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Test - The Seven Deadly Sins: Origin : Test: Noch ein Hype-Gacha-Spiel, aber Spaß macht’s

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Ich gestehe: Ich mag Gacha-Spiele. Also ich mag sie nicht aufgrund ihrer Monetarisierung, um Gottes Willen! Ein Gacha-System ist nichts anderes als eine Lootbox und im Fall von Genshin Impact, Arknights: Enfield und Co. geht es dabei ja nicht mal nur um kosmetische Inhalte. The Seven Deadly Sins: Origin bildet da keine Ausnahme. Aber wie die anderen genannten Titel hat auch dieses Anime-Abenteuer es geschafft, mich zu unterhalten, auch wenn es spielerisch der Konkurrenz nicht das Wasser reichen kann.

The Seven Deadly Sins: Origin ist kein Prequel zur Manga- und Anime-Serie, wie der Untertitel vermuten lassen könnte, sondern spielt nach deren Handlung. Ihr schlüpft in die Haut von Tristan, Prinz des Königreichs Liones, Sohn von Meliodas und Elizabeth, den Protagonisten der Vorlage. Und das allein schon ist eine Besonderheit gegenüber anderen Gacha-Spielen. Zwar erstellt ihr euch in Genshin Impact, Wuthering Waves und Konsorten auch keinen eigenen Charakter, wählt aber zumindest einen eigenen Namen und das Geschlecht. Dennoch ist eure Figur sehr wortkarg.

Nicht so in The Seven Deadly Sins: Origin! Tristan spricht in den Zwischensequenzen und vollständig vertonten Dialogen der Hauptgeschichte genauso viel wie die anderen Figuren. Zugegeben, er ist kein sonderlich tiefgründiger Charakter, sondern der typische hilfsbereite, stets freundliche Anime-Held im jungen Alter, trotzdem versprüht er mehr Persönlichkeit als seine Äquivalente in ähnlichen Spielen.

Wieder mal eine Multiverse-Story

Ich habe The Seven Deadly Sins: Origin übrigens mit japanischer Sprachausgabe gespielt, die sich echt hören lassen kann. Man sollte jedoch keine Abneigung gegen quiekende Stimmen wie die von Schweinchen Hawk haben. Eine englische oder gar deutsche Vertonung gibt es leider nicht, die einzige Alternative zu Japanisch ist Koreanisch. Es gibt allerdings deutsche Texte, die größtenteils voll in Ordnung sind. Ab und zu machen sich Übersetzungsfehler bemerkbar, die Qualität der Lokalisierung ist aber zumindest höher als bei Wuthering Waves.

Die Story mit Multiversum-Thematik rund um ein mysteriöses Artefakt, das Raum und Zeit ins Chaos stürzt, reißt keine Bäume aus. Sie ist aber dank vieler Zwischensequenzen nett präsentiert und lotst euch gut durch die Spielwelt. Zudem ist sie auch für diejenigen verständlich, die weder den Manga gelesen noch den Anime geschaut habe, wobei es natürlich von Vorteil ist, wenn man weiß, wer Meliodas, Elizabeth, die Heiligen Ritter und die titelgebenden Seven Deadly Sins sind.

Die Handlung fällt übrigens in Version 1.0 deutlich umfangreicher aus als das, was beispielsweise Genshin Impact in seiner Release-Fassung geboten hat. The Seven Deadly Sins: Origin umfasst bereits jetzt zwölf Akte, bestehend aus mehreren 100 Quests. Es kommt also überhaupt nicht das Gefühl auf, eigentlich nur eine Art Early-Access-Version zu spielen, die erst nach etlichen Jahren eine vollumfängliche Story enthalten wird – etwas, das ich von Gacha-Spielen bislang noch gar nicht kannte.

Das Standard-Open-World-Buffet

Auch die Spielwelt hat schon jetzt einiges zu bieten. Neben dem Königreich Liones warten etwa der Wald des Feenkönigs und eine große Wüste darauf, von euch erforscht zu werden. Liones dient als Tristans Heimat logischerweise als Startregion, und allein hier könnt ihr schon etliche Stunden verbringen.

Neben der umfangreichen Hauptstory hat The Seven Deadly Sins: Origin Hunderte Nebenquests zu bieten. Die fallen zwar spielerisch stets simpel aus (Monster töten, Items sammeln, bestimmte Leute aufsuchen) und erzählen auch selten aufregende Geschichten, versprühen aber oftmals eine gewisse Portion Charme, etwa wenn ihr die Wachablöse für einen Soldaten finden sollt, der ganz dringend mal austreten müsste.

Dazu gesellen sich Minirätsel in der Open World, wobei die Betonung hierbei wirklich auf “Mini” liegt. Wer gerade frisch aus Crimson Desert kommt und sich an dessen Knobelaufgaben oftmals die Zähne ausgebissen hat, für den wird The Seven Deadly Sins: Origin wie Urlaub fürs Hirn wirken. Die Rätsel sind um das Buch der Sterne gestrickt: das bereits erwähnte mysteriöse Artefakt, das Tristan zu Spielbeginn in die Hände fällt. Damit könnt ihr zum Beispiel Gegenstände in der Welt bewegen und zerstörte Objekte reparieren, indem ihr sie quasi die Zeit zurückspult.

Es ist immer klar ersichtlich, was zu tun ist, was unter anderem damit zusammenhängt, dass ihr nicht frei zwischen den Fähigkeiten des Buchs der Sterne wechseln könnt. Das geht nur an passenden Sternbildsteinen, wo ihr das Buch auch immer wieder aufladen müsst. Da bei jedem Puzzle solche Steine stehen, kann es erst gar nicht dazu kommen, dass ihr überlegen müsst, welche Fähigkeiten es anzuwenden gilt.

Zugleich ist es nervig, jedes Mal zu so einem Sternbildstein hingehen, eine Taste drücken und warten zu müssen, bis das Buch auf die entsprechende Fähigkeit wechselt. Warum konnten die Entwickler dafür nicht einfach ein Radialmenü einbauen, sodass jederzeit alle bereits freigeschalteten Skills zur Verfügung stehen?

Simple, aber spaßige Kämpfe

Deutlich mehr Spaß macht die Action. Ja, The Seven Deadly Sins: Origin ist alles andere als anspruchsvoll, zumindest abseits von Weltbossen und Dungeons. Wer seine Charaktere und Waffen immer fleißig aufwertet, wird mit den normalen Gegnern nie ein Problem haben und sie oftmals mit dem Einsatz einer einzigen Fähigkeit schon ins Reich der Toten befördern. Aber die Skills sind sehr effektreich, knallen deswegen ordentlich und machen Laune.

Mechanisch bietet The Seven Deadly Sins: Origin nicht so viel Tiefgang wie Arknights: Endfield, sondern ist eher auf dem Niveau von Genshin Impact angesiedelt. Bei der Teamzusammenstellung achtet ihr eben darauf, dass die Helden sich mit ihren Fähigkeiten gut gegenseitig befruchten. Beispielsweise ist es sinnvoll, mindestens zwei Recken desselben Elements (Feuer, Wind, Erde, Blitz, Licht, Dunkelheit) in eurer Gruppe zu haben, die mit bestimmten Fähigkeiten den Schaden aller anderen Skills jenes Elements erhöhen.

Eine Besonderheit von The Seven Deadly Sins: Origin besteht darin, dass jeder Charakter drei Arten von Waffen tragen kann. Tristan beispielsweise startet mit Doppelschwertern, kann aber auch ein Groß- oder Langschwert führen. Dadurch verändern sich nicht nur seine Standardangriffe, sondern auch seine Fähigkeiten. Wenn er mit einem Langschwert kämpft, nutzt er sogar statt dem Feuer- das Windelement.

Jeder Charakter in The Seven Deadly Sins: Origin bietet also drei Spielstile, auf die ihr euch spezialisieren könnt. Statt eure Helden wie in anderen Gacha-Spielen linear aufzuleveln, stuft ihr hier die Waffenspezialisierungen auf. Das schaltet zwar Werteboni frei, es gibt aber auch Upgrades, die explizit nur für eine bestimmte Art gelten. Um die Verbesserungen freizuschalten, benötigt ihr Gold sowie bestimmte Materialien. Das kennen wir so auch aus anderen Gacha-Titeln, läuft aber in jedem Fall spannender ab als das stupide Hochleveln in Genshin Impact.

Wie steht’s um die Monetarisierung?

Das Maximum aus euren Charakteren holt ihr natürlich nur dann heraus, wenn ihr a) die besten Waffen habt und b) Figuren mehrfach erhaltet – was mich zum Gacha-System führt. Hier ist alles, wie man’s kennt: Für Ziehungen am virtuellen Automaten (was anderes ist das Ganze ja nicht) braucht ihr quasi Lose, die ihr wiederum mit einer von zwei Spielwährungen kaufen müsst. Die eine könnt ihr euch erspielen, die andere für echtes Geld im Shop erwerben.

Wer keine Moneten investieren möchte, muss viele, viele Schatztruhen in der Spielwelt öffnen, Quests abschließen, Erfolge einheimsen, übergreifende, teilweise tägliche Missionen abschließen (Aufgaben wie Akte der Hauptstory abschließen, bestimmte Items einsammeln oder Gegner besiegen) und an Events teilnehmen. Weil für eine Zehnerziehung 3.000 Sternenstücke nötig sind, ihr aber maximal (und das auch eher selten) niedrige dreistellige Summen als Belohnungen erhaltet, könnt ihr euch sicherlich denken, dass es recht lange dauert, bis ihr mal eine große Ziehung ohne Geldeinsatz vornehmen dürft.

Allerdings gilt für The Seven Deadly Sins: Origin das Gleiche wie für andere Gacha-Spiele auch: Um die Story zu spielen und die Welt zu erkunden, braucht ihr nicht die krassesten Helden und Waffen. Wenn ihr nicht unbedingt einen bestimmten Charakter des höchsten Rangs (SSR) haben wollt, der eine Dropchance von unter 1 Prozent hat, gibt es keinen Grund, Geld auszugeben. Ich selbst weiß aber, wie verführerisch so ein Gacha-System sein kann. Daher die obligatorische Warnung: Seid ihr anfällig für Glücksspielmechaniken, lasst die Finger von The Seven Deadly Sins: Origin!

Greift zu, wenn...

… ihr nicht anfällig für Spielautomaten seid und als Fan der Vorlage gerne mal Britannia selbst erkunden möchtet.

Spart es euch, wenn...

… euch Gacha-Systeme anwidern und ihr sowohl spielerischen Anspruch als auch erzählerische Tiefe haben wollt.

Fazit

Jens Bremicker - Portraitvon Jens Bremicker
Eigentlich ein Gacha-Spiel nach Schema F, aber Spaß macht es trotzdem

Eine Manga-/Anime-Lizenz, ein Protagonist, der nicht für den Großteil des Spiels stumm ist, und Helden, die mehr als nur eine Waffengattung und ein Element nutzen können – das sind die Besonderheiten, die The Seven Deadly Sins: Origin von seinen Mitbewerbern angenehm abheben. Abseits dessen ist es aber auch nicht viel mehr als ein Gacha-Spiel nach Standardschema. Kampfsystem und Spielweltdesign sind stark von Genshin Impact abgekupfert und die Monetarisierung ist … Nun ja, sie ist nicht gut, aber man kann sie ignorieren.

Ich kann mit dem Genre (leider?) was anfangen und finde es bemerkenswert, wie viele Spiele dieser Art es mittlerweile gibt, die nicht nur grundlegende Designphilosophien, sondern sogar ganze UI-Elemente dreist von Genshin Impact kopieren. Zugleich schaffen es aber auch die meisten dieser Spiele, mich zu fesseln und das hat auch The Seven Deadly Sins: Origin hinbekommen. Ich habe echt Spaß gehabt, einfach durch die Welt zu laufen (oder zu reiten oder zu fliegen, denn hier gibt es coole Mounts!), die Probleme der Bewohner Britannias zu lösen und einer nett präsentierten, umfangreichen Anime-Story zu folgen, während ich Tausende von Monstern verkloppe.

Lecker, mächtig, fragwürdig: Die 10 verrücktesten Speziel-Gerichte in Genshin Impact

Nichts von alledem ist weltbewegend gut und ich würde Arknights: Endfield definitiv als den hochwertigeren und interessanteren Gacha-Spiel-Release dieses Jahres bezeichnen. Aber wenn ihr all der Verlockungen des virtuellen Spielautomaten widerstehen könnt, auf die Vorlage The Seven Deadly Sins steht und Lust auf ein Open-World-Abenteuer habt mit simplem, aber kurzweiligen Gameplay, probiert das Ding ruhig aus. Kostet ja nichts.

Überblick

Pro

  • großer Umfang
  • nette, effektreiche Kämpfe
  • nette Charakterprogression dank Waffenspezialisierungen
  • es gibt (Flug-)Mounts!

Contra

  • die meisten Kämpfe sind sehr leicht
  • Rätsel viel zu simpel
  • Buch-der-Sterne-Mechanik nicht gut durchdacht
  • Vertonung nur auf Japanisch und Koreanisch
  • ein paar Übersetzungsfehler

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