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Test - Lost Soul Aside : Test: Ein fehlerbehafteter Liebesbrief an Final Fantasy

  • PC
  • PS5
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Über zehn Jahre befand sich Lost Soul Aside in der Entwicklung, zunächst als Soloprojekt des chinesischen Studenten Yang Bing. Dann wurde zwischenzeitlich Sony auf das Spiel aufmerksam und nahm den Titel in das China Hero Project auf. Hinter diesem albernen Namen verbirgt sich ein Prestigeprojekt der Firma, das chinesische Indie-Studios mit technischer und finanzieller Unterstützung versorgt. Dank dieser Geldspritze gründete Yang das Studio Ultizero Games, stellte um die 40 Personen an und schuf das Spiel seiner Träume.

Selbst ohne Hintergrundwissen zur Entwicklung erkennt man auf den ersten Blick, welche Spiele Ultizero Games als Vorbild dienten. Allen voran muss hier Final Fantasy XV genannt werden. Kaser, die Hauptfigur von Lost Soul Aside, wirkt wie der kleine Bruder von Noctis – nur mit Hot-Topic-Gutschein und einem Ledermantel, der die Apokalypse überlebt. Schwarzes Shirt mit Totenköpfen, bodenlanger Mantel und die typische „Ich-trage-die-Welt-auf-meinen-Schultern“-Attitüde – ein Traum für edgy Teenager.

Finale Fantasie eines Fans

Die Story selbst stammt direkt aus dem Lehrbuch von Final Fantasy 7. Kaser gehört der Widerstandsorganisation GLIMMER an, soll als erste Amtshandlung eine Parade sabotieren, und selbstverständlich geht alles schief. Anstatt dem bösen Imperator eins auszuwischen, wird seiner unschuldigen Schwester Louisa (die einfach Aerith 2.0 ist) die Seele geraubt.

Die Voidrax, mysteriöse Wesen aus einer anderen Dimension, sind schuld. Kaser ist entsprechend angefressen und schwört Rache. Praktisch, dass er sofort auf den uralten Drachen-Lord Arena trifft, der ohne großes Zögern sein Sidekick wird. Im Ernst: null Zweifel, null Erklärung, nach drei Sätzen sind sie beste Freunde. Ab da verwandelt sich Lord Arena regelmäßig in eure Waffen und kommentiert jeden Mist. Das Problem: Er hört einfach nicht auf. Der Drache labert so viel, dass selbst Navi aus Ocarina of Time wie ein Priester mit Schweigegelübde wirkt.

Das Gefühl des Vertrauten hört auch bei den Schauplätzen nicht auf. Die GLIMMER-Slums könnten so auch in Midgar stehen. Danach geht es durch unwirtliche Paralleldimensionen, malerische Wiesen mit Ruinen und sterile Fabrikhallen. Mittelalter-Fantasy trifft auf Science-Fiction – irgendwo zwischen Final Fantasy und Forspoken. Neu ist hier nichts, aber hübsch ist es stellenweise schon.

Ein Lichtblick bleibt immerhin das Artdesign der Figuren. Austauschbare Persönlichkeiten, ja – aber die Designs sind auffällig genug, um hängen zu bleiben. Nur die tiefen Ausschnitte und knappen Röcke hätte es auf keinen Fall gebraucht und sorgen für mehr cringe als nötig gewesen wäre.

Ebenfalls muss ich Ultizero Games eine Sache lassen: Ihren Schauplätzen wohnt eine irre hohe Detaildichte inne. Verlassene Dörfer fühlen sich dank eilig umgeworfener Hausstände an, als würdet ihr die Einwohner und Einwohnerinnen hinter der nächsten Ebene finden. Auch Märkte in bewohnten Städten fahren haufenweise Produkte auf, die gerade frisch vom Schiff gefallen sein könnten.

Eine Sache macht Lost Soul Aside richtig gut

So viel sich Lost Soul Aside auch an Final Fantasy 7 anlehnt, das Kampfsystem bedient sich eher bei Teil 16 oder Devil May Cry. Da könnten jetzt berechtigte Sorgen aufkommen, dass sich Ultizero Games massiv verhebt und halbgare Mechaniken abliefert – aber das System funktioniert erstaunlich gut. Schnelle Echtzeitkämpfe, vier Waffen, Kombos, Specials – hier fühlt sich alles wuchtig und sauber an.

Gerade wenn ihr Waffenketten aneinanderreiht, Feinde in die Luft schleudert, euren Berserker-Modus aktiviert und Bullet-Hell-Angriffen ausweicht, blitzt echtes Können der Entwicklerinnen und Entwickler durch. Hier glänzt das Spiel, keine Frage. Der Rest mag generisch sein – die Kämpfe sind es definitiv nicht.

Bosskämpfe stellen dann auch die größten Highlights dar. Riesige Drachenmonster, gepanzerte Soldaten und groteske Wesen aus der Paralleldimension – sie alle verfügen über eigene Angriffsmuster und eskalieren gern in chaotische Bullet-Hell-Momente. Wirklich unfair wird es nie, aber Lost Soul Aside fordert euch genug, um die Bosse spannend zu halten. Schade nur, dass die normalen Mobs so generisch sind, dass man sie nach zwei Stunden kaum mehr auseinanderhalten kann.

Des weiteren passt ihr mit diversen Items und Ausrüstungsobjekten eure Builds an, erhöht Schaden und Kritische-Treffer-Rate und bringt Objekte an einzelnen Waffen an, um sie aufzuwerten. Dazu gesellen sich Elementar-Effekte wie Blitz oder Feuer.

Abwechslung, die es nicht gebraucht hätte

Wenn ihr nicht kämpft oder Cutscenes schaut, müsst ihr klettern, hüpfen oder euch durch Geschicklichkeits-Passagen wursteln. Klingt nach Abwechslung, fühlt sich aber meist wie Pflichtprogramm an. Kaser nutzt Doppel- und Dreichfachsprünge, dasht durch die Gegend und nutzt seinen Enterhaken – auf dem Papier klingt das nach cooler Vertikalität, in der Praxis stolpert er eher wie ein Praktikant durchs Tutorial.

Manchmal darf Lord Arena auch als Surfbrett herhalten – klingt spektakulär, spielt sich aber hakelig. Die Steuerung macht euch in sämtlichen Passagen außerhalb der Kämpfe einen Strich durch die Rechnung. Mal reagiert sie zu sensibel, dann wieder zu schwammig. Kombiniert mit dem Umstand, dass Crafting für Tränke praktisch überflüssig ist, ignorierte ich viele optionale Segmente einfach komplett. Warum riskieren, in den Tod zu stürzen, wenn das Belohnungssystem mich eh kaum reizt?

Heiltränke funktionieren wie in jedem x-beliebigen Soulslike: ein fixes Kontingent, das bei Rastpunkten wieder aufgefüllt wird. Lediglich Gegenmittel für Elementarstatus-Effekte müsst ihr gelegentlich kaufen – und dafür habt ihr immer genug Geld. Also gibt es weder richtigen Druck noch eine spannende Ressourcendynamik, was dem actionreicheren Ansatz aber natürlich in die Hände spielt.

Kaser Action Hero

Die Inszenierung schwankt regelmäßig zwischen Hollywood-Blockbuster und emotionslosem Puppentheater. Kasers Gesichtsausdrücke sowie die sämtlicher NPCs sind steif, aber wenn die Action losgeht, feuert das Spiel tatsächlich aus allen Rohren: Felsen stürzen ein, Kaser springt durch Explosionen, Lord Arena klebt ihm plötzlich Flügel an den Rücken – sieht fett aus, fühlt sich aber nach Cutscene-Power an, die euch selbst verwehrt bleibt. Warum ich diese Flügel nicht jederzeit im Gameplay nutzen kann, bleibt wohl das Geheimnis von Ultizero Games.

Technisch läuft Lost Soul Aside nach dem Day-One-Patch zumindest solide. Auf der PS5 gibt’s im Performance-Modus stabile Frames, auch wenn die Bildrate vor und nach Zwischensequenzen gerne mal zickt. Richtig gravierende Bugs? Fehlanzeige. Aber auch hier gilt: kein Desaster, kein Triumph – funktional eben.

Greift zu, wenn...

… ihr Bock auf schnelle, actionreiche Kämpfe habt, bei denen Buttonmashing euch nicht zum Ziel führt.

Spart es euch, wenn...

… ihr Wert auf tiefschürfende Geschichten, originelle Ideen und viel Abwechslung legt.

Fazit

Dennis Hilla - Portraitvon Dennis Hilla
Große Ambitionen treffen auf Unerfahrenheit und doch: So richtig schlecht ist Lost Soul Aside nicht

Die Entwicklungsgeschichte von Lost Soul Aside ließ sich über viele Jahre hinweg verfolgen – und war mindestens so spannend wie das fertige Spiel. Denn noch immer ist deutlich zu erkennen, wie viel von Yang Biangs ursprünglicher Vision übriggeblieben ist, die sich sehr, sehr offensichtliche Inspirationen bei Final Fantasy und Devil May Cry holte.

Das Problem: Lost Soul Aside erreicht nie die Qualität seiner großen Vorbilder. Die Figuren wirken wie blasse Doppelgänger aus anderen Titeln, die Spielwelt ist erschreckend austauschbar, und beim Platforming haben wir in zig Spielen deutlich Besseres gesehen. Was das Spiel aber rettet, ist das Kampfsystem. Hier bündelt Ultizero Games spürbar alle kreative und technische Energie. Die Gefechte krachen, fühlen sich wuchtig an und liefern den entscheidenden Grund, warum man Lost Soul Aside überhaupt ernsthaft spielen will.

>> Top 10: Die schlechtesten Final-Fantasy-Spiele: Nicht immer fantastisch <<

Alles drumherum bleibt dagegen generisch und austauschbar. Am Ende hängt es also von euch ab, ob ihr Spaß findet: Wollt ihr brachiale Bossgegner und wuchtige Gefechte, dann bekommt ihr hier ein durchaus gutes Actionspiel. Erwartet ihr hingegen starke Figuren, eine packende Story und Welten, die im Gedächtnis bleiben, dann lasst lieber die Finger von Sonys Problemkind.

Überblick

Pro

  • fantastisches Kampfsystem mit vielen Optionen
  • starke Inszenierung der Action-Szenen
  • viele Möglichkeiten zur Charakter-Anpassung
  • packende Bosskämpfe mit eigenen Movesets
  • an einigen Stellen sehr gute Musik

Contra

  • jede Idee kommt aus anderen Spielen bekannt vor
  • hakelige Steuerung außerhalb der Kämpfe
  • klischeebehaftete Figuren
  • 08/15-Story ohne große Überraschungen
  • Lord Arena nervt durch ständiges Gelaber
  • schlimme englische Vertonung

Kommentarezum Artikel

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