Länderauswahl:
Du wurdest von unserer Mobile-Seite hierher weitergeleitet.

Test - The Elder Scrolls IV: Oblivion Remastered : Test: Kernsanierter RPG-Altbau, neu tapeziert

  • PC
  • PS5
  • XSX
Von  |  | Kommentieren

Uns ein Remaster eines fast 20 Jahre alten Spiels vor die Nase zu setzen, während wir seit Ewigkeiten auf The Elder Scrolls VI warten ... puh, mutig. Auf der anderen Seite war Oblivion trotz aller Bugs und Pferde-Rüstungs-DLCs ein Meilenstein des Genres und zementierte nach Morrowind den Ruf von Bethesda als DAS Studio für Open-World-RPGs. Warum also nicht noch eine Runde in einem legendären RPG drehen? Es gibt zumindest deutlich langweiligere Optionen, als ein rundum verschönertes Oblivion zu zocken.

Virtuos Studios hat einen raffinierten Trick angewandt, um The Elder Scrolls IV: Oblivion in ein modernes Gewand zu hüllen. Im Prinzip hat das Studio den alten Gamebryo-Code komplett in die Unreal Engine 5 übertragen und Berge von neuen Assets erstellt. Im Grunde bekommt ihr also das komplette Grundgemäuer des RPG-Klassikers, allerdings mit neuen Installationen, Teppichen, Tapeten und Wandverkleidungen. Wobei man schnell merkt, dass an einigen Ecken der alte Schimmel durchschimmert.

Das hat den Vorteil, dass das alte Spielgefühl weitgehend erhalten geblieben ist und sich alte Oblivion-Veteranen sofort wohlfühlen. Anpassungen gibt es dennoch reichlich. Auffällig sind natürlich die überarbeiteten Menüs und Interfaces, die nun weitestgehend modernen Standards entsprechen und sich insgesamt recht gut bedienen lassen. Auch das Kampfsystem wurde etwas angepasst, vor allem was das Blocksystem und das Trefferfeedback betrifft. Man sollte aber keine Wunder erwarten, bestenfalls Skyrim-Niveau. Auch das Levelsystem wurde überarbeitet und etwas flüssiger gestaltet.

Im Kern ist Oblivion Remastered aber immer noch das alte Oblivion mit allen Vor- und Nachteilen. Dass es sich nicht um ein komplettes Remake handelt, merkt man spätestens an den alten Bugs und Fehlern, die auch in der neuen Version wieder auftauchen. Zum Beispiel bei einer Quest, bei der man zwei NPCs zu einer Bergfestung führen muss. Die Aufgabe dauert eigentlich nur fünf Minuten, hat uns aber über eine Stunde und mehrere Anläufe gekostet, weil die NPCs auf Neandertaler-Niveau agieren und auf dem Weg immer wieder irgendwo stecken bleiben.

Gegenstände und sogar Gegner fliegen immer noch hin und wieder seltsam durch die Gegend, NPCs verhalten sich immer noch oft Meme-würdig, Schatten sind unvollständig, Abstürze oder endlose Ladebildschirme sind immer noch an der Tagesordnung und auch die Haltbarkeit von Rüstungen und Waffen ist äußerst fragwürdig. Neu hinzugekommen ist allerdings das Traversal Stuttering. Typisch für die Unreal Engine kommt es immer wieder zu hakeligem Nachladen von Umgebungsgrafiken und Texturen, die die Performance immer wieder beeinträchtigen. Man muss also ein wenig an den Einstellungen schrauben, um dieses Problem auf ein Minimum zu reduzieren.

Was Virtuos Studios und Bethesda allerdings hervorragend gelungen ist, ist die grafische Aufwertung des Klassikers. Dafür wurden praktisch alle Assets neu erstellt und das macht sich bemerkbar. The Elder Scrolls IV: Oblivion Remastered sieht vor allem in den Spielumgebungen bemerkenswert schick aus. In 4K mit maximierten Einstellungen kann das Remaster problemlos mit den meisten aktuellen Spielen mithalten. Dichte Wälder, beeindruckende Landschaften und dynamische Effekte machen die Welt noch immersiver als je zuvor.

Auch die Charaktere in den gewohnt statischen Dialogen können sich sehen lassen, zumal die Entwickler auf eine deutlich verbesserte Mimik und sogar Lippensynchronität geachtet haben. So gesehen ist Oblivion Remastered technisch sogar weiter als Starfield. Einen Haken hat die Sache allerdings. Während die Entwickler sogar die Sprachausgabe erweitert und teilweise neu aufgenommen haben, ist die deutsche Sprachausgabe über den Jordan gegangen. Wer also nicht fließend Englisch spricht, muss sich mit deutschen Untertiteln begnügen.

Spielerisch und inhaltlich ist fast alles so, wie wir es kennen, darum gehen wir an dieser Stelle mal nicht näher auf das grundsätzliche Spiel ein - das könnt ihr in unserem damaligen Test des Originals nachlesen. Erfreulicherweise umfasst das Remaster das Hauptspiel nebst allen DLCs inklusive der infamen Pferderüstung. Sprich, Shimmering Isles und Knights of the Nine sind ebenso enthalten, wie der Rest der Zusatzinhalte. Ihr könnt euch also schon von der ausgebauten Charaktererstellung an in alle Oblivion-Inhalte stürzen. Schade nur, dass sich ein paar Woke-Schreihälse schon wieder darüber echauffieren, dass ihr statt „männlich“ und „weiblich“ nun „Körpertyp 1“ und „Körpertyp 2“ auswählen könnt. Was de facto NULL Unterschied macht. Aber mal ein Fenster öffnen oder Gras anzufassen ist heutzutage halt viel verlangt.

Die Story nimmt ihren gewohnten Verlauf. Ihr hockt im Knast, ausgerechnet in eurer Zelle gibt es einen Geheimgang, durch den ihr dank Kaiser Uriel Septim höchstpersönlich fliehen könnt, nur um danach mitten in einen Kampf gegen die dämonischen Daedra zu geraten, die überall in Tamriel Tore zu ihrer Heimatebene Oblivion öffnen, um das Land mit ihren Horden zu überschwemmen. Der eigentliche Reiz ist allerdings, dass ihr in der Spielwelt unfassbar viel erkunden könnt. Wo auch immer ihr eine Marke auf dem Kompass entdeckt, gibt es etwas zu entdecken. Also genau das, was in Morrowind begann, mit Oblivion fortgeführt wurde und letztendlich in Skyrim eskalierte und den Ruf von Bethesda begründete.

Altbekannte RPG-Mechaniken wie NPC-Interaktionen, verschiedene Berufe, Gilden und Fraktionen, Handwerk oder auch Mischklassen sind wie gewohnt dabei. Auch die freie Wahl, ob ihr aus der Ego-Perspektive oder zwei Third-Person-Ansichten spielen wollt, ist weiterhin dabei. Wie eingangs schon erwähnt, am spielerischen Kern wurde im Grunde nichts verändert, eben weil Oblivion nicht neu programmiert, sondern im Grunde „nur“ portiert, aufgehübscht und modifiziert wurde. Deswegen ist auch die Bezeichnung Remaster durchaus korrekter als Remake, ebenso wie man einen kernsanierten Altbau nicht als Neubau deklariert.

Greift zu, wenn...

… wenn ihr auf Open-World-Rollenspiel steht und das originale Oblivion entweder nie gespielt habt oder im neuen Gewand wieder erleben wollt.

Spart es euch, wenn...

… wenn ihr keinen Nerv auf altbackenes Gameplay und skurrile Bugs habt.

Fazit

Andreas Philipp - Portraitvon Andreas Philipp
Klassiker mit alten Macken, neuer Tapete und sinnvollen Verbesserungen

Ein fast zwanzig Jahre altes Spiel mit einem dermaßen hohen Stellenwert in der Videospielgeschichte in die Moderne zu bringen, ist schon verdammt mutig. Immerhin verbinden Tausende von Spielern damit wohlige (und witzige) Erinnerungen und jeder Fehltritt könnte eine Katastrophe bedeuten. Aber: Bethesda und Virtuos Studios haben es tatsächlich gut hinbekommen. Herausgekommen ist eine Mischung aus Remake und Remaster (mehr zweiteres). Im Grunde haben die Entwickler das alte Spiel mehr oder minder komplett inklusive DLCs und Zusatzinhalten in die Unreal Engine portiert und mit neu produzierten Assets versehen, ohne den Kern allzu sehr zu verändern, aber mit einigen sinnvollen Modernisierungen, vor allem bei Menüs, Interface und einigen Spielmechaniken.

Das Remaster gibt sich optisch deutlich sehenswerter als erwartet/befürchtet. Die Landschaften sehen wundervoll aus, die Charaktere in den immer noch statischen Dialogsequenzen besser als in Starfield (was Bethesda ein wenig peinlich sein sollte). Auch dass Virtuos einige moderne Techniken wie Lumen-Raytracing, DLSS, FSR und XeSS integriert hat, ist lobenswert, allerdings auch bitter nötig, denn das Remaster zehrt ordentlich an der Hardware. Dabei nervt vor allem das Traversal Stuttering beim Nachladen von Umgebungstexturen und die nie wirklich stabile Framerate. Hinsichtlich der Optimierung könnte das Spiel noch ein paar Updates vertragen, zumal das Spiel ohne Upscaler selbst High-End-Grafikkarten in die Knie zwingt.

Inhaltlich gibt es nichts zu meckern, immerhin wurde das komplette Gesamtpaket quasi 1:1 integriert und das sogar mit streckenweise neuer Sprachausgabe. Schade: die deutsche Sprachausgabe wurde dadurch über Bord geworfen, eine Neuvertonung war im Budget wohl nicht mehr drin. Mehr als deutsche Menüs und Untertitel sind nicht zu haben. Die spielerischen Überarbeitungen wissen zu gefallen. Das Kampfsystem ist etwas griffiger, Stealth funktioniert etwas besser, vor allem aber sind die Menüs deutlich zugänglicher, wenn auch immer noch ein wenig sperrig. Auch das überarbeitete Levelsystem gefällt uns recht gut.

Unterm Strich haben Bethesda und Virtuos Studios ein gelungenes Remaster abgeliefert, dass den Kern des ursprünglichen Spiels (im wahrsten Sinne) beibehält und das alte Spielgefühl nicht zerstört, aber an den richtigen Stellen optimiert wurde und visuell mit den meisten aktuellen Titeln mithalten kann. Einige alte Macken und Bugs sind immer noch dabei, aber irgendwie macht das ja auch ein wenig den Bethesda-Elder-Scrolls-Charme aus. Und wem die über 50 Euro für ein Remaster zu viel sind, der holt sich einfach für ein oder zwei Monate den Game Pass und rockt das Teil mit Vollgas durch.

Überblick

Pro

  • visuell sehr beeindruckendes Remaster
  • einige Spielmechaniken sinnvoll überarbeitet
  • Herz und Seele des Spiels beibehalten
  • alle DLCs und Zusatzinhalte enthalten
  • beeindruckende Umgebungen
  • gelungenes Charakter- und Klassensystem
  • viel Handlungsfreiheit für den Spieler

Contra

  • Performance könnte noch Optimierung vertragen
  • zahlreiche Ladeprobleme
  • einiges an (teils altbekannten) Bugs
  • keine deutsche Sprachausgabe
  • viele, wenn auch kurze Ladezeiten

Kommentarezum Artikel