und ein Early-Access-Release schon kurz bevorstünde.
Diesen Monat war es dann soweit. Hytale ist tatsächlich in einer sehr frühen Fassung für den PC erschienen – mit dem Hinweis der Macher, dass es sich noch um kein gutes Spiel handele und man sich einen Kauf ganz genau überlegen solle.
Mehr Spiel als gedacht
Ich hatte nach dieser Early-Access-Ankündigung mit dem Schlimmsten gerechnet: einer Pre-Alpha-Version mit sehr wenig Inhalt, die bestenfalls eine interessante Demo ist und grob in die Richtung zeigt, in die sich Hytale mal entwickeln soll. Etwas, das man eher als kleines Dankeschön für Unterstützer des Projekts bezeichnen würde, aber nicht als ein marktreifes Produkt.
Ich lag total falsch! Nach knapp 40 Stunden, die ich schon mit dem Spiel verbracht habe, bin ich Feuer und Flamme für dieses bereits jetzt fesselnde Sandbox-Spiel. Es gibt so viel zu sehen: Hunderte unterschiedliche Tiere und NPCs, etliche Pflanzenarten, eine Vielzahl an Biomen, beeindruckende Höhlen und diverse künstlich geschaffene Strukturen wie Festungen und Türme voller Untoter, Wikingerdörfer, Gruften und Insektenbauten.
Und das ist auch einer der großen Vorteile von Hytale gegenüber Minecraft: Es gibt einfach viel mehr zu entdecken. Die Spielwelt fühlt sich dank der reichhaltigen Fauna lebendiger an und die Points of Interests sind sehr viel interessanter als alles, was ihr im Mojang-Spiel vorfindet.
Die Abwechslung dürfte größer sein (wird sie in Zukunft bestimmt auch). Innerhalb jeder einzelnen Region stolpert ihr größtenteils doch bloß über verschiedene Varianten der gleichen Strukturarten. Aber dank teils versteckter Truhen und eines netten Kampfsystems nehme ich es immer wieder gerne mit den dortigen Gegnern auf.
Hier machen Kämpfe Spaß
Wo ihr in Minecraft bloß mit der immergleichen Animation auf Feinde einschlagt, hat jede Waffengattung in Hytale nicht nur individuelle Abfolgen von Standardattacken, sondern auch einen speziellen aufgeladenen Angriff und eine ultimative Spezialfähigkeit, für die ihr erst Energie ansammeln müsst, um damit dann besonders viel Schaden auszuteilen. Zusätzlich könnt ihr gegnerische Attacken parieren.
Im Grunde spielen sich die Kämpfe in Hytale wie die in Skyrim. Was für ein Action-RPG aus heutiger Sicht relativ mäßig wäre, ist für ein Minecraft-like mehr als ausreichend. Die Entwickler haben außerdem schon angedeutet, dem System in Zukunft noch mehr Tiefgang und Dynamik zu verleihen, etwa durch eine Ausweichfunktion.
Die flüssigen, vielfältigen Animationen sind ein weiterer Aspekt, warum mir Hytale so viel besser gefällt als Minecraft. Gerade die Tiere wirken dadurch viel lebendiger als jedes Schaf oder Schwein, dass Mojang jemals designt hat. Dazu tragen auch die detaillierten Modelle bei, die es überhaupt erst ermöglichen, dass die Figuren in Hytale sich so geschmeidig bewegen. Zum Vergleich: Euer Avatar in Minecraft besteht aus sieben Blöcken: jeweils einer für Torso und Kopf sowie pro Arm und Bein. In Hytale ist jede Gliedmaße aus drei Blöcken zusammengesetzt und das macht einen gewaltigen Unterschied.
Aller Begeisterung zum Trotz: Hytale ist noch lange nicht fertig
So gut mir Hytale gefällt, so viel fehlt in der Early-Access-Version noch. Das Spiel ist sehr weit von der Vision entfernt, die Hypixel bereits seit sieben Jahren hat. Von einer Story mit klar vorgegebenen Zielen und eigens dafür kreierten Schauplätzen und Charakteren ist noch nichts zu sehen.
Bislang fühlt sich Hytale wie eine stark gemoddete Version von Minecraft an. Ihr könnt den Exploration-Modus spielen, in dem euch eine Survival-Crafting-Sandbox wie im Vorbild (wobei wir das Survival in dicke Anführungszeichen setzen). Hier erlebt ihr euer eigenes Abenteuer und macht das, wozu ihr Lust habt. Das Spiel nimmt euch nicht an die Hand, erteilt euch keinerlei Aufgaben. Ihr sammelt Ressourcen, craftet euch Werkzeuge, Waffen sowie Rüstungen, baut eure Basis auf und erkundet die riesige prozedural generierte Welt. Mit besserer Ausrüstung wagt ihr euch in gefährlichere Gebiete, wo ihr wiederum Ressourcen für noch höherwertige Items findet.
Daneben gibt es mit dem Kreativmodus die Möglichkeit, nach Herzenslust zu bauen und die Spielwelt zu verändern, ohne Ressourcen sammeln und euch vor Feinden in Acht nehmen zu müssen. Dieser Modus beeindruckt vor allem mit der Menge an Werkzeugen, die euch Hypixel zur Verfügung stellt. Mit einem Pinsel malt ihr Täler, Berge, Flüsse und Co. in die Landschaft, ihr könnt nach Belieben alle möglichen NPCs, Objekte und sogar ganze vorgefertigte Strukturen platzieren und habt Zugriff auf waschechte Modding-Tools, mit denen ihr zum Beispiel eigene Modelle für Figuren, Items oder Bauteile erschafft.
Aktuell habt ihr vor allem dann mit Hytale Spaß, wenn ihr euch gerne kreativ austobt und viel Freude am Bauen habt. Der Kern-Gameplay-Loop aus Erkunden, Kämpfen und Crafting, der stark an Spiele wie Valheim oder Enshrouded erinnert, funktioniert zwar gut und unterhält für einige Stunden, ist aber noch nicht so umfangreich wie in den genannten Alternativen.
Ich bin mir jedoch sehr sicher, dass die Entwickler hier im Laufe der Zeit viel nachlegen werden. Hypixel ist jetzt schon extrem fleißig. Schon wenige Tage nach dem Release ist das erste Update mit Quality-of-Life-Features und neuen Inhalten erschienen. Update 2 wird in Kürze folgen und Hypixel verspricht, solche Patches in schneller Taktung zu veröffentlichen.
Worauf ihr derzeit noch verzichten müsst
Da der Launch ein voller Erfolg war, ist die Weiterentwicklung auch erst mal gesichert. Schon die mehr als eine Million Vorbestellungen haben laut Simon Collins-Laflamme dafür gesorgt, dass die Arbeiten an dem Projekt für zwei Jahre finanziert seien. Bis Hytale aus dem Early Access raus ist und seinen Adventure-Modus mit der Story und allem, was dazugehört, bietet, dürfte es aber noch länger dauern.
Erst einmal müssen alle spielerischen Grundlagen vervollständigt werden. Tierzucht zum Beispiel ist noch nicht möglich. Ihr könnt zwar Tiere einfangen oder mit Futter in eure Basis locken, aber weder vermehren sie sich noch altern Jungtiere. Die tiefen Meere der Spielwelt könnt ihr noch nicht wirklich erkunden, weil euch dafür zu schnell die Luft ausgeht – und es gibt bislang weder Ausrüstung noch Skill-Upgrades, mit denen sich eure Tauchzeit verlängern lässt.
Ein Aufleveln eures Charakters? Noch nicht möglich. Die bislang höchste Qualitätsstufe für Ausrüstung in Form von Mithril-Items? Die ist zwar in den Menüs der Werkbänke bereits aufgelistet, aber die nötigen Ressourcen könnt ihr im Exploration-Modus noch gar nicht finden.


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